SigPhi · Max Weber

Wissenschaft als Beruf (Science as a Vocation)

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ftammt ouS biefet 6d)Wäcbc. ®enn 6^wä(^e ift cS: bem 6d)idfal bet 3eit ni^t in fein ernfteS “iJlntlib bliden ju fönnen.

6dbidfal unferer 5?ul(ut aber ift, ba§ wir unS beffen wiebet beutlid)er bewußt werben, nad)bem burd) ein 3abttaufenb bie angeblich ober nctmeintli^ auSfd)lie§licbe Öcientietung an bem gtofiartigen '^atboS bet d)tiftli(ben ©tbif bie klugen bafüt geblenbet butte.

©od) genug non biefen febt inS RGßeite fübtenben "Stagen. ®enn bet 3tttum, ben ein 5eit unferer 3ugenb begebt, wenn et auf aU baS antworten würbe: „3a, aber wir fommen nun einmal in bie QSorlefung, um etwas anbereS ju erleben als nur ^nalbfcn unb ^atfad)enfeftftellungen", — bet 3tttum ift bet, bafs fte in bem ‘ptofeffot etwas anbereS fueben, als ihnen 28 0a« ift zweierlei, unb ba§ e« ba« iff, banon fann mon pd) teidbt überjeugen. Ertauben 6ie, bag i^ 6ie no^ einmot no^ ‘Stmerita weit man borf fotebe 0inge oft in ihrer mafrwften Itrfprüngti^feif feben tann. 0er amerifanifebe Änabe lernt unfagbar »iet weniger a(« ber unfrige. ®r ift trob ungtaubtidb nieten Syaminicren« bo(b bem Sinn feine« S(butleben« nach noch ni^t fener abfotute ©yamenömenfd) geworben, wie e« ber beutfebe ift. 0enn bie 93urcaufrotie, bie ba« (fjamen«biptom at« (£intritt«bittet in« 9?ei(b ber *2tmt«pfrunben t)orau«febt, ift bort erft in ben Anfängen. 0er junge ^merifaner bat oor nicht« unb niemanb, »or feiner ^rabition unb feinem ‘2tmf 9'?efpeff, e« fei bemi »or ber perfönti^ eigenen Geiftung be« ‘Betreffenben: ba« nennt ber 2tmerifaner „0emofratie". ^ie »erjerrt audb immer bie 9featität biefem Sinngehalt gegenüber ficb oerbatten ncöge, ber Sinngehalt iff biefer, unb barauf fommt e« birr an. 0er Gebrer, ber ihm gegenüberftebt, non bem bat er bie 93orffcttung: er »erfauft mir feine Äenntniffe unb SlJiefboben für meine« 93afer« ©elb, ganj ebenfo wie bie ©emüfefrau meiner SlRuffer ben ^obl. 0amif fertig. Gitterbing«: wenn ber Gebrer etwa ein football-GOfeifter iff, bann ift er auf biefem ©ebiet fein *5übrer. 3ff er ba« (ober etwa« ^butiebr^ auf anberem Sportgebiet) aber nicht, fo ift er eben nur Gebrer unb weiter ni^t«, unb feinem amerifanifeben jungen GiJfanne wirb e« einfalten, fich uon ihm „GBettanf^auungen" ober ma§gebli(he Siegeln für feine Geben«-- fübrung »erlaufen ju lajfen. 9?un, in biefer Formulierung werben wir ba« ablebnen. Glber e« fragt ficb, ob biet in biefer »on mir abjicbttich noch etwa« in« ©Etreme gefteigerten ©mpftnbung«weife nicht hoch ein Äotn GSßabrbeit fteeft.

Kommilitonen unb Kommilitoninnen! Sie fommen mit biefen Glnfprticben an unfere Fübtctflualitäten in bie 93 or» lefungen ju un« unb fagen fi* »orbet nidbt: bah »on bunbert 3^rofefforen minbeften« neununbneunjig nidbt nur feine football- '^eiffer be« Geben«, fonbern überhaupt nicht „Fübter" in Gingelegenbeiten ber Geben«fübrung ju fein in Glnfpru^ nehmen 29 29 unt) nehmen büvfen. ‘Sebenfen 6ie; c§ I)ängt ber *2öert beö “I[Renfd)en ja nicl)t baoon ab, ob er Sü|)mqualitäfcn beft^t. £lnb jebenfall^ fiub cS nicht bie Qualitäten, bie jemanben ju einem au^geseichncfen (gelehrten unb afabemifchen Cehret machen, bie ihn jum 'jühver auf bem ©ebiet bet prattifchen ßebenöorien-- tierung ober, fpesieller, ber 'ipolitit machen, ©ö iff bet reine SufaQ, menn jemanb aud) biefe Qualität beftht, unb [ehr be-- benflid) ift eö, toenn jeber, ber auf bem 5?atheber fteht, fich »or bie Sumutung geftellt fühlt, ftc in '21nfprud) ju nehmen. 9^od) bcbenflid)er, toenn eS jebem atabemifd)en Cehrer über« loffen bleibt, fid) im Äörfaal als 'führet aufsufpielen. ®enn bie, welche fid) am meiffen bafüv ^aiUn, ftnb eS oft am toenigften, unb oor allem: ob fte eS ftnb ober nid)t, bafür bietet bie 6ituation auf bem 5?atheber f(^lechtetbingS teine SOZöglich-- feit ber‘Seioährung. ©er ‘^rofeffor, ber fich jum “Serater ber Sugenb berufen fühlt unb ihr 93ertrauen geniest, möge im perfönlidjen "Serfehr oon 90^enfch ju 'SD'Jenfch mit ihr feinen 9}?ann ffehen. £lnb fühlt er ftch jum ©ingreifen in bie Kämpfe ber ‘2Beltanfd)auungen unb ‘^arteimeinungen berufen, fo möge er baS brou§en auf bem ‘3)?arft beS ßebenS tun: in ber '^treffe, in QSerfammlungen, in Q3ereinen, too immer er loiH. ^Ibcr eß iff bod) etwas allju bequem, feinen Q3efennermut ba ju seigest, wo bie '2lnwefenben unb oiellelcht ‘2lnberSbenfenben jum Schweigen oerurteilf finb.

Sie werben fchlie^lid) bie 'Jrage ffellen: wenn bem fo iff, was leiffef benn nun eigentlich bie ‘2ßiffenfd)aft 'iPofrtioeS für baS praftifdje unb perfönli^e „Ceben?" llnb bamit ftnb wir wieber bei bem 'iproblem ihres „‘SerufS". Sunäc^ff natürlich: Sfenntniffe über bie ^echnil, wie man baS Ceben, bie äußeren ©inge fowohl wie baS ioanbeln ber *3Kenf(^en, burd) 93e- rechnung beherrfdjt; — nun, baS iff eher bod) nur bie ©emüfe» ftau beS amcrifanifd)en 5?naben, werben Sic fagen. ©onj meine ‘^Reimmg. SweitenS, waS biefe ©emüfefrau fchon immerhin nicht tut: '^JJethoben bcS ©enienS, baS ÄanbwertS- jeug unb bie Spülung baju. Sie werben oietleicht fagen: nun, baS iff nicht ©emüfe, aber cS ift auch tticht mehr alS baS Mittel, fich ©emüfe ju oerfchöffen. ©ut, loffen wir baS 30 30 ®enn 3 ^r tominf noütjenbia ju tiefen unb tiefen lebten inneven ftnn^affen ilonfcqucnäett, wenn ®uc^ treu bleibt, ^o« Iä§t fn^, int ‘iPrinjip wcttigftcn§, teiften. ®ie ‘ 5 ö<^bifsipUtt bee 'i 3 f)ilofopf)ie unb bic bem ‘löefen nad) p^itofopfjifcben prinjipieUen erörferunßcn bec (Sinselbifjiplinen tierfutben ba« }u leiften. ‘SBic fiJnnen fo, 'wenn wlt unfetc 6 acbe »etffeben fwaS hier einmal üorauSgcfeljf werben inu§), bcn einjetnen nötigen, ober wenigftenS ibm babei Reifen, fic^ felbft 9Recben' febaft ju geben übet ben lebten 6 inn feines eigenen uns. (ES fdbeint mir baS nicht fo feftr wenig ju fein, au^ für baS rein petfönlid)e Geben. 3d) bin auch hier oerfuebt, wenn einem Gebrct baS gelingt, 511 fagen: er fte()e im ®ienft „ftttlid)er" 93^ftd)te: bet '^flicbt, Älarbcit unbÖSet" antwortungSgefübl 5 u febaffen, unb ii^ glaube, et wirb biefer Geiffung um fo ebet fähig fein, je gewiffenbaftet et cS net- meibet, feinerfeitS bem Subörer eine 6 fel(unguabmc auf' oftropieren ober anfuggerieren ju wollen.

iibcrall fteilicb gebt biefe “Slnnabme, bie icb Sbnen bi« »ot' trage, auS oon bem einen ©tunbfacboetbolt; bo§ baS Gebe«, fo lange eS in ficb felbft beruht unb auS fu^ felbft oerftanben wirb, nur bcn ewigen i?ampf jener ©ötter miteinanber fennt, — unbilblicb gefproeben: bie Slnoereinborleit unb alfo bielln* auStragbarfeit bcS Kampfes bec let 3 tcn überhaupt möglichen Stanbpunffe jum Geben, bie Q'iotwenbigfeit alfo; jwifeben ihnen fu^ ju entfebeiben. Ob unter fot(ben ^crbälfnijfen bic 'JOiffenfdbnft wert ift, für jemanb ein „‘Setuf" ju werben unb ob fte felbft einen objeftio werfuotlcn „93eruf' bot — baS ift wieber ein Werturteil, über weldjeS im Sörfaal ni^tS ouS* .jufagen ift. ®enn für bie Gehre bort ift bic OSejabung ^or* auSfepung. Sdj petfönli^ bejobe febon bureb meine eigene •Slrbeit bic Stage. Glnb 5 War aud) unb gerate für ben 6 fanb' punif, ber ben 3ntelleItualiSmuS, wie cS beute bie Sugenb tut ober — unb meift — ju tun nur ftcb cinbilbet, als bcn fcblimm" ffen Teufel bo§t. ®cnn banti gilt für fte baS Wort: „95e' benft, ber ^5:eufcl, ber ift alt, fo werbet alt ihn ju oerfteben." ®oS ift nicht im Ginne ber (ScburtSurlunbc gemeint, fonbern in bem Sinn: bo§ man auch not tiefem Teufel, wenn nton 32 mit i^)m fevfifl tvevben will, ni^f — bie *5Iud)f ergreifen barf, tt)te eS ^jeute fp gern gcf^ie^)t, fonbern ba§ man feine '3Gßege erp einmal ju Snbe überfcl;auen mup, um feine 9J?ad)t unb feine ©djranfen ju fel)en.

®ap ‘2®iffenfd)aft f)eute ein f a(i^ lid) betriebener „'Seruf' ift im ®ienft ber Selbftbefmnung unb ber (SrlenntniS tatfäc^licbet Sufammenbänge, unb nid)f eine ioeilggüter unb Offenbarungen fbenbenbe ©nabengabe »on Sehern, 'Propbeten ober ein Q3e- ftanbteil be§ 9'^ad)benfenö oon “SJeifen unb ‘pbdofopben über ben 6inn ber '2Delt —, ba^ freiti(^ ift eine unentrinnbare ©e- gebenbeit unferer biporifeben Situation, auö ber mir, menn mir ung felbft treu bleiben, nicht b«ttmglommen Ibnnen. Unb menn nun mieber ^Solftoj in Sbnen aufftebt unb fragt: „"^Oßer bcantmortet, ba el bie '^ßiffenfebaft ni(^t tut, bie *5rage: maS follen mir benn tun? unb: mie follen mir unfer Ceben ein» richten?" ober in ber beute abenb hier gebrauchten Sprache: „melchem ber lämpfenben ©ötter follen mir bienen? ober »ieUci(^t einem ganj anberen, unb mer ift baö?" - bann ift 5 u fagen: nur ein ‘Prophet ober ein Äeitanb. “Ißenn ber nicht ba ift ober menn feiner QSerlünbigung nicht mehr ge» glaubt mirb, bann merben Sie ihn gang gemip nicht baburd) auf bie ©rbe 5mingen, bap ^aufenbe oon '^rofefforen alö ftaatlich befolbete ober prioilegierte Heine '^Propheten in ihren Äörfälen ihm feine SRolte abjunebmen oerfuchen. Sic merben bamit nur baS eine fertig bringen, bap baä '2ßiffen um ben entfeheibenben Sad)Oerbalt: ber 'propbet, nad) bem pch fo »iele unferer jüngften ©eneration fepnen, ift eben nicht ba, ihnen niemals in ber gangen ‘2ßucht feiner "Sebeutung lebenbig mirb. ©g fann, glaube ich, serabe bem inneren Sntereffe cineg mirtlich religiös „mupfalifchen" SClJenf^en nun unb nimmermehr gebient fein, menn ihm unb anberen biefe ©runb» tatfachc, bap er in einer gottfremben, probctenlofen Seit ju leben baö Sd)iclfal bnt, burdh ein Surrogat, mie eS alle biefe i^atbeberpropbetien pnb, oerbüllt mirb. ®ie ©brli^leit feinet religibfcn Organä müpte, fcheint mir, bagegen pd) auflepnen. 9'iun merben Sie geneigt fein, gu fagen: “Slber mie fteUt man pd) benn gu ber Satfache ber ©yifteng ber „S^beologie" unb um blc «antworf nidbt ^erum. „^ijcotoflie" itnb „©Oflinen" gibt cS jwar nict)f uninccfeU, aber bo(^ ni^t gerabe nur im C^riffew tum. Sonbecn (rüdwärtöfebreifenb in ber Seif) in ftarl cnfwidelter ^orm aud) im Sftam, im SCRanad)äi5muS, in ber ©nojiö, in bet Orbbl^ iw ‘ipatfiömuS, im 93ubbf>i^muö, in ben binbuiftifeben Geffen, im ^aoiömnö unb in ben llpanif<^aben unb nntiirlicb auct) im Subenfum. 9Zur freitieb in bö^bft öcrfcbicbenem '3!)Ja§e fi;ffcmafifd) entwidclf. £lnb c 8 iff fein Sufati, ba§ bag olji» bcnfdfe dbtiffentum nidjf nur — im ©egenfob 5 U bem, wa« 5. 'S. baS Subenfum an ^b^oioflic beftbf — fic fbffemotiftbcc auögebauf bat ober bana^ ffrebt, fonbern ba§ bi^r ihre ®nf' wi(2etung bie weifaud ffärffte bifiorifebe 95ebcutung gebubt bat. ©er beöenifebe @eift bat baö b^ti^orgebraebt, unb aQe ^^beO’ logie beö ^effenö gebt auf ibn jurüct, wie (offenbar) aüc Rheologie beä Oftenö auf baö inbiftbe ©enfen. ‘Qlüc ^b*o-' togie iff intefleftueUe 9?afionatifierung refigiöfen ioeUS- befibc^. Äcinc '^öiffenfdbaff iff abfolut »orau^febungSloS, unb feine fonn für ben, ber biefc 93orauöfebungcn ablcbnt, ihren eigenen ^ert begrünben. ' 2 lbct aUerbingö: jebe Rheologie fügt für ihre 'ülrbeit unb bamit für bie S^cebf- fertigung ihrer eigenen ©riffenj einige fbcjifif(be ' 2?oraug- febungen bi«jw- 3 n »erfebiebenem Ginn unb Slmfang. "Jör jebe ^bcofogic, 5. 93. aud) für bie bittbuifftfebe, gilt bie 93ot' augfebung: bie 9[Bctf müffe einen Ginn haben — unb ihre ^roge iff; wie muh man ihn beuten, bamit bicS benf" mbglid) fei? ©anj cbenfo wie S?anfS ©rfenntniStbeoric öon ber 93orauöf€bung au^ging; „9Göiffcttfd)affli<bc ‘ 2 öabrbcit gibt eg, unb fie gilt" — unb bann fragte: Unter wellten 0cnf' ooraugfebungen iff bag (finnootl) möglid)? Ober wie bie mobernen '»äffbetifer (augbtüdUeb — wie j. 93. ©. t). Cufaeg — ober faffäd)ticb) »on ber 93oraugfebung auggeben; „eg gibt 5?unffwerfc" — unb mm fragen: 9!Bie iff bag (finnooU) miSg- li(^? 9lllerbingg begnügen fub bie wit jener (wefenfUdb religiong-pb'lofopbif^en) 93oraugfebung in aller 9^egel nicht. Gonbern flc geben regelmäßig oon ber ferne- ren ^Boraugfebung aug: baß beftimmte „Offenbarungen" aig 34 34 ^STatföc^en — at« folcöe alfo, n>eIcE)€ eine fmn* »oUe Ccbcn^fü^jtunß etff ermeglidjen — fd)led)tt)in ju stauben finb anb ba§ bepinmtte 3uftänblicb!eiten unb Äanbtunßen bic Quatifät bet Äeitigfeit beft^en — baS bci§t: eine rctifliöS*rt«n* »olle tebenöfübnmfl ober bod) beten'93efifanbteitc bitben. Unb ibrc^raßc iff bonn »icberum; ‘ 2 öie taffen ftcb biefe fdjle^tfjin anjunebmenbcn QSotauSfe^unflen innetbalb eines ©efamtwett' bilbeS pnnaoU beuten? 3ene93otauSfe^unscn felbft liegen babei füt bic 5:£)cologie jenfeitS beffen, »aS „^iffenfcbaft" iff. 6 ie finb tein „QGßiffen" im geioöbnlii^ oetftanbenen 6 inn, fonbcrn ein „Äaben". ' 2 ßet fte — ben ©tauben obet bie fonftigen heiligen Suftänbtichteitcn — ni^f „hat", bem fann fte feine ^Jbealogie etfchcn. £tft tec^t ni(^t eine anbetc ‘^ßiffenf^aft. 3 m ©cgentcil: in jebet „pofitben" ^Jbcologie gelangt bet ©läubige an ben “^untt, t»o bet ^uguftinifd)e 6 ah gilt: credo non quod, sed quia absurdum est. ®ie ^ähigfeit ju bicfet QSittuofenleiftung beS „Opfetö beS 3 ntelteftS'' ift baS ent* f^eibenbe SDlettmal beS h^fitio teligiiSfen ^enfd)en. Unb ba§ bem fo iff: — biefet Sai^oetbalt jcigf, ba§ ttoh (oiet* mebt infolge) bet Rheologie (bie ihn ja enfbüllt) bie Spannung jmifchen bet 9QBerffpbätc bet „‘3Biffenf(^aft" unb bet beS teli* giöfcn Äcitö unübetbriidbat iff.

©aS „Opfet beS SntelleffS" bringt red)fmä§igermeife nut bet 3ünger bem ‘Propheten, bet ©laubige bet S§ird)e. 9^ocb nie ift aber eine neue ^topbefie babur(^ cntffanben (id) miebec* hole biefeS *25ilb, baS mand;en anffß§ig gemcfen iff, ab- ftd)tlicb:) ba§ mand)c mobetne 3nfcUeftuctle baS ‘SebürfniS haben, jid) in ihter Seele foäufagcn mit garantiert cd)ten, alten Sachen auSäumöbtieren unb fii^ babei bann no^ baran er¬ innern, ba§ büju au(^ bie 9Retigion gehört hat, bie fte nun einmal ni(ht haben, füt bie fic nun aber eine ^rf »on fpiete- rifd) mit iöeiligenbitbchen auS alter Äerren Cänber möbticrfer ÄauSlapellc atS ©rfah fid) aufpuhen ober ein Surrogof fd)affen in alterhanb ijlrfen beS ©rlebenö, benen fte bie ^ütbe mpffifdjen ÄeitigfeifSbefiheS 5 ufd)reiben ttnb mit bem fic — auf bem <33üd)ermarft haufteren gehen. ©aS ifif cinfad): Schminbel ober Selbffbefrug. ©urdjauS fein Schminbet, fonbcrn etwas fc^)r (SrnffeS unb ‘3Dßa^tf>afteS, ober üicltci^f ju» weiten ftcb fclbft in feinem 6inn ^i^bcufenbeS iff cS basegen, wenn man^e jener Sngenbgemeinf^aftcn, bie in ber StiUe in ben lebten Sabren gewad)fen ftnb, ihrer eigenen menf(btid)en ©emeinfeboftsbesiehung bie ©cufung einer reiigiöfen, foSini- fdjen ober mbftifcb«” ‘Sesiebung geben. 0o wahr eS iff, ba§ jeber '2ift c^fer ‘SrüberticbJeif jtd) mit bem ‘Söiffen barum ju nerfnüpfen öcrmag, bajj baburd) einem überperfönli(hen ^^eidj etwoS bwjugcfügt wirb, woS unoertierbar bteibt, fo sweifet* hoff f(beinf mir, ob bie ‘3Bürbe rein menfihtith^r ©emeinftbafts* bejiebungen bureb jene religiöfen ©eutungen geffeigerf wirb. — Snbeffen, boS gehört nicht mehr hierher. — ©S iff baS 6(hidfat unferer Seif, mit ber ihr eigenen 9Rafionalifierung unb Snfeüeffuolifierung, nor allem: ©nt* 5 auberung ber ‘2DeIf, bo§ gcrabe bie lebten unb fublimftcn ‘^Berfc jnrüdgefrefen finb auS ber Öffentli^feit, enfweber in baS hwferwelfliche ^cich mhftifd^en SebenS ober in bie 93rübcrli(hfeif unmittelbarer ‘Sesichungen bet einjelncn ju- cinanber. ©S iff Weber sufäüig, bo| unfere hh<h[l® ^unff eine intime unb leine monumentale ift, no^ ba^ heute nur innerhalb ber fleinffen ©cmeinfihaffSlrcife, »on ^enfdh ju 9}icnfA, im pianissimo, jenes ©fwaS puljterf, baS bem ent* fbrichf. Was früher als prophefif<heS ^ncuma in ftürmifchem '5cucr butdh bie großen ©emeinben ging unb ftc sufammen- fchweißfe. QSerfuchen wir, monumentale i^unftgefinnung ju erjwingen unb ju „etfinben", bann entffchf ein fo jämmerliches ^i^gebilbc wie in ben »ielen ©cnlmälern ber lebten 20 Sahrc. 93erfuchf man religiöfe O^eubilbungcn ju crgrübeln ohne neue, echte '?>robhefic, fo entftehf im innerlichen ©inn etwas ^Ihn* ItcheS, was noch übler wirlen muh- ünb bie S^afheber* prophetie wirb ooUenbS nur fanatifchc ©eften, aber nie eine echte ©emeinfehaff fchaffen. “jöcr bieS ©chidfal ber Seif nicht männlich ertragen fann, bem muh man fagen: ©r lehre lieber, fehweigenb, ohne bie übliche öffentliche 9?enegafenrellome, fonbetn fchli^t unb einfad), in bie weif unb erbarmenb ge> öffneten “iJlrme ber alten 5?ir(hen jutüd. ©ie machen cS ihm ja nicht fehwer. Srgenbwic hat er babei — baS ift unnermcib» 36 li^ — bag „Opfer beg Snteaeffeg" ju bringen, fo ober fo. <2öir werben if>n batum nicht freiten, wenn er eg wirtlich nermag. 0enn ein folcheg Opfer beg Sntelleftg sugunffen einer bebingungglofen religiöfen Eingabe iff fittlic^ immerhin boch etwag onbereg alg jene Umgehung ber fchli(htett intellef« Wellen 9Recl)tfchaffenheitgpf[id)t, bic cinfriff, wenn man ftd) felbff nid)t tlar ju werben ben SCRut hat über bie eigene lehte etellungnahme, fonbern biefe 'Pflicht burch fchwäd)lid)c 9?cla' tioierung ftch erleichtert. Hnb mit fteht fie au^ höher «tö jene Äatheberprophetie, bie ftch barüber ni^f flar ift, bah innerholb ber 9?äume beg Äbrfaalg nun einmal feine anbere Sugenb gilt olg eben: fchli^tc intelleftuclle 9?e^tfd)affen* heit. 6ie ober gebietet ung, feftsuftcllcn, bah heute für alle jene »ielen, bie auf neue ‘^Propheten unb Äeilonbe harren, bie Cage bie glei(he iff, wie fie aug jenem fchöuen, unter bie 3efaja*Orafel aufgenommenen ebomitifd)en ‘2öäd)fcrlieb in ber grilgjeif Hingt: „®g fommf ein 9?uf mtg Seit in Ebom: 'Töchter, wie lang noch bie flacht? ®er ’SDBächfer fprichf: Eg fommf bet 9!)^orgen, aber no^ iff eg Stacht- ^enn ihr fragen wollt, fommf ein anber *3Wa( wieber." E)ag 93olf, bem bog gefagt würbe, hat gefragt unb geharrt burch toeif mehr alg jwei Sahrfaufenbe, unb wir fennen fein erfchütternbeg Schicffal. 0araug wollen wir bie Gehre jiehen: bah cg mit bem Sehnen unb Äarrcn allein nicht getan iff, unb eg anberg machen: an unfere 'iZlrbeif gehen unb ber „^orberimg beg ^ageg" gerecht werben — menfehlich fowohl wie beruflich- ©ie aber iff fehltet unb einfach, wenn jeber ben 0ämon finbef unb ihm gchord)f, ber f e i n e g Cebeng ‘5äben hält- 37 Smmanuel ^Birnbaum.

DUNCKER & HUMBLOT IN MÜNCHEN UND LEIPZIG , Neuerscheinungen: Die grol?en europaiscKen Revolutionen von Dr. S. Hellmann, Professor für Geschichte an der Universität München Preis: 1 Mark Die staatliclie Organisation der Ärteiter, zu wirtschaftlichen und sozialpolitischen Zwecken.

Denkschrift im Aufträge des Ministeriums für soziale Fürsorge des Volksstaates Bayern von Dr, H. PottKoff, Referent für Arheitsrccht im Ministerium f. soziale Fürsorge Preis: 1 Mark Angestellten und Beamten Zeitung und Neue Zeit von Dr. Martin Mohr, Leiter der zcitungswissenschaftlichen Kommission de« ReicKjverhandes der deutschen Presse Preis: 4 Mark I Die Unvollkommenheit des Volkerrechts von Ernst Zitelmann, Geh. Justizrat, Rektor der Universität Bonn Preis: 2 Mark 25 Pf.

«Die lichtvollste Erörterung der Frage des Völkerbundes, die zur Zeit vor- liegen dürfte.» Kölnische Zeitung vom 20. Januar 1919.

3 Die soziale Frage von Gustav Schmoller ‘f Xii und 673 Seiten. Preis: 25 Mark geheftet: 31 Mark 25 Pf. gebunden Das politische Vermächtnis Gustav Schmollers!

Strmdherg Ein Beitrag zur Soziologie der Geschlechter von Leopold VOn WicsC IV und 143 Seiten. Preis: 5 Marh. 7 Mark 50 Pf. gebunden Geist der Utopie von Ernst Bloch 445 Seiten. Preis: 12 Mark 50 Pf.: 16 Mark 25 Pf. gebunden «Ich muiite mit Gewalt mich dem bestrickenden Reiz seiner Sprache und deren Gedanken cntrcil/cn. » Hans v. AVeber im «Zwicbclfisch*.

Politische Romantik von Dr. Carl Schmitt-Dorotic, Privatdozent an der Universität Strafthurg IV und J62 Seiten. Preis: 5 Mark Das Buch eines Nichtromantikers über Romantik, über Revolutionen und Reaktionen von heute und gestern.

g Tn i i mim ynn rn Ti n T in i niiifiif T nyniiiiiiiiiiimmnunn r m iTn ri T H T n fiT nim T nnn Trn l ii iiiii T iii ii i iinTi iiii i i ii i iiiii in ii n i ninm ini m imi iH i m ifi if iT ii i Tf i irif i Tirnni t i i i i i i im i Hiin fi n iiii'. ’ fA ii m fii min iiiiini m ii imn i mw ’ m i ..

JJLSX mumm iiiinnmimimmmit; DUNCKER ^ HUMBLQT IN MÜNCHEN UND LEIPZIG Soeben erscKien: Zeitung und Neue Zeit Vorscblage und Forderungen zur wissenscliaft- licKen Losung eines sozialen Grundproblems Von Dr. Martin Mokr Leiter der Zcitungswisscnschaftliclien Komniiasion des Rcicfiavcrbandcfl der deutachen Presse 'reis a r 1 Keine Zeit hat den uncrmelTlichen Einflui?, insbesondere die ver¬ heerende Wirkung der Presse auf Vorstellung und Wille der Menschen — auch der anscheinend höchstentwickelten und selb¬ ständigen Geister — so deutlich gezeigt wae die Gegenwart. Der Zeitung, der «Generallieferantin geistiger Nahrung*, kann man nicht, ohne ihrem Wesen Abbruch zu tun, mit dem gewöhnlichen Sozia¬ lisierungsgedanken beikommen oder sie irgendeiner Rätezene ur unter¬ stellen. ^Vühl verträgt kein Kulturwerk seinem Wesen nach weni¬ ger die nur auf Rente bedachte Gewinnsucht und nur auf Massen¬ wirkung berechnete Ausbietung und Überlastung als gerade die Zeitung. Deshalb ist eine Reform des Zeitungswesens an Haupt und Gliedern unerläf/lich. — Ein berufener Fachmann, der frühere Chefredakteur der «^Münchener Neuesten Nachrichten», ruft zu diesem Zweck in der vorliegenden Schrift die Wissenschaft als Bundesgenossin der Zeitung zu Hilfe. Nur im Bündnis mit der W^issenschaft und ihren Pflegestätten, in der wissenschaftlichen Fürsorge für die Zeitung, in der gemeinsamen Pflege der Zeitungs- kiinde als einer ebenbürtigen Schwester der anderen Wissenschaft kann auch, was an widerstreitenden Kräften, an sozialen Wünschen und gewerblichen und idcllen Sorgen und Werten im Problem der Zeitung sich birgt, Ausgleich und Vereinigung, Schutz und Pflege finden. V/as in dieser Richtung bisher geleistet worden ist, und was an Plänen, Absichten und Gedanken, hier Neues zu schaffen, bis jetzt aufgetaucht ist, schildert der Verfasser in eindringlicher Untersuchung.

nmTimnnniintninTTTfTmniiiiiTiniiiniiiiiiiirniiiiiiniiiiirrrimirrnmiriniinniiimR