MARBE rekurrierte® auf die Tatsache des unbemerkten Phasen- ausfalles ° und sagte®: Weil die aufmerksame Beobachtung ge- nügt, um das kinetoskopische Phänomen aufzuheben, so muls es der Mangel der Aufmerksamkeit sein, der seinerseits die Er- scheinung hervorbringt.?
Nun zeigten die Aufmerksamkeitsexperimente $ 11, dafs Kon- zentrierung der Aufmerksamkeit in das Abstandsfeld der beiden Objekte die Bewegungserscheinung nicht aufhob, sondern im Gegenteil begünstigte. Und dasselbe gilt für die Experimente & 16: der Bewegungseindruck wurde dadurch nicht aufgehoben, sondern eher begünstigt, wenn die konzentrierte Aufmerksamkeit dorthin eingestellt wurde, wo klarerweise keine Phasen (Zwischenlagen) gegeben sind. Die Erklärung dieses Bewegungs- eindrucks durch Mangel der Aufmerksamkeit wäre also nicht möglich. Aber man sieht: MARBr ist richtig dahin zu verstehen, dafs es ihm auf das Sehen des bewegten Objekts im Be- wegungslelde ankommt; die etwaige Täuschung darüber kann durch Konzentration der Aufmerksamkeit in das Täuschungsfeld u. U. in der Tat aufgehoben werden; in den Experimenten 2 Vgl. Dünen, Philos. Studien 15, S. bOLf.
* Lmxz, Psychol. Studien 8, 8. 545; vgl. hier folg. Seite.
® Daselbst, S. 646: Los» definiert sie als Identitätstäuschungen.
° Neben den beim Stroboskop usw. tatsächlich erfolgenden verschieden- artigen Reizungen derselben Netzhautstelle (vgl. Manzzs allgemeine Fassung des TaLsorschen Gesetzes).
238 Max Wertheinıer.
$ 16 zeigte sich auch, dafs das Sehen des Objekts nicht da ist; wohl aber die Bewegung, das g-Phänomen.
Lmke war von ganz anderen Gesichtspunkten an das Problem herangegangen; in Mehrerem war er in seiner Be- handlung der Einzelprobleme zu Anschauungen gekommen, die sich auch hier ergaben!; er geht aber geradezu — und prinzipiell entscheidend — von der These aus, dafs der Identitätseindruck a = b primär, konstitutiv notwendig für den Bewegungseindruck sei. („Es bedarf der Tatsache der Identifikation...zu ihr treten die Assoziationen nur sekundär hinzu“? usf.) Erst durch die vorhandene Identifikation entsteht der Bewegungseindruck, sie ist die „Grundbedingung“ ® und „wie wir wissen, setzt Bewegung stets Identifikation voraus“*; zu ihr als primärem tritt Asso- ziation resp. Assimilation ° im Sinne Wunpts® und für das letztere führt Lm&e die extreme „Variabilität der Erscheinung“? ins Feld.
Die, für Lm&ke prinzipielle, These von der Identität? war möglich; stellt sich aber (s. oben $ 6, 7) heraus, dafs Bewegungs- eindrücke bei reiner Dualität der beiden Objekte da sind, dafs der Identitätseindruck bei Stadienveränderung, früher verschwindet als der Bewegungseindruck?, dafs es eine Reihe spezifischer Be- wegungserscheinungen gibt, s. a. $ 16, wo von Identität der beiden Objekte nichts vorhanden ist, wohl aber Bewegung, so ist es wohl nicht möglich, den Identitätseindruck in jener abso- luten Weise als das prinzipiell Fundierende des Bewegungs- eindruckes, als primäre conditio sine qua non, aufzufassen.
Bezüglich des zweiten Faktors, der nach Lmee als sekundärer zu dem der Identität hinzutritt, bringt Linke die Tatsache extremer Variabilität der Erscheinung als Argument: dals näm- © Wunpr, Phys. Psych., V. A., Bd. III, S. 528 ff.
® Vgl. Dürr in EsBineHAus, Grundzüge der Psychologie. 3. Aufl. S. 531.
®° Wenn Linke selbst a. a. O. S. 534 sagt: „In allen Fällen erschien und schwand mit der Identifikation zugleich auch der Bewegungseindruck“, so erklärt sich das wohl derart: operiert man in Dauerbeobachtung und zwar nicht in spezieller Auswahl der £ und Berücksichtigung der anderen Faktoren (vgl. hier S. 196, $ 11), so kann es beim Stroboskop leicht dazu kommen, dafs man (wegen der Einstellungswirkung usw.) keine Zwischen- stadieneindrücke sieht.
Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 239 lich? bei denselben objektiven Verhältnissen ungesetzmäfsig ver- schiedene Eindrücke, verschiedene Bewegungen resultieren.? Hier handelt es sich nun nicht um die Frage, ob Assimilation im Sinne Wunpvts vorliegt (vgl. hierzu u. S. 242), die Linke als sekundären, zum lIdentitätseindruck hinzutretenden Faktor statuiert (dafs frühere Erfahrung Verhältnisse des stroboskopischen Sehens be- einflussen kann, ist sicher richtig) — hier handelt es sich um die irreguläre Variabilität: in der hier vorliegenden Untersuchung (s. 88 7, 11) zeigte sich aber, dafs eben nicht, „trotz gleicher objektiver Faktoren“, schlechthin irregulär diese und jene Ein- drücke resultieren, sondern die Art der Eindrücke erwies sich von bestimmten, komplizierenden Faktoren abhängig (Dauer- beobachtung, und subjektiv: Einstellung, Aufmerksamkeitsstel- lung usw...LmKE operierte hierbei vielfach mit Objektanord- nungen, die technisch zwei verschiedenartige Eindrücke mög- lich machen, vergleiche aber hierzu die einfache Gesetzmälsig- [Linke selbst hat schon bezüglich beider seiner Faktoren, der „Identität“ und der „Assoziation“ Schwierigkeiten; bezüglich des zweiten greift er zu der Formulierung, dafs es „nicht Ein- wirkungen bestimmter früherer Erfahrungen sind“ (S. 537), denn es finden sich Bewegungserscheinungen, „für die sich in der sonstigen Erfahrung keine Analogien auffinden lassen“ (8. 531), ja „empirisch ganz unmögliche, in der Erfahrung niemals ver- wirklichte Bewegung“ (S. 537) und zieht sich auf den allgemeinen Satz zurück, dafs „Identität des räumlich Unterschiedenen nicht vorstellbar sei ohne den Gedanken an Bewegung oder an das Bestehen von Zwischenphasen“ (S. 545). [Wird dieses Identitäts- bewulstsein „vollends nicht erschlossen,...so ist diese Ver- knüpfung am festesten und wirkungsvollsten“ (8. 533).]| Und bezüg- lich des ersten Faktors, der Identität, vergleiche (S. 522) seine Formu- lierung der „relativen Kontinuität“ und die von Linke S. 531, 535 erwähnten Spuren einer dualen Bewegung.]
8 20. Betrachtet man verschiedene Theorien (vgl. S. 164) von den Ergebnissen dieser Untersuchung aus, so ergibt sich: I. Die Nachbild- resp. Nachbildstreifentheorie, die aus der Tatsache des Abklingens der Erregung in den ge- 240 Max Wertheimer.
reizten Netzhautstellen Bewegungserscheinungen ableitet, kann hier, wo es sich nicht um sukzessive Reizung mehrerer benach- barter Stellen handelt, konstitutiv nicht in Betracht kommen: hier handelt es sich um Eindrücke, die bei beträchtlichem Ab- stande von zwei gereizten Stellen, bei fixem Auge ($ 4) ent- stehen, und im wesentlichen um das Phänomen im Abstands- felde selbst, zwischen den gereizten Stellen. (Ein Neben- einander von abklingenden Phasen! benachbarter Netzhautstellen ist nicht vorhanden.)
II. Bezüglich der konstitutiven Fundierung durch Augen- bewegungen sei? auf $ 4 verwiesen; auch wenn man blols auf „Innervationen“ u. dgl. rekurrieren wollte, wäre di6 sonderbare Konsequenz $ 4, 8. 185 zu bedenken.
Ill. Gegenüber der Frage, ob man es hier mit Urteils- täuschungen zu tun habe, seien im wesentlichen folgende Punkte herausgehoben. Um eine Täuschung über physikalisch Reales darf es sich hier nicht handeln, sondern notwendig um die Frage einer Täuschung über psychisch Gegebenes; nicht ge- meint ist: ich täusche mich über physikalisch Vorhandenes, sondern: ich täusche mich im Beurteilen des Gesehenen; etwa: wirklich gesehen worden sei immer nur das ruhige a und db, dafs man meinte, auch Bewegung gesehen zu haben, sei die Täuschung. Nun wäre schon ad hominem zu bemerken, dafs der vermutbare Hauptgrund einer solchen Täuschung fehle: es gibt ja Bewegungs- erscheinungen (s. 88 6, 7, 16) ohne die scheinbare Identität.
Aber ferner: Die deutlichen, detaillierten, eindringlich ge- gebenen Erscheinungen der gesehenen Bewegung zwischen a und 5, wie sie die Selbstbeobachtungszeugnisse ergaben; immer wieder, trotzdem der Beobachter weis, dafs es sich um 2 ruhende Reize in Abstand und Sukzession handelt; Urteilstäuschungen sollten bei wiederholter, sorgfältiger Beobachtung, bei Dauer- beobachtung, bei Aufmerksamkeitskonzentration auf das Gegebene, bei scharfer Übung in Beobachtung tachi- Sofern solche z.B. beim Stroboskop in Betracht kommen (vgl. 88), ist es nötig, dem zur erschöpfenden Beschreibung der Sachlage Rechnung zu tragen, wobei die Marsesche Theorie der Elementarreize zweckmälsige Verwendung finden kann.
? Abgesehen davon, dafs eine Reihe anderer Bewegungstäuschungen gegen die Augenbewegungsfundierung sprechen, vgl. z. B. den Prarsarv- Dvoraxschen Versuch mit mehreren Spiralen.
Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 241 stoskopischer Erscheinungen, bei gründlicher Erfahrung (man hatte ja die verschiedenen Phänomene, auch ruhige Sukzession usw. in verschiedensten Variationen kennen gelernt) — Urteils- täuschungen sollten sich bei all dem schwächen, sollten schwin- den; das ist aber nicht der Fall; im Gegenteil (s. $$ 2, 7, 11). Aufser diesem Allgemeinen aber noch in Speziellem: bei Aufmerksamkeitskonzentration auf den kritischsten Ort der Täuschung (den Ort, wo das reinste „Täuschungsprodukt“ sich abspielen soll, Stellung der Aufmerksamkeit in das Abstandafeld, in den Winkelraum), wurde die Täuschung nicht vermindert, sondern eher verbessert, verstärkt. Bei scharfer Aufmerksam- keitsstellung auf eines der beiden Objekte bei einmaliger Ex- position blieb nicht etwa nun dieses von der Täuschung eher frei, sondern es erfolgte u. U. eher gerade dessen Teilbewegung. Und das reine 9-Experiment ($ 16): wo nun wirklich klar ist, dals von einer Zwischenlage, einer Farbe, einem Gegenstand in Bewegung in dem Abstandsfelde nichts zu sehen ist, man auch gar nicht denkt, dafs der Gegenstand sich bewege — nun mülste doch endlich die Täuschung schwinden?! s. $ 16. Und merkwürdig ist hier auch das 29-Phänomen ($ 16, S. 226), wo zwei Bewegungen, z. B. im Winkelraum rechts Drehung nach rechts, links Drehung nach links gesehen wurden, die Linie a aber sich nicht im geringsten etwa spaltete oder sich nach einer der beiden (oder beiden?) Richtungen zu bewegen schien.
Aber ferner: es wäre natürlich auch die Reihenfolge qualitativ verschiedener Erscheinungen aus der Theorie zu erklären: wie z. B. bei Veränderung der t nach Ganzbewegung über die Zwischenstadienerscheinungen der Weg zu Simultaneität ging usw. In jedem einzelnen Falle wäre eventuell ja — da bei Kon- struktion einer Urteilstäuschung frei postuliert werden kann — eine spezielle, plausible Erklärungsweise schlielslich denkbar; aber in der Zuordnung zu den Veränderungen der £? Man mülste — z. B. um das Phänomen der Teilbewegung oder Singularbewegung zu erklären! — zu recht ausgiebigen Konstruktionen greifen; aber wie dann beim stufenweise kon- tinuierlichen Übergang von optimaler Bewegung über die Er- scheinungen zum Extremstadium der Simultaneitätsruhe?
ı Zu recht komplizierten Gründen müfste auch bezüglich der speziellen „Bewegungskurven“ (s. 8. 187, 208) gegriffen werden. Zeitschrift für Psychologie 61. 16 Max Wertheimer.
Und schliefslich bliebe noch das gesetzmäfsige negative Nachbild der aneinandergereihten 9-Phänomene —.
IV. Bezüglich der Auffassung dieser Bewegungserscheinungen als einer Verschmelzung der Reizinhalte ergibt sich: 1.
3.
4.
der aund 5b verschmelzen nicht notwendig zu einem Identischen, es gibt Erscheinungen, bei denen Bewegung wohl vorhanden ist, nicht aber Identität der beiden Inhalte (siehe die duale Ganzbewegung $$ 6, 7 und die Teilbe- wegung). | . p ist nicht notwendig ein beide Inhalte a und d erfassendes, sondern betrifft beim Phänomen der Teilbewegung jedes der beiden für sich, ohne dafs die beiden in irgend- einem Sinn verschmolzen wären. Vgl. auch Teilbewegungen bei Verschiedenfarbigkeit resp. verschiedener Gestalt der beiden Inhalte ohne Veränderungseindruck, z. B. oben be- wegt sich ein rotes, unten ein blaues, s. $ 7.
Bei Singularbewegung betrifft 9 blols das eine Ob- jekt für sich, das andere bleibt ganz unberührt, s. $ 9.
In den Fällen $ 14 fehlt das Reizmaterial zur Verschmel- zung; in den Fällen $ 16 sind beide Objekte von der o-Erscheinung unberührt, zweiheitlich, ruhig.
. Würde man schliefslich notgedrungen zur Annahme bestimmter eigenartiger, relativ selbständiger, für sich reproduzierbarer Verschmelzungsprodukte greifen — die übrigens auch in sonderbarer Weise stückweise auftreten könnten (s. Teilbewegung) —, so ist, abgesehen von rein genetischer Theorie, alles Spezifische der Ver- schmelzung für die Erscheinung selbst annulliert: man hätte es dann mit spezifischen Phänomenen zu tun, von denen wohl genetische Entstehung in früherer Zeit durch Verschmelzung behauptet wird, die selbst aber, wie sie hier auftreten, durchaus nicht Verschmelzung von Reizen darstellen. V. Bezüglich der Auffassung dieser Erscheinungen im Sinn üblichsten Definitionen einer Gestaltqualität resp.
Komplexqualität (ferner Relationen usw.) gilt manches Analoge; sie erfordern die Tatsachen der S. 186 angeführten These I: 1. 9 mülste a und 5 phänomenal einheitlich betreffen, um- fassen; dagegen zeigte sich $ 7 m als Teilbewegung, als eine Angelegenheit, die phänomenal jede der beiden „fundierenden Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 243 Gegebenheiten“ rein für sich betriffi. 2. 9 mülste a und 5 be- treffen; dagegen s. die Singularbewegung $ 9. 3. a und 5 mülsten vorhanden sein, d. h. die fundierenden Inhalte — „mindestens zwei“ — mülsten irgendwie im Erlebnis enthalten sein; dagegen s.$ 14. 4. analog IV, 5 mülste aus Gründen des $ 16 und früherer Paragraphen die Theorie blo[s frühere genetische Ent- stehung, Reproduktion für sich — und die sonderbare Zer- stückelung (bei kleineren Teilbewegungen und Singular- bewegungen) behaupten.
Abgesehen von all diesem wäre es Aufgabe der Theorie, auch die sonstigen gesetzmälsigen Erscheinungen, die sich er- gaben, aus sich zu erklären, z. B. die duale Teilbewegung als Zwischenstadium auf dem Wege zwischen Ganzbewegung und Simultanstadium usf.
VI. Gründet @ in einem Vorgang (Hinübergang, Bewegung) der Aufmerksamkeit? Zuerst biete sich a der Aufmerksamkeit, dann 5; der Blickpunkt der Aufmerksamkeit, der zuerst «a erfalst, werde von a weggerissen, zu b hinübergezogen. Man könnte meinen: dieser Hinübergang der Aufmerksamkeit sei die Er- scheinung der Bewegung.
Unter Aufmerksamkeit kann verschiedenes verstanden wer- den; versteht man unter Aufmerksamkeit in spezi- eller Weise jenes experimentell ($ 11) verwandte Datum, nach dem der Beobachter sich in solcher Weise auf einen bestimmten Ort konzentriert, dals er die Er- scheinungen und Vorgänge an diesem Orte am schärfsten be- achtet und diese nun besonders klar und deutlich, im „Zentrum des Bewulstseins“, erscheinen, so ergibt sich, abgesehen davon, dafs dem Beobachter auch in dem reinen @-Experiment ($ 16) der y-Vorgang unterschieden erscheint von der wohlbekannten, geübten Erscheinung eines blofsen Hinübergangs des Zentrums der Aufmerksamkeit von einem Orte auf einen anderen, folgendes: 1. Ähnlich wie im $ 4 mit der Fixation des Auges verhielt es sich hier. Die Frage ist: gelingt es, die Aufmerksamkeits- stellung (s. $ 11) während der Versuche streng festzuhalten? Wenn, was ist dann der Effekt? Die experimentelle Prüfung stellte an die Schulung der Beobachter gröfsere Anforderungen; bei Übung in Aufgaben der Aufmerksamkeitseinstellungen kam es aber bald dahin, Aafs die Vp. mit Sicherheit Angaben dahin machen 244 Max Wertheimer.
konnte, ob ihre Aufmerksamkeitsstellung eine Änderung erlitten hatte oder nicht. Anfangs — wie bei der Fixationsprüfung — war nach gesehener Bewegung öfters der Ort der konzentrierten Aufmerksamkeit anderswo als zu Anfang des Versuchs, die Aufmerksamkeit war „hinübergerissen“ worden und man war zuletzt bei 5 oder jenseits von db. Bald aber ergab sich: die Aufmerksamkeitsstellung kann an einem Orte ruhig fest- bleiben (wieder wurde mit den verschiedenen Stellungen $ 11 operiert), die Bewegungserscheinungen spielten sich ebenso ab (über den Ort hin, von ihm aus, auf ihn zu, peripher von ihm usw.), in den $ 11 konformen Erscheinungen.!
2. Ferner wären die Konsequenzen bezüglich der, 8. 207, an- geführten Gesetzmälsigkeiten zu bedenken; wollte man rein von Hinübergängen des Aufmerksamkeitszentrums ausgehen, so mülsten die verschiedenen Postierungen (z. B. Postierung auf 5 oder peripher usw.) zu anderen Erscheinungen führen, als sie die Experimente des $ 11 ergaben.
3. Schliefslich müfste man, um den phänomenalen Er- scheinungen der p-Phänomene gerecht zu werden, bezüglich der phänomenalen Hinübergänge der Aufmerksamkeit sehr weit- gehende vielfache und sonderliche Leistungen zuschreiben, wenn z. B. s. $ 4 S. 184 gleichzeitig im selben Bewegungsfelde zwei entgegengesetzte Bewegungen erzielt wurden (ohne dafs figurale Vereinheitlichung Aa:5 B phänomenal irgend da war) oder wenn (vgl. S. 262, Anm. 1) ähnlich mehrere entgegen- gesetzte Bewegungen erschienen oder schliefslich bei Erzielung dreier, vierer disparater Bewegungen, unvereinheitlicht, im selben Felde. Man mülste hier mit mehreren isolierten gleichzeitigen Aufmerksamkeitshinübergängen rechnen.
Man sieht bald, dafs die g-Phänomene selbst mit „Klarheit und Deutlichkeit“ an bestimmtem Orte nichts direkt zu tun haben; sie selbst können weniger und mehr klar und deutlich sein, sich an peripheren oder mehr zentralen Orten der Aufmerkı Es lag auch nahe, mit hinzugefügten Erkennungsversuchen zu a operieren; so ergab z. B. Momentexposition von nicht etwa XAM Neigung zur Lesung „Max“, sondern Xam; u. ähnl.
Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 245 sarmkeit abspielen. Aufmerksamkeitshinübergang in dem hier verwendeten Sinn erscheint geradezu als ein Plus, das aufser der gesehenen Bewegung noch vorhanden sein kann, zwar unter einfachen Verhältnissen sich auch einstellt, konstitutiv aber nicht erforderlich ist.
[Wird „Aufmerksamkeit“ nicht in dem oben definierten Sinn verstanden, sondern in anderer Weise: irgendein zen- traler Faktor, der dem Zustandekommen der y-Phä- nomene zugrundeliege und der dergestalt wirkte, dals er in seinen Leistungen dem sub 2 und 3 Angeführten entspräche, so verweise ich auf S. 246: zentrale Vorgänge!selbst müssen sicher wohl zugrunde gelegt werden.?]
— Wollte man von Aufmerksamkeit im üblichen Sinn, in der Beziehung zu Klarheit und Deutlichkeit, absehen und glauben, aus rein logischen Gründen einen „Vorgang“ als einen „Vor- gang von etwas“ denken zu müssen, so ist dagegen zu sagen: dafs das im psychologischen Befunde nicht begründet ist; und warum sollte es nicht rein dynamische Phänomene geben? Es ist kein innerer Grund dafür vorhanden, psychologisch „dyna- misches* a priori auf „statisches“ zurückführen zu müssen.
[Anmerkung. Analoges, wie hier sub 1 und 3 wäre bezüglich der Auffassung zu sagen, dals die g-Vorgänge in einem „sukzes- siven Erfassen der Orte zwischen a und 5“ begründet seien. Auch hier ist 3 entscheidend: welche Fähigkeiten mülsten da vom Erfassen verlangt werden, wo mehrere Bewegungen zu- gleich gesehen werden! Auch diese Forderung erscheint als ein Plus (das bei diesen Experimenten auch nicht mehr geleistet wird), wenn man bedenkt, dafs die in Betracht kommenden (Lagen-)Orte zwischen den mehreren verschiedenen «a- und b-Ob- jekten hätten sukzessiv erfalst werden müssen. Ein phäno- menales Hinüber (eventuell ein Darüberhin, Hindurch durch den Abstand ab) ist wohl da; jede weitere Forderung aber stellt ein Plus dar, das zu übergrofsen Ansprüchen an die psychische Leistungsfähigkeit führt. Siehe schlielslich noch das sub 3 er- ? Bezüglich eines Rekurses auf konstitutive Wirksamkeiten vom „zen- tralen Nachbild“ aus, sei hier auf $ 15 8. 220 verwiesen, auf die Bewegungs- eindrücke bei Dauer des Reizes «= über das Erscheinen von 5 hinaus und das Experiment, bei dem a auch während der Dauer von b in anderer Farbe gegeben ist.
246 Max Wertheimer.
wähnte Experiment zweier gleichzeitiger entgegengesetzter Be- wegungen im selben Felde und das sub 1 Anm. 1 erwähnte, bei dem „sukzessives Erfassen“ in der Richtung nach links zur Nahe- legung von „Max“ führen sollte.]
8 21. Bei den vorliegenden Experimenten handelt es sich im wesentlichen darum, dafs sukzessiv zwei, voneinander durch einen Abstand getrennte Netzhautstellen gereizt wurden; Augen- bewegungen und Verhältnisse des An- und Abklingens der Er- regung in den betreffenden gereizten Netzhautstellen selbst können (s. $$ 4, 16) nicht als das konstitutiv Fundierende ange- sehen werden.
Dafs zur Fundierung zentrale Faktoren herangezogen werden müssen, hat schon Exner 1875 ausgeführt! im Anschluls an die Ergebnisse seines „Doppelstroboskops“ u. a.; aus anderen Ge- sichtspunkten MarpeE? auf Grund des Dürzschen Experiments über Phasenausfälle®; Wunpt*; dann Lm&e im Anschlufs an die, 8. 238 behandelten Erscheinungen; ScHuMmann auf Grund der „Bewegung ohne Ortsveränderung der Reizobjekte“.° Das Experiment S. 221, bei dem die Bewegungserscheinungen bei haploskopischer Betrachtung am Tachistoskop in Ana- logie zum Exnesschen Experimente, ohne Blickbewegung resul- tierten, zeigt in klarer Weise, dafs es nicht genügen kann, rein periphere Vorgänge betreffs des Einauges heranzuziehen: es mufs auf Vorgänge, die „hinter der Netzhaut liegen“, rekurriert werden. ©?
Exnee, Exper. Untersuchungen der einfachsten psychischen Prozesse, Arch. f. Physiol. 11, 8. 589. 1875: „Diese Bewegungsempfindung kommt entweder immer oder wenigstens in gewissen Fällen in jener, beiden Augen gemeinsamen Zone zustande“ usw.
® Vgl. Phil. Stud. Bd. 14, 1898, 8. 400: „der wichtigste Teil dieser Vor- gänge, die stroboskopischen Bewegungserscheinungen, beruhen aufserdem auf der Tatsache, dafs wir infolge rein zentraler Verhältnisse den Ausfall von Bewegungsphasen nicht bemerken.“ ® Düne, Phil. Stud. Bd. 10.
4 Wunprt, Phys. Psychol. II®.
® Schumann, II. Kongr. 8. 218.
®© In anderer Weise deuten auch die Gesetzmälsigkeiten $ 11 und 8 14 betreffs der bestimmenden Wirkungen der Aufmerksamkeit und der Ein- stellung auf zentrale Fundierung.
” N.B. Ich erwähne, dafs neuerdings ein pathologischer Fall (ein Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 247 Eine physiologische Theorie hat im Zusammenhange mit der experimentellen Forschung m. E. zweierlei Funktion: einer- seits soll sie die verschiedenen Einzelergebnisse und Gesetzmälsig- keiten in einheitlicher Weise zusammenfassen und deduzierbar machen; andererseits, und dies scheint das Wesentliche, durch diese einheitliche Zusammenfassung dem weiteren Vorwärts- kommen der Forschung dienen: indem sie zu konkreten experimentellen Fragestellungen führt, die zunächst der Prüfung der Theorie selbst, im Grunde aber zu weiterem Eindringen in die Gesetzmälsigkeiten der Erscheinungen taug- lich sind.
In diesem Sinne mag ein Schema physiologischer Fundierung hier anhangsweise kurz skizziert werden, das sich mir zur zu- sammenfassenden Ableitung der Ergebnisse und im Dienst spezieller Fragestellung im Verlaufe der Untersuchung ergab und das sich bei der Weiterarbeit bisher heuristisch bewährte. Wenn diese Hypothese auf schwierige und noch unbekannte Ge- biete übergreift, so scheint das hier die Sachlage zu erfordern; es scheint nötig und erlaubt, indem die Hypothese selbst zu konkreten Aufgaben experimenteller Entscheidung führt. Ich beschränke mich auf Skizzierung der wesentlichen Hauptzüge; ein näheres Eingehen soll erst im Zusammenhange mit experi- menteller Behandlung andrer, hier eingreifender Gebiete erfolgen. — Es handelt sich um bestimmte, zentrale Vorgänge, physiologische „Querfunktionen“ besonderer Art, die als das physiologische Korrelat der 9-Phänomene dienen.
Fall von Affektion beider Okzipitallappen) für zentrale Fundierung des Be- wegungssehens zu sprechen scheint: In der Wien. klin. Wochenschr. 24, 8. 518, Nr. 14, 1911, berichtet Dr. Pörzı von der betreffenden Patientin: „läfst man eine starke Lichtquelle in langsamer oder schnellerer Bewegung auf sie wirken, so scheint sie die Bewegung des Objekts nicht zu apperzipieren, sie bezeichnetdas, was sie sieht, als mehrere Lichter...“ [Ich habe mich im Mai 1911 daraufhin an den Verf. Dr. P. gewendet und hatte Gelegenheit, die Patientin sowohl mit verschiedentlicher wirklicher Bewegung als auch mit Schieberexperimenten im Laufe des Sommers 1911 wiederholt zu prüfen; die Stringenz leidet etwas durch die herabgesetzte Intelligenz der Vp.; doch ergab sich der Mangel des Be- wegungssehens trotz Erkennung der Farbe usw. immer wieder, während die Vp, wenn akustische Eindrücke halfen (Rascheln usw.) von „hin- und herflattern“ sprach. Dabei wurde die Farbe des objektiv Vorbei- bewegten erkannt.)
248 Max Wertheimer.
Es mufs nach neueren hirnphysiologischen Forschungen als wahrscheinlich angenommen werden, dals mit einer Erregung einer zentralen Stelle« eine physiologische Wirkung in gewissem Umkreis um dieselbe gesetzt ist. Werden zwei Stellen, a und 5, in Er- regung versetzt, 30 ergäbe sich beiderseits solche Umkreiswirkung, der Umkreis ist für Erregungsvorgänge prädisponiert.
Wird die Stelle « gereizt, in bestimmt kurzer Zeit nachher die nahe! Stelle 5, so träte eine Art physiologischen Kurz- schlusses von a nach d ein: in dem Abstand zwischen beiden Stellen finde ein spezifisches Hinüber von Erregung statt; ist der Grad der Umkreiswirkung von a z. B. an dem Höhepunkt seiner zeitlichen Verlaufskurve angelangt und bietet sich nun Umkreiswirkung von db, so flute Erregung hinüber, ein physio- logisch spezifischer Vorgang, dessen Richtung dadurch gegeben ist, dals a und die Umkreiswirkung um a zuerst da ist.
Je näher! die beiden Stellen «5 einander sind, desto gün- stiger sind die Bedingungen für ein Entstehen des p-Vorgangs (vgl. zum Gesetze des kleineren Abstands die verschiedenen Tat- Ist £, die Zwischenzeit zwischen dem Eintritt der Erregung in die beiden sukzessiv gereizten Stellen a und 5, zu grols, so ist die Umkreiswirkung um a schon erloschen, wenn die von 5 eintritt (Stadium der Sukzession); ist die Zwischenzeit kürzer, so, dafs die Umkreiswirkung von a da ist ev. am Höhepunkt ihrer Verlaufskurve sich befindet, wenn die von 5 eintritt, so er- gibt sich das Hinüber von Erregung; ist t sehr kurz, so treten die Umkreiswirkungen von a und 5 zu gleichzeitig auf (resp. hat die um a im kritischen Momente noch nicht ihre genügende Höhe erreicht), um den gerichteten Kurzschlufs zu ermög- lichen (Stadium der Simultanruhe). Vgl. noch S. 252.
Wie immer man zentrale Fundierung der Aufmerksamkeit denken mochte, immer ist zu formulieren: einer Stelle, an der das Aufmerksamkeitsfundierende (sei es nun: erhöhte Er- Es ist hier gleichgültig, ob dieses ‚näher‘ einfach geometrisch ge- dacht werden könnte (etwa im Sinn der Theorien der „Projektion der Retina‘) oder blofs Funktionsverbindung in Frage käme: auch wenn man keinerlei Bild der Retina zugibt, müssen die, benachbarten Stellen der Retina entsprechenden zentralen Einfallsstellen in besonderer, besonders starker, besonders „naher“ Funktionsverbindung miteinander stehend, ge- dacht werden.
Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 249 regbarkeit, oder höhere Leitbarkeit oder höherer Erregungszustand usw.) vorhanden ist, kommt eine erhöhte Disposition für Erregungen zu. Dem entsprächen nun in einfacher Konse- quenz die Ergebnisse des $ 11: Aufmerksamkeitsstellung im Ab- standsraum (zwischen «a und 5b) begünstigte das Phänomen; Stellung an den Ort eines der beiden Objekte eventuell die (Teil)- Bewegung daselbst usf. [Andererseits ist das subjektive Hervor- tretenlassen einer Figurenkontur S. 211 ein anderer, in anderer Weise wirksamer Faktor; es handelt sich dabei nicht um all- gemeine Erhöhung der dispositionellen Verhältnisse, sondern um Verstärkung bestimmter Verhältnisse, vgl. hierzu S. 252.)
Die Umkreiswirkungen sind naturgemäls in der Nähe der erregten Stellen am stärksten; sind nicht optimale Verhältnisse gegeben, z. B. ein! zwischen dem des Optimal- und dem des Simultanstadiums, so wirkt das Phänomen am stärksten an den Rändern bei den beiden Objekten, ist in der Mitte eventuell unterschwellig (duale Teilbewegung); aulserdem käme für völlig opti- male Bewegung (und Teilbewegung im Sinn der Bewegung des Objekts) qualitative Influenz von a respektive 5 her in Betracht; es braucht aber Influenz nicht notwendig stattzufinden: dem reinen 9-Phänomen $ 16 entspräche ein Hinübergang von Er- regung ohne qualitative Influenz von a und 5b her. (In dem Experiment S. 209 handelt es sich wohl um ein „Siegen“ nach Art des binokularen Wettstreits.)
Bezüglich der spezielleren Erscheinungen $ 15 ist zu sagen: es handelt sich bei diesen immer um ein späteres Auftreten der Exposition von 5 oder ein früheres Verschwinden von a; bei Wiederholung der Reizung, bei dispositionellen Faktoren kann auch bei längerer Expositionszeit, auch bei zeitlichem Übergreifen die Umkreiswirkung (Teilbewegung) wirksam werden. Dafs bei andersartiger Reizung von a während des Daseins von 5 der Effekt eintreten kann, läfst sich ebenfalls mit der vorstehenden An- schauung vereinigen.
Dem Charakter dieses physiologischen Vorgangs entsprächen ferner die Ergebnisse $ 10: die u. U. erfolgenden Wirkungen eines p-Vorgangs auf ein Objekt im Bewegungsfelde und auf eine benachbarte Sukzessivreizung.
Dafs mehrfache an sich noch zu schwache Einwirkungen in ihrer Summierung sich verstärken und ebenso, dafs mehrfach wiederholtes aktuelles Vorhandensein des bestimmten physio- 250 Max Wertheimer.
logischen Vorgangs das Eintreten desselben begünstigen, ist zu erwarten. (Vgl. die Wirkungen der Einstellung $ 7, $ 14.)
Und andererseits: ist dauernd ein starkes Hinüber bestimmter Richtung vorhanden, so ist zu erwarten, dafs es nachher, wenn der Reiz zum Hinüber aussetzt, zum Zurückfluten, zum Aus- gleiche in entgegengesetzter Richtung kommt: es ergäbe sich das negative Nachbild ($ 17).
Bei aneinandergereihten Sukzessivexpositionen (vgl. S. 231) schliefsen sich unter optimalen Verhältnissen die entstehenden Y-Vorgänge kontinuierlich aneinander und ergeben einen ein- heitlich kontinuierlichen Gesamtvorgang; der „Lagen- charakter“ vgl. $ 12 schwindet; hier scheint die Brücke zum Sehen dauernder wirklicher Bewegung gegeben: eine fort- schreitende Verkleinerung der „Abstände“ führt direkt zu den physikalischen Verhältnissen der wirklichen Bewegung; bei ihr käme so aulser dem Reizempfang selbst (und den durch ihn direkt bedingten Vorgängen) der einheitlich hinüber- gehende 9-Vorgang in Betracht. Dals bei wirklicher Be- wegung ein weit gröfserer Bereich der optimalen Zeiten (damit Schnelligkeiten der Bewegung) gegeben ist, er- klärte sich in einfacher Weise dadurch, dals, je kleiner der „Ab- stand“ wird, desto grölserer Bereich der optimalen?-Zeiten sich ergab; ist der Abstand klein oder wird mit kontinguierlichen Reizfolgen operiert (und ist bei aneinandergereihten Expositionen nicht durch zu grofse Dauer etc. der a, $...Zeiten der Ruhe- Lagencharakter der exponierten Lagen selbst begünstigt '), so ınuls man zu ganz exzessiven Verlangsamungen oder Beschleunigungen der Aufeinanderfolge (Vergrölserungen, Verkleinerungen der t) greifen, um von optimaler Bewegung aus eines der Extremstadien, sukzessive oder simultane Ruhelage, zu erreichen.
ı Von hier aus ergibt sich auch für die Prinzipien des Kinemato- graphen eine Beziehung: Vermehrung „der Phasenbilder“ ist für den Be- wegungseindruck nicht schlechthin ein günstiges Moment; einerseits wirkt es nur dann günstig, wenn die Expositionszeiten der Einzelphasen kurz genug sind, um nicht „Lagen“eindrücke selbst zu begünstigen; andererseits aber ist es zur Eindringlichkeit der Bewegung selbst nicht vonnöten (vgl. $ 16); die günstige Wirkung mag in erster Linie in dem Umstand liegen, dafs kleinere Abstände verwendet werden, die grofsen Spielraum verschiedener Schnelligkeiten geben.
Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 951 Exkurs.
Das Prinzipielle, das in der entworfenen Annahme liegt: dafs hirn- physiologisch aufser den Erregungen von einzelnen Stellen [und abgesehen von „leitungsassoziativen‘ Faktoren] spezifische „Querfunktionen‘“ in Be- tracht kommen sollen, Vorgänge, die sich, spezifisch zentral, zwischen er- regten Stellen abspielen resp. sich auf der Grundlage der Einzel- erregungen in charakteristischer Art aufbauen, legt einen Aus- blick anderer Richtung noch nahe.
Es liegt hier die Vermutung zugrunde, dafs nicht die Erregungs- vorgänge in den erregten Zellen selbst (peripherwärtse oder durch „Assoziationsleitung“ empfangen) oder die Summe dieser Einzel- erregungen das einzig wesentliche sind: sondern dafs eine wichtige und für manche, psychologisch herauszufassende, Faktoren direkt wesentliche Rolle charakteristischen Quer- und Gesamtvorgängen zukomme, die, aus der Erregung der Einzelstellen (ev. als Einfallstellen‘, als spezifisches Ganzes (gröfseren Bereichs) resultieren.
Hier würde eine solche Wirkung relativ einfacher Art wahrscheinlich: eine Querfunktion zwischen erregten Stellen (ein zentraler Vorgang zwischen zwei zeitlich determinierten Erregungen), eine Art physiologischen Kurz- schlusses, dem psychisch phänomenal das g-Phänomen entspräche. Manches, das sich bei den Experimenten ergab, deutet nun aber noch auf anderes hin.
Es war 8. 165 gesagt, dals bei Verkürzung der t-Zwischenzeiten das Simultanstadium erreicht wird; hierbei nun erscheinen die beiden Objekte in der Regel in besonderer Weise als duo in uno, als zwingende Ge- samtgestalt: nicht zwei Linien von einem Punkt ausgehend sind da, sondern ein Winkel; nicht oben eine Horizontale, unten eine, sondern die Gestalt ___ usf. Und einige andere Ergebnisse! deuten noch auf ein Be- sonderes bezüglich zwingender? Gestalteindrücke.