Fa] Das Ich und das Es Siem. Freud Das Ich und das Es Prof. Freud’s neue $ chrift setzt Gedankengänge fort, die im ‚Jenseits des Lustprinzips“ begonnen wurden, verknüpft sie mit Tatsachen der analytischen Beobachtung, sucht neue Schlüsse abzuleiten, macht aber keine neuen Anleihen bei der Biologie, steht darum der Psychoanalyse näher. Sie trägt eher den ‚Charakter der Synihese als einer Spekulation. "Dabei rührt sie an Dinge, die psychoanaly- isch bisher noch nicht bearbeitet worden sind.
nl len ‚Über die psychoanalytischen Forschungen informieren unsere beiden von Prof. Freud herausgegebenen Zeitschriften: IMAGO Zeitschrift für Anwendung der Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften INTERNATIONALE ZEITSCHRIFT FÜR PSYCHOANALYSE Im Jahre 1923 erscheinen in den beiden Zeitschriften u. a. folgende Beiträge: Prof. Freud: Bemerkungen zur Theorie und Dr. Eduard Hitschmann (Wien): Telepathie Praxis der Traumdeutung. und Psychoanalyse. — Eine Teufelsneurose im 17. Jahrhundert. Dr. St. Hollös (Budapest): Psychoanalytische Dr. Karl Abraham (Berlin): Ergänzungen zur Spuren in der vorfreudschen Psychiatrie. Lehre vom Analcharakter. Dr. Karen Horney (Berlin): En des — Neue Untersuchungen zur Psychologie der des weiblichen Kastrationskomplexes.
manisch-depressiven Zustände. Dr. Ernest Jones (London): Einige Probleme August Aichhorn (Wien): Über die Erziehung des jugendlichen Alters. in Besserungsanstalten. — Angstaffekt und Geburtsakt. Dr. F. lindern Beatin) ie ‚den en — Psychoanalyt. Studien über den Heiligen Geist. ddhas EEE AN orgängeitülber Da nern Jones (London): Zur Symbolik Dr. Sieofri BL x er Bäume, Br Be ern Sa Oien): Üben Kai Dr. A. Kielholz (Königsfelden): Zur Genese . und Dynamik des Erfinderwahnes. Dr. Felix Boehm’ (Berlin): Bemerkungen über £ 3 \ " Transvestitismus. Melanie Klein (Berlin): Zur Frühanalyse (Über Entwicklung und Hemmung von Begabungen).
Dr. A. van der Chijs (Amsterdam): Versuch zur Anwendung der objektiven Psychoanalyse auf die musikalische Komposition.
RudolfLöwen stein (Berlin): ZurPsychoanalyse der schwarzen Messen.
Doz. Dr. Felix Deutsch (Wien): Über‘ die Dr. F. Lowtzky (Berlin): Eine 'okkultistische Bildung des Konversionssymptoms. Bestätigung der Psychoanalyse.
Dr. S. Feldmann (Budapest) Die Graviditäts- Dr. Otto Rank (Wien): Zum Verständnis der Libidoentwicklung im Heilungsvorgang, neurosen, Dr. I. Hermann (Budapest): Zur Psychologie Dr. Geza Röheim (Budäpest): Nach dem Tode der Schimpansen. des Urvaters. — Über das psychologische Gesetz der Rand- Dr. Emil Simonson (Berlin): Schleichs Psycho- bevorzugung. physik und Freuds Metapsychologie.
IMAGO-BÜCHER DER KÜNSTLER .„ ANSÄTZE ZU EINER SEXUALPSYCHOLOGIE VON DR. OTTO RANK, ER | | TOLSTOIS KINDHEITSERINNERUNGEN EIN BEITRAG ZU FREUDS LIBIDOTHEORIE VON DR. N. OSSIPOW II DER EIGENE UND DER FREMDE GOTT ZUR PSYCHOANALYSE DER RELIGIÖSEN ENTWICKLUNG VON DR. THEODOR REIK Das Ich und das Es Siem. Freud 1.—8. Tausend Internationaler Psychoanalytischer Verlag Leipzig Wien Zürich ‚Über die psychoanalytischen Forschungen informieren unsere beiden von Prof. Freud herausgegebenen Zeitschriften: IMAGO Zeitschrift für Anwendung der Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften INTERNATIONALE ZEITSCHRIFT FÜR PSYCHOANALYSE Im Jahre 1923 erscheinen in den beiden Zeitschriften u. a. folgende Beiträge: Prof. Freud: Bemerkungen zur Theorie und Dr. Eduard Hitschmann (Wien): Telepathie Praxis der Traumdeutung. und Psychoanalyse. — Eine Teufelsneurose im 17. Jahrhundert. Dr. St. Hollös (Budapest): Psychoanalytische Dr. Karl Abraham (Berlin): Ergänzungen zur Spuren in der vorfreudschen Psychiatrie. Lehre vom Analcharakter. Dr. Karen Horney (Berlin): En des — Neue Untersuchungen zur Psychologie der des weiblichen Kastrationskomplexes.
manisch-depressiven Zustände. Dr. Ernest Jones (London): Einige Probleme August Aichhorn (Wien): Über die Erziehung des jugendlichen Alters. in Besserungsanstalten. — Angstaffekt und Geburtsakt. Dr. F. lindern Beatin) ie ‚den en — Psychoanalyt. Studien über den Heiligen Geist. ddhas EEE AN orgängeitülber Da nern Jones (London): Zur Symbolik Dr. Sieofri BL x er Bäume, Br Be ern Sa Oien): Üben Kai Dr. A. Kielholz (Königsfelden): Zur Genese . und Dynamik des Erfinderwahnes. Dr. Felix Boehm’ (Berlin): Bemerkungen über £ 3 \ " Transvestitismus. Melanie Klein (Berlin): Zur Frühanalyse (Über Entwicklung und Hemmung von Begabungen).
Dr. A. van der Chijs (Amsterdam): Versuch zur Anwendung der objektiven Psychoanalyse auf die musikalische Komposition.
RudolfLöwen stein (Berlin): ZurPsychoanalyse der schwarzen Messen.
Doz. Dr. Felix Deutsch (Wien): Über‘ die Dr. F. Lowtzky (Berlin): Eine 'okkultistische Bildung des Konversionssymptoms. Bestätigung der Psychoanalyse.
Dr. S. Feldmann (Budapest) Die Graviditäts- Dr. Otto Rank (Wien): Zum Verständnis der Libidoentwicklung im Heilungsvorgang, neurosen, Dr. I. Hermann (Budapest): Zur Psychologie Dr. Geza Röheim (Budäpest): Nach dem Tode der Schimpansen. des Urvaters. — Über das psychologische Gesetz der Rand- Dr. Emil Simonson (Berlin): Schleichs Psycho- bevorzugung. physik und Freuds Metapsychologie.
IMAGO-BÜCHER DER KÜNSTLER .„ ANSÄTZE ZU EINER SEXUALPSYCHOLOGIE VON DR. OTTO RANK, ER | | TOLSTOIS KINDHEITSERINNERUNGEN EIN BEITRAG ZU FREUDS LIBIDOTHEORIE VON DR. N. OSSIPOW II DER EIGENE UND DER FREMDE GOTT ZUR PSYCHOANALYSE DER RELIGIÖSEN ENTWICKLUNG VON DR. THEODOR REIK SIGM. FREUD DS Ich und das Es f : 5 ei Ho - > Das Ich und da r { e « il 5 Se 1. = ET. "Se sigan. Freud RR Er - 2.8. Tausend RS nu m -. 2 =$ * ir Se, x u x r Ede Me 2 we. N * 1923 Internationaler Psychoanalytischer Verlag © Leipzig Wien „Zürich = r: alle Sprai in en: Liebel, Wi N Gedruckt bei K.
vorbehalten Copyright 1923 aler Psychoanpalytischer Verlag, Ges. m. b. H., 4 B 3 3 = H = Alle Rechte \ by »Internation Das Ich und F Es m. Das Ich und das Überdch Se a m Die beiden Triebarten > = Nachstehende Erörterungen setzen Gedankengänge fort, die in meiner Schrift „Jenseits des Lustprinzips“ 1920 begonnen wurden, denen ich persönlich, wie dort erwähnt ist, mit einer gewissen wohlwollenden Neu- gierde gegenüber stand. Sie nehmen diese Gedanken auf, verknüpfen sie mit verschiedenen Tatsachen der analytischen Beobachtung, suchen aus dieser Vereinigung neue Schlüsse abzuleiten, machen aber keine neuen An- ‚leihen bei der Biologie und stehen darum der Psycho- analyse näher als das „Jenseits‘‘. Sie tragen eher den Charakter einer Synthese als einer Spekulation und scheinen sich ein hohes Ziel gesetzt zu haben. Ich weiß aber, daß sie beim Gröbsten Halt machen, und bin mit dieser Beschränkung recht einverstanden.
Dabei rühren sie an Dinge, die bisher noch nicht Gegenstand der psychoanalytischen Bearbeitung gewesen sind, und können es nicht vermeiden, manche Theorien zu streifen, die von Nicht-Analytikern oder ehemaligen Analytikern auf ihrem Rückzug von der Analyse auf- gestellt wurden. Ich bin sonst immer bereit gewesen, meine Verbindlichkeiten gegen andere Arbeiter anzu- erkennen, fühle mich aber in diesem Falle durch keine gewisse Dinge bisher nicht gewürdigt hat, so geschah Par; be Hr ES L » 8 38 Das Th und das Es x e solche Dankesschuld belastet. Wenn die Psychoanalyse es nie darum, weil sie deren Leistung übersehen hatte oder deren Bedeutung verleugnen wollte, sondern weil sie einen bestimmten Weg verfolgt, der noch nicht so weit geführt hatte. Und endlich, wenn sie dahin ge- kommen ist, erscheinen ihr auch die Dinge anders als den anderen.
I BEWUSSTSEIN UND UNBEWUSSTES In diesem einleitenden Abschnitt ist nichts Neues zu sagen und die Wiederholung von früher oft Gesagtem nicht zu vermeiden. Die Unterscheidung des Psychischen in Bewußtes und Unbewußtes ist die Grundvoraussetzung der Psycho- analyse und gibt ihr allein die Möglichkeit, die ebenso häufigen als wichtigen pathologischen Vorgänge im Seelenleben zu verstehen, der Wissenschaft einzuordnen. Nochmals und anders gesagt: die Psychoanalyse kann das Wesen des Psychischen nicht ins Bewußtsein ver- legen, sondern muß das Bewußtsein als eine Qualität des Psychischen ansehen, die zu anderen Qualitäten hinzukommen oder wegbleiben mag.
Wenn ich mir vorstellen könnte, daß alle an der Psychologie Interessierten diese Schrift lesen werden, so wäre ich auch daraut vorbereitet, daß schon an ‘ dieser Stelle ein Teil der Leser Halt macht und nicht weiter mitgeht, denn hier ist das erste Schibboleth der Psychoanalyse. Den meisten philosophisch Gebil- Io Das Ich und das Es deten ist die Idee eines Psychischen, das nicht auch bewußt ist, so unfafßibar, daß sie ihnen absurd und durch bloße Logik abweisbar erscheint. Ich glaube, dies kommt nur daher, daß sie die betreffenden Phänomene der Hypnose und des Traumes, welche — vom Patho- logischen ganz abgesehen — zu solcher Auffassung zwingen, nie studiert haben. Ihre Bewußtseinspsycho- logie ist aber auch unfähig, die Probleme des Traumes und der Hypnose zu lösen.
Bewußt sein ist zunächst ein rein deskriptiver Ter- minus, der sich auf die unmittelbarste und sicherste Wahrnehmung beruft. Die Erfahrung zeigt uns dann, daß ein psychisches Element, z. B. eine Vorstellung gewöhnlich nicht dauernd bewußt ist. Es ist vielmehr charakteristisch, daß der Zustand des Bewußtseins rasch vorübergeht; die jetzt bewußstte Vorstellung ist es im nächsten Moment nicht mehr, allein sie kann es unter gewissen leicht hergestellten Bedingungen wieder werden, Inzwischen war sie, wir wissen nicht was; wir können sagen, sie sei latent gewesen, und meinen dabei, daß sie jederzeit bewußtseinsfähig war. Auch wenn wir sagen, sie sei unbewußtt gewesen, haben wir eine korrekte Beschreibung gegeben. Dieses Unbewußt fällt dann mit latent-bewußtseinsfähig zusammen. Die Philo- sophen würden uns zwar einwerfen: Nein, der Terminus unbewußt hat hier keine Anwendung, solange die Vor- stellung im Zustand der Latenz war, war sie überhaupt nichts Psychisches. Würden wir ihnen schon an dieser I. Bewußtsein und Unbewußtes Il Stelle widersprechen, so gerieten wir in einen Wort- streit, aus dem sich nichts gewinnen ließe.
Wir sind aber zum Terminus oder Begriff des Un- bewußten auf einem anderen Weg gekommen, durch Verarbeitung von Erfahrungen, in denen die seelische Dynamik eine Rolle spielt. Wir haben erfahren, d: h. annehmen müssen, daß es sehr starke seelische Vor- gänge oder Vorstellungen gibt, — hier kommt zuerst ein quantitatives, also ökonomisches Moment in Betracht — die alle Folgen für das Seelenleben haben können wie sonstige Vorstellungen, auch solche Folgen, die wiederum als Vorstellungen, bewußt werden können, nur werden sie selbst nicht bewußt. Es ist nicht nötig, hier aus- führlich zu wiederholen, was schon so oft dargestellt worden ist. Genug, an dieser Stelle setzt die psycho- ‚analytische Theorie ein und behauptet, daß solche Vor- . stellungen nicht bewußst sein können, weil eine gewisse Kraft sich dem widersetzt, daß sie sonst bewußt werden könnten und daf man dann sehen würde, wie wenig sie sich von anderen anerkannten psychischen Elementen unter- scheiden. Diese Theorie wird dadurch unwiderleglich, daß sich in der psychoanalytischen Technik Mittel ge- funden haben, mit deren Hilfe man die widerstrebende Kraft aufheben und die betreffenden Vorstellungen be- wußt machen kann. Den Zustand, in dem diese sich vor der Bewußtmachung befanden, heißen wir Ver- drängung, und die Kraft, welche die Verdrängung herbeigeführt und aufrecht gehalten hat, behaupten 12 Das Ich und das Es wir während der analytischen Arbeit als Widerstand zu verspüren. > Unseren Begriff des Unbewußten gewinnen wir also aus der Lehre von der Verdrängung. Das Verdrängte ist uns das Vorbild des Unbewufßtten. Wir sehen aber, daß wir zweierlei Unbewußtes haben, das latente, doch bewußtseinsfähige und das Verdrängte, ansich undohne weiteres nicht bewußtseinsfähige. Unser Einblick n die psychische Dynamik kann nicht ohne Einfluß uf Nomenklatur und Beschreibung bleiben. Wir heißen das Latente, das nur deskriptiv unbewußt ist, nicht im dynamischen Sinne, vorbewußt; den Namen un- bewußt beschränken wir auf das dynamisch unbewußte Verdrängte, so daß wir jetzt drei Termini haben, b- wußt (dw), vorbewußt (v6w) und unbewußt (zdw),. deren Sinn nicht mehr rein deskriptiv ist. Das Fbw, nehmen wir an, steht dem zw viel näher als das Udw = und da wir das Udw psychisch geheifßen haben, werden wir es beim latenten F/dw umso unbedenklicher tun. Warum wollen wir aber nicht lieber im Einvernehmen mit den Philosophen bleiben und. das Fdw wie das Ubw konsequenter Weise vom bewußten Psychischen trennen? Die Philosophen würden uns dann vorschlagen, das VPiw wie das Ubw als zwei Arten oder Stufen des Psychoiden zu beschreiben, und die Einigkeit wäre hergestellt. Aber unendliche Schwierigkeiten in der Darstellung wären die Folge davon und die einzig wichtige Tatsache, daß diese Psychoide fast in allen ee Tee a Fe $ a a a Frrz Bl > ae gan DEU a FE FE BET EI "I. Bewußtsein und Unbewußtes 13 anderen Punkten mit dem anerkannt Psychischen übereinstimmen, wäre zu Gunsten eines Vorurteils in den Hintergrund gedrängt, eines Vorurteils, das aus der Zeit stammt, da man diese Psychoide oder das Bedeut- samste von ihnen noch nicht kannte.
Nun können wir mit unseren drei Terminis, dw, vbw und udw, bequem wirtschaften, wenn wir nur nicht vergessen, daß es im deskriptiven Sinne zweierlei Unbewußstes gibt, im dynamischen aber nur eines. Für manche Zwecke der Darstellung kann man diese Unter- scheidung vernachlässigen, für andere ist sie natürlich unentbehrlich. Wir haben uns immerhin an diese Zwei- deutigkeit des Unbewußsten ziemlich gewöhnt und sind gut mit ihr ausgekommen. Vermeiden läßt sie sich, soweit ich sehen kann, nicht; die Unterscheidung zwischen Bewußtem und Unbewußstem ist schließlich eine Frage der Wahrnehmung, die mit Ja oder Nein zu beantworten ist, und der Akt der Wahrnehmung selbst gibt keine Auskunft darüber, aus welchem Grund etwas wahr- genommen wird oder nicht wahrgenommen wird. Man darf sich nicht darüber beklagen, daf3 das Dynamische in der Erscheinung nur einen zweideutigen Ausdruck findet."
ı) Soweit vgl.: Bemerkungen über den Begriff des Unbewußten. Sammlung kleiner Schriften zur Neurosenlehre, 4. Folge. — Eine neuerliche Wendung in der Kritik des Unbewußten verdient an dieser Stelle gewürdigt zu werden. Manche Forscher, die sich der Anerkennung der psychoanalytischen Tatsachen nicht ver- schließen, das: Unbewußte aber nicht annehmen wollen, schaffen sich eine Auskunft mit Hilfe der unbestrittenen Tatsache, daß auch a ah AN MR Na 7 ee tz \ RE \% U NEON TTEE BUN TLAGHDE MIT Vr} IA. Das Ich und das Es Im weiteren Verlauf der psychoanalytischen Arbeit stellt sich aber heraus, daß auch diese Unterscheidungen unzulänglich, praktisch insuffizient sind. Unter den Situationen, die das zeigen, sei folgende als die entscheidende hervorgehoben. Wir haben uns die Vorstellung von einer zusammenhängenden Organisation der seelischen Vorgänge in einer Person gebildet und heißen diese das Ich derselben. An diesem Ich hängt das Bewußt- sein, es beherrscht die Zugänge zur Motilität, d. i.: zur Abfuhr der Erregungen in die Außenwelt; es ist E diejenige seelische Instanz, welche eine Kontrolle über das Bewußtsein — als Phänomen — eine große Reihe von Abstufungen der Intensität oder Deutlichkeit erkennen läßt. So we es Vorgänge gibt, die sehr lebhaft, grell, greifbar bewußt sind, so erleben wir auch andere, die nur schwach, kaum eben merklich bewußt sind, und die am schwächsten bewußten seien eben die, für welche die Psychoanalyse das unpassende Wort unbewußt ge-.
brauchen wolle. Sie seien aber doch auch bewußt oder „im Bewußt- sein“ und lassen sich voll und stark bewußt machen, wenn man ihnen genug Aufmerksamkeit schenkte.
Soweit die Entscheidung in einer solchen entweder von der Konvention oder von Gefühlsmomenten abhängigen Frage durch ‚Argumente beeinflußt werden kann, läßt sich hiezu folgendes be- merken: Der Hinweis auf eine Deutlichkeitsskala der Bewußtheit hat nichts Verbindliches und nicht mehr Beweiskraft als etwa die analogen Sätze: es gibt so viel Abstufungen der Beleuchtung vom grellsten, blendenden Licht bis zum matten Lichtschimmer, folglich gibt es überhaupt keine Dunkelheit. Oder: es gibt verschiedene Grade von Vitalität, folglich gibt es keinen Tod. Diese Sätze mögen ja in einer gewissen Weise sinnreich sein, aber sie sind praktisch verwerflich, wie sich herausstellt, wenn man be- stimmte Folgerungen von ihnen ableiten will, z. B.: also braucht u “- ER > ES Zu ya Fa 2 iR ne SSR R on RE} er (be 37 .
REN ER 4127 f. DAL Ko AAN Arge I. Bewußtsein und Unbewußtes ‘15 all ihre Partialvorgänge ausübt, welche zur Nachtzeit schlafen geht und dann immer noch die Traumzensur handhabt. Von diesem Ich gehen auch die Verdrän- gungen aus, durch welche gewisse seelische Strebungen nicht nur vom Bewußtsein, sondern auch von den anderen Arten der Geltung und Betätigung ausgeschlossen werden sollen. Dies durch die Verdrängung Beseitigte stellt sich in der Analyse dem Ich gegenüber, und es wird der Analyse die Aufgabe gestellt, die Widerstände aufzu- heben, die das Ich gegen die Beschäftigung mit dem Verdrängten äußert. Nun machen wir während der Analyse die Beobachtung, daß der Kranke in Schwierigman kein Licht anzustecken, oder: also sind alle Organismen un- sterblich. Ferner erreicht man durch die Subsumierung des Un- merklichen unter das Bewußte nichts anderes, als daß man sich die einzige unmittelbare Sicherheit verdirbt, die es im Psychischen überhaupt gibt. Ein Bewußtsein, von dem man nichts weiß, scheint mir doch um vieles absurder als ein unbewußtes Seelisches. Endlich ist solche Angleichung des Unbemerkten an das Unbewußte offen- bar ohne Rücksicht auf die dynamischen Verhältnisse versucht worden, welche für die psychoanalytische Auffassung maßgebend waren. Denn zwei Tatsachen werden dabei vernachlässigt; erstens, daß es sehr schwierig ist, großer Anstrengung bedarf, um einem solchen Unbemerkten genug. Aufmerksamkeit zuzuführen, und zweitens, daß, wenn dies gelungen ist, das vordem Unbemerkte jetzt nicht vom Bewußtsein erkannt wird, sondern oft genug ihm völlig fremd, gegensätzlich erscheint und von ihm schroff abgelehnt wird. Der Rekurs vom Unbewußten auf das wenig Bemerkte und nicht Bemerkte ist also doch nur ein Abkömmling des Vorurteils, dem die Identität des Psychischen mit dem Bewußten ein für alle Mal feststeht.
16 Das Ich und das Es keiten gerät, wenn wir ihm gewisse Aufgaben stellen;..
seine Assoziationen versagen, wenn sie sich dem Ver- drängten annähern sollen. Wir sagen ihm dann, er stehe unter der Herrschaft eines Widerstandes, aber er weif nichts davon und selbst, wenn er aus seinen Unlustgefühlen erraten sollte, daß jetzt ein Widerstand in ihm wirkt, so weiß er ihn. nicht zu benennen und anzugeben. Da aber dieser Widerstand sicherlich von seinem Ich ausgeht und diesem angehört, so stehen wir vor einer unvorhergesehenen Situation. Wir haben im Ich selbst etwas gefunden, was auch unbewußt ist, sich gerade so benimmt wie das Verdrängte, d.h. starke Wirkungen äußert, ohne selbst bewußt zu werden, und zu dessen Bewußtmachung es einer besonderen Arbeit bedarf. Die Folge dieser Erfahrung für die analytische Praxis ist, daß wir in unendlich viele Undeutlichkeiten und Schwierigkeiten geraten, wenn wir an unserer ge- wohnten Ausdrucksweise festhalten und z.B. die Neurose auf einen Konflikt zwischen dem Bewußten und dem Unbewußten zurückführen wollen. Wir müssen für diesen Gegensatz aus unserer Einsicht in die struk- turellen Verhältnisse des Seelenlebens einen anderen einsetzen, den zwischen dem zusammenhängenden Ich und dem von ihm abgespaltenen Verdrängten.'
Die Folgen für unsere Auffassung des Unbewußten sind aber noch bedeutsamer. Die dynamische Betrachtung hatte uns die erste Korrektur gebracht, die strukturelle 7) Vgl. Jenseits des nn I. Bewußtsein und Unbewußtes 17 Einsicht bringt uns die zweite. Wir erkennen, daß das Ubw nicht mit dem Verdrängten zusammenfällt; es bleibt richtig, daß alles Verdrängte zdw ist, aber nicht alles Ubw ist auch verdrängt. Auch ein Teil des Ichs, ein Gott weiß wie wichtiger Teil des Ichs kann zbw sein, ist sicherlich zd6w. Und dies Udw des Ichs ist nicht latent im Sinne des Vdw, sonst dürfte es nicht aktiviert werden, ohne dw zu werden, und seine Bewußtmachung dürfte nicht so große Schwierigkeiten bereiten. Wenn wir uns so vor der Nötigung sehen, ein drittes, nicht verdrängtes Udw aufzustellen, so müssen wir zugestehen, daß der Charakter des Unbewußtseins für uns an Be- deutung verliert. Er wird zu einer vieldeutigen Qualität, die nicht die weitgehenden und ausschließenden Fol- gerungen gestattet, für welche wir ihn gerne verwertet hätten. Doch müssen wir uns hüten, ihn zu vernach- lässigen, denn schließlich ist die Eigenschaft bewußt oder nicht die einzige Leuchte im Dunkel der Tiefen- | psychologie.
Freud: Das Ich und das Es 2 ‚vieldeutig es sein kann.
I DAS ICH UND DAS ES möchten mehr vom Ich erfahren, seitdem wir wissen daß auch das Ich unbewußt im eigentlichen Sinne sein & kann. Unser einziger Anhalt während unserer Unter- suchungen war bisher das Kennzeichen des Bewußt oder Unbewußtseins; zuletzt haben wir gesehen,. w Nun ist all unser Wissen immer an das Bewußl gebunden. Auch das Ubw können wir nur dadurch kennen lernen, daß wir es bewußt machen. Aber halt wie ist das möglich? Was heißt: etwas bewußt machen | Wie kann das vor sich gehen? 3 Wir wissen schon, wo wir hiefür anzuknüpfen haben DS re FB a a ee RESET HE a N ee | a} r II. Das Ich und das Es im Sinne der anatomischen Zergliederung.‘ Auch unser Forschen muß diese wahrnehmende Oberfläche zum Ausgang nehmen.
Von vornherein dw sind alle Wahrnehmungen, die von außen herankommen (Sinneswahrnehmungen), und von innen her, was wir Empfindungen und Gefühle heißen. Wie aber ist es mit jenen inneren Vorgängen, die wir etwa — roh und ungenau — als Denkvorgänge zusammenfassen können? Kommen sie, die sich irgendwo im Innern des Apparats als Verschiebungen seelischer Energie auf dem Wege zur Handlung vollziehen, an die Oberfläche, die das Bewußtsein entstehen läßt, heran? Oder kommt das Bewußtsein zu ihnen? Wir merken, das ist eine von den Schwierigkeiten, die sich _ ergeben, wenn man mit der räumlichen, topischen, Vor- stellung des seelischen Geschehens Ernst machen will. Beide Möglichkeiten sind gleich unausdenkbar, es müßte etwas drittes der Fall sein.
An einer anderen Stelle® habe ich schon die An- nahme gemacht, daß der wirkliche Unterschied einer ubw von einer vw Vorstellung (einem Gedanken) darin besteht, daß die erstere sich an irgendwelchem Mate- rial, das unerkannt bleibt, vollzieht, während bei der _ letzteren (der vdw) die Verbindung mit Wortvorstelı) S. Jenseits des Lustprinzips.
2) Das Unbewußte, Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, II. 1915 (auch: Sammlung kleiner Schriften zur Neurosenlehre, 4. Folge. 1918.)
2* 20 Das Ich und das Es lungen hinzukommt. Hier ist zuerst der Versuch gemacht, für die beiden Systeme Fdw und Ubw Kenn- = zeichen anzugeben, die anders sind als die Beziehung, zum Bewußtsein. Die Frage: Wie wird etwas bewußt? lautet also zweckmäßiger: Wie wird etwas vorbewußt? Und die Antwort wäre: durch Verbindung mit den entsprechenden Wortvorstellungen.
Diese Wortvorstellungen sind Erinnerungsreste, sie waren einmal Wahrnehmungen und können wie alle Erinnerungsreste wieder bewußt werden. Ehe wir noch weiter von ihrer Natur handeln, dämmert uns wie eine neue Einsicht auf: bewußt werden kann nur das, was schon einmal dw Wahrnehmung war, und was außer Gefühlen von innen her bewußt werden will, muß versuchen sich in äußere Wahrnehmungen umzusetzen. Dies wird mittels der Erinnerungsspuren möglich, Die Erinnerungsreste denken wir uns in Systemen enthalten, welche unmittelbar an das System W-Bw anstoßen, so daß ihre Besetzungen sich leicht auf die Er Elemente dieses Systems von innen her fortsetzen können. Man denkt hier sofort an die Halluzination und an die Tatsache, daß die lebhafteste Erinnerung immer noch von der Halluzination wie von der äußeren Wahrnehmung _ unterschieden wird, allein ebenso rasch stellt sich die Aus- * Ei urn 3, 22 RZ 2 ur DR yes re E es as MER 3 et f HER "iR han, e., Aal PAR A BLY ar Ya 5 4 er KR A BEE v, 77 m Bir AETERTERT RAT Fr y RT: PR, MIST Au T A Une F ] Uran Ar ah SE ee er Ze v kunft ein, daß bei der Wiederbelebung einer Erinnerung die Besetzung im Erinnerungssystem erhalten bleibt, während die von der Wahrnehmung nicht unterscheidbare Halluzination entstehen mag, wenn die Besetzung we hu 7 5 ne Ur I > DE a a a a ee N nn U er nit TE m; IE A Va Er a BEE Fe Et ar Pr en an Ha a PEN he X ed = >: 7 II. Das Ich und das Es nicht nur von der Erinnerungsspur auf das /W-Element 2 übergreift, sondern völlig auf dasselbe übergeht.
Die Wortreste stammen wesentlich von akustischen Wahrnehmungen ab, so dafs hiedurch gleichsam ein besonderer Sinnesursprung für das System Vbw gegeben ist. Die visuellen Bestandteile der Wortvorstellung kann man als sekundär, durch Lesen erworben, zunächst vernachlässigen und ebenso die Bewegungsbilder des Wortes, die außer bei Taubstummen die Rolle von unterstützenden Zeichen spielen. Das Wort ist doch eigentlich der Erinnerungsrest des gehörten Wortes.
Es darf uns nicht beifallen, etwa der Vereinfachung zuliebe, die Bedeutung der optischen Erinnerungs- reste — von den Dingen — zu vergessen, oder zu ver- leugnen, daß ein Bewufßtwerden der Denkvorgänge durch Rückkehr zu den visuellen Resten möglich ist und bei vielen Personen bevorzugt scheint. Von der Eigenart dieses visuellen Denkens kann uns das Studium der Träume und der vorbewußten Phantasien nach den Beobachtungen J. Varendoncks eine Vorstellung geben. Man erfährt, daf dabei meist nur das konkrete Material des Gedankens bewußt wird, für die Relationen aber, die den Gedanken besonders kennzeichnen, ein visueller Aus- druck nicht gegeben werden kann. Das Denken in Bildern ist also ein nur sehr unvollkommenes Bewußtwerden.
Es steht auch irgendwie den unbewußten Vorgängen näher als das Denken in Worten und ist unzweifelhaft onto- wie phylogenetisch älter als dieses.
. ef RES, N EN Piz: ERS 22 | Das Ich und das Es _ Verdrängtes Lonbewnßt; zu beantworten: indert wi: solche vdw Mittelglieder durch die analytische Arbeit herstellen. Das Bewußtsein verbleibt also an seiner Stelle, aber auch das Udw ist nicht etwa zum Dw auf gestiegen. a Während die Beziehung der äußeren Wahrnehmung Wahrnehmung zum Ich eine besondere Untersuchel heraus. Sie läßt noch einmal den Zweifel auftauchen, ob man wirklich Recht daran tut, alles Bewußtsein auf das eine oberflächliche System W-Bw zu beziehen. Die innere Wahrnehmung ergibt Empfindungen von = = Vorgängen aus den verschiedensten, gewiß auch tiefsten Schichten des seelischen Apparats. Sie sind schlecht gekannt, als ihr bestes Muster können noch die der Lust-Unlustreihe gelten. Sie sind ursprünglicher, R- elementarer, als die von außen stammenden, ka sind multilokulär wie die ne Wahrnehmungen, _ können gleichzeitig von verschiedenen Stellen kon täten haben.
Sn ER IR II. Das Ich und das Es 23 Die Empfindungen mit Lustcharakter haben nichts Drängendes an sich, dagegen im höchsten Grad die Unlustempfindungen. Diese drängen auf Veränderung, auf Abfuhr und darum deuten wir die Unlust auf eine Erhöhung, die Lust auf eine Erniedrigung der Energie- besetzung. Nennen wir das, was als Lust und Unlust bewußt wird, ein quantitativ-qualitativ Anderes im seelischen Ablauf, so ist die Frage, ob ein solches Anderes an Ort und Stelle bewußt werden kann, oder bis zum System W fortgeleitet werden muß.
Die klinische Erfahrung entscheidet für das Letztere. Sie zeigt, daß dies Andere sich verhält wie eine ver- drängte Regung. Es kann treibende Kräfte entfalten, ohne daß das Ich den Zwang bemerkt. Erst Wider- stand gegen den Zwang, Aufhalten der Abfuhrreaktion macht dieses Andere sofort als Unlust bewußt. Eben- so wie Bedürfnisspannungen kann auch der Schmerz “unbewußt bleiben, dies Mittelding zwischen äußerer und innerer Wahrnehmung, der sich wie eine innere Wahrnehmung verhält, auch wo er aus der Außenwelt stammt. Es bleibt also richtig, daß auch Empfindungen und Gefühle nur durch Anlangen an das System # bewußt werden; ist die Fortleitung gesperrt, so kommen sie nicht als Empfindungen zu Stande, obwohl das ihnen entsprechende Andere im Erregungsablauf dasselbe ist.
Abgekürzter, nicht ganz korrekter Weise sprechen wir dann von unbewußten Empfindungen, halten die Analogie mit unbewußten Vorstellungen fest, die nicht 24 Das Ich und das Es ganz gerechtfertigt ist. Der Unterschied ist nämlich, = daß für die xdw Vorstellung erst Verbindungsglieder geschaffen werden müssen, um sie zum Bw zu bringen, während dies für die Empfindungen, die sich direkt fortleiten, entfällt. Mit anderen Worten: die Unterscheidung von Bw und Ydw hat für die Empfindungen keinen Sinn, das Fdw fällt hier aus, Empfindungen sind entweder bewußt oder unbewußt. Auch wenn sie an Wortvorstellungen gebunden werden, danken sie nicht “ diesen ihr Bewufßtwerden, sondern sie werden es direkt.
Die Rolle der Wortvorstellungen wird nun vollends klar. Durch ihre Vermittlung werden die inneren Denk- vorgänge zu Wahrnehmungen gemacht. Es ist, als sollte der Satz erwiesen werden: alles Wissen stammt aus der äußeren Wahrnehmung. Bei einer Überbesetzung ‘des Denkens werden die Gedanken wirklich — wie von außen — wahrgenommen und darum für wahr gehalten.
Nach dieser Klärung der Beziehungen zwischen äußerer und innerer Wahrnehmung und dem Ober- flächensystem W-Bw können wir daran gehen, unsere Vorstellung vom Ich auszubauen. Wir sehen es vom System W als seinem Kern ausgehen und zunächst das Fbw, das sich an die Erinnerungsreste anlehnt, umfassen. Das Ich ist aber auch, wie wir erfahren haben, unbewußt. Nun meine ich, wir werden großen Vorteil davon haben, wenn wir der Anregung eines Autors folgen, der vergebens aus persönlichen Motiven beteuert, er a Re II. Das Ich und das Es 25 habe mit der gestrengen, hohen Wissenschaft nichts zu tun. Ich meine G. Groddeck, der immer wieder betont, dafßß das, was wir unser Ich heißen, sich im Leben wesentlich passiv verhält, daß wir nach seinem Ausdruck ‚gelebt‘ werden von unbekannten unbe- herrschbaren Mächten.‘ Wir haben alle dieselben Ein- drücke empfangen, wenngleich sie uns nicht bis zum Ausschluß aller anderen überwältigt haben, und ver- zagen nicht daran, der Einsicht Groddecks ihre Stelle in dem Gefüge der Wissenschaft anzuweisen. Ich schlage vor, ihr Rechnung zu tragen, indem wir das vom System W ausgehende Wesen, das zunächst vdw ist, das Ich heißen, das andere Psychische aber, in welches es sich fortsetzt, und das sich wie z5w verhält, nach Groddecks Gebrauch das Es.’
Wir werden bald sehen, ob wir aus dieser Auf- fassung Nutzen für Beschreibung und Verständnis ziehen können. Ein Individuum ist nun für uns ein psychisches Es, unerkannt und unbewußt, diesem sitzt das Ich oberflächlich auf, aus dem W-System als Kern entwickelt.
Streben wir nach graphischer Darstellung, so werden wir. hinzufügen, das Ich umhüllt das Es nicht ganz,.
I) G. Groddeck, Das Buch vom Es. Internationaler Psycho- analytischer Verlag 1923.
2) Groddeck selbst ist wohl dem Beispiel Nietzsches ge- folgt, bei dem dieser grammatikalische Ausdruck für das Un- persönliche und sozusagen Naturnotwendige in unserem Wesen durchaus gebräuchlich ist.
26 Das Ich und das Es sondern nur insoweit das System W dessen Ober- fläche bildet, also etwa so wie die Keimscheibe dem Ei aufsitzt. Das Ich ist vom Es nicht scharf getrennt, es fließt nach unten hin mit ihm zusammen. Aber auch das Verdrängte fließt mit dem Es zu- sammen, ist nur ein Teil von ihm. Das Verdrängte ist nur vom Ich durch die Verdrängungswiderstände scharf geschieden, durch das Es kann es mit ihm kommuni- = zieren. Wir erkennen sofort, fast alle Sonderungen, de = wir auf die Anregung der Pathologie hin beschrieben haben, beziehen sich nur auf die — uns allein be- kannten — oberflächlichen Schichten des seelischen Apparats. Wir könnten von diesen Verhältnissen eine W-Rı.
Zeichnung entwerfen, deren Konturen allerdings nur = der Darstellung dienen, keine besondere Deutung II. Das Ich und das Es beanspruchen sollen. Etwa fügen wir hinzu, daß das Ich eine „Hörkappe“ trägt, nach dem Zeugnis der Gehirn- anatomie nur auf einer Seite. Sie sitzt ihm sozusagen schief auf.
Es ist leicht einzusehen, das Ich ist der durch den direkten Einfluß der Außenwelt unter Vermittlung von. .W-Bw veränderte Teil des Es, gewissermaßen eine Fortsetzung der Oberflächendifferenzierung. Es bemüht sich auch, den Einfluß der Außenwelt auf das Es und seine Absichten zur Geltung zu bringen, ist bestrebt, das Realitätsprinzip an die Stelle des Lustprinzips' zu setzen, welches im Es uneingeschränkt regiert. Die Wahrnehmung spielt für das Ich die Rolle, welche im Es dem Trieb zufällt. Das Ich repräsentiert, was man Vernunft und Besonnenheit nennen kann, im Gegen- satz zum Es, welches die Leidenschaften enthält. Dies alles deckt sich mit allbekannten populären Unter- scheidungen, ist aber auch nur als durchschnittlich oder ideell richtig zu verstehen.
' Die funktionelle Wichtigkeit des Ichs kommt darin _ zum Ausdruck, daß ihm normaler Weise die Herrschaft über die Zugänge zur Motilität eingeräumt ist. Es gleicht so im Verhältnis zum Es dem Reiter, der die über- legene Kraft des Pferdes zügeln soll, mit dem Unter- schied, daß der Reiter dies mit eigenen Kräften ver- sucht, das Ich mit geborgten. Dieses Gleichnis trägt ein Stück weiter. Wie dem Reiter, will er sich nicht vom Pferd trennen, oft nichts anderes übrig bleibt, 28 Das Ich und das Es als es dahin zu führen, wohin es gehen will, so pflegt = a auch das Ich den Willen des Es in Handlung umzu- setzen, als ob es der eigene wäre. z Auf die Entstehung des Ichs und seine Absonderung vom Es scheint noch ein anderes Moment als der Einfluß des Systems W hingewirkt zu haben. Der eigene Körper und vor allem die Oberfläche desselben ist ein Ort, von dem gleichzeitig äußere und innere Wahrnehmungen ausgehen können. Er wird wie ein anderes Objekt gesehen, ergibt aber dem Getast zweierlei Empfindungen, von denen die eine einer inneren Wahrnehmung gleichkommen kann. Es ist in der Psychophysiologie hinreichend erörtert worden, auf welche Weise sich der eigene Körper aus der Wahrnehmungswelt heraushebt. Auch der "Schmerz scheint dabei eine Rolle zu spielen und die Art, wie man bei schmerzhaften Erkrankungen eine neue Kenntnis seiner Organe erwirbt, ist vielleicht vorbildlich für die Art, wie man überhaupt zur Vor- stellung seines eigenen Körpers kommt.
Das Ich ist vor allem ein körperliches, es ist nicht nur ein Oberflächenwesen, sondern selbst die Projek- tion einer Oberfläche. Wenn man eine anatomische Analogie für dasselbe sucht, kann man es am ehesten mit dem,‚Gehirnmännchen“ der Anatomen identi- fizieren, das in der Hirnrinde auf dem Kopf steht, die Fersen nach oben streckt, nach hinten schaut und wie bekannt, links die Sprachzone trägt.