•jqo Bewusstsein und Vorstellungsverlauf.
die Höhe, wobei der Strom unterbrochen wird1. Die verschiedenen Apparate sind durch die in der Figur angegebenen Leitungsdrähte mit einander verbun- den. Doch sind der Uebersichtlichkeit wegen die sämmtlichen Apparate in unmittelbarer Verbindung dargestellt, während es für die Ausführung der Ver- suche dringend wünschenswerth ist, dass sich Experimentator und Beobachter in völlig getrennten Räumen befinden. Demnach sind die Vorrichtungen F und U in einem andern Raum zu denken, als die übrigen, wobei jedoch außer den für die Verbindung der Apparate erforderlichen Drahtleitungen noch eine telegraphische Communication zwischen Experimentator und Beobachter mittelst verabredeter Signale erforderlich ist. Die Ausführung des Versuchs geschieht nun in folgender Weise. Nachdem Fallapparat und Rheochord in der richti- gen Weise eingestellt sind, setzt sich die Versuchsperson vor den Reactions- taster U und drückt den Handgriff h nieder, so dass cc und ß in festem Con- tact stehen. Es geht nun der Strom von W aus durch 4 nach z, von da durch 3 nach dem Chronoskop H, aus diesem durch 2 nach der einen End- klemme 11 des Rheochords i?, verlässt diesen bei m und geht durch 1 nach W und der Kette zurück. Demnach wird in dieser Anordnung durch den H durchfließenden schwachen Strom das Zeigerwerk festgehalten, obgleich das Uhr- werk durch Ziehen an a sofort bei Beginn des Versuchs in Gang gesetzt wurde. Hierauf lässt der Experimentator selbst oder (beim Arbeiten in getrennten Räumen) ein Gehülfe die Kugel k fallen. In dem Moment, wo diese auf dem Fallbrett B anlangt und der Schall entsteht, setzt sie durch Schließen des Metallcontactes unter dem Fallbrett die beiden Klemmen z und y in Verbin- dung. Dadurch hat sich nun eine zweite Leitung für den Strom eröffnet. Sie geht von W durch 4 nach z, y, 8, £7, von da durch 7 nach den mittelst 6 verbundenen Platincontacten cT und <r2, welche während der eigentlichen Ver- suche beide geschlossen sein müssen. Aus der mit c2 verbundenen vorderen Klemme des Controlhammers geht endlich der Strom durch 5 nach W und der Kette zurück. Diese zweite, außerhalb des Chronoskops gehende Leitung bietet aber einen sehr viel geringeren Widerstand als die erste, in welcher durch den Rheochord und die im Chronoskop befindlichen Drahtwindungen der Strom geschwächt ist. Im Moment, wo diese Nebenleitung geschlossen wird, sinkt daher die Stromstärke in der durch das Chronoskop gehenden Hauptleitung auf eine verschwindend kleine Größe. In Folge dessen wird das elektromagnetisch arretirte Zeigerwerk losgelassen, und die Zeiger Z2 und Zx werden von dem Uhrwerk mitgenommen. Indem nun die Versuchsperson auf den gehörten Schall reagirt, löst sie durch plötzliches Loslassen des Hand- griffs h den Contact a ß. Dadurch wird die vorhin geschlossene Nebenleitung 1 Als Reactionstaster U bedient man sich zweckmäßig einer der in der Telegraphie üblichen Vorrichtungen; namentlich die amerikanischen Telegraphentaster sind empfehlens- werth. Diese sowie alle anderen kleineren Hülfsvorrichtungen werden auf dem Experi- mentirtisch festgeschraubt. Für gewisse specielle Zwecke kann man besonders eingerichtete Contactvorrichtungen anwenden: so einen Lippenschlüssel, wie ihn Cattell beschrieben hat (Philos. Stud. Bd. 3, 1886, S. 312), zur Registrirung von Lippenbewegungen, oder einen analog construirten Lidschlüssel für Bewegungen des Augenlids. Zur Registrirung von Sprachbewegungen geeignete Vorrichtungen werden wir unten noch kennen lernen. Ueberall aber, wo es frei steht, die Art der Reactionsbewegung zu wählen, ist die combinirte Be- wegung von Arm und Hand wegen der natürlichen Uebung, die ihr zu statten kommt, vor- zuziehen, weil sie sich nicht nur am gleichförmigsten und schnellsten, sondern namentlich auch am längsten ohne Ermüdung ausführen lässt.
Verlauf der directen Sinnesvorstellungen. tqj wieder geöffnet, der volle Strom ergießt sich jetzt wieder durch Rheochord und Chronoskop, und das Zeigerwerk wird in Folge dessen arretirt. Der Versuch ist damit zu Ende, und das Uhrwerk wird alsbald durch Ziehen an b festgehalten, sowie der Strom geöffnet. Vor dem Uebergang zu einem neuen Versuch wird der Stromwender W umgelegt, so dass der Strom in entgegen- gesetzter Richtung fließt, als vorhin, während die übrigen Verhältnisse un- geändert bleiben. Dieser Wechsel der Stromesrichtung ist erforderlich, um ein dauerndes Magnetischwerden des Eisens im Elektromagneten des Chrono- skops möglichst zu vermeiden. Will man einen Controlversuch ausführen, so wird durch das Herabdrücken des Fallbretts B z mit y verbunden, und ebenso in U der Contact a ß hergestellt, dagegen der Contact cx des Controlhammers geöffnet, während c2 zunächst geschlossen bleibt. Es geht demnach nun der Strom von W durch 4 nach z durch 3 in das Chronoskop ZT, dann aus diesem durch 2 nach i?, und von da wieder durch 1 nach W und der Kette zurück. Somit wird jetzt das Zeigerwerk durch denselben schwachen Strom festgehalten, wie im ersten Versuch. Dann lässt man durch Unterbrechen des durch E gehenden besonderen Stromes den Hammer C fallen. In Folge dessen wird sehr bald nach Beginn der Fallbewegung der Contact cx geschlossen. Hier- durch entsteht aber wieder eine Nebenleitung von sehr kleinem Widerstand gegenüber der Hauptleitung. Sie geht von W durch 4 nach z} y, durch 8, «, ß und 7 nach cx, von da durch 6 nach c2 und durch 5 nach W und der Kette zurück. Somit wird, wie vorhin, das Zeigerwerk in Bewegung gesetzt, bis durch Auffallen des Hammers auf den unteren Hebel der Contact c2 geöffnet und dadurch die Nebenleitung wieder unterbrochen wird. Die bei dem Controlversuch gemessene Zeit entspricht demnach genau der Zeit vom Schluss des Contactes cx bis zur Oeffnung des Contactes c2, und da diese Zeit durch Stimmgabelschwingungen, entweder direct oder mittelst des Chrono- graphen, genau bestimmt ist, so ergibt die Differenz zwischen ihr und der am Chronoskop abgelesenen Zeit unmittelbar den in Rechnung zu bringenden Zeit- fehler dieses Instruments. Selbstverständlich ist übrigens dazu erforderlich, dass die gemessenen Reactionszeiten und die Controlzeit durchschnittlich übereinstimmen. Von dem richtigen Gang des Uhrwerks hat man sich durch die gleichbleibende Höhe des Tons der Regulirfeder zu überzeugen1.
Zur richtigen Handhabung des Chronoskops ist eine genaue Kenntniss seiner inneren Einrichtung unerlässlich. Es mag daher hier den obigen all- gemeinen Bemerkungen über die Wirkungsweise dieses Instruments noch eine eingehendere Beschreibung folgen. In Fig. 353 bis 356 sind die hauptsäch- lichsten Theile des Apparats in 2/3 der wirklichen Größe dargestellt. An der Gewichtsrolle G (Fig. 353 und 355) ist ein Rad RT befestigt, welches durch einen Trieb mit dem Rade F2 ebenso wie dieses mit F3 verbunden ist. Durch den Trieb von F3 wird das Steigrad S bewegt, in dessen Zähne die schwingende Feder F eingreift. Diese ist auf 1000 Schwingungen in der Secunde abgestimmt, so dass das Rad S in je 0,001 See. sich um einen Zahn fortbewegt. Mit ihrem breiteren Ende ist die Feder zwischen zwei Messing- klötzen festgeklemmt. Zur Dämpfung der Schwingungen der Feder befindet sich über ihr ein kleiner Hebel /z, an dem der unten in ein elastisches Kissen 1 Die älteren und kleineren Apparate Hipps halten ihren Ton sehr constant; manche der neueren haben den Fehler, dass sie zuweilen in die tiefere Octave umschlagen.
Bewusstsein und Vorstellungsverlauf.
auslaufende Dämpfer d und das Laufgewicht p verschoben werden können. Will man den Dämpfer nicht gebrauchen, so wird der Hebel /?.um seine Achse zurückgeschlagen. Die mechanische Auslösung des Uhrwerks bei Beginn des Versuchs und die Arretirung nach Beendigung desselben geschieht mittelst der Hebel UJ, H^ (Fig. 355), die durch die Schnüre a und b regiert werden. Zieht man an <z, so lässt der obere Fortsatz i des Hebels Hx die Arretirstange A, die er während der Ruhe gegen die Welle des Steigrades S drückt, los, so dass S sich frei drehen kann, während sich der untere Fortsatz / aus dem Stift s des Hebels H2 löst, so dass das freie, etwas gekrümmte Ende von / an s anliegt. Zugleich wird der kurze Fortsatz 0 des Hebels H2 durch die Fig- 353- Seitenansicht des Uhrwerkes zum Chronoskop. Fig. 354. Kronräder des Uhrwerkes.
starke stählerne Feder /x nach außen gedreht, wodurch der Arm n einen kräftigen, durch die Messingfeder /2 verstärkten Stoß gegen die Zähne von Ä2 ausübt und so bewirkt, dass sich das Uhrwerk alsbald mit voller Ge- schwindigkeit bewegt. Zieht man dagegen, nachdem der Versuch beendet ist, an der Schnur b, so wird der Hebel H2 wieder in seine in der Fig. 355 ge- zeichnete Lage herabgedrückt, wodurch zugleich, indem die Feder w den Hebel Hz stets in seine Ruhelage zu bringen strebt, der Stift s, die Arretir- stange A und der Fortsatz n ihre ursprüngliche Stellung einnehmen. Da- mit das durch die Räder i?3, RA und Rs (Fig. 353) gedrehte Zeigerwerk in jedem Moment, während das Uhrwerk im Gang ist, in und außer Verbin- dung mit demselben gesetzt werden kann, ist folgende Einrichtung getroffen.
Verlauf der directen Sinnesvorstellungen.
Die Achse x x des am obern Zifferblatt befindlichen Zeigers Z2 läuft inner- halb der Welle des Rades R3, auf dieser Welle ist das mit ihr bewegliche Kronrad kx befestigt, und diesem gegenüber befindet sich das ihm gleiche aber feste Kronrad k2. Mit der Zeigerachse xx fest verbunden ist ferner der Halter /z, dessen oberes Ende, wie in Fig. 353 u. 354 ersichtlich, derart prisma- tisch gestaltet ist, dass seine vordere oder hintere Kante zwischen zwei Zähne des Kronrades kz oder kz sich einlegt. Ebenso ist der in das Rad RA eingreifende Trieb fest mit x x verbunden, so dass mit der Drehung des Zeigers Z2 immer zugleich eine solche des Zeigers Zz durch die Radübertragung R4 R5 verbun- den ist. Diese Uebertragung ist so eingerichtet, dass, während Zx das obere Fig. 355. Hintere Ansicht des Uhrwerkes.
Zifferblatt in 0,1 See. durchläuft, Z2 hierzu 10 See. braucht. Da jedes Ziffer- blatt in 100 Theile getheilt ist, so entspricht demnach jeder Theilstrich oben einem Werthe von 0,00 is, unten einem solchen von o,is. Die Auslösung sowie die Arretirung der Bewegungen der Zeiger wird nun durch den Halter h be- wirkt. Wird die Achse xx nach hinten gezogen, so greift h in das beweg- liche Kronrad kz ein, und das Zeigerwerk bewegt sich. Wird dagegen xx nach vorn gedrückt, so greift h in das feste Kronrad k2 ein, und das Zeigerwerk steht still. Die Fig. 353 zeigt h in der ersten, die Fig. 354 D in der zweiten Stellung; in Fig. 354 ^f ist es im Uebergang zwischen beiden Stellungen sicht- bar. Damit diese Verschiebungen von x x möglichst momentan durch Schließung Bewusstsein und Vorstellungsverlauf.
oder Unterbrechung elektrischer Ströme bewirkt werden können, werden sie durch die Elektromagnete Ez,E2 und die mit dem Anker m derselben ver- bundene Hebelvorrichtung Hz regiert (Fig. 353 und 356). Der verticale Arm des Hebels H2 trägt an seinem oberen Ende eine Schraube, die in ihrer Ver- tiefung die Stahlspitze der Zeigerachse xx aufnimmt; der horizontale Hebel- arm trägt den Anker m der Elektromagnete, über die Kerne der letzteren ragen in ihrer Mitte abgestumpfte Eisenspitzen hervor, an die sich m anlegt. Liegt der Anker dem unteren Elektromagneten E2 an, so dreht sich der verti- cale Hebelarm zurück, und die Achse x x wird nun durch die gegen die Messingfeder wirkende Stahlfeder/ zurückgeschoben, so dass h in das beweg- liche Kronrad kx eingreift. Liegt dagegen m dem oberen Elektromagneten Ex an, so wird x x durch den Hebel H3 nach vorn geschoben, und h greift nun in das feste Kronrad k2 ein. Um je nach den Bedingungen des Versuchs die untere oder die obere Stellung von m durch Strom- schließung oder -Öffnung in den Elektromagneten Ex und E2 hervorbrin- gen zu können, befindet sich an dem Hebel H3 die in Fig. 356 darge- stellte Stellungsvorrich- tung. Dieselbe besteht aus den Hülfshebeln ux u2 und vx v2, deren Stellungen durch die Federn qx rz und q2 r2 bestimmt werden, von denen rx und r2 mit dem Anker m verbun- den sind. Die Stellun- gen der beiden Hülfs- hebel und des Ankers m werden durch die kleinen, an den Theilkreisen Sx und S2 beweglichen Excentrik- Hebel Tz und T2l deren Wirkungsweise leicht aus Fig. 356 er- sichtlich ist, regiert. Befinden sich Tx und T2 in ihrer oberen Lage, so ist rx schwach und r2 stark gespannt, m ist in seiner unteren Lage und das Zeigerwerk bewegt sich (wie in Fig. 353). Werden dagegen Tx und T2 ab- wärts gedrückt, so wird rx gespannt und r2 entspannt, m befindet sich also in seiner oberen Lage und das Zeigerwerk steht still. In Folge der Anwen- dung der doppelten Elektromagnete und der doppelten Ruhestellung des Ankers lässt sich das Chronoskop in verschiedener Weise zur Messung kleiner Zeittheile anwenden. Da bei Reactionsversuchen der Zeitpunkt der Reactions- bewegung nur durch die Oeffnung eines Contacthebels (nicht durch die Fig- 356. Elektromagnete des Chronoskops.
Verlauf der directen Sinnesvorstellungen.
Schließung eines solchen) zureichend sicher bestimmt werden kann, so kommen aber hier nur zwei Anordnungen in Betracht. Bei der ersten wird das Zeigerwerk festgehalten, wenn der Strom durch das Chronoskop geht, und in Bewegung gesetzt, wenn er nicht durch dasselbe geht. Bei den Hipp'schen Chronoskopen älterer Construction, welche nur ein Elektromagnetpaar besitzen, und bei denen die Construction entsprechend vereinfacht ist, ist nur diese erste Anordnung an- wendbar; aber auch bei den neueren In- strumenten ist sie im allgemeinen vorzu- ziehen. Bei ihrer An- wendung bringt man die Hebel Tt T2 in ihre obere Lage, so dass sich m in seiner unteren Stellung (Fig. 353) befindet. Man schließt darauf einen Strom, der durch das Elektro- magnetpaar Ex geht, vor Beginn des Ver- suchs, so dass m in seine obere Stellung rückt, und h in das feste Kronrad ein- greift (Fig. 354 B). Die Anordnung wird nun so getroffen, dass gleichzeitig mit der Einwirkung des Rei- zes der Strom in Ex unterbrochen oder auf eine verschwindende Größe herabgedrückt wird und in Folge der Reagirbewegung wie- der eintritt. Es wird dann im Moment des Reizes der Halter h mit dem beweglichen und im Moment der Reaction wieder mit dem festen Kronrad verbunden, so dass, wenn jedesmal die Bewegung von h sowie die zureichende Magnetisirung und Entmagnetisirung des Eisenkerns die gleiche Zeit beanspruchen, das Zeigerwerk genau während einer der Reactionszeit entsprechenden Zeit bewegt worden ist. Zur Erzeugung und Unterbrechung des Stroms in Ez wendet man, wie in Fig. 352 dargestellt, das Princip der Nebenschließung an. Bei der zweiten Anordnung gibt man •2g6 Bewusstsein und Vorstellungsverlauf.
den Hebeln Tx T2 ihre untere Lage, so dass vor dem Versuch m in der oberen Stellung und h mit dem festen Kronrad verbunden ist. Nun wird die Ein- richtung so getroffen, dass im Moment der Reizeinwirkung zugleich ein durch E2 gehender Strom geschlossen und im Moment der Reaction wieder geöffnet wird. In diesem Fall kann man entweder einen zuerst offenen Strom schließen und wieder öffnen lassen, oder man kann ebenfalls das Princip der Neben- schließung anwenden, indem man bei der Reizeinwirkung eine Nebenschließung von im Verhältniss zu E2 verschwindendem Widerstand, und dann bei der Reaction den Stromkreis E2 selbst öffnen lässt.
Zur Ausführung von Reactionsv ersuchen vor einem größeren Zuhörerkreis bedient man sich zweckmäßig des in Fig. 357 dargestellten Demonstrations- chronoskops. Dasselbe besitzt ein weit größeres Uhrwerk und zwei Ziffer- blätter auf Milchglas, die durch eine dahinter befindliche Gasflamme erleuchtet werden können. Das größere Zifferblatt von 46 cm Durchmesser gibt die Tausendtheile, das kleinere von 17 cm die Zehntheile der See. an. Der Zeiger des großen Zifferblatts ist ein geschwärzter Strohhalm, da ein Metall- zeiger von dieser Länge zu schwer beweglich sein würde. Die beiden Schnüre zur Linken regieren den Bewegungs- und Arretirungshebel des Uhrwerks. Mittelst der Schnur zur Rechten wird der Dämpfer auf die schwingende Feder aufgedrückt. Die innere Einrichtung entspricht derjenigen Anordnung des Hipp'schen Chronoskops, die oben als die zweite bezeichnet wurde, bei der also das Zeigerwerk ohne Strom stille steht, und durch den in das Chrono- skop eintretenden Strom in Bewegung gesetzt wird. In diesem Fall ist wegen der größeren zu bewegenden Massen diese Einrichtung die vortheilhaftere. Uebrigens sind die Angaben dieses Chronoskops durchaus constante, so dass es allen Erfordernissen des Versuchs entspricht. Nur muss von seinen Zeitangaben ein für jedes Instrument besonders zu bestimmender constanter positiver Fehler in Abzug gebracht werden, der von der zur Bewegung des Anker- und Zeiger- werks erforderlichen Zeit herrührt1. Diese Zeit verschwindet bei dem kleinen Chronoskop gegenüber den sonstigen variabeln und durch den Controlhammer zu corrigirenden Fehlern des Instruments.
Zur Controle und Correctur der Chronoskopzeiten ist eine absolute Con- stanz der Zeitangaben des Controlhammers erforderlich. Zu diesem Zweck müssen die Contacte cT und cz (Fig. 352) sicher schließende Platincontacte, sie dürfen unter keinen Umständen Quecksilberschließungen sein. Außerdem muss, wie oben schon bemerkt, die Zeit zwischen der Schließung von cx und der Oeffnung von c2 annähernd den zu messenden Reactionszeiten gleich sein. Trifft dies nicht zu, so können durch die Unterschiede der Stromdauer im einen und im andern Fall Differenzen der Abreißungszeiten des Ankers der Chronoskopelektromagnete entstehen. Bei dem in Fig. 352 C abgebildeten kleinen Controlhammer entspricht die Zeit des Falls annähernd der einfachen Reactionszeit. Handelt es sich um die Untersuchung zusammengesetzter Re- actionsvorgänge, die in der Regel von erheblich längerer Dauer sind, so be- darf es daher der Anwendung eines ähnlichen Instrumentes, das weit größere Variationen der Fallzeit zulässt. Ein solches ist der in Fig, 358 dargestellte große Controlhammer, bei dem die Zeit des Falls zwischen dem oberen 1 Bei dem Instrument des Leipziger Ins.tituts beträgt derselbe bei geeigneter Strom- stärke etwa 0,045*.
Verlauf der directen Sinnesvorstellungen.
und unteren Contact etwa zwischen 0,1 und 0,6 s mit größter Genauigkeit variirt werden kann1. Der Apparat unterscheidet sich von dem kleinen Con- trolhammer nicht nur dadurch, dass er in viel größeren Dimensionen ausge- führt ist, und in weitem Umfang eine Veränderung der Fallhöhe möglich macht, sondern auch durch eine Reihe weiterer, die Zuverlässigkeit seiner Function erhöhender Verbesserungen. Der ganze Apparat steht auf einem mit Filzunterlagen versehenen Fußbrett T, auf dem das Achsenlager L für den Winkelhebel des Hammers, die vier Messingsäulen ZZ, Z' Z' zur Ver- schiebung der oberen Contactapparate Cz, C2, sodann die Messingsäulen SS zur Verschiebung des Elektromagneten E, sowie links die unteren Contact- apparate C3, C4 befestigt sind. Der Winkelhebel trägt an seinem hinteren, mit einer Scala versehenen Arm D das Laufgewicht P, durch dessen Ver- schiebung die Geschwindigkeit des Falls regulirt wird. Der vordere Arm A trägt den Hammerkopf H, an dem rechts und links ein Fortsatz fx zur Aus- lösung der unteren Contacte und vorn ein Fortsatz fz angebracht ist, über Fig. 358. Großer Controlhammer.
den sich in dem Moment, wo der Hammer auf einem hier das Fußbrett T bedeckenden Filz angelangt ist, die zwischen den Contactapparaten C3 und C4 befindliche Feder F herüber legt, wodurch ein Zurückspringen des Ham- mers verhütet wird. Nahe dem Hammerkopf befindet sich auf dem Arm A verschiebbar und durch eine Schraube fixirbar der Auslöser M, der rechts und links ähnliche Fortsätze wie fx für die Auslösung der oberen Contacte Cx C2 besitzt. An den Säulen SS, deren eine mit einer Scala versehen ist, lässt sich der Elektromagnet E mittelst der Schraube h verschieben, und außerdem ist derselbe so um die Achse seines Fußes drehbar, dass er in jeder Stellung durch Schrauben fixirt werden kann. Die schrägen Messing- säulen BB dienen zur sichereren Befestigung der Säulen SS, und dadurch des Elektromagneten.** Von besonderer Wichtigkeit ist die Construction der Contactapparate Cz C2 und C3 C4. Dieselben sind so angeordnet, dass in C r 1 Külpe und Kirschmann, Philos. Stud. Bd. 8, 1893, S. 145 ff.
Bewusstsein und Vorstelhmgsverlauf.
und C3 bei der Auslösung durch die entsprechenden Hammerfortsätze ein Contact geöffnet, in C2 und C4 aber ein solcher geschlossen wird. Dem- gemäß wendet man bei einer bestimmten Versuchsanordnung immer nur ent- weder die Contactapparate der linken Seite C2 und C3 oder nur die der rechten Cz und C4 an. Ersteres, wenn die erste Anordnung des Chronoskops benützt wird, also die Zeit von der Schließung bis zur Oeffnung eines Neben- stromes bestimmt werden soll, letzteres, wenn die zweite Anordnung gewählt wird, wo im ersten Moment der Strom geöffnet und im zweiten geschlossen wird. Hiernach zeigen die Figg. 359 und 360 die näheren Einrichtungen dieser paarweise identischen Contactapparate. Der von einer Hartgummi- unterlage b getragene Oeffnungsapparat Cz C3 (Fig. 359) ist der einfachere. Die Klemmschrauben sp und s q dienen der Zuleitung des Stromes. Vor der Auslösung durch den Hammer befindet sich der die Auslösung besorgende Hartgummihebel in der Stellung de, und der Strom geht von sp durch den Messinghebel /, der in seiner Achse a von der ihn tragenden Messingsäule c Fig. 359. Contactapparat des Controlhammers: Oeffnungseinrichtung.
mittelst einer Hornführung isolirt ist, durch den geschlossenen Platincontact p q nach sq. Ist durch das Herabfallen des Hammers de in die Stellung d' e' übergegangen, so wird der Hebel / bei e' etwas gehoben und dadurch der Contact pq gelöst, der Strom also unterbrochen. Die Feder r mit der zu- gehörigen Schraube tr dient zur richtigen Einstellung des Contactes; mittelst der Doppelschraube tp regulirt man die Bewegung des Hebels /. Der Schlies- sungsapparat C, C4 (Fig. 360) kann gleichzeitig auch als Oeffnungsapparat be- nutzt werden, was für gewisse später zu erwähnende chronometrische Zwecke erforderlich ist. Derselbe stimmt mit dem vorigen Apparat in allen in der Figur gleich bezeichneten Theilen überein, nur die Klemmschraube sq steht auf einem besonderen knieförmigen Messinghebel, der, von dem Hebel / isolirt, ebenfalls um die Achse a drehbar ist, und außerdem die Platinplättchen p und p' trägt. Ferner befindet sich auf der Unterlage b isolirt von dem übrigen Apparat eine hinter / sichtbare Messingsäule, oben mit einer Klemmschraube sp' versehen und einen horizontalen Balken tragend, an dessen. Ende sich die durch die Schraube s' einzustellende 'Platinspitze q befindet. Endlich dient Verlauf der directen Sinnesvorstellungen.
ein parallel der Unterlage b angebrachter Hartgummihebel, dessen Stellung durch die Schraube t regulirt wird, zur Einstellung des die Platinplättchen p und p' tragenden Hebels, mittelst der Feder r. Der Apparat wird nun so eingestellt, dass in der Lage de des Auslösers p und q durch einen kleinen Zwischenraum getrennt sind, p' und q aber sich berühren. Geht dann beim Fall des Hammers de in die Stellung d' e über, so wird der Contact pq durch Herabsinken der linken Seite des Hebels / geschlossen und im gleichen Moment dadurch, dass hierbei der knieförmige Messinghebel herabgedrückt wird, der Contact p' q' geöffnet. Hierbei gestattet die Feder r' dem die Plättchen pp' tragenden Hebel ohne Lockerung des Contacts nach unten aus- zuweichen. Will man demnach den Apparat zur Stromschließung benutzen, so verbindet man die Leitungsdrähte mit sp und sq, es wird dann im Moment der Auslösung durch den Contact p q der Strom geschlossen. Soll dagegen der Apparat zur Oeffnung dienen, so verbindet man die Drähte mit sp' und sq. Dann wird im Moment der Auslösung an der Contactstelle p' q der Strom unterbrochen. Zur Bestimmung der mit dem Apparat zu messenden Fig. 360. Contactapparat des Controlhammers: Schließungseinrichtung.
Zeiten befindet sich an der Seite des Fallhammers H eine kleine Schraube, mit der ein berußtes Cartonblatt befestigt wird. Auf dieses lässt man dann die Schwingungen einer Stimmgabel von bekannter Schwingungsdauer auf- zeichnen. Mittelst dieser Hülfsvorrichtung kann der Controlhammer auch zur Zeitcontrole beliebiger anderer Zeitmessungsapparate dienen1.
Neben dem Chronoskop und seinen Hülfsapparaten sind bei den Re- actionsversuchen die der Einwirkung der Reize dienenden Vorrichtungen 1 In den älteren Versuchen hat man meist zur Controle der Chronoskopzeiten den in Fig. 352^ abgebildeten Hipp'schen Fallapparat benutzt. Die mit diesem zu messenden Zeiten sind aber zu klein und die Zeitfehler zu groß, um eine hinreichend genaue Con- trole möglich zu machen. Das gleiche gilt von allen andern auf das Princip des freien Falls zurückgehenden Controlapparaten. Vgl. die von Külpe und Kirschmann ausge- führten Versuche zur Prüfung solcher Instrumente. (Philos. Stud. Bd. 8, 1893, S. 145 ff.) Auch das Hipp'sche Chronoskop hat man mehrfach durch andere, namentlich einfachere Zeitmessungsapparate zu ersetzen gesucht. Dahin gehören z. B. Sanfords Pendel-Chrono- graph (Amer. Journ. of Psychol. vol. 5, 1893, P-38S), das Vernier-Chronoscop (ebend. vol. 7, 1897, p. 191), sowie die Apparate von Scripture (Yale psychological Laboratory, Bewusstsein und Vorstellungsverlauf.
von besonderer Wichtigkeit. Zu Schallversuchen sind hier, wenn es sich um die Anwendung möglichst momentaner Geräusche handelt, der Hipp'sche Fall- apparat (Fig. 352 F) in der 'oben beschriebenen Anwendungsweise oder der Fig. 361. Spaltpendel zu optischen Reactionsversuchen.
kleine Controlhammer (ebend. C) brauchbare Vorrichtungen. Zur Erzeugung momentaner Lichteindrücke hat man sich früher nicht selten der elektrischen Erleuchtung bedient, die den Vortheil bietet, dass sich bei ihr leicht eine Verlauf der directen Sinnesvorstellungen. ^Oj Coincidenz des Stromschlusses durch das Chronoskop und des Moments der Reizeinwirkung herstellen lässt. Es bildet aber dabei die nicht unbeträcht- liche Dauer der Adaptationsvorgänge des Auges eine nicht zu beseitigende Fehlerquelle. Es ist daher zweckmäßiger, die Versuche so auszuführen, dass die Lichteindrücke das Auge in einem für sie bereits möglichst adaptirten Zustande antreffen. Dies ist nur möglich, wenn die Versuche bei Tages- oder künstlicher Beleuchtung mittelst geeigneter Vorrichtungen ausgeführt wer- den. Gut bewährt hat sich für diese Zwecke das in Fig. 361 abgebildete Spaltpendel für chronometrisch-optische Versuche. Dasselbe besteht aus einem aus gusseisernen Stangen zusammengesetzten schweren Pendel P, das mit einer Stahlschneide auf einer Stahlunterlage L ruht. Am unteren Ende des Pendels befindet sich (in der Figur nicht sichtbar) ein schweres, fest eingeschraubtes Bleigewicht. Auf der zur Drehungsachse entgegengesetz- ten Seite trägt das Pendel eine Stahlstange mit dem Laufgewicht q, durch das die Geschwindigkeit seiner Schwingungen abgestuft werden kann. Der eiserne Träger des Pendels ist an einem massiven, unten auf 4 Stellschrauben ruhenden Holzgestell befestigt, das einen breiten Tisch trägt. Auf diesem befinden sich links und rechts die Messingträger bz und b2, auf denen die