SigPhi · Max Wertheimer

Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung

German

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H. Prof. Schumann hatte die Freundlichkeit, mir zu Unter- suchungen unter technisch genaueren und exakt melsbaren Be- dingungen sein bekanntes Tachistoskop mit einer besonderen Einrichtung, die er zum Zweck des Studiums der Wirkungen von zwei sukzessiven Expositionen getroffen hatte?, zur Verfügung zu stellen. Die hier vorliegenden Untersuchungen sind im Herbst und Winter 1910 im psychologischen Institute zu Frankfurt a. M. angestellt. Das Folgende ist in erster Linie ein Bericht über die bei den tachistoskopischen Hauptversuchen am ScHhuMannxschen Tachistoskop erzielten Ergebnisse, die sich dann im wesentlichen auch an anderen Versuchsanordnungen (s. S. 180) beobachten liefsen.

Die Scaumaxnsche Einrichtung, die auch Herausgreifen einer einmaljgen Sukzessivexposition unter exakt melsbaren Bedingungen ermöglicht, besteht in folgendem: knapp hinter der Scheibe des Tachistoskoprades, hinter dem Objektiv des Fernrohres, durch das gesehen wird, ist ein Prisma aufgestellt, das die untere Hälfte des Objektivs deckt, so dals in die obere Hälfte des Objektivs die Strahlen gerader Richtung, in die untere Strahlen von der I Die scheinbare Schnelligkeit einer derart „vorgetäuschten“ Bewegung ist übrigens wohl zu scheiden von der physikalisch-objektiven. Die Faktoren der scheinbaren Schnelligkeit (wie auch der scheinbaren Gröfse und der scheinbaren Entfernung), die hier eine Rolle spielen, sind ein besonderes Problem für sich.

* Vgl. den Hinweis, II. Kongr. zit. l., S. 218.

176 Max Wertheimer.

Seite her einfallen; ein Expositionsschlitz am Rade läfst die obere Hälfte frei, ein zweiter die untere; sind die Enfernungen zwischen Objektiv und Prisma gering, so wird bei jeder der beiden Expositionen die ganze Kreisfläche des jeweiligen Ex- positionsfeldes gesehen. Rotiert das Tachistoskoprad, so erfolgt zuerst die Exposition des einen, dann des anderen Expositions- feldes.

Es erwies sich als ratsam, mit schwarzen Expositionsfeldern, auf denen weilse resp. farbige Objekte (Streifen usw.) angebracht waren, zu operieren, um dem Wechsel in der Helligkeit des Gesichtsfeldes und dem ev. Mitwirken der Gesichtsfeldumrandung entgegenzuwirken.

Die Länge der Expositionszeiten «, 8 liefs sich durch die Schlitz- länge einerseits, durch die Umdrehungszeit des Rades andererseits variieren; die Länge der Zwischenzeit zwischen den beiden Suk- zessivexpositionen analog durch die Umdrehungszeit und durch die Entfernung der beiden Expositionsschlitze; im wesentlichen operierte ich mit einer Länge der Expositionsschlitze zwischen 6° bis 12” des Radumfangs, bei der die Entfernung der beiden voneinander 3, 6, 12, 16° betrug. Im Verlaufe der Untersuchung ergab sich auch näheres Aneinanderrücken, ja Überdecken der Schlitze (s. $ 15, 2).

Bei tachistoskopischen Versuchen ist es allgemein rätlich, grolse Geschwindigkeiten der Raddrehung und relativ lange Schlitze zu verwenden, um ein momentanes Auftreten und Ver- schwinden der Exposition zu erzielen; hier noch aus einem anderen Grunde: langsames Vorüberziehen der Schlitzränder er- zielt besondere, andersartige Scheinbewegungen.

Als reguläre Versuchspersonen stellten sich freundlichst die beiden Herrn Assistenten des Instituts, Dr. WoLrG. KÖHLER und Dr. Korrka, nachher auch Frau Dr. Kuein-Korrka zur Ver- fügung.

Vielfach stellte ich dann Experimente, besonders Schieber- versuche unter für die Beobachtung bequemen Umständen auch ınit anderen Versuchspersonen an, auch mit in psychologischen Beobachtungen völlig Ungeübten.

Die wesentlichen Versuche waren alle in unwissentlichem Verfahren angestellt; Ergebnisse der Versuche kamen immer Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 177 erst nachdem die Vp. selbst spontan Ergebnisse geliefert hatte zu ihrer Kenntnis.

Eine Häufung von Versuchspersonen erwies sich als nicht nötig, da sich die charakteristischen Erscheinungen überall ein- deutig, spontan und zwangmälsig ergaben.

Herrn Prof. Schumann, dem ich schon vor Jahren Einfüh- rung und Schulung in tachistoskopischen Experimenten verdanke, habe ich für die liebenswürdige Freistellung der Hilfsmittel des Frankfurter Instituts und sein freundliches Interesse meinen besten Dank zu sagen; meinen Vpn. für ihre rege Teilnahme und unermüdliche Ausdauer bestens zu danken.

* Der objektive Abstand der Expositionsfelder vom Prisma betrug ca. 80 cm; die beiden Expositionsfelder waren schwarz oder dunkel, jedes seitlich von einer Lampe beleuchtet; die Ob- jekte, wie Streifen usw. s. S. 264 z. B. von 1x6 cm, gröfser oder kleiner, in weilser oder anderer Farbe, waren an den Expositionsfeldern angebracht und ihre Lage bei objektiver Simultanexposition (gleichzeitige gemeinsame Schlitzöffnung) ein- gestellt; durch die Stellung der beiden Lampen wurde gleiche Helligkeit hergestellt. Helligkeit, Form, Gröfse, Abstand der Ob- jekte voneinander (gegenseitige Lage) usw. sind von einiger Relevanz!; so zeigte sich bei kleineren Abständen der Bereich der Zwisehenzeiten?, innerhalb welches der Optimaleindruck er- schien, nach unten und oben wesentlich ausgedehnter als bei gröfseren Abständen; man muls, wenn man bei solchen z. B. vom optimalen Bewegungsstadium ausgehend das Extremstadium ruhiger Simultaneität (durch Verkürzung der?) resp. ruhiger Sukzession (durch?-Verlängerung) erreichen will, zu wesentlich gröfseren Verkürzungen resp. Verlängerungen von? greifen als bei gröfserem Abstande. Entsprechend zeigte sich bei dem hierzu eingerichteten Schieber Nr. V S. 263 bei derselben Geschwindig- keit, gleichem ti, bei den Objekten gröfseren Abstands, z. B. beim Höhersteigen von optimalen Verhältnissen, schon ein anderes Stadium, während bei den Objekten kleineren Abstandes noch das optimale vorhanden war usw. Auch noch in anderem Sinne zeigt sich der Einfluls des Abstands: der geringere von zwei vor- 178 Max Wertheinter.

handenen Abständen von einer Linie aus begünstigt im allge- meinen (s. S. 219) den Bewegungseindruck.

Ich verwendete Abstände von 1, 3, 5 und mehr cm zwischen Parallel- und Schrägobjekten, vgl. S. 199.

Unter den gegebenen Umständen führten die Expositionen in der Regel zu optimalen Bewegungseindrücken bei einer Grölse der Zwischenzeit? (zwischen den beiden Expositionen) von ca. 60 0; ruhige Simultaneität erschien bei t= ca. 30 0; ruhige Sukzession in der Gegend von t = 200 o.

Ich führe zur Illustration der zeitlichen Werte einige Tabellen an, wie sie sich bei den drei Hauptbeobachtern, bei ungefähr gleicher Übung im Tachistoskopieren und bei eindeutig bestimmter Instruktion — wir werden sehen, dals anderenfalls verschiedenen Faktoren ein gewisser Einfluls zukommt s. $ 9, 11 — ergaben; bei einigen Versuchen, besonders anfangs, spielten individuelle Verschiedenheiten s. S. 196 eine Rolle; im allgemeinen hatten sich bei allen tachistoskopischen Versuchen analoge Zeitwerte ergeben.

Wir werden in $ 9ff. sehen, dafs qualitativ zwischen den drei Hauptstadien spezielle Phänomene resultierten; in den folgen- den Tabellen ordnen sich diese zeitlich ein.

[Die Berechnung der Zeitwerte geschieht folgendermalsen:: z.B. die Schlitzlänge der Exposition a—=b betrage 7 Grad des Rad- umfangs; die Länge des Zwischenraumes zwischen den Expositions- schlitzen 16 Grad; die Gesamtlänge (Zeit der Gesamtexposition) — 30 Grad. Als Teilwerte der Ganzumdrehung = ergeben sich 51,4, 22,5, 12. Ergibt die Messung der Zeitlänge von 20 Um- drehungen im speziellen Fall z. B. 20,4 sec., so entfällt auf die Zeitlänge einer Umdrehung 1020 o, die Gesamtexpositionszeit (g)85c, die Expositionszeit je eines Reizes «= 200, die Zwischenzeit zwischen den Expositionen von a und 5b, t= 45 0.]

I. Beispiel. Objekte: zwei weilse Streifen auf schwarzem Grunde, von 1,5 mal 8,7 cm; schräg gegeneinander geneigt im Winkel von 45°, im Scheitel sich berührend s. Fig. S. 264; der horizontale Streifen (a) auf dem Expositionsfeld A, der schräge, db, auf dem Expositionsfelde B. Optimales Bewegungstadium er- gab Drehung eines Streifens von der Horizontallage in die Schräg- lage.

Einzelexpositionen von a 5 in Pausen von ca. 2 Minuten (vgl. 8 7). Einheitliche Beobachtungsumstände: Fixation und Auf- Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 179 merksamkeitspostierung (s. $ 11) am gemeinsamen Scheitelpunkt; durch vorlaufende Vorexpositionen von «a allein (s. 8. 205) fest- gelegt.

Die Umdrehungszeit stufenweise verändert und in den 2-Minuten-Pausen gemessen.

Tabelle I.

eo: t | a ß | g II. Beispiel. Analog I, mit längeren und verschiedenen a, ß; ein kleiner, identischer Kreis auf beiden Feldern im Scheitel.

(Siehe Tabelle II auf 8. 180) Man sieht hier die Stadien in erster Linie von it abhängig (die Werte von t für die optimale Drehung ergeben 59, 45; 74, 54, 70; 62, 49, 500). Die Expositionszeiten «, $# konnten unter diesen Bedingungen in hohem Mafse variiert werden, ohne dafs die Bewegungseindrücke hierdurch wesentlich beeinträchtigt wurden. [Von Belang ist, dafs sich gewisse Bewegungserschei- nungen (s. $ 7) auch bei zeitlichem Übereinandergreifen der beiden Expositionen ergaben (s. $ 15).]

Alle im folgenden dargestellten Experimente [mit Ausnahme I Sie gelten für die hier verwandten Versuchsumstände, vgl. S. 173 180 Max Wertheimer.

von z.B. $7, S. 195 u. ähnl.] beziehen sich auf g maximal! gleich 01 sek = 10Wo (=«-+ f--t) bis g minimal = 40 0 (Simultan- stadium) und sind den hier gegebenen Zeitwerten analog.

Tabelle II.

Er Be er u En Ge a zu rn, Vp. III Ruhige Simultaneität 32 15 1ö 62 i Neben den Hauptversuchen am Tachistoskop operierte ich mit einer Reihe anderer Versuchsanordnungen; mit den in 8 2 geschilderten Schieberversuchen, in ihren verschiedenen Variationen vgl. S. 262f., mit und ohne Projektion; mit einer An- ordnung nach Art eines Brennpunkttachistoskops; mit einem zu Demonstrationszwecken bequemen Schattenversuch?; für ı Es kam technisch darauf an (s. $ 4) unter solchen Bedingungen zu operieren, dafs die Expositionsgesamtzeit bei den wesentlichen Versuchen 1000 nicht überschreite; dafs andererseits die Reize gute Wahrnehmung er- gaben; schlie[slich aus äufseren Gründen: dafs die Umdrehungsgeschwindig- keit des Tachistoskoprades nicht so schnell würde, dafs das Herausgreifen der einmaligen Exposition der beiden Sukzessivreize unsicher oder unmög- lich würde; was alles durch die obigen Bedingungen ermöglicht war.

® Der Schattenversuch in primitivster Form, nicht völlig exakt wegen eines Helligkeitswechsels, wird derart angestellt, dafs von zwei elektrischen Lampen aus von einem (oder zwei) stehenden Stäben zwei Schatten Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 181 Serienexpositionen aufser mit einem gewöhnlichen Strobo- skop und symmetrischer Schlitzanordnung am ScHUMAnNschen Tachistoskop mit einer Kombination von Tachistoskop. mit rotierender Kymographentroimmel (s. S. 229) oder Speichenkreisel s. S. 231 oder der bekannten Spirale s. 8. 232; schliefslich einem Kinematographen; für haploskopische Zwecke mit einer Doppelröhrenanordnung am Tachisto- skop (s. $ 15) und einer für Demonstrationszwecke bequemen Spiegelanordnung usw. vgl. S. 221.

Auch bei den Schieberexperimenten waren die Zeiten, selbst bei dem vorläufigen manuellen Betrieb, annähernd mefsbar; ein leichter Kymographenschreiber, an dem beweglichen Teile des Schiebers S. 263 befestigt, zeichnete parallel mit einem JAQUET- schen Zeitschreiber auf einer rotierenden Kymographentrommel lie Bewegungen des Schiebers. In der entstehenden Kurve ent- sprachen die schrägen Teile den Bewegungszeiten und zeigten die Dauer von i plus den, bei engen Schlitzen sehr kleinen Zeitteilen, innerhalb deren während des Anfangs der Schieberbewegung a noch sichtbar blieb, während ihres Endes 5 schon sichtbar wurde. Bei dem Vexierversuch $ 2, Fig. IV ergab sich so (optimal): «= ß —= + 0,3 Sek., die Bewegungszeit — 0,07, t also etwas kleiner, bei der Objektschlitzbreite von je 0,5 mm und dem Abstande der Schlitze voneinander = 3 mm t approximativ etwas über 500.

S 4. Man könnte vermuten, dals hier überall Augenbewe- gungen vor sich gingen und die Erscheinungen fundierten.

Dem Auge werden nacheinander zwei Objekte verschiedenen Ortes geboten; das Auge sucht sie, das Auffällige, das zu Be- obachtende, im Zentrum deutlichsten Sehens zu erfassen; so fände ein Hinübergehen des Auges aus der Fixationsstellung auf das erste zu der auf das zweite Objekt statt; und man könnte vermuten, dals diese Augenbewegung für das Zustandekommen in einem Abstande voneinander geworfen werden (von vorn auf eine weilse Wand, oder auf der rückwärtigen Seite einer Milchglasplatte oder eines gespannten Papiers) und nun rhythmisch abwechselnd die eine und die andere Lampe durch einen Wechselkontakt erleuchtet und verdunkelt wird; man sieht im Optimalstadium Hin- und Herwandern eines Schattens; ver- schiedene Anordnung der Schattenlagen und -stärken ergibt mannigfache Variationsmöglichkeit; auch einmalige Sukzession von ab ist erzielbar.

182 Max Wertheimer.

der geschilderten Bewegungseindrücke notwendig und konsti- tutiv sei. Findet nun tatsächlich diese Augenbewegung statt?

1. Die tachistoskopischen Expositionen waren so eingerichtet, dafs die Gesamtexpositionszeit (= Expositionszeit « des ersten Objekts 4 der Zwischenzeit © +4 der Expositionszeit # des zweiten Objekts) in der Regel kürzer als eine Zehntelsekunde war, maxi- mal diese erreichte. Bei solcher Zeitlänge scheinen Augenbewe- gungsreaktionen ausgeschlossen: solche kämen nach den vor- liegenden Untersuchungen über die Minimalzeiten von Augen- bewegungsreaktionen erst bei ca. 1300 in Betracht.! Die be- treffenden Konstatierungen beziehen sich nicht direkt auf solche Bewegungsexperimente; eingehende Untersuchungen bezüglich der Verhältnisse beim Sehen solcher Bewegungen stehen noch aus (vgl. übrigens den Befund von Dover a. a. O. S. 341, demzufolge sich beim Sehen von Pendelbewegungen als Reaktions- zeit für die Augenbewegungen Mindestwerte von 1300 ergaben).

2. Gibt man die Aufgabe, einen Fixationspunkt festzuhalten (wobei bei den tachistoskopischen Versuchen die Augenstellung in vorhergehenden Vorexpositionen blols eines Objekts in be- stimmter Stellung fixiert wurde), so scheint es zunächst manchmal, als ob der Fixationspunkt durch die folgende Sukzessivexposition beider Objekte verschoben würde: man hatte anfangs den ge- wünschten Punkt fest fixiert, etwa bei Sukzessivexposition von Schenkellagen das obere Ende des Vertikalschenkels; nach der Gesamtexposition, nach der Drehung des Schenkels war man mit der Fixation anderswo, „die Fixation war hinübergerissen worden“, es war schliefslich ein Ort der Horizontalen fixiert oder ein Ort nahe über ihr.

Es zeigte sich aber bald; der Fixationspunkt kann ruhig fest- gehalten werden (es wird dauernd ein bestimmter Ort fixiert) ®, es resultierten, ebenso wie ohne die Aufgabe der festen Fixation, die optischen Bewegungseindrücke.

t Vgl. Erpmann-Dopee, Psychologische Untersuchungen über das Lesen, Halle, 1898. S. 116ff. — Doper, Eine exp. Studie der visuellen Fixation, Zeitschr. f. Psychol. 52 I, 8. 335 u. a. 1909.

? Minimale Schwankungen („Fixationsfeld“) würden keinen genügenden Boden zur Erklärung geben.

Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 183 Objekte, Formen, Abstände resp. Winkelgröfsen wurden auch bei diesen Versuchen in verschiedener Weise variiert, es wurden verschiedene Orte für die Fixation gewählt und bei den tachisto- skopischen Versuchen durch Vorexpositionen eines Objekts ge- festigt: ein Punkt beiden Objekten gemeinsam (bei den Schenkel- anordnungen der Scheitel), ein Punkt eines der beiden Objekte oder ein Ort aulserhalb der beiden: im Bewegungsfelde oder aulserhalb desselben, seitwärts von den Objekten, über, unter ihnen.

In einfacher Weise klar ist das Verhalten bei Serienexposition, in Schieber- resp. Schieberprojektionsversuchen; man hat irgend- einen bestimmten Ort des Projektionsfeldes ruhig in Fixation, über ihn hinweg, seitwärts von ihm usw. spielt sich die gesehene Bewegung ab.

3. Dasselbe ergab Prüfung mittels eines Nachbildes.

Vor der Beobachtung wurde durch Fixieren einer stark leuchtenden Glühfadenfigur einer Lampe oder durch Fixieren eines kleinen leuchtenden Kreuzes in verdunkeltem Zimmer ein starkes Nachbild erzeugt. Der Beobachter fixierte nun, das Nach- bild im Auge, einen bestimmten Ort im Expositionsfelde, wodurch auf diesem Orte das Nachbild erschien. Auch hier wurde mit ver- schiedenen Objekten und verschiedenen Fixationsorten operiert. (Bei z. B., wo das Quadrat im Scheitel in beiden Expositionen (identisch) gegeben war, wurde das Kreuz des Nachbildes auf dieses Quadrat jizi d hien. In Vorexpo- 007 projiziert und erschie xp > s sition war das Quadrat (resp. dieses mit dem Vertikal- oder Horizontalstreifen) mehrmals exponiert.)

Das Resultat war das gleiche; das Nachbild blieb ruhig an seinem Orte; die optischen Bewegungseindrücke waren dieselben.

Das analoge wie hier bei Darbietungen im Stadium optimaler Bewegung ergab sich auch bei anders qualifizierten Eindrücken (88 7, 11, 15) und anderen Anordnungen.

4. Der visuelle Eindruck eines kurze Zeit exponierten Objekts dauert über die Expositionszeit hinaus.! Im allgemeinen dauerte bei den vorliegenden Sukzessivexpositionen der erste Eindruck nicht über das Erscheinen des zweiten hinaus an (vgl. hierzu $ 15); 184 Max Wertheimer.

in einzelnen Fällen war aber nach der Gesamtexposition, nach der gesehenen Bewegung das Nachbild des ersten Reizes noch vorhanden; oder kurz nach der Bewegung, zugleich mit dem des zweiten aufgetreten. Hier, wo die Bewegung gesehen war, ist es nun wichtig, in welcher Lage dann das Nachbild des ersten Reizes erschien? Es behielt seine richtige resp. erschien in der- selben Lage wie zuerst. So z. B. bei Exposition zweier Streifen in rechtem Winkel, « die Vertikale, 5 die Horizontale: „Drehung eines Streifens aus vertikaler in horizontale Lage, optimal, gleich darauf ein blasseres Nachbild des ganzen ruhenden Winkels an selber Stelle“. Oder in anderem Stadieneindruck vgl. $ 9 der schräge Streifen a „hatte sich zum Horizontalen zu bewegt, un- mittelbar nachher lag auch der schräge Streifen wieder darüber, an seinem Orte, blasser als vorher, aber deutlich“.

5. Eine Prüfung bezüglich der Frage der Augenbewegungen ergab schlielslich noch die Verwendung gleichzeitig mehre- rer Sukzessivexpositionen.

—— 4 a, und a, der ersten Exposition angehörig, d, und ——? db, der zweiten; die Exposition ergab zwei entgegengesetzte gleichzeitige Bewegungen = (analog bei Verschiedenartigkeit der Formen und Variation der Lagen). Es liefsen sich ferner zwei entgegengesetzte gleichzeitige Bewegungen im selben Bewegungsfelde erzielen s. Fig. XXIII S. 265 bei tachistoskopischer, einmaliger (oder mehrmaliger) Ex- position, analog vgl. Schieber N. XIV, S. 263; und es zeigte sich bald: man kann mehrere, drei, vier, verschieden gerichtete, disparate Bewegungseindrücke zu gleicher Zeit erzielen und eine Grenze scheint nur durch die Enge des Bewulstseins resp. des Auf- ınerksamkeitsbereiches gegeben; so ergaben sich (z. B. Fig. XXI S. 265) drei, ja vier deutliche Bewegungen zugleich; und ähnlich bei anderen Versuchen in verschiedenen Variationen. [Nicht etwa nur bei Einübung an den betreffenden Objekten, sondern auch bei erstmaliger Exposition, in völlig unwissentlichem Verfahren; wenn auch zu mehrfacher disparater, klarer Bewegung in so kurzer Gesamtexpositionszeit vorgängige Übung im Sinn der Weitung des Erfassensbereiches bei manchen Vp. erforderlich ist, die aber nicht bei denselben Anordnungen vorgenommen wurde. So er- gab auch bei allen Vpn. erstmalige überraschende Verwendung Experimentelle Studien über das Sehen von Beweyung. 185 dreier wirklicher, komplizierter Objekte (Exposition z. B. eines kleinen Käfigs, einer Pflanze und eines Traubenstücks zusammen in verschiedenen Sukzessivlagen) sofort die drei gleichzeitigen Bewegungen in klarer Weise.]

Wollte man diese Bewegungseindrücke durch Augenbewegung erklären, so mülste man hier mehrere, disparate, ja entgegen- gesetzte Augenbewegungen annehmen.

(Auch bei Annahme blofser sog. mssnbewerinsAnHer vationen*“, oder „Augenbewegungserinnerungen“ wäre man hier in die Notwendigkeit versetzt, mehrere, ja kontradiktorische als gleichzeitig wirksam anzunehmen).

Und schliefslich sei an kinematographische Bilder und an das Sehen wirklicher Bewegungen erinnert: wie komplizierte und auch gleichzeitig in verschiedener Weise vor sich gehende Be- wegungen man sehen kann und was für Zumutungen sich da für die Augenbewegungen resp. „Innervationen“* ergeben würden.

Die Tatsache, dafs die Bewegungserscheinung zwischen den beiden Reizen bei ruhig fixierendem Auge vorhanden ist, schlielst, bei dem gegebenen räumlichen Abstande der beiden Objekte, auch die konstitutive Fundierung dieser Bewegungserscheinung in dem Abstandsfelde durch blofse Vorgänge des Ab- und An- klingens der Erregung in den beiden gereizten Netzhautstellen selbst, aus. (Solche Vorgänge des An- und Abklingens können in Betracht kommen bei benachbarter Lage der beiden Netz- hautstellen, wenn sich nämlich die aufeinanderfolgenden Phasen- bilder überdecken!; hier wird die Erscheinung im Abstandsfelde zwischen den beiden Objektlagen gesehen.)

& 5. Der Sachverhalt ist: Gegeben sind sukzessiv zwei Objekte als Reize?; diese werden empfunden; zuerst wird a gesehen, zuletzt 5°; zwischen ihnen ı Vgl. hierzu Marse, Theorie der kinematographischen Projektionen, Leipzig 1910, S. 64.

? Beiden tachistoskopischen Versuchen war wesentliche Veränderung be- züglich der Helligkeit des Gesichtsfeldes resp. der Begrenzung des Gesichts- feldes durch Schwärze der Expositionsfelder vermieden; bei den Schieber- und Schieberprojektionsbeobachtungen blieb das Gesichtsfeld, von den beiden „Reizen“ abgesehen, dauernd gleich; so kann von zwei Einzelreizen ge- sprochen werden.

® Vgl. jedoch $ 12.

186 Max Wertheiner.

war die „Bewegung von a nach 5b gesehen“; ohne dals die ent- sprechende Bewegung resp. die raum-zeit-kontinuierlichen Zwischen- lagen zwischen a und 5 wirklich als Reize exponiert gewesen wären.

Der psychische Sachverhalt sei — ohne irgendeine Präjudiz — mit a @ 5 bezeichnet (vgl. jedoch $ 12); 9 bezeichnet, was aulser den Wahrnehmungen von a und b da ist, was zwischen a und b, in den Zwischenraum zwischen a und 5 vor sich geht; was zu as und 5 hinzukommt.

Im Sinne der S. 162 angeführten Betrachtungen wären zwei Thesen gegeben; und wie immer man das Sehen von Bewegungen auffafste, im Sinn aller vorliegenden Theorien (vgl. $ 20), ist mindestens eine der beiden sachlich erfordert, wenn auch in entsprechend verschiedener Fassung und Richtung.

Il. g ist etwas, a und Ö einheitlich betreffendes, sich auf ihnen aufbauendes, sie beide fassendes und verbindendes.

II. Der phänomenale Inhalt von @ ist durch subjektive Er- gänzung (oder auf Grund subjektiver Ergänzung) der objektiv nicht vorhandenen raum-, zeitkontinuierlichen Zwischenlagen ge- geben.

Man mülste demnach sagen: @ ist eine Angelegenheit, die schlechthin «a und db, und zwar einheitlich betrifft, einheitlich verbindet; und a und 5 müssen als notwendige, als die irgend fundierenden, tragenden Inhalte für p gedacht werden; endlich: 9 entsteht, indem zwischen den Lagen a und 5 die Zwischenlagen subjektiv ergänzt werden.

Die Beobachtung ‚der Erscheinungen wies aber in andere Richtung. Der Fortgang ergab immer klarer, dals hier ein ein- dringlich gegebenes Spezifisches vorliegen ınüsse; und führte schrittweise zu Versuchen, an der als notwendig erscheinenden absoluten Verkettung ap b zu rütteln.

8 6. Der optimale Bewegungseindruck zeigte ein Identisches sich Bewegendes; ein Objekt, das sich bewegt, dreht; bei Dauer- beobachtung in Serienexposition (adbabab...): ein Objekt, das sich hin und her bewegt, sich hinüber und herüber dreht.

[Selbst bei einiger Verschiedenheit von a und d kommt es zu solcher Identität; es tritt dann „Veränderung“ hinzu: in opti- Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 187 malem Bewegungstadium verändert sich da das eine, sich be- wegende Objekt. Zum Beispiel: als « ein längerer Streifen links, als 5 ein kürzerer rechts gegeben; es wird ein Strich gesehen, der sich von links nach rechts bewegt und sich verkürzt (dabei ergab sich öfters geradezu eine spezifische Bewegungskurve IM I )- Oder bei Verwendung verschieden gefärbter Objekte z. B. ein roter Streifen der sich abwärts bewegte und als blauer anlangte; bei Serienexposition ein Streifen, der sich hin und her bewegte und seine Farbe dabei im Wechsel änderte. — In gewissem Sinne gehören auch hierher Experimente mit Kurvenanordnungen (tachistoskopisch analog den Schiebern Nr. VIII, IX, X, S. 263) bei denen ein Strich erschien, der sich hinüber bewegt! und sich in sich biegt.]

Nebenbei: Dieser klar und zwingend im Erlebnis gegebene Eindruck eines Identischen? ist — ohne jedes Präjudiz — zu unterscheiden von einer Vermutung oder Überzeugung, es mit nur einem Dinge zu tun zu haben, die ev. neben dem Erlebnis vorhanden sein kann. Der Eindruck ist ein anderer als: ich sehe, ich sehe d, ich behaupte (mit Sicherheit), eg sei (imgrunde) dasselbe Ding gewesen. Ähnlich wie die gesehene Bewegung etwas phä- nomenales ist, etwas absolut anderes, als ein „jetzt da“ „jetzt dort“ mit der Überzeugung, dafs es hinübergegangen sein müsse, so ist auch der Eindruck der Identität von a und 5 bei optimaler Bewegung deutlich etwas anderes, als ein „da, dort ein gleiches, das dasselbe sein muls“. Solche Fälle gibt es; der scharfen Be- obachtung sind solche Fälle auch unter ungünstigen Umständen bald klar charakterisiert: die Frage der Identität ist da dem wirklich Erlebten gleichgültig; dem Gesehenen widerspricht es nicht, das Entgegengesetzte bei Überzeugung durch Gründe etwa anzunehmen und zu erleben; die Antwort, die eventuelle Statui- rung, es sei in b das Identische gegeben, fliefst nicht direkt aus dem Erlebnis. Das kann der Beobachter wohl unterscheiden; auch unter Umständen, die der Identitätsannahme sehr günstig sind, z. B. einem, wie man weils, realiter nur singulär vorhandenen Gegenstande; aber im Gegenteil: bei den regulären Versuchen Dieses unter Umständen mit besonderem Tiefeneffekt; vgl. auch ® Vgl. hierzu Linke a. a. O. 8. 476.

188 Max Wertheimer.

wulsten die Beobachter überall, dafs es sich um Sukzessiv- expositionen zweier verschiedener Objekte handle; und dazu: dem Beobachter wurden die Sukzessivexpositionen in ver- schiedensten, längeren und kürzeren Zwischenzeiten (ft) gegeben (s. $ 7, 9), verschiedene duale Eindrücke traten auf (s. $ 7£.), nur in gewissem Bereiche der?, mit relativ eng umrissenen Grenzen, trat — und dies ganz klar und zwingend — der Ein- druck des Identischen auf. Zwingend: in solchem Falle unmög- lich zu ändern, um-zu-vermuten. Selbst dann, wenn a und 5 in Farbe oder Form deutlich verschieden war — was ja dem Urteil (nicht-identisch) zuhilfe käme; wobei dann im optimalen Bewegungseindruck nur das Datum der Veränderung hinzu- kam. — Das waren zwei Momente des Eindrucks: Bewegung und Identität (s identisch mit 5b). Gehören diese beiden Momente konstitutiv zusammen? Sind sie notwendig verknüpft?’

Theoretisch könnte man erwarten, dals das Identischerscheinen notwendige Vorbedingung für den Eindruck der Bewegung sei; oder auch umgekehrt, dafs das Moment der Bewegung not- wendig den Eindruck der Identität mit sich bringe.

Es ergibt sich die experimentelle Frage: ist es möglich, diese zwei Momente zu trennen? Ist, wo hier Bewegung gesehen wird, notwendig überall auch das Moment der Identität (a = b) ge- geben? Treten die beiden Momente notwendig zusammen auf, verschwinden sie, konstitutiv zusammengehörig, überall zusammen, beim Übergange etwa vom optimalen Bewegungstadium zum Stadium der simultanen Ruhe?

Operiert man an der Grenze des Bereichs der optimalen £, in- dem man dieses z. B. etwas verkürzt, so ergeben sich bald Eindrücke, bei denen die Bewegung wohl klar daist, nicht aber die Identität von a und db. Man sieht die Bewegung, aber a und 5 sind zwei Dinge. Verändert man? in kleinen Stufen vom optimalen?i aus, so ergibt sich — die Beobachtung schärft sich bald im Erfassen der charakteristischen Eindrücke zwischen Dafs das Identischerscheinen für die Erklärung stroboskopischer Erscheinungen wesentlich sei wurde von Link behauptet und von MARBE bestritten (Vgl. Il. Kongr. f. exp. Psych. a. a. O. 8. 216, 218, s. auch hier Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 189 den Hauptstadien —, dafs der Eindruck der Identität zuerst verschwindet!, der Bewegungseindruck aber zunächst noch bleibt. Analog tritt beim umgekehrten Vorgehen vom Simultan- stadium in der Richtung zum optimalen Bewegung zuerst auf, Bewegung in Identität von a und 5 erst später. An der Grenze der Identitätszone selbst scheint sie oft „irgendwie vorhanden, unsicher oder noch mit einem Reste von Zweiheit“. Ebenso er- gaben sich beim Öperieren mit einzelnen herausgegriffenen solchen? (in einmaliger Exposition von a d, wie auch in Dauer- beobachtung bei mehrfacher Exposition) mannigfach Fälle, wo Identität von ab keineswegs da war, wohl aber Bewegung.

Das zeigte sich so bei verschiedenartigen Objektanord- nungen; analog bei Verwendung von zwei verschieden gefärbten oder geformten Objekten, bei denen sich diese Erscheinung klar unterschied von dem Eindruck des Optimalstadiums, bei dem sich „ein Identisches verändert“: hier wurde dann Bewegung gesehen, aber a und 5b waren zwei, auch qualitativ ungleiche Objekte.

Im Grenzstadium der Identität selbst spielt die Aufmerksam- keitsstellung eine Rolle, vgl. S. 207, 211.

Aber noch weit krasser speziell determinierte Fälle von klarer Dualität des a und 5 bei deutlich vorhandenen Bewegungen werden sich zeigen.

Anmerkung. Zu dem oben von dem Identitätseindruck Ge- sagten sei noch Folgendes bemerkt. Abgesehen von den speziellen Erfahrungen könnte es nahe liegen, sich den Vorgang etwa in der Weise zu denken, dafs irgendwie die „Identitätsvermutung“ auftritt und diese erst die „Annahme“ der Bewegung hervorbringt: ich sehe z. B. einen weilsen Strich von bestimmter Gröfse und Form, allein im Gesichtsfeld; dann wieder einen solchen in etwas anderer Lage, wieder allein: der Schlufs liegt sehr nahe, es sei derselbe gewesen in zwei verschiedenen Lagen und folglich: er habe sich von der ersten Lage in die zweite bewegt. Ähnliches könnte schliefsliich auch der Fall sein bei einiger Verschieden- heit der zwei Sehobjekte in Form, Farbe, Gröfse; es käme nur dazu, dafs es sich inzwischen auch noch gewandelt haben mülste.

Solche Fälle sind denkbar; in denen nichts als dies vor- 190 Max Wertheiner.

handen ist: « und 5 gesehen wurden, und man infolge solcher „Vermutungen“ eventuell auch fälschlich annehmen könnte, die Bewegung gesehen zu haben. Gegen solche Zurechtlegung der Phänomene sind aber hier — auch abgesehen vom klaren Zeugnis des Erlebnisses selbst — die schon erwähnten diametralen Gegen- instanzen vorhanden, man wulste ja, dafs 2 Reize da waren und sah sie in verschiedenen Erscheinungsweisen (s. $ 7); in optimalen Ex- positionsverhältnissen trat aber Bewegungiin Identitätzwingend auf; auch längere Betrachtung zeigte sich trotz Wissens günstig für den Eindruck (vgl. S. 196); — bei all diesen speziellen Beobachtungen war die Aufmerksamkeit so konzentriert auf das wirklich Gesehene, abseits von dergleichen Vermutungen oder Schlüssen, dals bei keinem der vielfach wiederholten und modifizierten Ex- perimente der Fall eintrat, dafs Identitätseindruck ent- stand und zugleich eine Unsicherheit, ein Zweifel da war, ob man Bewegung gesehen habe; auch bei nicht- optimalen Eindrücken nie der Eindruck eintrat, die Objekte seien zwar identisch, ob aber Bewegung gesehen worden sei, sei zweifel- haft oder sie sei sicher nicht gesehen worden; während sehr oft das Entgegengesetzte der Fall war: Bewegung wurde gesehen, aber Identität war zweifelhaft oder von einem Identitätseindruck «= b war sicher nichts vorhanden. Und: die Fälle Be- wegung mit, Bewegung ohne Identität von a und 5 traten nicht etwa gesetzlos auf, so dafs etwa einmal eben beide „Täuschungen“ eingetreten wären, einmal nur die eine (merkwürdigerweise hier nur die der Bewegung allein), sondern Bewegung ohne Identität von a=b zeigte zunächst sich als ein Stadieneindruck, der sich bei etwas kleinerem? als dem optimalen einstellte (etc. s. $ 11).

87. Gibt es qualitativ besonders geartete Eindrücke zwischen denen der gesehenen optimalen Bewegung von a nach 5b und den beiden der Simultaneität und der Sukzession?

Speziell: was ist bei Übergängen, bei Zeitverhältnissen die zwischen diesen drei ausgezeichneten Stadien liegen, gegeben?

Würde man sich die Antwort blofs konstruieren wollen, so schiene es auch nach den vorliegenden Theorien sicher, dafs hier, im Gebiete zwischen den Hauptstadien überall nur etwa Verschlechterung oder Grenzunklarheit der Eindrücke eintreten möchte; es würde unsicherer, undeutlicher, unzwingender, ob Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 191 man es mit Bewegung oder mit Ruhelage der Striche zu tun habe, bis schliefslich beim Übergehen zum Optimalstadium klare Bewegung einträte resp. die Extremstadien sichere, klare, Ruhe- lage zweier simultaner oder sukzessiver Objekte brächten.

Genauere Beobachtungen der Entwicklung im Übergange vom optimalen Stadium zu dem der Simultaneität resp. Sukzession und umgekehrt; Beobachtungen von ab in einzelner Sukzessiv- exposition in Zwischenzeiten ti, die zwischen dem? des Optimal- stadium einerseits, eines der Extremstadien andererseits liegen; Beobachtungen bei stufenweise fortachreitender Verkleinerung resp. Vergrölserung des t usw. ergaben Eindrücke qualitativ spezi- fischer Art; als hier wesentlichstes: die Erscheinung der Teil- bewegung. |