manchen ganz unleserlichen Seiten bringen wir gegen das Ende der Schrift noch folgendes heraus: -- »vordere Mund, den der Freund so inbrünstig küsste. -- Indessen dehnten und reckten sich die zwei fest umschlungenen Heroen aus über das ganze Land, die Umrisse ihrer Glieder verschwanden, so wie sie selbst, und es blieb an ihrer Stelle nur eine lieblich dämmernde Aufklärung Von da an ist das Manuscript wieder völlig zerfressen und unleserlich.
Es wäre gewiss eine interessante Untersuchung anzustellen, wie dieses kostbare Ueberbleibsel des Alterthums in einen solchen Zustand gekommen, und wir muntern alle unsere jungen Kritikbeflissenen auf, an dieser Untersuchung ihre Kräfte zu üben. Zwar behauptet ein grosser Gelehrter, dessen wir mit hoher Ehrerbietung erwähnen, dass diese Handschrift von den berühmten Blutigeln, welche Friedrich Nicolai von aller Geisteserscheinung auf immer geheilt, so zerfressen worden: eine höchst scharfsinnige Muthmaassung. Jederman aber sieht ein, dass dieselbe ungereimt ist; denn die Blutigel fressen kein Papier.
Indessen gebe ich dem Leser mein Wort, dass ich dieses Capitel aus Handschriften sicher wiederherstellen, und es zu seiner Zeit durch den Druck bekannt machen werde. Ich schlage dafür den Weg der Pränumeration ein. Liebhaber haben die Güte sich im Comptoir der Allgemeinen Literaturzeitung zu melden.
Der erste wahre Autor dieser Lebensbeschreibung im Jahre 1840.
Inhalt Seite Einleitung 4 Erstes Capitel. Höchster Grundsatz, von welchem alle 10 Geistesoperationen unsers Helden ausgegangen sind Zweites Capitel. Wie unser Held zu diesem sonderbaren höchsten 11 Grundsatze gekommen seyn möge Drittes Capitel. Wie im allgemeinen dieser höchste Grundsatz 18 im Leben unsers Helden sich geäussert habe Viertes Capitel. Worauf es, zufolge dieses höchsten 21 Grundsatzes, unserm Helden bei allen seinen Disputen angekommen sey Fünftes Capitel. Wirkliche Disputirmethode unsers Helden, aus 23 diesem höchsten Grundsatze Sechstes Capitel. Eine der allersonderbarsten Meinungen unsers 26 Helden, zufolge jenes höchsten Grundsatzes Siebentes Capitel. Eine andere fast noch unglaublichere 32 Meinung unsers Helden von sich selbst, zufolge jenes höchsten Grundsatzes Achtes Capitel. Sonderbare Begriffe unsers Helden über seine 36 und seiner Gegner gegenseitige Rechte, aus jenem höchsten Grundsatze Neuntes Capitel. Wie unser Held, zufolge seines höchsten 40 Grundsatzes, sich zu nehmen gepflegt, wenn derselbe angefochten worden Zehntes Capitel. Ein Grundzug des Geistescharakters unsers 49 Helden, der aus jenem höchsten Grundsatze natürlich folgte Eilftes Capitel. Ein paar andere Grundzüge, welche aus dem 51 ersten Grundzuge und höchsten Grundsatze unsers Helden erfolgt sind Zwölftes Capitel. Wie es zugegangen, dass unser Held unter 59 allen diesen Umständen dennoch einigen Einfluss auf sein Zeitalter gehabt Beilagen 61 Deducirter Plan einer zu Berlin zu errichtenden höheren Lehranstalt.
Geschrieben im Jahre 1807 von Johann Gottlieb Fichte.
Erste Ausgabe: Stuttgart und Tübingen, in der Cottaschen Buchhandlung. 1817.
Deducirter Plan einer zu Berlin zu errichtenden höheren Lehranstalt, die in gehöriger Verbindung mit einer Akademie der Wissenschaften stehe.
Erster Abschnitt.
Begriff einer durch die Zeitbedürfnisse geforderten höheren Lehranstalt überhaupt.
§. 1.
Als die Universitäten zuerst entstanden, war das wissenschaftliche Gebäude der neueren Welt grossentheils noch erst zu errichten. ^Bücher^ gab es überhaupt nicht viel; die ^wenigen^, die es gab, waren selten, und schwer zu erhalten; und wer etwas Neues mitzutheilen hatte, kam zunächst in Versuchung, es auf dem schwierigeren Wege der Schriftstellerei zu thun. So wurde die ^mündliche Fortpflanzung^ das allgemein brauchbarste Mittel zu der Erbauung, der Aufrechterhaltung und der Bereicherung des wissenschaftlichen Gebäudes, und die Universitäten wurden der Ersatz der nicht vorhandenen oder seltenen Bücher.
§. 2.
Auch nachdem durch Erfindung der Buchdruckerkunst die Bücher höchst gemein worden, und die Ausbreitung des Buchhandels jedwedem es sogar weit leichter gemacht hat, durch Schriften sich mitzutheilen, als durch mündliche Lehrvorträge; nachdem es keinen Zweig der Wissenschaft mehr giebt, über welchen nicht sogar ein Ueberfluss von Büchern vorhanden sey, hält man dennoch noch immer sich für verbunden, durch Universitäten dieses gesammte Buchwesen der Welt ^noch einmal zu setzen^, und ebendasselbe, was schon ^gedruckt^ vor jedermans Augen liegt, auch noch durch Professoren ^recitiren^ zu lassen. Da auf diese Weise dasselbe Eine in zwei verschiedenen Formen vorhanden ist, so ermangelt die Trägheit nicht, sowohl den ^mündlichen^ Unterricht zu versäumen, indem sie ja dasselbe irgend einmal auch aus dem Buche werde lernen können, als den durch ^Bücher^ zu vernachlässigen, indem sie dasselbige ja auch ^hören^ könne, wodurch es denn dahin gekommen, dass, wenige Ausnahmen abgerechnet, gar nichts mehr gelernt worden, als was durch das Ohngefähr auf einem der beiden Wege an uns hängen geblieben, sonach überhaupt nichts im Ganzen, sondern nur abgerissene Bruchstücke; zuletzt hat es sich zugetragen, dass die Wissenschaft, -- als etwas nach Belieben immerfort auf die leichteste Weise an sich zu bringendes, bei der Menge der Halbgelehrten, die auf diese Weise entstanden, in tiefe Verachtung gerathen. Nun ist von den genannten zwei Mitteln der Belehrung das eigene Studiren der Bücher sogar das vorzüglichere, indem das Buch der frei zu richtenden Aufmerksamkeit Stand hält, und das, wobei diese sich zerstreute, noch einmal ^gelesen^, das aber, was man nicht sogleich versteht, bis zum erfolgten Verständnisse hin und her überlegt werden, auch die Lectüre nach Belieben fortgesetzt werden kann, so lange man Kraft fühlt, oder abgebrochen werden, wo diese uns verlässt; dagegen in der Regel der Professor seine Stunde lang seinen Spruch fortredet, ohne zu achten, ob irgend jemand ihm folge, ihn abbricht, da wo die Stunde schlägt, und ihn nicht eher wieder anknüpft, als bis abermals seine Stunde geschlagen. Es wird durch diese Lage des Schülers, in der es ihm unmöglich ist, in den Fluss der Rede seines Lehrers auf irgend eine Weise einzugreifen und ihn nach seinem Bedürfnisse zum Stehen zu bringen, das leidende Hingeben als Regel eingeführt, der Trieb der eigenen Thätigkeit vernichtet, und so dem Jünglinge sogar die Möglichkeit genommen, des zweiten Mittels der Belehrung, der Bücher, mit freithätiger Aufmerksamkeit sich zu bedienen. Und so sind wir denn, um von der Kostspieligkeit dieser Einrichtung für das gemeine und das Privatwesen, und von der dadurch bewirkten Verwilderung der Sitten hier zu schweigen, durch die Beibehaltung des ^Nothmittels^, nachdem die Noth längst aufgehoben, auch noch für den Gebrauch des ^wahren und besseren Mittels^ verdorben worden.
§. 3.
Um nicht ungerecht, zugleich auch oberflächlich zu seyn, müssen wir jedoch hinzusetzen, dass die neueren Universitäten ^mehr^ oder ^weniger^ ausser dieser blossen ^Wiederholung^ des vorhandenen Buchinhalts noch einen anderen edleren Bestandtheil gehabt haben, nemlich das Princip der Verbesserung dieses Buchinhalts. Es gab selbstthätige Geister, welche in irgend einem Fache des Wissens durch den ihnen wohlbekannten Bücherinhalt nicht befriedigt wurden, ohne doch das Befriedigende hierin sogleich bei der Hand zu haben, und es in einem neuen und besseren Buche, als die bisherigen waren, niederlegen zu können. Diese theilten ihr Ringen nach dem Vollkommneren vorläufig mündlich mit, um entweder in dieser Wechselwirkung mit anderen in sich selber bis zu dem beabsichtigten Buche klar zu werden, oder, falls auch sie selbst in diesem Streben von geistiger Kraft oder dem Leben verlassen würden, Stellvertreter hinter sich zu lassen, welche das beabsichtigte Buch, oder auch statt desselben, und aus diesen Prämissen, ein noch besseres hinstellten. Aber selbst in Absicht dieses Bestandtheiles lässt sich nicht läugnen, dass er von jeher der bei weitem kleinere auf allen Universitäten gewesen, dass keine Verwaltung ein Mittel in den Händen gehabt, auch nur überhaupt den Besitz eines solchen Bestandtheiles sich zu garantiren, oder auch nur deutlich zu wissen, ob sie ihn habe, oder nicht, und dass selbst dieser kleine Bestandtheil, wenn er durch gutes Glück irgendwo vorhanden gewesen, selten mit einiger klaren Erkenntniss seines Strebens und der Regeln, nach denen er zu verfahren hätte, gewirkt und gewaltet.
§. 4.
Eine solche zunächst überflüssige, sodann in ihren Folgen auch schädliche Wiederholung desselben, was in einer anderen Form weit besser da ist, soll nun gar nicht existiren; es müssten daher die Universitäten, wenn sie nichts Anderes zu seyn vermöchten, sofort abgeschafft, und die Lehrbedürftigen an das Studium der vorhandenen Schriften gewiesen werden. Auch könnte es diesen Instituten zu keinem Schutze gereichen, dass sie den soeben berührten edleren Bestandtheil für sich anführten, indem in keinem bestimmten Falle (auf keiner gegebenen Universität) dieser edlere Theil Rechenschaft von sich zu geben, noch sein Daseyn zu beweisen, noch die Fortdauer desselben zu garantiren vermag; und sogar, wenn dies nicht so wäre, doch immer der schlechtere Theil, die blosse Wiederholung des Buchwesens, weggeworfen werden müsste. Sowie Alles, was auf das Recht der Existenz Anspruch macht, ^seyn^ und ^leisten^ muss, was ^nichts^ ausser ihm zu seyn und zu leisten vermag, zugleich sein Beharren in diesem seinem Wesen, und seine unvergängliche Fortdauer verbürgend: so muss dies auch die Universität, oder wie wir vorläufig im antiken Sinne des Wortes sagen wollen, die ^Akademie^, oder sie muss vergehen.
§. 5.
Was, im Sinne dieser höheren Anforderung an ihre Existenz, die Akademie seyn könne, und, falls sie seyn soll, seyn müsse, geht sogleich hervor, wenn man die Beziehung der Wissenschaft auf das wirkliche Leben betrachtet.
Man studirt ja nicht, um lebenslänglich und stets dem Examen bereit das Erlernte in Worten wieder von sich zu geben, sondern um dasselbe auf die vorkommenden Fälle des Lebens anzuwenden, und so es in ^Werke^ zu verwandeln; es nicht bloss zu wiederholen, sondern etwas Anderes daraus und damit zu machen: es ist demnach auch hier letzter Zweck keinesweges das Wissen, sondern vielmehr die Kunst, das Wissen zu gebrauchen. Nun setzt diese Kunst der Anwendung der Wissenschaft im Leben noch andere der Akademie fremde Bestandtheile voraus, Kenntniss des Lebens nemlich und Uebung der Beurtheilungsfähigkeit der Fälle der Anwendung, und es ist demnach von ihr zunächst nicht die Rede. Wohl aber gehört hierher die Frage, auf welche Weise man denn die Wissenschaft selbst so zum freien und auf unendliche Weise zu gestaltenden Eigenthume und Werkzeuge erhalte, dass eine fertige Anwendung derselben auf das, freilich auf anderem Wege zu erkennende, Leben möglich werde?
Offenbar geschieht dies nur dadurch, dass man jene Wissenschaft gleich anfangs mit klarem und freiem Bewusstseyn erhalte. Man verstehe uns also. Es macht sich vieles von selbst in unserem Geiste, und legt sich demselben gleichsam an durch einen blinden und uns selber verborgen bleibenden Mechanismus. Was also entstanden, ist nicht mit klarem und freiem Bewusstseyn durchdrungen, es ist auch nicht unser sicheres und stets wieder herbeizurufendes Eigenthum, sondern es kommt wieder oder verschwindet nach den Gesetzen desselben verborgenen Mechanismus, nach welchem es sich erst in uns anlegte. Was wir hingegen mit dem Bewusstseyn, ^dass^ wir es thätig erlernen, und dem Bewusstseyn der ^Regeln^ dieser erlernenden Thätigkeit, auffassen: das wird, zufolge dieser eigenen Thätigkeit und des Bewusstseyns ihrer Regeln, ein eigenthümlicher Bestandtheil unserer Persönlichkeit, und unseres frei und beliebig zu entwickelnden Lebens.
Die freie Thätigkeit des Auffassens heisst Verstand. Bei dem zuerst erwähnten mechanischen Erlernen wird der Verstand gar nicht angewendet, sondern es waltet allein die blinde Natur. Wenn jene Thätigkeit des Verstandes und die bestimmten Weisen, wie dieselbe verfährt, um etwas aufzufassen, ^wiederum zu klarem Bewusstseyn erhoben^ werden, so wird dadurch entstehen eine besonnene Kunst des Verstandesgebrauches im Erlernen. Eine kunstmässige Entwickelung jenes Bewusstseyns der Weise des Erlernens -- im Erlernen irgend eines Gegebenen -- würde somit, unbeschadet des jetzt aufgegebenen Lernens, zunächst nicht auf das Lernen, sondern auf die Bildung des Vermögens zum Lernen ausgehen.
Unbeschadet des jetzt aufgegebenen Lernens, habe ich gesagt, vielmehr zu seinem grossen Vortheile; denn man weiss gründlich und unvergesslich nur das, wovon man weiss, wie man dazu gelangt ist. Sodann wird, indem nicht bloss das zuerst Gegebene gelernt, sondern an ihm zugleich die Kunst des Erlernens überhaupt gelernt und geübt wird, die ^Fertigkeit^ entwickelt, ins Unendliche fort nach Belieben leicht und sicher alles Andere zu lernen; und es entstehen ^Künstler^ im Lernen. Endlich wird dadurch alles Erlernte oder zu Erlernende ein sicheres Eigenthum des Menschen, womit er nach Belieben schalten könne, und es ist somit die erste und ausschliessende Bedingung des praktischen Kunstgebrauches der Wissenschaft im Leben herbeigeführt und erfüllet. Eine Anstalt, in welcher mit Besonnenheit und nach Regeln das beschriebene Bewusstseyn entwickelt, und die dabei beabsichtigte Kunst geübt würde, wäre, was folgende Benennung ausspricht: ^eine Schule der Kunst des wissenschaftlichen Verstandesgebrauches^.
Ohnerachtet auf den bisherigen Universitäten von ohngefähr zuweilen geistreiche Männer aufgetreten, die im Geiste des obigen Begriffes in einem besonderen Fache des Wissens Schüler gezogen, so hat doch sehr viel gefehlt, dass die Realisirung dieses Begriffes im Allgemeinen mit Sicherheit, Festigkeit und nach unfehlbaren Gesetzen auch nur deutlich gedacht und vorgeschlagen, geschweige denn, dass sie irgendwo ausgeführt worden. Dadurch aber ist die Erhaltung und Steigerung der wissenschaftlichen Bildung im Menschengeschlechte dem guten Glücke und blinden Zufalle preisgegeben gewesen, aus dessen Händen sie unter die Aufsicht des klaren Bewusstseyns lediglich durch die Darstellung des erwähnten Begriffes gebracht werden könnte. Und so ist es die Ausführung dieses Begriffes, die in Beziehung auf das wissenschaftliche Wesen in dem Abfluss der Zeit dermalen an der Tagesordnung ist, und die sogar in ihrer Existenz angegriffene Akademie würde wohlthun, diese Ausführung zu übernehmen, da das, was sie bis jetzt gewesen, gar nicht länger das Recht hat, dazuseyn.
§. 6.
Aber sogar dieses Anspruches alleinigen und ausschliessenden Besitz wird etwas Anderes der Akademie streitig machen, die niedere Gelehrtenschule nemlich. Diese, vielleicht selbst erst bei dieser Gelegenheit über ihr wahres Wesen klar geworden, wird anführen, dass sie, bis auf die Zeiten der neueren verseichtenden Pädagogik, weit besser und vorzüglicher eine solche Kunstschule des wissenschaftlichen Verstandesgebrauches gewesen, denn irgend eine Universität. Somit wird die Akademie zuvörderst mit dieser niederen Gelehrtenschule eine Grenzberichtigung treffen müssen.
Diese Grenzberichtigung wird ohne Zweifel zur Zufriedenheit beider Theile dahin zu Stande kommen, dass der niederen Schule die Kunstübung des allgemeinen Instrumentes aller Verständigung, der Sprache, und von dem wissenschaftlichen Gebäude das allgemeine Gerüst und Geripp des vorhandenen Stoffes, ohne Kritik, anheimfalle; dagegen die höhere Gelehrtenschule die Kunst der Kritik, des Sichtens des Wahren vom Falschen, des Nützlichen vom Unnützen, und das Unterordnen des minder Wichtigen unter das Wichtige, zum ausschliessenden Eigenthum erhalte; somit die erste: Kunstschule des wissenschaftlichen Verstandesgebrauches, als blossen Auffassungsvermögens oder Gedächtnisses, die letzte: Kunstschule des Verstandesgebrauches, als Beurtheilungsvermögens, würde.
§. 7.
Kunstfertigkeit kann nur also gebildet werden, dass der Lehrling nach einem bestimmten Plane des Lehrers unter desselben Augen selber arbeite, und die Kunst, in der er Meister werden soll, auf ihren verschiedenen Stufen von ihren ersten Anfängen an bis zur Meisterschaft, ohne Ueberspringen regelmässig fortschreitend, ausübe. Bei unserer Aufgabe ist es die Kunst wissenschaftlichen Verstandesgebrauches, welche geübt werden soll. Der Lehrer giebt nur den Stoff und regt an die Thätigkeit; diesen Stoff bearbeite der Lehrling selbst; der Lehrer muss aber in der Lage bleiben, zusehen zu können, ob und wie der Lehrling diesen Stoff bearbeite, damit er aus dieser Art der Bearbeitung ermesse, auf welcher Stufe der Fertigkeit jener stehe, und auf diese den neuen Stoff, den er geben wird, berechnen könne.
Nicht bloss der Lehrer, sondern auch der Schüler muss fortdauernd sich äussern und mittheilen, so dass ihr gegenseitiges Lehrverhältniss werde eine fortlaufende Unterredung, in welcher jedes Wort des Lehrers sey Beantwortung einer durch das unmittelbar Vorhergegangene aufgeworfenen Frage des Lehrlings, und Vorlegung einer neuen Frage des Lehrers an diesen, die er durch seine nächstfolgende Aeusserung beantworte; und so der Lehrer seine Rede nicht richte an ein ihm völlig unbekanntes Subject, sondern an ein solches, das sich ihm immerfort bis zur völligen Durchschauung enthüllt; dass er wahrnehme dessen unmittelbares Bedürfniss, verweilend und in anderen und wieder anderen Formen sich aussprechend, wo der Lehrling ihn nicht gefasst hat, ohne Verzug zum nächsten Gliede schreitend, wenn dieser ihn gefasst hat; wodurch denn der wissenschaftliche Unterricht aus der Form einfach fortfliessender Rede, die er im Buchwesen auch hat, sich verwandelt in die dialogische Form, und eine wahrhafte Akademie im Sinne der Sokratischen Schule, an welche zu erinnern wir gerade dieses Wortes uns bedienen wollten, errichtet werde.
§. 8.
Der Lehrer muss ein ihm immer bekannt bleibendes festes und bestimmtes Subject im Auge behalten, sagten wir. Falls nun, wie zu erwarten, dieses Subject nicht zugleich auch aus Einem Individuum, sondern aus mehreren bestände, so müssen, da das Subject des Lehrers Eins und ein bestimmtes seyn muss, diese Individuen selber zu einer geistigen Einheit und zu einem bestimmten organischen Lehrlingskörper zusammenschmelzen. Sie müssen darum auch unter sich in fortgesetzter Mittheilung und in einem wissenschaftlichen Wechselleben verbleiben, in welchem jeder allen die Wissenschaft von derjenigen Seite zeige, von welcher er, als Individuum, sie erfasst, der leichtere Kopf dem schwerfälligeren etwas von seiner Schnelligkeit, und der letzte dem ersten etwas von seiner ruhigen Schwerkraft abtrete.
§. 9.
Um unsern Grundbegriff durch weitere Auseinandersetzung noch anschaulicher zu machen: -- Der Stoff, welchen der Meister dem Zöglinge seiner Kunst giebt, sind theils seine eigenen Lehrvorträge, theils gedruckte Bücher, deren geordnetes und kunstmässiges Studium er ihm aufgiebt; indem in Absicht des letzteren es ja ein Haupttheil der wissenschaftlichen Kunst ist, durch den Gebrauch von Büchern sich belehren zu können, und es sonach eine Anführung auch zu dieser Kunst geben muss; sodann aber auf einer solchen Akademie der bei weitem grösste Theil des wissenschaftlichen Stoffes aus Büchern wird erlernt werden müssen, wie dies an seinem Orte sich finden wird.
Die Weisen aber, wie der Meister seinem Lehrlinge sich enthüllt, sind folgende: ^Examina^, nicht jedoch im Geiste des Wissens, sondern in dem der Kunst.
In diesem letztern Geiste ist jede Frage des Examinators, wodurch das Wiedergeben dessen, was der Lehrling gehört oder gelesen hat, als Antwort begehrt wird, ungeschickt und zweckwidrig. Vielmehr muss die Frage das Erlernte zur Prämisse machen, und eine Anwendung dieser Prämisse in irgend einer Folgerung als Antwort begehren.
^Conversatoria^, in denen der Lehrling fragt, und der Meister zurückfragt über die Frage, und so ein expresser Sokratischer Dialog entstehe, innerhalb des unsichtbar immer fortgehenden Dialogs des ganzen akademischen Lebens.
^Durch schriftliche Ausarbeitungen zu lösende _Aufgaben_ an den Lehrling^, immer im Geiste der Kunst, und also, dass nicht das Gelernte wiedergegeben, sondern etwas Anderes damit und daraus gemacht werden solle, also, dass erhelle, ob und inwieweit der Lehrling jenes zu seinem Eigenthum und zu seinem Werkzeuge für allerlei Gebrauch bekommen habe.
Der natürliche Erfinder solcher Aufgaben ist zwar der Meister; es soll aber auch der geübtere Lehrling aufgefordert werden, dergleichen sich auszusinnen, und sie für sich oder für andere in Vorschlag zu bringen.
-- Es wird durch diese schriftlichen Ausarbeitungen zugleich die Kunst des schriftlichen Vortrages eines wissenschaftlichen Stoffes geübt, und es soll darum der Meister in der Beurtheilung auch über die Ordnung, die Bestimmtheit und die sinnliche Klarheit der Darstellung sich äussern.[25] §. 10.
Vom Lehrlinge einer solchen Anstalt.
Die äussern Bedingungen, wodurch derselbe theils zu Stande kommt, theils in seinem Zustande verharrt, sind die folgenden: 1) ^Gehörige Vorbereitung auf der niederen Gelehrtenschule für die höhere.^ Welche Leistungen für die Bildung des Kopfs zur Wissenschaft der niederen Schule anzumuthen sind, haben wir schon oben (§. 6.)
ersehen. Dies muss nun, wenn die höhere Schule mit sicherm Schritt einhergehen soll, von der niedern nicht wie bisher, wie gutes Glück und Ohngefähr es geben, sondern nach einem festen Plane, und so, dass man immer wisse, was gelungen sey und was nicht, geschehen. Die Verbesserung der höheren Lehranstalten setzt sonach die der niedern nothwendig voraus, wiewohl wiederum auch umgekehrt eine gründliche Verbesserung der letzten nur durch die Verbesserung der ersten, und indem auf ihnen die Lehrer der niedern Schule die ihnen jetzt grossentheils abgehende Kunst des Lehrens erlernen, möglich wird; dass daher schon hier erhellet, dass wir nicht mit Einem Schlage das Vollkommene werden hinstellen können, sondern uns demselben nur allmählig und in mancherlei Vorschritten werden annähern müssen.
[Fußnote 25: Es dürfte vielleicht nicht überflüssig seyn, der Erwähnung solcher Aufgaben noch ausdrücklich die Bemerkung hinzuzufügen, dass nicht bloss in dem apriorischen Theile der Wissenschaft, sondern auch in ganz empirischen Scienzen solche, die Selbstthätigkeit des Auffassens erkundende, Aufgaben möglich seyen. In der Philologie, der Theologie u.
s. w. ist ja wohlbekannt, dass diese Fächer der eignen Combinationsgabe und Conjecturalkritik ein fast unermessliches Feld darbieten, wobei, gesetzt auch die Ausbeute wäre nicht von Bedeutung, dennoch die Selbstthätigkeit des Geistes geübt und documentirt wird. Aber auch der Lehrer der Universalgeschichte könnte, meines Erachtens, ein nicht wirklich eingetretenes Ereigniss fingiren, mit der Aufgabe an sein Auditorium, zu zeigen, was bei diesem oder diesem von ihnen erlernten Zustande der Welt daraus am wahrscheinlichsten erfolgt seyn würde; oder der des römischen Rechts irgend einen Fall, mit der Aufgabe an sein Auditorium, das aus dem Ganzen der römischen Gesetzgebung hervorgehende, und in dasselbe organisch einpassende Gesetz für diesen Fall anzugeben.
Es würde aus dem Versuche der Lösung dieser Aufgaben ohne Zweifel klar hervorgehen, zuvörderst, ob seine Zuhörer die Geschichte oder das römische Recht wirklich wüssten, sodann, ob und inwieweit sie diese Scienzen in ihrem Geiste durchdrungen, oder dieselben nur mechanisch auswendig gelernt hätten.]
Zur Verbreitung höherer Klarheit über unsern Grundbegriff füge ich hier noch folgendes hinzu. Dass der für ein wissenschaftliches Leben bestimmte Jüngling zuvörderst mit dem allgemeinen Sprachschatze der wissenschaftlichen Welt, als dem Werkzeuge, vermittelst dessen allein er, so zu verstehen, wie sich verständlich zu machen vermag, vertraut werden müsse, ist unmittelbar klar. Diese positive Kenntniss der Sprache aber, so unentbehrlich sie auch ist, erscheint als leichte Zugabe, wenn wir bedenken, dass besonders durch Erlernung der Sprachen einer andern Welt, welche die Merkmale ganz anders zu Wortbegriffen gestaltet, der Jüngling über den Mechanismus, womit die angeborne moderne Sprache, gleichsam als ob es nicht anders seyn könnte, ihn fesselt, unvermerkt hinweggehoben, und im leichten Spiele zur Freiheit der Begriffebildung angeführt wird; ferner, dass beim Interpretiren der Schriftsteller er an dem leichtesten und schon fertig ihm hingelegten Stoffe lernt, seine Betrachtung willkürlich zu bewegen, dahin und dorthin zu richten für einen ihm bekannten Zweck, und nicht eher abzulassen in dieser Arbeit, als bis der Zweck erreicht dastehe. Es wird nun, um dieses Verhältnisses willen der ^niedern^ Kunst des wissenschaftlichen Verstandesgebrauches zu der ^höhern^, nothwendig seyn, dass die Schule in ihrem Sprachunterrichte also verfahre, dass nicht bloss der erste Zweck der historischen Sprachkenntniss, sondern zugleich auch der letzte der Verstandesbildung an ihr sicher, allgemein und für klare Documentation ausreichend erfüllt werde; dass z. B. der Schüler auf jeder Stufe des Unterrichts verstehen lerne, was er verstehen soll, vollkommen und bis zum Ende, und wissen lerne, ^ob^ er also verstanden, und den Beweis davon führen lerne; keinesweges aber, wie es bisher so oft geschehen, hierüber vom guten Glücke abhänge, und im Dunkeln tappe, indem sehr oft sein Lehrer selbst keinen rechten Begriff vom Verstehen überhaupt hat, und gar nicht weiss, welche Fragen alle müssen beantwortet werden können, wenn man sagen will, man habe z. B. eine Stelle eines Autors verstanden.
Betreffend das Grundgerüst des vorhandenen wissenschaftlichen Stoffes, als das zweite Stück der nöthigen Vorbereitung, die der Schule zukommt, mache ich durch folgende Wendung mich klarer. Man hat wohl, um den Forderungen einer solchen geistigen Kunstbildung, wie sie auch in diesem Aufsatze gemacht werden, auszuweichen, die Bemerkung gemacht: eine solche besonnene Ausbildung der Geistesvermögen sey wohl bei den alten klassischen Völkern möglich gewesen, weil das sehr beschränkte Feld der positiven Kenntnisse, die sie zu erlernen gehabt, ihnen Zeit genug übriggelassen hätte; dagegen unsere Zeit und Vermögen durch das unermessliche Gebiet des zu Erlernenden gänzlich aufgezehrt werde, und für keine anderen Zwecke uns ein Theil derselben übrigbleibe. Als ob nicht vielmehr gerade darum, weil wir mit ihm weit mehr zu leisten haben, eine kunstmässige Ausbildung des Vermögens um so nöthiger würde, und wir nicht um so mehr auf Fertigkeit und Gewandtheit im Lernen bedacht seyn müssten, da wir eine so grosse Aufgabe des Lernens vor uns haben. In der That kommt jenes Erschrecken vor der Unermesslichkeit unsers wissenschaftlichen Stoffes daher, dass man ihn ohne einen ordnenden Geist und ohne eine mit Besonnenheit geübte Gedächtnisskunst, deren Hauptmittel jener ordnende Geist ist, erfasset; vielmehr blind sich hineinstürzt in das Chaos, und ohne Leitfaden in das Labyrinth, und so im Herumirren bei jedem Schritte Zeit verliert; also, dass die wenigen, welche in diesem ungeheuren Oceane, vom Versinken gerettet, noch oben schwimmen, beim Rückblicke auf ihren Weg erschrecken vor der eigenen Arbeit und dem gehabten Glücke, und, die noch immer vorhandenen Lücken in ihrem Wissen entdeckend, glauben, es habe ihnen nichts weiter gemangelt, denn ^Zeit^, -- da doch die ordnende Kunst, die sie nicht kennen, indem sie keinen Schritt vergebens thut, die Zeit ins Unendliche vervielfältigt und eine kurze Spanne von Menschenleben ausdehnt zu einer Ewigkeit. Wenn schon die erste Schule für den Anfänger nicht länger das fähige Gedächtniss des einen Knaben für einen glücklichen Zufall, das langsamere eines andern für ein unabwendbares Naturunglück halten, sondern lernen wird, das Gedächtniss sowohl überhaupt, als in seinen besonderen, für besondere Zweige passenden, Fertigkeiten kunstmässig zu entwickeln und zu bilden; wenn sie diesem Gedächtnisse erst ein ganz ins Kurze und Kleine gezogenes, aber lebendiges und klares Bild des Ganzen eines bestimmten wissenschaftlichen Stoffes (z. B. für die Geschichte ein allgemeines Bild der Umwandlungen im Menschengeschlechte durch die Hauptbegebenheiten der herrschenden Völker, neben einem Bilde von der allgemeinen Gestalt der Oberfläche des Erdbodens, als dem Schauplatze jener Umwandlungen 1) hingeben, und unaustilgbar fest in die innere Anschauung einprägen wird; sodann diese Bilder Tag für Tag wieder hervorrufen lassen, und sie allmählig, aber verhältnissmässig nach allen ihren Theilen, nach einer gewissen Regel der nothwendigen Folge der ^Gesichtspuncte^, und so, dass kein einzelner zum Schaden der übrigen ungebührlich anwachse, vergrössern wird: so wird jenes Entsetzen vor der Unermesslichkeit gänzlich verschwinden, und die also gebildeten Köpfe werden leicht und sicher alles, was ihnen vorkommt, auf jene mit ihrer Persönlichkeit verwachsenen Grundbilder, jedes an seiner Stelle auftragen, nicht auf ein unbekanntes Weltmeer versprengt, sondern in ihrer väterlichen Wohnung die ihnen wohlbekannten Kammern mit Schätzen ausfüllend, die sie nach jedesmaligem Bedürfnisse wieder da hinwegnehmen können, wo sie dieselben vorher hingestellt.
Somit fällt die Vorbereitung, welche der Lehrling einer höhern Kunstschule auf der niedern erhalten haben muss, die Rechenschaft, die er vor der Aufnahme von seiner Tüchtigkeit zu geben hat, und die Vollkommenheit, bis zu welcher die niedere Schule verbessert werden muss, zu folgenden zwei Stücken zusammen. Zuvörderst muss der Adspirant eine seinen Fähigkeiten angemessene, ihm vorgelegte Stelle eines Autors in gegebener Zeit gründlich verstehen lernen, und den Beweis führen können, dass er sie recht verstehe, indem sie gar nicht anders verstanden werden könne. Sodann muss er zeigen, dass er ein allgemeines Bild des gesammten wissenschaftlichen Stoffes, erhoben und bereichert bis zu derjenigen Potenz des Gesichtspunctes, an welche die höhere Schule ihren Unterricht anknüpft, in freier Gewalt und zu beliebigem Gebrauche als sein Eigenthum besitze.
2) ^Aufgehen seines gesammten Lebens in seinem Zwecke, darum Absonderung desselben von aller andern Lebensweise, und vollkommene Isolirung.^ Der Sohn eines Bürgers, welcher ein bürgerliches Gewerbe treibt, besucht vielleicht auch des Tages mehrere Stunden eine gute Bürgerschule, worin mancherlei gelehrt wird, das die gelehrte Schule gleichfalls vorträgt.
Dennoch ist die Schule nicht der Sitz seines wahren, eigentlichen Lebens, und er ist nicht daselbst zu Hause, sondern sein wahres Leben ist sein Familienleben, und der Beistand, den er seinen Eltern in ihrem Gewerbe leistet; die Schule aber ist Nebensache und blosses Mittel für den bessern Fortgang des bürgerlichen Gewerbes, als den eigentlichen Zweck. Dem Gelehrten aber muss die Wissenschaft nicht Mittel für irgend einen Zweck, sondern sie muss ihm selbst Zweck werden; er wird einst, als vollendeter Gelehrter, in welcher Weise er auch künftig seine wissenschaftliche Bildung im Leben anwende, in jedem Falle allein in der Idee die Wurzel seines Lebens haben, und nur von ihr aus die Wirklichkeit erblicken, und nach ihr sie gestalten und fügen, keinesweges aber zugeben, dass die Idee nach der Wirklichkeit sich füge; und er kann nicht zu früh in dieses sein eigenthümliches Element sich hineinleben und das widerwärtige Element abstossen.
Es ist eine bekannte Bemerkung, dass bisher auf Universitäten, die in einer kleinern Stadt errichtet waren, bei einigem Talente der Lehrer, sehr leicht ein allgemeiner wissenschaftlicher Geist und Ton unter den Studirenden sich erzeugt habe, was in grössern Städten selten oder niemals also gelungen. Sollten wir davon den Grund angeben, so würden wir sagen, dass es deswegen also erfolge, weil in dem ersten Falle die Studirenden auf den Umgang unter sich selber, und den Stoff, den dieser zu gewähren vermag, eingeschränkt werden; dagegen sie im zweiten Falle immerfort verfliessen in die allgemeine Masse des Bürgerthums, und zerstreut werden über den gesammten Stoff, den dieses liefert, und so das Studiren ihnen niemals zum eigentlichen Leben, ausser welchem man ein anderes gar nicht an sich zu bringen vermag, sondern wo es noch am besten ist, zu einer Berufspflicht wird. Jener bekannte Einwurf gegen grosse Universitätsstädte, dass in ihnen die Studirenden von einem Hörsaale zum andern weit zu gehen hätten, möchte sonach nicht der tiefste seyn, den man vorbringen könnte, und er möchte sich eher beseitigen lassen, als das höhere Uebel der Verschmelzung des studirenden Theiles des gemeinen Wesens mit der allgemeinen Masse des gewerbtreibenden oder dumpfgeniessenden Bürgerthumes; indem, ganz davon abgesehen, dass bei einem solchen nur als Nebensache getriebenen Studiren wenig oder nichts gelernt wird, auf diese Weise die ganze Welt verbürgern, und eine über die Wirklichkeit hinausliegende Ansicht der Wirklichkeit, bei welcher allein die Menschheit Heilung finden kann gegen jedes ihrer Uebel, ausgetilgt werden würde in dem Menschengeschlechte; und mehr als jemals würde hierauf Rücksicht zu nehmen seyn in einem solchen Zeitalter, welches in dringendem Verdachte einer beinahe allgemeinen Verbürgerung steht.
3) ^Sicherung vor jeder Sorge um das Aeussere, vermittelst einer angemessenen Unterhaltung fürs Gegenwärtige, und Garantie einer gehörigen Versorgung in der Zukunft.^ Dass das Detail der kleinen Sorgfältigkeiten um die täglichen Bedürfnisse des Lebens zum Studiren nicht passt; dass Nahrungssorgen den Geist niederdrücken; Nebenarbeiten ums Brot die Thätigkeit zerstreuen, und die Wissenschaft als einen Broterwerb hinstellen; Zurücksetzung von Begüterten Dürftigkeits halber, oder die Demuth, der man sich unterzieht, um jener Zurücksetzung auszuweichen, den Charakter herabwürdigen: dieses alles ist, wenn auch nicht allenthalben sattsam erwogen, denn doch ziemlich allgemein zugestanden. Aber man kann von demselben Gegenstande auch noch eine tiefere Ansicht nehmen. Es wird nemlich ohnedies gar bald sehr klar die Nothwendigkeit sich zeigen, dass im Staate, und besonders bei den höheren Dienern desselben, recht fest einwurzele die Denkart, nach