höchft auffallend in dem anſchaulich Haren und folgerichtigen Bilde des Weltall, das bereit? die homeriſchen Epen enthalten. So löfte nun die beginnende griechiiche Wiſſenſchaft, insbeſondere in der pythagoreiſchen Schule, die Unterſuchung der räumlichen und BahleneVerhäftniffe ganz los von den praktiſchen Aufgaben und unterfuchte diefelben ohne jede Rüdficht auf Anwendbarkeit. Entjprechend ging die beginnende Aftronomie von der Kon⸗ ftruftion der Weltkugel aus und begann Linien auf ihr zu ziehen. Mathematik, indbejondere Geometrie ſowie dejkriptive Aftronomie, in einem fpäteren Zeitraum binzutretend Logik, ala Theorien, welche gewiflermaßen in der Region reiner und angewandter Yormen anfchauend verweilen, bilden die vollfommenften intelleftuellen Leiftungen des griechilchen Geiſtes.
Fünftes Kapitel. Charalter ber älteften griechiichen Wiſſenſchaft.
Hundert Jahre diejer fortjchreitenden Entwidlung der grie- chiſchen Wiſſenſchaft verfloflen, bevor dieje Phyfifer die Natur der erften Urſachen, aus denen fie den Kosmos ableiteten, einer ftrengeren und allgemeineren Betrachtung unterwarfen. Und dies war doch die Bedingung für die Entftehung einer abgefonderten Wiſſenſchaft der Metaphyſik. Finden wir Thales im erften Drittel des fechiten Jahrhunderts auf der Höhe feiner Thätigkeit, jo reichen Leben und Wirkjamteit des Heraflit und Parmenides, welche diefen Yortjchritt machten, eine geraume Beit in das fünfte Sahrhundert hinein.
Diefe Hundert Jahre hindurch fteht die fortichreitende Orien- tirung im Weltall durch die Hilfemittel von Mathematif und Aftronomie im Vordergrund der Intereſſen; an fie fchließen fich Berfuche, einen Anfangazuftand und Realgrund defjelben feit- zuftellen. Das umblidende Auge des Menjchen findet fich, zumal wo die See weite Ausficht gewährt, auf einer im Kreis des Horizontes fich abichließenden Ebene, über welcher die Halbkugel des Die ältefte griech. Wiſſenſchaft geht von ber Orientirung im Weltraum aus. 183 Himmel fi wölbt. Geographiiche Kunde beftimmt die Aus- dehnung dieſes Erdkreiſes und die Vertheilung von Wafler und Sand auf demſelben. Schon gemäß einer Anfchauung der auf der See heimiſchen Griechen homeriſcher Zeit wurde mın ala Die Geburtaftätte von Allem das Wafler, das Meer angejehen. — Hier müpfte Thales an. Der die Erdſcheibe umfließende Okeanos Homers debnte ſich in feiner Anſchauung aus: auf dem Wafler ſchwimmt dieſe Erdjcheibe, aus ihm ift Alles herborgetreten. Bor Allem wurde dad Werk der Orientirung in diefem kosmiſchen Raume von Thales gefördert, und hier lag der wejenhafte Kern deſſen, was geichah. Anaximander ſetzte dieſes Werk fort, entivar] eine Grötafel, führte den Gebrauch des Gnomon ein, welcher zu jener Zeit da3 wichtigfte Hilfsmittel der Aftronomie war. Von dem Zuftande einer allgemeinen Fluth, in deſſen Annahme er mit Thales überein- ftimmte, ging er auf ein zeitlich diefem Zuftande vorausgehendes Un- endliches zurüd; aus ihm hat fich alles Beftimmte und Begrenzte ausgeichieden, und, unvergänglich, umfaßt es Dieje Alles räum⸗ lich und lenkt es. Und zwar bat er nach gutem Zeugniß dieſes Unendlicde, Alllebendige, Unfterblihe ala Prinzip!) bezeichnet, und jo biefen dem metaphufiichen Denken jo wichtigen Ausdruck (zunächſt wol im Sinne von Anfang und Urſache) eingeführt. Diefer Ausdruck bezeichnete, daß nunmehr dad Erkennen feiner Aufgabe fi) bewußt war, und daher fich die Wiſſenſchaft abfonderte.
Die Phänomene ber bewegten Atmojphäre enthalten auch für die weiteren kosmobogiſchen Verſuche der joniichen Phy- filer die Mittel der Erklärung. Wie in diejer feuchter Niederfchlag, Wärme, bewegte Luft miteinander verbunden find, jcheint für dieſe primitiven Erklärungsverfuche bald aus der Luft Alles bervor- zutreten, bald aus dem Feuer, bald aus dem Wafler.
Auch die Wiflenichaft der unteritaliichen Kolonien, welche in dem Berbande der Pythagoreer gepflegt wurde, hatte ihren Ausgangspunkt, ihr weſenhaftes Intereſſe und ihre Be— 1) aexn. Simplic. in phys. f. 6r 36-54. — Hippolyt. Refut. haer. 1, 6. — Auf Theophraft zurüdgehend, vgl. Diels doxographi 183, 476; Zeller 14 208.
184. Zweites Bud. Erſter Abſchnitt.
deutung für die intellektuelle Entwidlung in der fortichreitenden Orientirung innerhalb des Weltraums, mit den Hilfsmitteln der Mathematit und der Aftronomie. In dieſer Schule entwickelte fih eine von dem Zweck der Benukung losgelöſte Betrachtung der Berhältniffe von Zahlen, von Raumgebilden, ſonach reine mathematifche Wiſſenſchaft. Ja ihre Unterfuchungen Hatten bereits die Beziehungen zwiſchen Zahlen und Raumgrößen zum Gegen ftande, jo entitand ihnen die dee des Srrationalen auf dem Ge- biete der Diathematil. Auch ihr Schema de Kosmos War aftronomiih: in der Mitte der Welt das Begrenzende, Ges ftaltende, welches ihnen im ſchönſten griechiichen Geifte das Göft- liche ift,; indem es das Grenzenlofe an fich zieht, entfteht Die zahlenmäßige Ordnung des Kosmos.
Alle dieje Erklärungen des Weltganzen, ob fie gleich als Er- Märungen an der allmäligen Auflöjung des mythiſchen Vorftellend arbeiteten, waren noch mit einem ſehr erheblichen Beſtand— theil von mythiſchem Glauben vermiſcht. Das Prinzip, aus welchem dieje eriten Yorjcher ableiteten, hatte noch viele Eigen- Ichaften des mythilchen Zuſammenhangs. Es enthielt in fich eine den mythiſchen Kräften verwandte Bildungakraft, Fähigkeit der Um- wandlung, Zwedmäßigfeit, gleichfam die Fußſpuren der Götter in feinem Wirken. So war es auch mit einem von diefen Phyfilern feftgehaltenen mythiſchen Götterglauben in für und kaum fichtbaren Wurzeln verjchlungen. Die Ueberzeugung des Thales, daß das Weltall von Gottheiten erfüllt ſei, darf nicht in einen modernen Pantheismus umgedeutet werden. Der mythiſche Glaube des Anari= mander läßt alle Dinge durch ihren Untergang für dad Unrecht ihres Sonderdajeind Buße und Strafe leiden, gemäß der Ordnung der Zeit. Keine andere Lehre kann bem Pythagoras fo ficher zu⸗ gejchrieben werden, als die von der Seelenwanderung, und der von ihm geftiftete Verband hing am Apollokultus und an religiöfen Riten mit fonjervativer Feſtigkeit. Vorftellungen des Vollkommnen beftimmen das kosmiſche Bild der unteritalifchen Schulen. Und zwar tritt hier der für den griechiichen Geift jo bezeichnende Gedanke hervor, daß das Begrenzte das Göttliche jei — twogegen man den Fortbeſtand mythiſcher Elemente. Der weltgeichichtliche Fortichritt. 185 Satz Spinoza's Halte: omnis determinatio est negatio. So ift dieje alterthumliche Weltanficht keineswegs, wie feit Schleiermacher oft gefchieht, einfach auf eine primitive Yorm des Pantheismus zurüdguführen. So langſam, allmälig bat, auch nachdem eine erflärende Wiſſenſchaft fich losgerungen hatte, dieje die Macht der mythiſchen Erllärungsgründe, des mythiſchen Zuſammenhangs zerjebt. In ſo harter Arbeit hat ſich aus der erſten Gebundenheit des geiſtigen Geſammtlebens, in welcher dem Menſchen die Wirklich- feit gegeben ift und immer gegeben bleibt, der Zweckzuſammenhang des Erkennens in der Wiſſenſchaft zur Selbftändigfeit herausgearbeitet. Sp ſchwierig war diefer Willenfchaft der Erſatz der urjprünglichen Borftellungen durch ſolche von einer größeren Angemeſſenheit an ihren Gegenftand. Denn der Zuſammenhang der Dinge ift urſprüng⸗ lich von der Totalität der Gemüthskräfte hervorgebracht worden; nur ſchrittweiſe hat dann das Erkennen das rein Gedanlenmäßige aus ihm herausgelöſt. Leben ift das Erfte und immer Gegenmwärtige, die Abftraktionen des Erkennens find das zweite und beziehen fich nur auf ba8 Leben. So entipringen wichtige Grundzüge des alterthHümlichen Dentend. Es beginnt nicht mit dem Relativen, fondern mit dem Abfoluten, und zwar faßt es daſſelbe mit den Beftimmungen auf, weldde aus dem religiöfen Erlebniß ſtammen; dag MWirkliche ift ihm ein Lebendiges; der Zuſammenhang der Er- jcheinungen ift ihm ein Pſychiſches oder doch ein dem Piychiichen Analoge2.
Dennoch bat die menjchliche Intelligenz zu feiner Zeit einen größeren Yortjchritt gemacht, ala in dem Jahrhundert, das nun⸗ mehr abgelaufen war, ald Heraflit und dann Parmenides auftraten. Die Willenfchaft war nun vorhanden. Die Phänomene wurden in ihrer Regelmäßigfeit und ihrem Zuſammenhang überwiegend aus natürlichen Urfachen abgeleitet. Das Korrelat der nun ein- getretenen Selbftänbigkeit der griechiichen Wiflenfchaft ift der Aus⸗ drud: Kosmos. Er wird von den Alten auf Pythagoras zurück⸗ geführt: „Pythagoras zuerft nannte das Weltall Kosmos, wegen 186 Zweites Buch. Erſter Abſchnitt.
der in ihm berrichenden Ordnung.” ') Dieſes Wort ift gleichlam der Spiegel der in die gedankenmäßige Regelmäßigfeit und den harmoniſchen Zufammenhang der Verhältniffe und Bervegungen des Weltalls vertieften griechiichen Intelligenz, Im ihm ſpricht fih der äftbetiiche Charakter des griechiichen Geiſtes jo urjprünglich und tief auß, ala in den Körpern, welche Phidiad und Prariteles bildeten. Nun wird nicht mehr in der Natur die Spur eines will- fürlichen, eingreifenden Gottes verfolgt; die Götter walten in dem Ichönen, regelmäßigen Yormenzufammenbang des Kosmos. In demfelben Sinne werden von der durch den Gedanken zu regel- mäßig wirkenden Yormen geordneten Gelellichaft auf die Ver⸗ hältniffe des MWeltall3 die Augdrüde Gejet und vernünftige Rede übertragen?).
Aber die Art und Weiſe der Ableitung von Phä— nomenen, wie fie in dieſer Wifienfchaft vom Weltall beftand, fonnte den fortjchreitenden Anforderungen des Er— fennen® nit genügen. Wird irgend einem Beftandtbeil des Naturganzen Leben, Fähigkeit, fi) in andere Beltandtheile umzuwandeln, ſich außzudehnen und zujammenzuziehen, zu⸗ gejchrieben, aladann ift es gleichgültig, von welchem dieſer Beitandtheile die Erklärung ausgeht; denn Alles kann jo aus Allen abgeleitet werden. Und hatten nicht diefe Phyfiker wech⸗ jelnd, aber mit gleicher Leichtigkeit, von Waller, Teuer. Luft aus die anderen Theile de Naturzufammenhangd durch Um— wandlung erklärt? In Heraklit enttwidelt die Spekulation dieje Anschauung einer inmeren Wandlungsfähigkeit ala der allgemeinen Gigenichaft jedes Zuftandes im Weltall; in Parmenides ftellt fie diefem endlofen Wechſel die Anforderungen de Gedankens gegenüber. So entiprang Metaphyſik im engeren Berftande.
— 1) Ps. Plutarch, de plac. II, 1. Stob. ecl. I, 21 p. 450 Heer. — Diels 327. 2) vouos. Aöyog.
D. allgemeinft. Eigenichaft. e. Prinzips werden Gegenft. d. Nachdenkens. 187 Bweiter Abſchnitt. Metaphyſiſthes Itadinm in der Entwicklung der alten Jälker.
Erſtes Rapitel.
Verſchiedene metaphufiiche Standpunkte werden erprobt und er weiſen fih als zur Zeit nicht entwidinngsfähig.
In dem Zweckzuſanmenhang der Erkenntniß wird eine neue Stufe erreicht; der fortichreitende Geift ſucht, in der Generation des Herallit und Parmenides, die allgemeine Beichaffenheit des Zuſammenhangs im Kosmos fowie die eine Prinzips dieſes Zu⸗ ſammenhangs zu beftimmen. Er entwickelt die Eigenfchaften eines Prinzip, die es zur Erflärung von Naturphänomenen benutzbar machen. Dies ſetzt voraus, daß er fi) nunmehr feine bisherigen Berfuche, die Erjcheinungen des Kosmos abzuleiten, gegenftänd- lich mad.
Ein Jahrhundert Hindurch Hatte die neuentftandene Wiflen- ſchaft vermittelft der Anichauungen von Umwandlung und Be— wegung die Phänomene der Außenwelt zu verbinden und zu er⸗ Hären geſucht. Sie Hatte Hierzu den Begriff des Prinzips ausgebildet, d. h. eines Erften, welches zeitlicher Anfangazuftand ‘und erfte Urfache der Phänomene ift, und von welchem diejelben abgeleitet werden Tönnen. Diefer Begriff war der Ausdruck des Willen? der Erkenntniß felber. Viele Urjachen drängten nunmehr zum Nachdenken über die allgemeinften Eigenjchaften eines ſolchen Prinzips, überhaupt aber des Weltzufammen- hangs: der Wechſel in den Prinzipien, die Unmöglichkeit eines diefer Prinzipien zu beiveifen, die Schwierigkeiten in der Anjchauung von Umwandlung, welche dem biäherigen Verfahren zu Grunde gelegen Hatte, bie nicht minder großen Schwierigkeiten in den einzelnen DBorftellungen, wie fie eine ſolche Erklärung zu ihrer Verwendung hatte. Wir nennen dad Nachdenken, welches folcher- geftalt einzelne Erklärungen zur Vorausſetzung bat und die all⸗ 188 Zweites Buch. Zweiter Abfchnitt.
gemeinen Beftimmungen eines jeden aufftellbaren Weltzufammen- hangs ableitet, ein metaphyſiſches.
Diez metaphufiiche Nachdenken zergliederte an der Außentvelt den Zuſammenhang der Wirklichkeit. Wol war dieſer Zuſammen⸗ hang in letzter Inſtanz im Bewußtſein begründet, er bildete mit der geſchichtlichen Welt erſt das Ganze der Wirklichkeit, jedoch hat das metaphyfiſche Denken der Griechen dieſen Zuſammenhang an dem Studium der Außenwelt aufgefaßt. Dies hatte zur Folge, daß die metaphyſiſchen Begriffe an die räumliche Anſchauung gebunden blieben. Das vernunftmäßig bildende Prinzip war ſchon den Pythagoreern ein Begrenzendes, es hat bei den Eleaten und Plato einen analogen Charakter. Die Erklärung des Kosmos löſte Alles, bis in den höchſten Begriff, zu welchem der griechiſche Geiſt gelangte, den des unbewegten Bewegers, in Bewegungen und Erſcheinungen im Raume auf.
Vermögen wir nun das innere Geſetz auszudrucken, welches in dieſem Stadium von Erkenntniß der Zergliederung des Zuſammenhangs von Wirklichkeit die Richtung gab? — Die Melt zeigte zunächſt dem beginnenden wiſſenſchaftlichen Denken eine Vielheit einzelner Dinge, in Thun und Xeiden veränderlich verbunden, im Raume beweglich, wachjend und abnehmend, ja entflehend und vergehend. Die Hellenen, dies bemerkte einer der neu auftretenden Metaphyſiker, ſprachen irrthümlich von Entſtehen und Vergehen. In der That beweilt ſchon die Sprache, daß diefe Vorftellungen die einfache Naturauffaffung be- berrichten. Wolken jcheinen fich zu bilden und in der Luft zu zergehen, jo die einzelnen Dinge. Selbit die Götter des griechiichen Mythog waren in der Zeit entftanden. — Das abgelaufene Jahr⸗ Hundert griechifcher Willenfchaft hatte nun durch die Vorſtellung eines eriten bildungskräftigen Stoffe® und feiner Umtvandlungen, in Unteritalien durch den Gegenſatz der begrenzenden, bildenden Kraft und des Unbegrenzten, einen Zuſammenhang unter diefen Anfchauungen hergeftellt. Wir können die intellektuelle Verfaffung eines gebildeten Griechen jener Tage, weldder an den Göttern zu zweifeln begann und fi) nun in diefem Wirbel der Stoffummand- Tas Erkennen ift auf die Subftanz und das höchſte Gut gerichtet. 189 lungen jah, Schwer nachfühlen. Denn Religion und pofitive Wiſſenſchaft geben einem heutigen Menfchen fefte Anhaltspunkte für feine Weltvorftellung. In dem Spiel ber Phänomene befaß ein Grieche jener Zeit nunmehr feinen feften Punkt. Weber bie mythiſche Religion konnte ihm einen ſolchen gewähren, noch bejtand- pofitive Wiflenichaft, welche ihm Haltpunfte barbieten konnte. — Nun wird der Menſch jeder Beit inne, daß feine Handlungen und Buftände in feinem Ich gegründet find. Er kann ſich nicht vor⸗ ftellen, daß dies Ih Zuſtand oder Thun von etwas fei, daB inter dem Ich liege. Das ift fein Lebensgefühl. Und das Andere, das Außen, welches er feinem Willen gegenüber findet, it ihm ebenfo in allen Veränderungen Zuftand und Weußerung einer Unterlage, welche nicht jelber wieder Zuftand oder Thun von etwas Binter ihr ift. Gleichviel ob dieſe jelbftändige Unterlage an dem einzelnen Ding gefunden wird oder an der Einen Spinozifti- ſchen Subftanz oder an den Atomen: da8 Außen, das uns im Selbitberwußtfein gegeben ift, bat unweigerlich diejen Charalter. Definiren wir Subftanz ala das, was Subjiekt für alle prädifativischen Beſtimmungen, Unterlage für alle Zuftände und Thätigkeiten ift, jo blickt der Menſch fozufagen durch ben Wirbel und dad Farbenſpiel der Phänomene in das Subitanziale, was dahinter iſt; er kann nicht andere. Auch die Vorftellung des Wirkens, der Begriff der Kaufalität wird diefem Subftanzialen untergeordnet. Und in fih, in dem Wechſel jeiner Antriebe, Regungen, Zwede muß er ebenfall3 nach einem feften Punkte ſuchen, der fein Handeln regele. So find in ihm und in dem, was außer ihm feiner Perfon gegenübertritt, dies die beiden feiten Punkte, welche die natürlichen Ziele jeines Nachdenkens bilden: die fubftanziale Unterlage des Außen und in feinem Handeln der Zweck, der nicht Mittel ift, das höchfte Gut feine Willen?. | Diejer Thatbeitand erklärt, warum für die Philojopbie der Alten da8 wahrhafte Sein und das höchſte Gut die beiden centralen ragen bilden. Dieſe Fragen find nicht abgeleitet. Nicht die fubjeltive Feſtigkeit der Ausſage, die Nothwendigkeit der Ge— 190 Zweites Buch. Zweiter Abichnitt.
danken ift e8, was das menjchliche Erkennen zuerft jucht. Dieje Feftigfeit des Ausſagens tft jozujagen die Jubjeftive, logiſche Seite der objektiven Feſtigkeit des Zweckes in uns felber, der Subftanz außer und. Dies zeigt fich gefchichtlich darin, daB erſt die Un- fiherheit und der Zweifel, welche die Denkgewißheit ftören, bie Trage nach dem logiſchen Zuſammenhang von Grund und Tolge, nach dem Grunde, der in fich feſt ift, bervorgetrieben haben.
- Und zwar ringt fi in dem Borgang, den wir munmehr darzuftellen haben, da8 Erkennen der Weltfubftanz auch jebt no dh nicht los von dem Zuſammenhang, welcher vordem in der Totalität der menſchlichen Gemüthaträfte das Erkennen gleichſam gebunden hielt. Die Götter hatten in der Welt der joniſchen Phyſiker ſowie der Pythagoreer noch Plaß gefunden. Indem nun der Zujammenhang des Kosmos nach feinen allgemeinften Eigen- Ichaften beftimmt wurde, fand ſich in demfelben für fie im Grunde feine Stelle mehr. Xenophanes, Heraflit, Parmenides, Anaxagoras, die leitenden Geifter der neuen Zeit, entwidelten einen Welt⸗ zuſammenhang, welcher durch das are Bewußtſein ſeines all⸗ gemeinen Charakters, feines alle Phänomene einſchließenden Um- fangs gleichfam da8 ganze Terrain der Wirklichkeit oecupirte. Das war in der Welt des Anarimander oder Pythagoras noch nicht der Tall geweien. Auch war ed für die jo eintretende Wer änderung gleichgiltig, daß die Götter in dem perjönlichen Be- dürfniß des einen oder anderen diefer Männer noch fortbeftanden, wie dies 3. DB. augenjcheinlich bei Xenophanes der Fall war. Aber was war nun die Folge diejer Veränderung für bie meta- pbnfilche Conception der Weltordnung? Der ganze Inbegriff der höheren Gefühle, das religiöje Leben, das fittliche Bewußtſein, das Gefühl der Schönheit und des unendlichen Werthes der Welt waren mın in diefem Weltzufammenhang jelber gegenwärtig. Alle Eigenichaften, welche da3 religiöje und fittliche Leben den Göttern zugefchrieben Hatte, fielen nun in diefe kosmiſche Ordnung. Das höchſte Gut felber, ber Zweck, der fein Mittel mehr ift, wurden auf ihn zurückgeführt. So lag in dieſem bie Erſcheinungen Zu⸗ fammenbaltenden das Vollkommne, Gute, Schöne, dem Unzu⸗ Kenophaned. Heraklit. 191 reichenden der Wirklichfeit gegenüber das Vollendete, ihrer Unreife gegenüber das Feſte und innen Selige.
Xenophanes beftimmt dag Eine Sein, das ihm dieſer Zuſammen⸗ hang ift, theologiſch. Das Geſetz, das nach Heraflit im Fluß ber Erſcheinungen herrſcht, ift nicht nur durch die Gegenſätze oder den Meg aufwärts und abwärts beftimmt, fondern es Hat einen tief religiöfen Hintergrund. Der Beginn des Parmenideiichen Lehr- gedichts kündigt in alterthümlicher Erhabenheit eine mit dem reli- giöjen Glauben zufammenhängende Wahrheit an. Die Pylhagoreer zeigen denſelben Charalter.
So entſpricht es dem Zuſammenhang der intelleltuellen Ent⸗ wicklung ſowie dem Geiſte dieſer alterthümlichen Zeit, daß bie tiefere Befinnung über das Prinzip des Kosmos aus dem reli— giöſen Leben kam und dem entſprechend ſich als Anforderung an den Gedanken der Gottheit geltend machte. — In der pytha— goreiſchen Schule war die Trennung zwiſchen dem in der Wahrnehmung Gegebenen und einer metaphyſiſchen Weltordnung vorbereitet. Der Kosmos wurde in zwei Erklärungsgründe in Be⸗ zug auf jeinen Urfprung zerlegt; dem Unbegrenzten trat das, was Geftalt ift und geftaltet, gegenüber, das Prinzip der Form; dieſes wurde von den Pythagoreern mathematiich gefaßt, in den Bes ziehungen zwiſchen Zahl und Raumgröße dargeitellt, in die reale Melt der Töne ſowie in die harmoniſchen Verhältniffe der kosmiſchen Maſſen verfolgt. — Kenophanes erwies aus bem religidjen Be⸗ wußtſein das Prinzip des Einen Seind. Die Borftellung vom Tode ber Götter ift unfromm; was aber in der Beit entftanden ift, das ift auch vergänglich; daher ift der Gottheit ewiger und unver⸗ änbderlicher Beſtand zugufchreiben. Ebenjo ift mit dem Bewußtſein von der Macht und Vollkommenheit der Gottheit eine Mehrheit von Göttern nicht verträglich; die ewige Gottheit ift alfo Eine. So ift in Xenophane mit der Befinnung über die Eigenfchaften des Prinzips des MWeltalld der Beginn einer durchgreifenden Polemik gegen das mythiſche Vorftellen verbunden, das eine Vielheit von Göttern annimmt, die geboren werden und fterben; er bereit?
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durchſchaut das Anthropomorphiftiiche im Götterglauben und deſſen Unhaltbarkeit.
Die ſtrengere Entwicklung dieſes Prinzips des All⸗Einen ſcheint dadurch gefördert worden zu ſein, daß Heraklit aus der Naturanſchauung der joniſchen Phyſiker, abſchließend, ala die Grund⸗ lage derſelben die Formel von der allgemeinen Wandelbarkeit ab⸗ leitete. — Das Bewußtſein des Unterſchieds des ihm aufgehenden metaphyſiſchen Bewußtſeins von aller bisherigen Forſchung er⸗ füllt ihn mit herbem Stolz und vernichtender Kritik. Dieſes metaphyſiſche Bewußtſein bezieht ſich nach der tiefen Einficht des Heraflit gerade auf dad, was den Menichen beftändig umıgiebt, was er beftändig hört und fieht: während der gewöhnliche Zu⸗ ftand des Menichen ift, da und doch nicht dabei zu fein, faßt dieje metaphufiiche Befonnenheit eben da8 überall Wiederfehrende in wachen Bewußtjein auf und ſpricht eg aus. Und jo tritt fie wie zu dem vulgären Dabinleben, das dem Schlaf gleicht, aud) zu der Empirie in Gegenſatz, welche fich in einzelner Kunde und Orientirung über den Kosmos audbreitet, und Die doch den Sinn nicht belehrt, zu der falſchen Kunft, deren Typen ihm Pythagoras, Xenophanes, Hekatäos unter feinen Beitgenoffen und Vorgängern find. — Diefem metaphufiichen Bewußtjein geht nun das Welt- geſetz der Abwandlung auf, welches an jedem Punkte des AU gleichmäßig wirkſam if. Das fi) abwandelnde All-Eine ift nicht nur als dafjelbe in den Gegenſätzen gegenwärtig, in jeder ein⸗ zelnen Ericheinung jelber ift jchon ihr Gegenfa enthalten, in unfrem Leben ift der Tod, in unfrem Tod das Leben. — In diefen Gedanken, die alles Sein auflöfen, lag dann der Grund für Die Abwendung Heraklits von der pofitiven Wiflenichaft der Seit. Heraklit Hat auch feine Phyſik dem Grundgedanken der Abwand⸗ lung unterivorfen, und er hat ſelbſt die Sonne in jeine Rhythmik de3 Umſatzes Bineingezogen: täglich jollte fie neu entftehen.
Diefer Gedanke, welchem gemäß Konftanz nur in dem Gele der Veränderungen beitebt, enthielt zweifellos einen wichtigen Ans ſatzpunkt wahrer Ginfichten; aber in der damaligen Lage ber Wiſſenſchaften mußte Herallit dem Gedanken wie den Thatjachen Parmenides. 193 Gewalt anthun, und feine Schule, die Geſellſchaft der, Fließenden“, verfiel naturgemäß dem Skepticismus. Denn befteht nur ber Fluß der Dinge d. 5. der Umſatz eine Zuftandes ber Materie in den andern, fällt jonach die Konſtanz nur in das Gejeh dieſes Umſatzes: aladann fann ein Prinzip, welches’ Träger diejer Um⸗ jagbeiwegung wäre, nicht unterjchieden werden. Wenn aljo Hera- fit auch nur ſymboliſch das euer ala ein ſolches Prinzip be- zeichnete, jo verfiel jein Syſtem damit dem inneren Widerſpruch. Auch wurden ferner die regelmäßigen und fonftanten Kreisbe⸗ wegungen der Geftirne einer Erklärung aus dem Prinzip ber Umwandlung unterivorfen, und hierbei mußte fich zeigen, dab bie ftätige, unveränderliche Urjache, welche fie fordern, mit der Rhythmik der Umſätze in Widerſpruch fteht. So gerieth Heraflit mit den aftronomilchen Vorftellungen feiner Zeit nothwendig in Streit; jo gelangte er zu jeinen eigenen, paradoren aftronomilchen. Behauptungen, die nur als ein Rüdjchritt gedeutet werden können.
An dem Gegenfat gegen die Formeln de Heraklit bat wahr- ſcheinlich Parmenides den Gedanken des Xenophanes zu voller metapbufilcher Klarheit entwickelt. Er arbeitet, wie Heraflit, fich den Gehalt der Weltvorjtellung tiefer bewußt zu machen. Auch er will nicht mehr in erſter Linie fich im Weltall orientiren oder den thatſächlichen Zufammenhang der Bewegungen feiner großen Maſſen feſtſtellen. Wol war Parmenides der erfte, der die große Entdedung von der Kugelgeftalt der Erde ala Schriftfteller vertrat, wern er auch nicht ala der Entdeder felber bezeichnet werden Tann; denn es ift nicht ausgeſchlofſen, daß er diefe in der Aftronomie epochemachende Einficht in feiner unteritalifchen Heimath fchon bei den Pythagoreern vorfand. Aber der Anfang feines Lehrgedichts zeigt, daß eine metaphufiiche Befinnung über die allgemeinften Eigenjchaften de Weltzufammenhangd auch ibm als die große Aufgabe feines Lebens erichien. Derſelbe Anfang macht zugleih fichtbar, daß diefer Weltzufammenbang für ihn allen religidjen Tieffinn des mythiſchen Zeitalters in ſich ſchloß, ganz wie bie auch bei Heraflit der Yall war. Aller Glanz der müthiichen Welt, der Sitz der Gottbeiten und Diltbey, Einleitung.
194 Zweites Buch. Zweiter Abſchnitt.
ihre ftrahlenden Geftalten find nun in dieſe metaphufiiche Welt zufammengegangen. So ift ed auch ein göftlicher Mund, der an diejem Beginne feine® Gedicht? den ganzen Gegenjat von Wahr- Heit und Irrthum in folgenden Eäßen zufammenfaßt: dad Seiende iſt, dag Nichtfeiende tft nicht; der Irrthum ift in der entgegen- geſetzten Annahme begründet, daß das Nichtjeiende Exiſtenz habe, daß das Sein nicht beitehe.
Die Fragmente find nicht augreichend, den genauen Sinn Teftzuftellen, welchen feine Erläuterung und Begründung dieſes feines Hauptfaßes gehabt hat!). Es ift zweifellos, daß er diejen Sat dadurch begründete, daß dag Sein nicht von dem Denken getrennt zu tverden vermag; das Nichtleiende kann weder erkannt noch ausgeſprochen werden. Dieje Berweisführung enthält augen Icheinlich in fi), daß das Vorftellen, in welchem die Wirklichkeit gegenwärtig ift, nicht mehr übrig bleibt, jobald man die in ihm gegebene Wirklichkeit aufhebt. Doc) ift ein ſolcher moderner Aus» druc freilich in Gefahr, nicht den einfachen und ganzen Sinn dieſes alterthümlichen Denken? aufzufaflen. Etwas einfacher und dem Sprachgebrauch des Parmenides näher jagen wir: ift das Sein nicht da (eine abftrafte Bezeichnung für da „ift“, welches die im Vorftellen gegebene Gegenftändlichkeit ausdrüdt), aladann fann ja auch fein Denken vorhanden fein. — Da alſo nichts Anderes außer dem Sein exiftirt, jo ift auch das Denken gar nicht etwas von dem Sein Unterſchiedenes. Denn außer dem Sein ift überhaupt Nichts; es ift gleichjam der Ort, in welchem auch die Ausſage ftattfindet. Denken und Sein find darum daſſelbe. Nicht- ſeiendes ift alfo ein Ungedanke, ein Nonſens in ftrengftem Ber- ftande?).
1) Nach der Beichaffenheit unferer Nachrichten über Parmenides kann die Erörterung feiner hervorragenden Stellung in der Geſchichte ber Meta⸗ phyſik leider nur vermittelft einer Art von fubjeltiver Reproduktion flatt: finden, die fonft nicht geftattet jein würde.
2) So erklärt fih wol der Sinn bes viel discutixten Saßes: ro yap avro vociv koriv re xal eiyaı (bei Mullach fr. phil. graec. I, 118, v. 40), Wenn Zeller (I*, 512) Zaren» lieſt unb überſetzt: „denn dafjelbe kann gedacht werden und fein“, fo wäre vociasaı zu erwarten, dad „Können“ entipricht Parmenides. 195 Dieſe Sätze enthalten allerdings das Denkgeſetz des Wider⸗ ſpruchs in metaphyſiſcher Faffung im Keime; aber ihre Tragweite reicht hierüber Hinaus. In ihnen ift der Befund des Bewußt⸗ ſeinszuſammenhangs, in welchem mit dem Subjekt das Objekt untrennbar verbunden ift und das Objekt den Charakter ſubſtan⸗ tialer Feſtigkeit beſitzt, in unentwickeltem Tiefſinn ausgeſprochen.
Und jo find dieſe Sätze einerſeits die zureichende Grund— lage für Wahrheiten, welche nun das griechiſche Denken zu⸗ nächſt den mathematischen Hinzufügte und welche den Webergang von den leßteren zu einer wiflenjchaftlichen Betrachtung des Kos⸗ mos ermöglichten; fie find andrerjeit? in der Dunkelheit, in welcher fie dem Bewußtſein zuerft aufgehen, der Außgangd- punkt für überfpannte Anforderungen des Denkens an die allgemeinften Eigenjchaften des Weltzuſammenhangs.
Diele in den oben angegebenen Säben des Parmenides im- plieite enthaltenen Wahrheiten find einfach. Die erſte liegt in der Auffaffung der Eigenichaft unſres Bewußtſeinszuſammen⸗ hangs, welche Ariftotele8 in jeiner Yormel vom Satze des Widerfſpruchs in eine genauer beftimmte und dadurch halt- bar gewordene Geftalt brachte. Die andere liegt in dem phufilchen Sate: es giebt fein Entſtehen und "feinen Unter-= gang!); von dem wahrhaft Seienden ift Entjtehen und Unter- gang auszuſchließen; denn aus dem Nichtleienden kann Sein nicht entitehen, da dafielbe eben nicht ift, da8 Seiende aber würde nichts Anderes als fich felber erzeugen. Auch diefer Sat hat erft Ipäter, zunächft dur) Anatagoras und Demofrit, eine genauer eingeichränfte, Haltbare Geftalt empfangen. Die beiden Sätze, von der Unbeftimmtheit und den Webertreibungen befreit, die ihnen bei aber auch faum bem Gedanken des Parmenides. Ind der Sinn bed Au?: ſpruchs wird fichergeftellt ducch v. 94 zwurov d’Lor) voeiv re xal ouvexev ors vonue und bie fich anſchließende Begründung.
1) Wir verzeichnen die ältelte Faffung dieſes Gedankens, welcher für die NRaturtifienfchaft jo wichtig wurde, Parmenides v. 77 (bei Mullach fr. phil. graec, I, 121) ros yeveıs utv antaßeoraı zal arıoros Ole$oog. und v. 69 rouvexev ovre yerladaı our’ 0Alvodaı avıjxe dien.
196 Zweites Bud. Zweiter Abſchnitt.
Parmenides anhaften, traten zu den Wahrheiten der Mathematik und ermöglichten jo einen feſten Anſatz für die Erfenntniß der Natur.
Jedoch gelangte Parmenides von diefen Wahrheiten, in Folge der unvolllommenen, unbeitimmten Art, in welcher er fie auf: faßte, zu Folgerungen, welche auch diefe Weltanficht unbenußbar für pofitide Forſchung machten und ihr darum fchließlich nur Anwendbarkeit für die Beweizführungen des Skepticismus übrig ließen. Die moderne Raturwiflenichaft, indem fie von der Erhaltung des Stoffe und der Kraft auögeht, verlegt die ganze Beränderlichkeit und Mannigfaltigleit der Prädifate in die Rela- tionen. Parmenides überſpannt die Tragweite des ald Grundſatz des Naturerfennend gültigen ex nihilo nihil fit und Eonftruirt ein ewiges, kontinuirlich im Raume fich erftreddendes, jede Veränderung und Bewegung außfchließendes Sein, in welches ihm alle Voll⸗ fommenheit der göttlichen Weltordnung aufgeht. Er verneint von ihm aus die wirkliche, veränderliche, mannigfaltige Welt, und jo wird ihm dann jelbft ihr Schein unerklärlich. | So hoben denn Barmenides, Zenp, Meliſſus die ganze Melterflärung aus den Angeln, welche die ihnen voraußgegangene phyſiſche Wiſſenſchaft geichaffen Hatte. Diele ältere Phyſik hatte den Kosmos von einem bildenden Prinzip aus, welches eine un⸗ beftimmte Beränderlichkeit in fi) hat, mit den Hilfamitteln der Borftellungen von Bewegung des Stoffes im Raume, qualitativer Veränderuzig, Entſtehung des Vielen aus dem Ginen erklärt. Nun wurden alle Eonftruftiven Brinzipien, mit welchen dieje Phyſik arbeitete, in Frage geftellt. — Was eine Größe hat, ift theilbar; jo gelange ich nie zu dem Einfachen, aus welchem das Zuſammengeſetzte beſteht, wenn ih nicht das Gebiet des Räumlichen verlaffe. Verlaſſe ich aber diejes, jo kann ich aus unräumlih Einfachen nie das Räum- lide zujammenjegen. Entiprechend kann jeder Zwiſchenraum zwilchen zwei räumlichen Größen in's Unendliche getheilt werden. — Andrerfeit? wird jede Raumgröße von einer anderen um— faßt. — Der Weg, den ein bewegter Körper durchläuft, ift in's Unendliche teilbar.
Negative Wirkung feiner Schule. Leukipp, Empebocles, Anaragorad. 197