64 kämpfers pflegt daher besonders leicht in eine gan^ gewöhnliche Pfründnerschicht zu entarten.
Wer Politik überhaupt und wer vollends Politik als Beruf betreiben will, hat sich jener ethischen Paradoxien und seiner Verantwortung für das, was aus ihm selbst unter ihrem Druck werden kann, bewußt zn sein. Er läßt sich, ich wiederhole es, mit den diabolischen Mächten ein, die in jeder Gewaltsamkeit lauern. Die großen Virtuosen der akosmistischen Menschenhebe und Güte, mochten sie aus Na^areth oder aus Assisi oder aus indischen Königsschlössern stammen, haben nicht mit dem politischen Mittel: der Gewalt, gearbeitet, ihr Reich war „nicht von dieser Welt", und doch wirkten und wirken sie in dieser Welt, und die Figuren des Piaton Karatajew und der Dostejewskischen Heiligen sind immer noch ihre adäquatesten Nachkonstruktionen. Wer das Heil seiner Seele und die Rettung anderer Seelen sucht, der sucht da s nicht auf dem Wege der Politik, die ganz andere Aufgaben hat: solche, die nur mit Gewalt zu lösen sind. Der Genius, oder Dämon der Politik lebt mit dem Gott der Liebe, auch mit dem Christen- gott in seiner kirchlichen Ausprägung, in einer inneren Spannung, die jederzeit in unaustragbarem Konflikt ausbrechen kann. Das wußten die Menschen auch in den Zeiten der Kirchenherrschaft. Wieder und wieder lag das Interdikt — und das bedeutete damals eine für die Menschen und ihr Seelenheil weit massivere Macht als die (mit Fichte zu reden) „kalte Billigung** des kantianischen ethischen Urteils — auf Florenz, die Bürger aber fochten gegen den Kirchenstaat. Und mit Bezug auf solche Situationen läßt Macchiavelli in einer schönen Stelle, irre ich nicht: der Floren- tiner Geschichten, einen seiner Helden jene Bürger preisen, denen die Größe der Vaterstadt höher stand als das Heil ihrer Seele.
Wenn Sie statt Vaterstadt oder „Vaterland**, was ja zurzeit nicht jedem ein eindeutiger Wert sein mag, sagen: „die Zukunft des Soziahsmus'* oder auch der „internationalen Befriedung**, — dann haben Sie das Problem in der Art, wie es jetzt liegt. Denn das alles, erstrebt durch politisches Handeln, welches mit gewalt- samen Mitteln und auf dem Wege der Verantwortungsethik ar- beitet, gefährdet das „Heil der Seele". Wenn ihm aber mit reiner Gesinnungsethik im Glaubenskampf nachgejagt wird, dann kann 65 65 es Schaden leiden und diskrediert werden auf Generationen hinaus, weil die Verantwortung für die Folgen fehlt. Denn dann bleiben dem Handelnden jene diabolischen Mächte, die im Spiel sind, unbewußt. Sie sind unerbittlich und schaffen Konsequenzen für sein Handeln, auch für ihn selbst innerlich, denen er hilflos preis- gegeben ist, wenn er sie nicht sieht. „Der Teufel, der ist alt." Und nicht die Jahre, nicht das Lebensalter ist bei dem Satz gemeint: „so werdet alt, ihn zn verstehen''. Mit dem Datum des Geburts- scheines bei Diskussionen überstochen zu werden, habe auch ich mir nie gefallen lassen; aber die bloße Tatsache, daß einer 20 Jahre zählt und ich über 50 bin, kann mich schließlich auch nicht ver- anlassen, zu meinen, das allein wäre eine Leistung, vor der ich in Ehrfurcht ersterbe. Nicht das Alter macht es. Aber allerdings: die geschulte Rücksichtslosigkeit des Blickes in die Realitäten des Lebens, und die Fähigkeit, sie zu ertragen und ihnen innerlich gewachsen zu sein.
Wahrlich: Politik wird zwar mit dem Kopf, aber ganz gewiß nicht nur mit dem Kopf gemacht. Darin haben die Gesinnungs- ethiker durchaus recht. Ob man aber als Gesinnungsethiker oder als Verantwortungsethiker handeln soll, und wann das eine und das andere, darüber kann man niemandem Vorschriften machen. Nur eins kann man sagen: wenn jetzt in diesen Zeiten einer, wie Sie glauben, nicht „sterilen'' Aufgeregtheit — aber Aufgeregtheit ist eben doch und durchaus nicht immer echte Leidenschaft —, wenn da plötzlich die Gesinnungspolitiker massenhaft in das Kraut schießen mit der Parole: „die Welt ist dumm und gemein, nicht ich, die Verantwortung für die Folgen trifft nicht mich, sondern die andern, in deren Dienst ich arbeite, und deren Dumm- heit oder Gemeinheit ich ausrotten werde", so sage ich offen: daß ich zunächst einmal nach dem Maße des inneren Schwer- gewichts frage, was hinter dieser Gesinnungsethik steht, und den Eindruck habe: daß ich es in neun von zehn Fällen mit Wind- beuteln zu tun habe, die nicht real fühlen, was sie auf sich nehmen, sondern sich an romantischen Sensationen berauschen. Das inter- essiert mich menschlich nicht sehr und erschüttert mich ganz und gar nicht. Während es unermeßlich erschütternd ist, wenn ein reifer Mensch — einerlei ob jung oder alt an Jahren —, der diese Weber, Politik als Beruf. -> \ 66 Verantwortung für die Folgen real und mit voller Seele empfindet und verantwortungsethisch handelt, an irgendeinem Punkte sagt: „ich kann nicht anders, hier stehe ich''. Das ist etwas, was mensch- lich echt ist und ergreift. Denn diese Lage muß freilich für jeden von uns, der nicht innerlich tot ist, irgendwann eintreten können. Insofern sind Gesinnungsethik und Verantwortungsethik nicht absolute Gegensäti^e, sondern Ergänzungen, die zusammen erst den echten Menschen ausmachen, den, der den „Beruf zur Politik^* haben kann.
Und nun, verehrte Anwesende, wollen wir uns nach zehn Jahren über diesen Punkt einmal wieder sprechen. Wenn dann, wie ich leider befürchten muß, aus einer ganzen Reihe von Grün- den, die Zeit der Reaktion längst hereingebrochen und von dem, was gewiß viele von Ihnen und, wie ich offen gestehe, auch ich gewünscht und gehofft haben, wenig, vielleicht nicht gerade nichts, aber wenigstens dem Scheine nach wenig in Erfüllung gegangen ist — das ist sehr wahrscheinlich, es wird mich nicht zerbrechen, aber es ist freilich eine innerliche Belastung, das zu wissen —, dann wünschte ich wohl zu sehen, was aus denjenigen von Ihnen, die jetzt sich als echte „Gesinnungspolitiker'' fühlen und an dem Rausch teilnehmen, den diese Revolution bedeutet, — was aus denen im inneren Sinne des Wortes „geworden" ist. Es wäre ja schön, wenn die Sache so wäre, daß dann Shakespeares 102. So- nett gelten würde: Damals war Lenz und unsere Liebe grün. Da grüßt' ich täglich sie mit meinem Sang, So schlägt die Nachtigall in Sommers Blühn — Und schweigt den Ton in reifrer Tage Gang.
Aber so ist die Sache nicht. Nicht das Blühen des Sommers liegt vor uns, sondern zunächst eine Polarnacht von eisiger Finster- nis und Härte, mag äußerlich jetzt siegen welche Gruppe auch immer. Denn: wo nichts ist, da hat nicht nur der Kaiser, sondern auch der Proletarier sein Recht verloren. Wenn diese Nacht lang- sam weichen wird, wer wird dann von denen noch leben, deren Lenz jetzt scheinbar so üppig geblüht hat? Und was wird aus Ihnen allen dann innerlich geworden sein? Verbitterung oder Banausentum, einfaches stumpfes Hinnehmen der Welt und des 67 67 Berufes oder, das dritte und nicht seltenste: mystische Weltflucht bei denen, welche die Gabe dafür haben, oder — oft und übel — sie als Mode sich anquälen? In jedem solchen Fall werde ich die Konsequenz ziehen: die sind ihrem eigenen Tun nicht gewachsen gewesen, nicht gewachsen auch der Welt, so wie sie wirklich ist, und ihrem Alltag: sie haben den Beruf zur Politik, den sie für sich in sich glaubten, objektiv und tatsächlich im innerlichsten Sinn nicht gehabt« Sie hätten besser getan, die Brüderlichkeit schlicht und einfach von Mensch zu Mensch zu pflegen und im übrigen rein sachlich an ihres Tages Arbeit zu wirken.
Die Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich. Es ist ja durch- aus richtig, und alle geschichtliche Erfahrung bestätigt es, daß man das Mögliche nicht erreichte, wenn nicht immer wieder in der Welt nach dem Unmöglichen gegriffen worden wäre. Aber der, der das tun kann, muß ein Führer und nicht nur das, sondern auch — in einem sehr schlichten Wortsinn — ein Held sein. Und auch die, welche beides nicht sind, müssen sich wappnen mit jener Festigkeit des Herzens, die auch dem Scheitern aller Hoff- nungen gewachsen ist, jetzt schon, sonst werden sie nicht imstande sein, auch nur durchzusetzen, was heute möglich ist. Nur wer sicher ist, daß er daran nicht zerbricht, wenn die Welt, von seinem Standpunkt aus gesehen, zu dumm oder zu gemein ist für das, was er ihr bieten will, daß er all dem gegenüber: „dennoch!'* zu sagen vermag, nur der hat den „Beruf* zur Politik.
ANZEIGEN DES VERLAGES DUNCKER& HUMBLOT MÜNCHEN i)r\cKEi{ cc uvmwT, München, theiiesienhohe 3c iiiiiiiiiiiiiniiiiuuiiiiiiniHiiiiniiMiuniiiiHniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinMiiiuiiiiriiMniiniiniiiiMiiiHiiiiiiniiniiiiMiiMiiMinniiiMiiMiiiiinn WERKE VON MAX WEBER l¥irtschaftsgeschiclite Grundriß der univoisalen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Herausgegeben von S. HELLMANN und Dr. M. PALYl Professor der Geschichte in Leipzig Dozent an der Handelshochschule Berlin 2. Auflage. 8". XII, 352 S. 1924. Gebunden 12 M., broschiert 9 M.
Die Bedeutung dieses neuen letzten Werkes von Max Weber — einer Vorlesung im Wintersemester 1919/20 — liegt nicht im Detail der Forschungsergebnisse, sondern in der Kühnheit der Konzeption und der Sprache. Eine nach den Hauptgebieten des Wirtschaftslebens geordnete Typologie der Wirtschaftsgeschichte wird in souve- räner Gedankenführung gegeben und mündet ein in die Darstellung der Vorbereitung und Entfaltung des modernen Kapitalismus. Es ist bewundernsvs^ert, in welcher gedrungenen genialen Art die verzweigten Resultate der Forschung in den Dienst dieses Gedankens gezwungen werden. Von Max Weber, „einem der mächtigsten deutschen Menschen und der umfassend- sten, zugleich methodisch strengsten Gelehrten des Zeitalters" (Troeltsch), liegt hier «nne großartige „Improvisation", das letzte Kolleg, vor. Der strengste Kritilcer — Georg V. Below — hat dazu bemerkt, „daß es kaum nachgelassene Vorlesungen gibt, die so gründlich ihren Stoff erfassen u. einen solchen Reichtum der Gedanken bieten."
Vom (jleichen Verfasser: l¥issenschart als Berur Parlament und Regierung^ im neugeordneten Deutsehland Zur politischen Kritik des Beamtentums und Parteiwesens. 1918. XU, 182 S. Gr.-80. Vergriifen Hauptprobleme der Soziologie Erinnerungsgabe für Max Weber Mit anderen herausgegeben von Melchior Palyi I n halt: Einführung. Max Weber als Nationalökonom U.Politiker. Von G.v.Schulzo- Gaevernitz — I. Geschichte u. Methodenlehre: Die Anfänge der Soziologie. Von W. Sombart. / Sind historische Gesetze möglich? Von F. Eulenburg. / Der Aufbau der Soziologie. Von H. Kantorowicz. / Freiheit vom Worte. Über das Verhältnis einer Allwirtschaftslehre zur Soziologie. Von F.v.Gottl-Ottlilienfeld.— II. Natürliche und individualpsychologische Grundlagen des Gesellschaftslebens: Die Selbst- biographie als Quelle historischer Erkenntnis. Von H.W. Gruhle. / Die nationale Grenze vom soziologischen Standpunkte. Von L.M. Hartmann. — III. Grundkate- gorien und Elementarformen der Vergesellschaftung: Über einige soziologische Grundfragen. Von Eberhard Gothein. / Zweck und Mittel im sozialen Leben. Von F. Tönnies. / Die Gestaltung der Wirtschaftsentwicklung aus ihren Anfängen. Von R. Thnrnwald. — IV. Soziologie der Spruche: Sprache und Gesollschaft. Von L.Jordan./ Die Grenzen derSprachsoziologie.Von K. Vossler.— V. Strukturprobleme des modernen Staates: Soziologie des Souveränitätsbegriffes u. politische liieologie. Von C. Schmitt. / Der Begriff der modernen Demokratie in seinem Verhältnis zum StaatsbegrilT. Von R.Thoma. /Staatswissen«chaft und Soziologie. Von C.Brinkmann.
Zur Soziologie der parlamentarischen Repräsentation in England vor der ersten Jteformbill. Von K. Löwenstein. / Die Wege zur Eroberung des demokratischen Staates durcli die Wirtschaftsleiter. Von K.Landauer.— VI. Soziologieder Religion, <ler Künste \ind Wissenschafton: Aufgaben einer Kultursoziologie. Von E. Lederer. Zur Soziologie der mittelalterlichen Scholastik Von P. Honigsheim. / Religion und Wirtschaft in China. Von A. v. Rosthorn. - VII. Klassen und Stände: Das Wesen der sozialen KIhhho. Von P. Mombert. / Der soziale (behalt von Goethes Roman -Wilhelm Meisters Lehrjahre^ Von W. Wittich. — VIII. Wirtschaftsgeschichte und Wirtschaftspolitik: Wandlungen im deutschen Wirtschaftsleben und Wan<ilungen in der deutschen Wirtschaftswissenschaft seit Bismarcks Hücktritf. Von W.Lotz. / Zur sCJddeutschen Agrarentwicklung. Von H.Sievoking. / Das Wesen der Inllation. Ein Versucih von M. Palyi.
mmCKER & HUMBLOT, MÜNCHEN, WEIiESIE^UÖlU::ir ••■ >■■" IIIXIIII Illllinillllllllltllllllllllillllltlllllllllllllllllllllll IKIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIMIIIIIIIIII ^92G/27 orsciloint in 2 Ilalbliändon als DlilTTEh UAUPrnAND VON SOMnART, DER MODERNE KAniTAElSMUS WERNEIl SOMByVKT DasWirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus 2 Halbbände zu je etwa bOO Seilen, jeder Halbband etwa ^ 8 Mark DIE 54 KAPITEL DES WERKES A. Die Grundlagen a) Die treibenden Kräfte: I. Die Bedeutung des kapitalistiscben Unternehmens — 2. Die neuen Filbrer — 5. Die Entfaltung der wirtschaftliclien Knergie — b) Der Staat: \. Das Wesen des modernen Staates - 5. Die innere WirlscliaPtspolitik - G. Die äußereWirtscIiafts- politik ■ — c) Die Technik: 7. Der neue Geist — 8. Der ncueWeg — 9. Die ükonomisclu; Bedeutung der modernen Technik B. Der Aufbau aj Das Kapital (Tiicorie — Geldkapital — Sachkapital): ^0. Begriff und Wesen des Kapitals — H. Die Arten dos Kapitals — ^2. Die Verwertung des Kapitals \ 3. Die Entstehung des Geldkapitals im allgemeinen — -1 '«.Der Kredit und seine Entwicklung — 15. Die Bedeutung des Kredits für die kapitalistische Wirtschaft — id. Grundsätzliches über das Sachkapital — i7. Die Entfaltung der Produktion — -18. Die Mobilisierung der Güterwelt — b) Die Arbeitskräfte (Typologie der Bevölkerungstheorien — Beschaffung der Arbeitsmasse — Anpassung der Bevölkerungsmassen an die Bedurfnisse dos Kapita- lismus): ^9. Die naturalistische Theorie — 20. Die, ökonomische Theorie — 21. Die soziologische Theorie — 22. Die unfreien Arbeitskräfte — 25. Die freie Zuschuß - bevölkerung — 24. Die freie Überschußbevölkerung — 25. Die örtliche Anpassung — 26. Die technische Anpassung — 27. Die ökonomische Anpassung — ej Der Absatz: 28. Zur theoretischen Besinnung — 29. Die exogene Nachfrage — 30. Die endogene Nachfrage C. Der Hergang C. Der Hergang aJ Die Elemente des wirlschaftlirhen Prozesses: 31. Die Elemente der Bodarfsbildung — 32. Die Elemente der Marktbildung — 33. Die Elemente der Betriebsbildung — b) Die Bewegungsformen d. wirfselmflliclien Prozesses: 34. Die Konkurrenz - 35. Die Konjunktur - 36. Die Gleichförmigkeit - c) Die Gestaltung des ivirtschaftlichen Prozesses in der Geschichte: 57.DieTrägcr des Bedarfs — 38.DieArt und Weise der Bedarfsbefriedigung — 3!). Die Artbeschaffenheit der Guter — 40. Erweiterung und Erhaltung des Marktos — 41. Die Versachlichung der Geschäflsfornien — 42. Die Rationalisierung der Preisbildung — 43.D.!.s Risiko und seine Bekämpfung — 4 i. Die Bindung des Marktes — 45. Die Stabilisierung der Konjunktur — 46. Die Geschäftsformen der Unternehmung — 47. Das Flochtwerk der Aktiengesellschaften — 4 8. Die Finanzierung fremder Wirtschaften — 49. Die Be- triebsformen— 50. Die Abgrenzung der Betriebe gegeneinander — 51. Die Konzen- tration — 52. Die Verwissenschaftlichung der Betriebsfllhrung — 53. Die Vergeistung des Betriebes — 5'i. Die Verdichtung der Betriebe DUXCKER dHniBLOr, MÜNCHEN, THERESIE\HÖIIE 3c iiiiiiniiiiiiiiiiiiii iiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii CARL SCHMITT o. Professor des Staatsrechts an der Universität Bonn POLITISCHE ROMANTIK Schmitts Abrechnung mit Adam Müller, mit dem „vielleicht künstlichsten und spezifischsten Vertreter der politischen Komantik ist ein besonderer Genuß". Um einen Hasen zu jagen, so scheint es, wird eine ganze Provinz abgesperrt. Kine ungewöhnliche Formkraft unter- nimmt hier in Wahrheit den Versuch, die pseudologia phantastica der pohtischen Romantik aller Zeiten, ihre grenzenlose Verlogenheit, ihre Berauschtheit an dem Wort, der ewigen Debatte, aufzudecken. Damit trifft Schmitt aber außerdem die mystisch-ästhetiscL-spiritualistische Gesinnung der Heutigen, dieTroeltsch schon im Jahre ^9^2 als die heimliche Religion der Gebildeten des modernen protestantischen Deutschlands bezeichnen konnte. Ein Jurist, der Grammatik dozieren könnte, räumt mit den Wirrnissen eines verstiegenen Geniekults auf und zeigt die Unvereinbarkeit der Romantik mit einem moralischen, rechtlichen oder politischen Maßstab; und alles das auf einem reichen, geistigen Hintergrund, in einem bestrickenden Nacheinander von grimmiger Diatribe, objektiver Untersuchung und kunstvoller Apologie.
«Die Schrift gehört zu dem Bedeutendsten, was im letzten Jahrzehnt Über die Romantik geschrieben worden ist.« (Fr. Meinecke in der Histor. Zeitschrift.)
»Schmitt hat mit ungewöhnlicher geistiger Strenge, die an Max Weber erinnert, auf Grund eindringlicher und umfassender Kenntnis Adam Mdller als den Typus des politischen Romantikers analysiert und an ihm die Struktur des romantischen Geistes klargelegt. Seine Zurtlckfuhrung des romantischen Verhaltens auf den Okkasionalismus bietet die bedeut- samste Förderung der Erkenntnis, neben der alles, was bisher geleistet worden ist — trotz Hapn und Dilthey —, als Vorstufe erscheint.« (Vossische Zeitung vom o.H. ^92 4.)
if Vom gleichen Verfasser: DIE GEISTESGES(>HICHTLICHE LAGE DES HEUTIGEN PARLAMENTARISMUS Zweite, veränderte Auflage. 1926. Gr.-8<>. 90 S. 5 M. 50 Pf. Das gi'oße Problem der Gegenwart in einer souveränen und klaren Darstellung DIE DIKTATUR Von den Anfängen des modernen Souveränitätsgedankens bis zum proletarischen Klassenkampf ))...Das Buch ist eine wahre Fundp,rubc ftlr jeden, der sich (iber die gerade jetzt aktuellen Grundprobleme unterrichten will...Man kann nur wünschen, daß es nicht nur von Fachgelehrten, sondern auch von praktischen Politikern gelesen werden möge.« (Prof. Koellrcutcr im Histor. Jahrbuch 1922.)
POLITISC.HE THEOLOGIK Vier Kapitel zur Lehre von der Souveränität Huuptgeilanke: Alle prägnanten Begriffe der modernen Staatslehre sind säkularisierte tlM'oloisclie, Begriffe.
Ende 1926 neu: JOSEPH SCHUMPETER Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung Eine Untersuehung über Unter- nehmergewinn, Kapital, Kredit, Zins und den Konjunkturzyklus Zweite, neubearbeitete Auflage Gr. 8 0. Etwa 400 Seiten. Preis etwa RM. ^ 5.— In gekürzter, vereinfachter und neuformulierter Form legt hier der Verfasser sein bekanntes, im Jahre i9i^ erschienenes Werk, das seit fast \ 0 Jahren im Buchhandel völlig fehlt, wieder vor. Die Probleme trockener, ökonomischer Theorien, das Dickicht der theoretischen und statistischen Einzelfragen werden hier in einer fesselnden, ja spannenden Form syste- matisch und streng geklärt. Vor allem im 5. Kapitel ist die Frage der Grenzen der bankmäßigen Kaufkraflschaffung neu erörtert und eine eigenartige Kredit-Theorie geschaffen. Das 2. Kapitel, das die Grundkonstruktion gibt, aus der alles Weitere folgt, ist bis auf wenige Sätze völlig neu geschrieben.
Duncker & Humblot / München Theresienhöhe 3 c I ALTENBURG, THÜR.
PIERERSCHE HOFBÜCHDRUCKEREI STEPHAN GEIßEL & CO.