Ganz ander? ftehen zu dieſen Begriffen die Geiſteswiſſen⸗ haften. Sie behalten von den Begriffen Subſtanz und Kaufali- tät nur das rechtmäßiger Weile, was im Gelbftbemußtfein und der inneren Erfahrung gegeben war, und fie geben Alles auf, was in ihnen aus der Anpaffung an die Außenwelt ftammte. Sie dürfen daher von biefen Begriffen feinen direkten Gebrauch zur Bezeichnung ihrer Gegenftände machen. Ein folder bat ihnen oft gejchadet und nie an irgend einem Punkte genüßt. Denn nie haben dieſe abftraften Begriffe dem Erforfcher der menjchlichen Natur über diefe mehr jagen können, ala in dem Selbitberwußt- fein gegeben war, aus welchem fie hervorgegangen find. Selbft wenn der Begriff von Subftanz auf die Seele anwendbar wäre, vermöchte er nicht einmal die Unſterblichkeit in einer religiöjen Ordnung der Borftellungen zu begründen. Führt man die Ent- ftehung der Seele auf Gott zurüd, jo kann was entftanden ift auch untergehen, oder was fich in einem Vorgang von Emana⸗ tion auögejondert Hat in die Einheit zurüdtreten. Schließt man aber die Annahme einer Schöpfung oder Ausftrahlung von Seelen⸗ fubltanzen aus Gott aus, jo fordert die ſeeliſche Subftanz eine atheiſtiſche Weltordnung: die Seelen find dann, gleichviel ob allein ohne Gott oder unabhängig neben Gott, ungerworbene Götter.
® 512 Zweite! Buch. Bierter Abjchnitt.
Eine inhaltliche VBorftellung des Weltzufammen- hangs fann nicht erwiefen werden.
Indem die Metaphyſik ihre Aufgabe weiter verfolgt, ent- Ipringen aus den Bedingungen berjelben neue Schwierigfeiten, welche eine Löjung der Aufgabe unmöglich machen. Ein be flimmter innerer objeltiver Zufammenhang der Wirk: lichkeit, unter Ausſchluß der möglichen übrigen, ift nicht erweidbar. An einem weiteren Punkte ftellen wir daher feft: Metaphyſik ala Wiſſenſchaft ift unmöglich).
Denn enttweder wird diefer Zuſammenhang aus aprisrifchen Wahrheiten abgeleitet, oder er wird an dem Gegebenen aufgezeigt. — Eine Ableitung a priori ift unmöglid. Sant bat die letzte Konjequenz der Metaphyſik in der Richtung fortichreitender Ab⸗ ftraftion gezogen, indem er ein Syſtem apriorischer Begriffe und Mahrbeiten, wie ed fchon dem Geifte des Ariftoteles und dem von Descartes vorjchiwebte, wirklich entwidelte.e Er hat aber un⸗ wibderleglich beiwiefen, daß auch unter diefer Bedingung „der Ge- brauch unferer Vernunft nur auf Gegenftände möglicher Erfahrung reicht“. Doch fteht vielleicht die Sache der Metaphyſik nicht ein⸗ mal jo günftig ala Kant annahm. Sind Kaufalität und Subftanz gar nicht eindeutig beftimmbare Begriffe, jondern der Ausdrud unauflöglicher Thatjachen des Bewußtſeins, dann entziehen diejelben fih gänzlich der Benußung für die denknothwendige Ableitung eine? Weltzuſammenhangs. — Oder die Metaphufit geht von dem Gegebenen zu jemen Bedingungen rüdmwärt?, dann befteht, wenn man von den willfürlichen Einfällen der deutjchen Naturphilofophie abfieht, in Bezug auf den Naturlauf darüber Einftimmigfeit, daß die Analyſis befielben auf Mafjentheilchen, welche nach Gejeten auf einander wirken, als auf legte der Natur⸗ wiſſenſchaft nothwendige Bedingungen zurüdführt. Nun erkannten wir, daß zwiſchen dem Beltand diefer Atome und den Thatjachen ihrer Wechſelwirkung, des Naturgefeßes und der Naturformen für und feine Art von Verbindung vorhanden ifl. Wir jahen, daß Unerweisbarkeit einer inhaltlichen Vorftellung db. Weltzuſammenhangs. 513 feine Aehnlichkeit zwiſchen ſolchen Atomen und den plychiichen Einheiten, welche als unvergleichbare Individuen in den Weltlauf eintreten, in ihm lebendig innere Veränderungen erfahren und wieder aud ihm verichwinden, ftattfindet. Sonach enthalten die legten Begriffe, zu denen die Wiflenichaften des Wirklichen gelangen, nicht die Einheit des Weltlaufs. — Sind doch aud) weder Atome noch Geſetze reale Eubjekte des Naturvorgangd. Denn die Sub— iefte, welche die Gejellichaft bilden, find ung gegeben, dagegen das Eubjelt der Natur oder die Mehrheit von Subjelten der- jelben nicht, Jondern wir bejiken nur das Bild des Naturlaufg und die Erlenntniß feines äußeren Zuſammenhangs. Nun iſt aber diefer Naturlauf jelber fammt feinem Zufammenhang nur Phänomen für unjer Bewußtſein. Die Subjekte, die wir ihm ala Maſſentheilchen unterlegen, gehören aljo ebenfalls der Phänomena- tät an. Sie find nur Hilfabegriffe für die Vorftellung des Zuſammenhangs in einem Syftem der prädilativen Beitimmungen, welche die Natur ausmachen: der Gigenfchaften, Beziehungen, Veränderungen, Bewegungen. Sie find daher nur ein Theil des Syſtems prädilativer Beitimmungen, deren realed Subjelt unbe- fannt bleibt.
Eine Metaphyſik, welche zu verzichten weiß und nur Die legten Begriffe, zu welden bie Erfahrungswiſſen— haften gelangen, zu einem vorftellbaren Ganzen ver- tnüpfen will, kann weder die Relativität des Erfahrungskreiſes, den bieje Begriffe darftellen, noch die des Standorts und der Ver- faſſung der Intelligenz, welche die Erfahrungen zu einem Ganzen vereinigt, jemald überwinden. Indem wir dies eriweilen, zeigt fich bon zwei neuen Seiten: Metaphyfif ala Wiſſenſchaft ift unmöglich).
Die Metaphyfit überwindet nicht die Nelativität des Erfahrungskreiſes, aus dem ihre Begriffe gewonnen find, In den lebten Begriffen der Willenjchaften werden für die be- fiimmte Zahl gegebener phänomenaler Thatbeftände, welche das Syftem unjerer Erfahrung bilden, Bedingungen ihrer Denkbarkeit aufgeftellt. Nun bat die Vorftellung von diefen Bedingungen fich mit der Zunahme unjerer Erfahrungen geändert. So war ein ı Dilthey, Ginleitung. 33 r 514 Zweite? Buch. Bierter Abſchnitt.
Zulammenhang der Deränderungen nach Gejeßen, der heute bie Erfahrungen zu einem Syſtem verbindet, dem Altertfum nicht befannt. Daher bat eine ſolche Vorftellung von Bedingungen immer nur eine relative Wahrheit, d. 5. fie bezeichnet nicht eine Realität, Jondern entia rationis, Gedanfendinge, welche die Herr- ſchaft des Gedankens und des Eingreifens über einen gegebenen eingefchränkten Zufammenhang von Phänomenen ermöglichen. Stellt man ſich eine plößliche Erweiterung menſchlicher Erfahrung vor, dann würden die entia rationis, welche die Bedingungen diefer Erfahrungen ausdrücken follen, ſich ihrer Erweiterung anpaflen müffen; wer kann jagen, wie weit dann bie Veränderung greifen würde? Und fucht man nun für dieſe letzten Begriffe einen ver- einigenden Zuſammenhang, jo kann der Erkenntnißwerth ber jo ent- ftehenden Hypotheſe nicht ein größerer fein, als der ihrer Grund- lage ift. Die metaphufiiche Welt, die Hinter den Hilfsbegriffen der Raturivifjenichaft fich aufthut, ift aljo gleichfam in der zweiten Potenz -- ein ens rationis. Wird das nicht durch bie ganze Ge- Ihichte der neueren Metaphyſik beftätigt? Die Subſtanz Spinozas, die Atome der Monijten, die Monaden von Leibniz, die Realen von Herbart veriwirren die Naturiwiflenichaften, indem fie aus dem inneren pfychiichen Leben Elemente in den Raturlauf tragen, und fie mindern das geiftige Leben herab, inden fie einen Naturzu- ſammenhang in dem Willen fuchen. Sie vermögen nicht, die durch die Geichichte der Metaphyfik Hindurchgehende Dualität der mechanifch= atomiftifchen und der von dem Ganzen audgehenden Weltanſicht aufzuheben.
Die Metaphyſik überwindet ebenfo wenig die einge- ſchränkte Subjettivität des Seelenlebens, welches jeder metapbufilchen Verfnüpfung der legten wiſſenſchaftlichen Begriffe zu Grunde liegt. Diefe Behauptung enthält zwei Sätze in fidh. Eine einheitliche Vorſtellung vom Subjelte des Weltlaufs kommt nur durch die Vermittlung defien, was das Seelenleben binein- giebt, zu Stande. Dieſes Seelenleben ift aber in beftändiger Ent- wicklung, unberechenbar in feinen weiteren Entfaltungen, an jedem Punkte gefchichtlich relativ und eingefchräntt und daher unfähig, Metapbufiicher Abſchluß der Erfahrungswiflenichaft unmöglich. 515 die lebten Begriffe der Einzelwiffenfchaften in einer objektiven und endgültigen Weile zu verknüpfen.
Denn was bedeutet die Borftellbarkeit oder Denkbarkeit jener legten Thatbeſtände, zu welchen die Einzelwiflenichaften vor- dringen, wie die Metaphyſik fie herzuftellen jtrebt? Wenn die Meta- phyſik dieſe Thatbeftände in einer faßbaren Vorftellung vereinigen will, jo fteht ihr zu diefem Zweck zunächſt nur der Sat des Widerſpruchs zur Verfügung. Wo aber zwiſchen zwei Beding- ungen des Syſtems der Erfahrungen ein Wider}pruch befteht, da bedarf es eines pofitiven Prinzips, um zwifchen den wider- Iprechenden Sätzen zu entjcheiden. Wenn ein Metaphufiler be- hauptet, nur auf Grund dieſes Satzes des Widerſpruchs Die legten Thatjachen, zu denen Willenjchaft gelangt, zur Denkbarkeit zu verknüpfen, dann lafjen fich ſtets pofitive Gedanken nachmeijen, welche indgeheim feine Entjcheidungen leiten. Denkbarkeit muß alfo Hier mehr bedeuten ala Widerſpruchslofigkeit. Auch ftellen in der That die metapbufiichen Syſteme ihren Zujammenhang durch Mittel von einer ganz andern inhaltlichen Mächtigfeit ber. Denkbarkeit ift Hier nur ein abftrafter Ausdrud für Vorftell- barkeit, dieje aber enthält nichts anderes, ala daß das Denten, wenn es den feiten Boden der Wirklichkeit und der Analyfıs verläßt, teoßdem von Refiduen des in ihr Enthal- tenen geleitet wird. Innerhalb dieſes Umkreiſes der Bor- jtellbarfeit erjcheint dann vielfach das Entgegengeſetzte als gleich möglich, ja zwingend. Gin befannte® Wort von Leibniz lautet: Die Monaden Jeien ohne Fenſter, Lotze bemerkt Hierzu mit Recht: „Sch würde mich nicht wundern, wenn Leibniz mit dem gleichen bildlichen Augdrud im Gegentheil gelehrt hätte, die Monaden hätten Yenfter, durch die ihre inneren Zuftände mit einander in Gemeinſchaft träten, und diefe Behauptung würde ungefähr gleichviel Grund und vielleicht befjeren Grund gehabt Haben, ala die, welche er vorzog.“) Die einen Metaphyſiker halten ihre Maſſentheilchen, jedes für fi, für fähig einzuwirken oder 1) Lotze, Syflem der Philofaphie II, 125.
516 Zweites Buch. Vierter Abfchnitt.
Einwirkung zu erleiden, die anderen glauben, daß Wechſelwirkung unter gemeinfamen Gefeßen nur in einem alle Einzelweſen ver- bindenden Bewußtjein denkbar fei. UWeberall hat bier die Meta- phyſik, ala die Königin über ein Schattenreich, nur mit Echatten ehemaliger Wahrheiten zu thun, von denen die einen ihr vermehren etwas zu denken, die anderen es ihr aber gebieten. Dieſe Schatten von Weſenheiten, welche insgeheim die Vorftellung leiten und die Borftelbarkeit ermöglichen, find entweder Bilder auß der in den Sinnen gegebenen Materie oder Vorftellungen aus dem in ber inneren Erfahrung gegebenen pfychiichen Leben. Die eriteren find in ihrem phänomenalen Charakter von der modernen Wiſſenſchaft anerkannt, und daher ift die materialiftiiche Metapyſik, ala ſolche, in Abnahme gerathen Wo ea fich wirklich um dad Subjekt der Natur handelt und nicht bloß um prädifative Beitimmungen, wie Bewegung und finnliche Qualitäten fie darbieten, da enticheiden zumeift indgeheim oder bewußt die Vorftellungen des piydhji- ſchen Lebens über das, was als metaphufilcher Zulammenhang denkbar ſei oder nicht. Gleichviel, mag Hegel die Weltvernunft zu dem Subjekt der Natur machen oder Schopenhauer einen blinden Willen oder Leibniz vorftellende Monaden oder Loße ein alle Wechſelwirkung vermittelndes umfaſſendes Bewußtſein, oder mögen die neueften Moniften pfychiſches Leben in jedem Atom aufbliken laſſen: Bilder des eigenen Selbſt, Bilder des pfychilchen Lebens find es, welche den Metapbufifer geleitet haben, ala er über Denk⸗ barkeit entjchied und deren indgeheim wirkende Gewalt ihm bie Welt ummandelte in eine ungeheure phantaſtiſche Spiegelung feines eigenen Selbſt. Denn das ift das Ende: der metaphufifche Geift gewahrt fich felber in phantaſtiſcher Bergrößerung, gleichſam in einem zweiten Geſicht.
So trifft die Metaphyſik am Endpunkte ihrer Bahn mit der Erkenntnißtheorie zuſammen, welche das auffaſſende Subjekt ſelber zu ihrem Gegenſtand hat. Die Verwandlung der Welt in das auffaſſende Subjekt durch dieſe modernen Syſteme iſt gleich- ſam die Euthanafie der Metaphyſik. Novalis erzählt ein Märchen bon einem Jüngling, den die Sehnfucht nach den Geheimniffen Metaphyfik und Erkenntnißtheorie. 517 der Natur ergreift, er verläßt die Geliebte, durchwandert viele Länder, um die große Göttin Iſis zu finden und ihr wunderbares Antlitz zu ſchauen. Endlich fteht er vor der Göttin der Natur, er bebt den leichten glänzenden Schleier und — die Geliebte finkt in feine Arme. Wenn der Seele zu gelingen ſcheint, das Subjekt de3 Naturlaufs ſelber ledig der Hüllen und des Schleierd zu ge= wahren, dann findet fie in diefem — ſich ſelbſt. Dies ift in der That das letzte Wort aller Metaphyfil, und man kann jagen, nach— dem dafjelbe in den legten Jahrhunderten in allen Sprachen bald des Verſtandes, bald der Leidenjchaft, bald des tieſſten Gemüthes ausgeſprochen ift, jcheint e8, daß die Metaphyſik auch in dieſer Rückſicht nichts Erhebliches mehr zu jagen habe.
Wir folgern weiter mit Hilfe des zweiten Satzes. Diefer perjönliche Gehalt des Seelenlebenz ift num in einer beftändigen geichichtlichen Wandlung, unberechenbar, relativ, eingeſchränkt, und fann daher nicht eine allgemeingültige Einheit der Erfahrungen er- möglichen. Das ift die tieffte Einficht, zu welcher unjere Phäno- menologie der Metaphyſik gelangte, im Gegenſatz gegen die Kon— ftruftionen der Epochen der Menſchheit. Jedes metaphufilche Syſtem ift nur für die Lage repräfentativ, in welcher eine Seele das Welträthfel erblidt Hat. Es hat die Gewalt, diefe Lage und Zeit, ben Zuftand der Seele, die Art, wie die Menfchen die Natur und fich erblicten, un wieder zu vergegenwärtigen. Es thut das gründlicher und alljeitiger ala dichteriiche Werke, in welchen da3 Gemüthsleben nach ſeinem Geſetz mit Perjonen und Dingen Ichaltet. Jedoch mit der geichichtlichen Lage des Seelenlebeng ändert fih der geiftige Gehalt, welcher einem metaphyſiſchen Eyftem Ein- beit und Leben giebt. Wir können dieſe Aenderung weder nach ihren Gränzen beftimmen noch in ihrer Richtung voraudberechnen.
Der Grieche in der Zeit des Plato oder Ariftoteles war an eine beftimmte VBorftellungsweile der erſten Urjachen gebunden; die chriftliche Weltanficht entwidelte fich, und es war nun gleich- ſam eine Wand weggezogen, Hinter welcher man eine neue Art, die erfte Urfache der Welt vorzuftellen erblidte. Für einen mittel- alterlicden Kopf war die Erkenntniß der göttlichen und menjch- 518 Zweites Bud. Bierter Abſchnitt.
lichen Dinge in ihren Grundzügen abgejchloffen, und eine Bor- jtellung davon, daß die auf Erfahrung gegründete Wiſſenſchaft beftimmt ſei, die Welt umaugeftalten, befaß fein Menſch während des elften Jahrhundert? in Europa; dann aber gejchah, was Nie- mand hatte ahnen können, und die moderne Erfahrungswiſſenſchaft entftand. Sp müſſen auch wir ung jagen, daß wir nicht willen, wa3 Hinter den Wänden fich befindet, die ung heute umgeben. Das Seelenleben jelber verändert fich in der Geſchichte der Menſch— heit, nicht nur dieſe oder jene Vorftellung. Und dieſes Berwußt- jein der Schranken unferer Erkenntniß, wie es aus dem geichicht- lihen Blick in die Entwidlung des Seelenlebens folgt, ift ein andered und tieferes, als das, welches Kant batte, für den im Geifte de achtzehnten Jahrhunderts das metaphyſiſche Vewußt⸗ ſein ohne Geſchichte war.
Der Skepticismus, welcher die Metaphyſik als ihr Schatten begleitete, hatte den Nachweis erbracht, daß wir in unſere Eindrücke gleichſam eingeſchloſſen ſind, ſonach die Urſache derſelben nicht erkennen und über die reale Beſchaffenheit der Außenwelt nichts ausſagen können. Alle Sinnesempfindungen find relativ und ge- ſtatten feinen Schluß auf das, was fie bervorbringt. Selbft der Begriff der Urſache ift eine von uns in die Dinge getragene Re- Iation, für deren Anwendung auf die Außenwelt ein Rechtägrund nicht vorliegt. Dazu Hat die Gefchichte der Metaphyſik gezeigt, daß unter einer Beziehung zwifchen dem Denken und den Ob- jekten nicht? Klares gedacht werden kann, mag diejelbe als Iden⸗ tität oder Paralleliamus, als Entſprechen oder Korrejpondenz be: zeichnet werden. Denn eine Borftellung fann einem Ding, jofern dieſes als von ihr unabhängige Realität aufgefaßt wird, nie gleich fein. Sie ift nicht dag in die Seele gejchobene Ding und kann nicht mit einem Gegenftand zur Dedung gebracht werden. Schwächt man den Begriff der Gleichheit zu dem der - Nehnlichkeit ab, jo kann auch diejer Begriff in feinem genauen Berftande bier nicht Metaphyſik und Erkenntnißtheorie. 519 angewandt werden: die Vorſtellung von Uebereinſtimmung ent- weicht fo in das Unbeftimmte. Der Rechtsnachfolger des Skep⸗ tikers ift der Erfenntnißtbeoretifer. Hier find wir an der Grenze angelangt, an welcher das nächfte Bud) anheben wird: vor dem erfenntnißtheoretiichen Standpunkte der Menfchheit. Denn das moderne tiflenfchaftliche Bewußtſein ift einerjeit3 bedingt durch die Thatfache der relativ Jelbfländigen Einzelwifjenichaften, anderer- ſeits durch die erkenntnißtheoretiſche Stellung des Menfchen zu feinen Objelten. Der Pofitiviamus hat vorwiegend auf die erjtere Seite defjelben ſeine philofophiiche Grundlegung aufgebaut, die Zranfcendentalpbilojophie auf die andere. An dem Punkte der intellettuellen Gejchichte, an welchem die metaphufiiche Stellung des Menjchen endigt, wird das folgende Buch anjeten und die Geſchichte des modernen wifjenjchaftlichen Bervußtfeind in feiner Beziehung zu den Geifteswiflenichaften darlegen, wie es durch die erfenntnißtheoretiiche Stellung zu den Objekten bedingt ift. Diele hiſtoriſche Darftellung wird noch zu zeigen Haben, wie die Rüd- ftände der metaphufifchen Epoche nur langſam überwunden und jo die Konſequenzen der erfenntnißtheoretiichen Stellung nur ſehr all- mälig gezogen wurden. Sie wird fihtbar machen, wie innerhalb der erkenntnißtheoretiſchen Grundlegung jelber die Abjtraktionen, welche die dargelegte Geſchichte der Metaphyſik Hinterlaflen bat, nur ſpät und bis heute noch jehr unvollftändig weggeräumt worden find. So foll fie zu dem pſychologiſchen Standpunkte Hinführen, welcher nicht von der Abftraktion einer ifolirten Intelligenz, jondern von dem Ganzen der Thatiachen des Bewußtſeins aus das Pro- blem der Erkenntniß aufzulöjen unternimmt. Denn in Sant voll- 30g fi} nur die Selbſtzerſetzung der Abftraltionen, welche die von una geichilderte Geichichte der Metaphyſik geichaffen Hat; nun gilt es, die Wirklichkeit des inmeren Leben? unbefangen gewahr zu werden und, von ihr auögehend, feftzuftellen, tvad Natur und Geſchichte diefem inneren Leben find.