dem besonderen Zweck der mittlere B oder der letzte C in seiner Stellung variirt werden kann. Die Versuche nach der Methode der mittleren Fehler führte Glass dergestalt aus, dass er nur zwei Auslöser mit während einer Versuchsreihe constanter Stellung, an wandte und durch den Arretirungshebel im Moment, wo eine der Normalzeit gleiche Zeit abgelaufen war, das Uhr- werk plötzlich zum Stillstand brachte; die Vergleichszeit wurde dann an der Stellung des Stiftes d abgelesen. Den dabei begangenen Registrirungsfehler 1 So kann man dadurch, dass die Klemmen 1 und 4, 2 und 6 verbunden werden, bewirken, dass im Moment des Contactes zwischen H und A eine Nebenschließung zu E entsteht, wodurch momentan der Anker sich löst; oder man kann die durch ein isoliren- des Zwischenstück vom Hammerstiel getrennte Metallgabel g, die bei der Herabbewegung des Hammers in zwei Quecksilbernäpfchen des Hartgummiapparates 5 eintaucht, zur mo- mentanen Schließung eines selbständigen Stromes benützen. Für Reactionsversuche ver- bindet man 4 mit 3, und die Enden einer Nebenleitung des zur Zeitregistrirung dienenden Stromes mit 4 und 6, so dass der durch den Apparat gehende Zweigstrom beim Contact von H und A geschlossen wird: es kann dann in der Versuchsanordnurg der Fig. 352 (S. 388, der Schallhammer statt des Fallapparates F verwendet werden.
Verlauf reproducirter Vorstellungen. r0r suchte Glass durch graphische Controlversuche, in denen Normal- und Ver- gleichszeit durch Registrirbevvegung auf einer Kymographiontrommel auf- gezeichnet wurden, besonders zu bestimmen.
Die speciellen Verfahrungsweisen bei Ausführung der Versuche über zeit- liche Reproductionen gestalten sich nun genau nach den bei den Maßmethoden der Empfindung angegebenen Regeln1. Verfährt man nach der Methode der Minimaländerungen, so werden zunächst die Zeitwerthe t' 0 und t"0 ermittelt, bei denen eben eine merkliche Verlängerung [t'0) resp. ein Wiedergleichwerden [t"0] mit der Normalzeit t eintritt; ebenso werden das verkürzte und das wieder gleich erscheinende Intervall t' u und t" u bestimmt. Aus ihnen gewinnt man die mitt- leren Werthe t0 = — und tu = — -, die den bei der Messung der Empfindungsintensität erhaltenen Werthen r0 und ru entsprechen, und hieraus die beiden Unterschiedsschwellen zJ ' t0 = t0 — t und 2ltu=t — tu.
Daraus ergibt sich ferner die mittlere Unterschiedsschwelle dt =, und in dem Quotienten — jj das Maß der relativen Unterschiedsempfindlichkeit. Den Schätzungswerth T der Zeit t aber erhält man aus der Beziehung: Zllo — ^jti, und daraus die Schätzungsdifferenz 2 Bei dem großen Einflüsse, den die Spannung der Aufmerksamkeit auf die Zeitschätzung ausübt, ist der Erwartungsfehler, der sich überall bei der An- wendung eines regelmäßigen Abstufungsverfahrens geltend macht, bei den Zeitsinnversuchen im allgemeinen viel größer als bei den Intensitätsversuchen. Es dürfte sich daher empfehlen, hier in Zukunft in der früher (Bd. i, S. 478 f.) angegebenen Weise bei der Methode der Minimaländerungen das Verfahren der unregelmäßigen Variation des Vergleichsreizes anzuwenden2.
Bedient man sich der Methode der mittleren Fehler, so werden, wie früher (Bd. 1, S. 481 ff.) erwähnt, aus den unmittelbar beobachteten rohen Fehlern die mittleren variabeln Fehler fm und der eigentliche constante Fehler C er- mittelt. Es ist dann der Quotient ~- der relativen Unterschiedsempfindlich- keit reciprok, und der Fehler C entspricht der Schätzungsdifferenz J, so dass der Schätzungswerth T aus der Beziehung T = t ± C gefunden werden kann. Will man das Verfahren der Selbsteinstellune; des Versuchsreizes auf die 2 Um den Erwartungsfehler zu eliminiren, hat schon Thorkelson (Undersogelse of Tidssansen, 1885) eine Modifikation der Methode der Minimaländerungen in Vorschlag gebracht, nach der die regelmäßige Abstufung beibehalten, aber das Verfahren insofern zu einem unwissentlichen gemacht wurde, als der Beobachter über die Richtung der ersten Veränderung im ungewissen blieb. Dieses Verfahren gehört aber zu den halb- wissentlichen, die sich überall als die ungünstigsten erweisen. Will man zu dem, hier besondere Vortheile darbietenden, ganz unwissentlichen Verfahren übergehen, so bleibt nur die oben vorgeschlagene unregelmäßige Variation der Vergleichszeit übrig.
cjOÖ Bewusstsein und Vorstellungsverlauf.
Zeitsinn versuche anwenden, so ist dies im vorliegenden Fall mit notwendi- gen Fehlern behaftet: es bleibt nämlich nichts anderes übrig, als, wie es Glass gethan, den die Vergleichszeit abschließenden Eindruck selbst durch eine eigene Reactionsbewegung hervorzubringen. Hierbei fällt aber nicht nur die sonst bei dem unmittelbaren Verfahren zur Aufsuchung der genauesten Schätzungswerthe dienende Auf- und Abbewegung des Vergleichsreizes hinweg, sondern es ist auch diese Methode mit einem Reactionsfehler behaftet, der durch die besondere Bestimmung der Reactionszeit so viel als möglich elimi- nirt werden muss. Deshalb ist es jedenfalls zweckentsprechender, hier in Zu- kunft das mittelbare Verfahren (Bd. i, S. 482) zu benützen, bei dem freilich stets Experimentator und Beobachter verschiedene Personen sein müssen, was übrigens wegen der oben erwähnten Isolirung des Beobachters ohnehin wün- schenswerth ist. Selbstverständlich kann auch die Methode der richtigen und falschen Fälle auf den Zeitsinn angewandt werden. Abgesehen von den noch nicht vollständig den Principien derselben gerecht werdenden älteren Ver- suchen Vierordts, hat bis jetzt F. Schumann Versuche nach dieser Methode ausgeführt. Doch gestattet sie aus den früher (Bd. 1, S. 485 f.) erwähnten Gründen keine sichere Bestimmung der Unterschiedsschwelle, die doch in diesem Fall ein besonderes Interesse besitzt; auch dürfte es schwer sein, bei einer hinreichend großen Zahl von Zeitstrecken vergleichbare Bestimmungen des Präcisionsmaßes zu gewinnen. Endlich ist aber diese Methode, weil bei ihr nothwendig ein willkürlicher Wechsel in der Reihenfolge der Normal- und der Vergleichszeit stattfinden muss, auf das Reproductionsproblem überhaupt nicht anwendbar. Denn dieses fordert selbstverständlich, dass die Normalzeit vorangeht, die Vergleichszeit nachfolgt. Allerdings hat Fechner i die Forderung erhoben, es müsse der Zeitfehler bei dem Zeitsinn ebenso gut wie bei andern psychophysischen Versuchen durch den Wechsel der Zeitlage eliminirt werden, indem man in einem Theil der Beobachtungen die Normal- zeit, in einem andern die variable Vergleichszeit vorangehen lasse und aus beiden Resultaten das Mittel nehme. Die nähere Erwägung der oben er- örterten Bedingungen der Zeitschätzung lehrt jedoch, dass die FECHNER'sche Forderung nur bei der unmittelbaren Zeitvergleichung, also nur bei einem sehr kleinen Theil der Zeitgrößen, über die sich die Versuche überhaupt erstrecken, ausführbar ist. Nur dann nämlich, wenn die zwei Zeiten zu einem unmittelbar im Bewusstsein gegebenen Ganzen verbunden werden, kann die Vergleichung in beliebig wechselnder Weise vorgenommen werden, da sie in diesem Fall ein Vorgang ist, der immer erst der ganzen, die beiden Zeittheile enthaltenden Vorstellung nachfolgt. Bei der unmittelbaren Zeitvergleichung wird es daher in der That nicht nur wünsch enswerth, sondern auch erforder- lich sein, einen Zeitwechsel eintreten zu lassen, sei es in der Form eines regelmäßigen Wechsels (bei dem Abstufungsverfahren), sei es in der eines will- kürlichen (bei der unregelmäßigen Variation des Vergleichsreizes), wobei die letztere Methode wieder wegen der größeren Unwissentlichkeit des Verfahrens vorzuziehen ist. Dies verhält sich aber anders bei den beiden Arten mittel- barer Zeitschätzung, wo ein Vorangehen der Vergleichszeit durch die Ver- suchsbedingungen völlig ausgeschlossen ist. Indem man schon bei der mittelbaren Zeitschätzung erster Art nicht die Zeitstrecken selbst vergleichen kann, 1 Fechner, Abh. der kgl. sächs. Ges. der Wiss. Math.-pbys. Cl. Bd. 13, S. 80.
Verlauf reproducirter Vorstellungen. cq-j da ja die erste schon aus dem Bewusstsein verschwunden ist, wenn die zweite eintritt, sondern indem man diese Vergleichung immer nur mittelst des Ab- laufs eines Aufmerksamkeitsvorgangs, der einem vorangegangenen gleicht, vor- nimmt, so ist es schlechthin unmöglich, dass hier die nachfolgende Zeit zur Normalzeit gemacht werde, nach welcher die vorangehende abgemessen werden soll. Wo trotzdem die Bestimmung getroffen wird, dass die voran- gehende Zeitstrecke variabel sei und als Vergleichszeit benutzt werde, da wird man daher entweder der Vorschrift entgegen trotzdem die erste Zeit zur Normalzeit nehmen und auf diese Weise eine fortwährend variable Normalzeit benutzen, während man eine constante zu haben glaubt; oder es wird jedesmal nicht die Normalzeit desselben, sondern die des vorangehenden Versuchs als Normalzeit dienen: man wird also wieder eine vorangehende Normalzeit haben, jedoch die vermeintliche Zwischenzeit der Intervalle wird die Pause zwischen zwei Versuchen, und die vermeintliche Pause wird Zwischenzeit sein, eine Vertauschung, die natürlich die Sicherheit der Beobachtungen erheblich beein- trächtigt, und zu einer Elimination des Zeitfehlers nicht führen kann.
Als ein störendes Moment macht sich endlich, wie Estel1 zuerst be- obachtete und dann Mehner, Glass u. A. bestätigten, zuweilen der Contrast geltend, namentlich dann, wenn Versuche mit sehr verschiedenen Zeitstrecken auf einander folgen: er besteht darin, dass größere Zeiten, die nach kleinen kommen, überschätzt, kleinere, die nach größeren kommen, unterschätzt werden. Stärkere Contraste werden vermieden, indem man in einer und der- selben Versuchsgruppe nicht allzu viele verschiedene Zeiten zusammenfasst; kleinere können dadurch eliminirt werden, dass man Versuche verschiedener Richtung, also solche, in denen kleinere auf größere, und andere, in denen größere auf kleinere Zeiten folgen, combinirt. Manche der vermeintlichen Contrastwirkungen sind übrigens vielleicht auch auf die früher meist über- sehenen Einflüsse der subjectiven Betonung und rhythmischen Gliederung zurückzuführen. Dass letztere überall, wo es sich nicht gerade um das Stu- dium ihres Einflusses handelt, möglichst fern zu halten sind, versteht sich von selbst.
e. Allgemeine Reproductionserscheinungen. Verlauf der Erinnerungsbilder unter complexen Bedingungen.
Die Erscheinungen der Reproduction in den drei einfachen Fällen, in denen wir sie oben betrachtet haben, bei den reinen Empfindungen, den einfachsten räumlichen und zeitlichen Vorstellungen, bieten so augen- fällige Beziehungen dar, dass der Gedanke nicht allzu ferne liegt, aus dem, was diesen Erscheinungen bei allem Unterschied im einzelnen gemein- sam zukommt, gewisse Gesetzmäßigkeiten abzuleiten, von denen man an- nehmen darf, dass sie dem Reproductionsverlauf als solchem zukommen. Ehe dies geschieht, bedarf es jedoch einer näheren Würdigung der Be- dingungen, unter denen in derartigen Versuchen überhaupt eine Repro- duction stattfindet, sowie nicht minder derer, die in allen diesen Fällen to8 Bewusstsein und Vorstellungsverlauf.
der Beziehung eines Vergleichseindrucks auf einen vorangegangenen Nor- maleindruck stattfinden; und dazu ist vor allem die Selbstbeobachtung während eines solchen Versuchsverlaufs ein unerlässliches Hülfsmittel, ohne das den objectiven Resultaten überhaupt keine psychologische Deu- tung gegeben werden kann.
Auf Grund dieser Selbstbeobachtung muss nun zunächst ein Miss- verständniss zurückgewiesen werden, das möglicher Weise durch den be- quemen, an die sonstige psychophysische Terminologie sich anlehnenden Gebrauch der Ausdrücke »Normalreiz« und »Vergleichsreiz« entstehen könnte: das Missverständniss nämlich, als wenn bei den eigentlichen Reproductionsversuchen (die unmittelbaren Zeitvergleichungen sind, wie oben bemerkt, hier auszuschließen) jemals eine wirkliche Vergleichung zweier Empfindungen oder Vorstellungen stattfände. Bei den zeitlichen Reproductionen liegt hier der Sachverhalt am klarsten vor Augen, weil wegen der eigenthümlichen Beschaffenheit der Zeitvorstellungen die Be- dingungen der reproductiven Zeitvergleichung denen der Zeitvorstellungen selbst in hohem Grade ähnlich sind. Wenn ich nun eine mittelbare Zeitvergleichung erster Art (Typus B, S. 494) ausführe, so wird bei Ein- wirkung der Vergleichszeit keineswegs die Normalzeit selbst reproducirt, um an ihr nun die erstere abzumessen, sondern es wird wesentlich der Gefühls- und einigermaßen der subjective Empfindungsverlauf in dem Sinnesorgan (die Spannungsempfindung im Ohr) reproducirt, die bei der Einwirkung der Normalzeit entstanden war. (Vgl. oben S. 23, 92 ff.) Endet dieser reproducirte Verlauf für meine Auffassung bei demselben Punkt wie jener erste, so habe ich den Eindruck der Gleichheit; endet er früher, so erscheint mir die Vergleichszeit größer, ist er umgekehrt noch nicht vollendet, sondern wird unerwartet durch den zweiten Ein- druck die Vergleichszeit unterbrochen, so erscheint diese kleiner. Nicht zwei Zeiten werden also verglichen, auch nicht zwei Gefühlsverläufe, die unabhängig neben einander wahrnehmbar wären; sondern das Assimi- lationsproduct des neuen und des früheren Gefühlsverlaufs ist das Substrat dieser Zeitschätzung. Das nämliche geschieht bei den mittel- baren Zeitvergleichungen zweiter Art (Typus C), nur dass hier noch die oben erwähnten rhythmischen Gliederungen der Zeit hinzukommen, die, weil sie bei Normal- wie Vergleichszeit stattfinden, wiederum ein einheit- liches assimilatives Substrat von freilich viel unbestimmterer Beschaffen- heit abgeben.
Nicht wesentlich anders als bei den zeitlichen verhält es sich nun bei den andern Reproductionsformen. Wenn ich eine räumliche Vergleichs- strecke mit einer Normalstrecke vergleiche, so tritt die letztere nicht im mindesten selbst in mein Bewusstsein, sondern die Bewegungsempfindungen Verlauf reproducirter Vorstellungen. cqq ' oder, bei fixirendem Blick, die Spannungsempfindungen, die einer Bewe- gungstendenz bestimmter Größe entsprechen, werden zunächst durch den Vergleichseindruck ausgelöst und verbinden sich sofort assimilativ mit den gleichen Empfindungen des Normalreizes. Der ungestörte oder der in der einen oder andern Richtung gestörte Vollzug dieser Assimilationen be- gründet hier die Urtheile gleich, kleiner, größer. Wie bei den primären Gesichtsvorstellungen, so tritt nicht minder bei diesen Reproductionen das Gefühls- gegen das Empfindungsmoment zurück. Gleichwohl fehlt es auch hier nicht, insofern eben an die Bewegungs- und Spannungsempfindungen des Auges bestimmte Gefühle geknüpft sind. Endlich bei der Reproduc- tion einer reinen Empfindung, z. B. einer Tonempfindung von bestimmter Höhe und Stärke, ist es wiederum nicht der zuvor gehörte Ton selbst, der reproducirt wird, sondern es entstehen bei dem Vergleichston Span- nungsempfindungen in unseren Stimmorganen, in gewissem Grade auch im Ohr, die jede Tonerregung begleiten, dazu das begleitende Tongefühl, und alle diese Elemente wirken wiederum assimilativ auf den Normalton zurück, so dass sich wieder ein einheitliches Assimilationsproduct bildet, dessen zusammenstimmende oder gestörte Beschaffenheit ein Maß der Gleichheit oder der Verschiedenheit abgibt.
So wenig sich ein Eindruck irgend welcher Art bei dem Act repro- ductiver Vergleichung mit einem neuen selbst reproducirt, ebenso wenig wird er nun aber etwa in der Zwischenzeit, die zwischen Normal- und Vergleichs- reiz verfließt, irgendwie im Bewusstsein, sei es auch noch so dunkel, fest- gehalten. Ist ja doch, wie die Versuche mit Ausfüllung der Zwischenzeit durch disparate Reize überall lehren, im Gegentheil der Versuch gelegent- licher willkürlicher Reproduction innerhalb dieser Zwischenzeit ein Moment, das die durch den Vergleichsreiz auszulösende Reproduction regelmäßig stört. Diese Reproduction vollzieht sich um so präciser, je weniger solche Zwischenvorstellungen von unbestimmter, aber dem Eindruck verwandter Beschaffenheit das Assimilationsproduct eben deshalb stören, weil sie selbst nun mit in die assimilirten Elemente eingehen können. Auf diese Weise hängt diese Thatsache auf das engste mit der ersten zusammen. Nach dieser gibt es überall keine unveränderte Wiedererneuerung früherer, selb- ständiger Vorstellungen, sondern was wir Reproduction nennen, ist nur eine Assimilationsform, bei der sich gewisse domini- rende Elemente vergangener Vorstellungen mit den ent- sprechenden Elementen neuer Eindrücke verbinden. Die so wirksam werdenden assimilativen Elemente sind theils Empfindungen, theils Gefühle, und je nach den besonderen Eigenschaften der Vorstel- lungsgebilde überwiegen bald die einen bald die andern. Sie sind aber bei den vorliegenden Reproductionsversuchen, sowie bei den ihnen eiO Bewusstsein und Vorstellungs verlauf.
ähnlichen, vielfach im Leben vorkommenden Beziehungen directer Ein- drücke auf vorangegangene, niemals selbständige Vorstellungen. Vielmehr findet sich eine solche reproductive Assimilation nie anders als in der Form einer Verschmelzung einzelner Elemente der früheren mit solchen der neuen Vorstellung zu einem einheitlichen Vorstellungsganzen.
Neben diesen die Reproductionsvorgänge als solche bedingenden Factoren entstehen ferner in allen den Fällen, in denen, wie in den ge- schilderten Versuchen, eine neue Vorstellung auf eine früher vorhanden gewesene bezogen wird, resultirende Gefühle, die in den beiden auf einander bezogenen Vorstellungen selbst nicht enthalten waren, sondern zu dem zweiten, dem Vergleichseindruck als neue Elemente hinzutreten. Diese neuen Gefühle sind durchaus an den Vollzug der Assimilationen gebunden. Ist die Assimilation so beschaffen, dass die sich verbindenden dominirenden Elemente einander vollkommen entsprechen, so entsteht ein Gefühl der Uebereinstimmung. Differiren die dominirenden Ele- mente, so entsteht ein Gefühl des Widerspruchs, das zuweilen in- different sein kann, in der Regel aber je nach dem Verhältniss der in Assimilation tretenden Elemente nach zwei Richtungen auseinandergeht. Alle diese Erscheinungen bieten sich am klarsten bei den zeitlichen Reproductionen, wo der enge Zusammenhang der Gefühle der Ueber- einstimmung und des Widerspruchs mit den die Zeitvorstellungen selbst constituirenden Elementen die Bedingungen und den Charakter derselben besonders deutlich hervortreten lässt. Hier ist nämlich das Gefühl der Uebereinstimmung von Normal- und Vergleichszeit an den gleichen Verlauf der Spannungs- und Lösungsgefühle gebunden, die schon bei den unmittelbaren Zeitvorstellungen die Eigenschaften der Dauer, der Ge- schwindigkeit und des rhythmischen Wechsels bestimmen. (Vgl. Fig. 312, S. 23.) Indem sich nun die bei der Vergleichszeit ausgelösten Span- nungsgefühle assimilativ von Moment zu Moment mit den entsprechenden des Verlaufs der Normalzeit verbinden, entsteht jenes Gefühl der Ueber- einstimmung, sobald bei dem Eindruck, der die Vergleichszeit abschließt, auch die assimilativ herüberwirkenden Elemente der Normalzeit erschöpft sind. Umgekehrt ruft dagegen jede Verschiebung der Assimilationscom- ponenten in der einen oder andern Richtung ein entsprechend gerichtetes Gefühl des Widerspruchs hervor. Hieraus erklärt sich die der Selbstbe- obachtung sich aufdrängende Thatsache, dass jenes Gefühl der Ueber- einstimmung selbst nichts anderes als ein Lösungsgefühl von er- höhter Stärke ist. Ein solches Gefühl muss ja durch die Verbindung der assimilativ erzeugten Lösungsresultanten ohne weiteres beim Ab- schluss der Vergleichszeit unter den angegebenen günstigen Assimilationsbedingungen entstehen, wogegen umgekehrt die Gefühle des Widerspruchs Verlauf reproclucirter Vorstellungen. c j j mehr oder weniger starke Contrastgefühle sind, die dann erzeugt werden, wenn entweder das direct erregte Lösungsgefühl mit einer assimilativen Spannungscomponente zusammentrifft, oder aber ein reproductiv erregtes Lösungsgefühl in den directen Gefühlsverlauf in einem Moment assimi- lativ eingreift, wo dieser noch nicht sein kritisches Maximum erreicht hat. (Vgl. hierzu Cap. XV, S. 88 ff.) Die in beiden Fällen hervortretenden Gefühle verfrühter und verspäteter Erfüllung bei der Erwartung irgend welcher Ereignisse sind uns aus der Selbstbeobachtung bekannt, da sie oft genug vorkommen, wo sich analoge Beziehungen unmittelbarer auf vorangegangene Vorgänge finden, wie sie in ihrer elementarsten Form in den Reproductionsversuchen gegeben sind. In allen solchen Fällen handelt es sich eben um die Coincidenz directer und reproductiv erregter Spannungs- und Lösungsgefühle in der Region des kritischen Uebergangs jener in diese.
Von diesen bei der reproductiven Zeitvergleichung obwaltenden Be- dingungen weichen nun die übrigen Fälle der Beziehung einfacher Sinnes- qualitäten oder räumlicher Wahrnehmungen auf vorangegangene nur in den Empfindungs- und Gefühlssubstraten der in assimilative Beziehung gesetzten Vorstellungen, nicht aber in den Gefühlen selbst ab, auf denen schließlich allein die Auffassung der Gleichheit oder Verschiedenheit be- ruht. Denn auch hier ist ja immer, wo wir irgend einen Vergleichs- auf einen vorangegangenen Normalreiz reproductiv beziehen, eine Erwartungs- spannung vorhanden, die bis zum Eintritt des neuen Reizes andauert und im Moment seiner Einwirkung in eine Lösung übergeht. Nur dass in diesem Fall, wo das Spannungsgefühl selbst kein integrirender Bestand- theil der Vorstellungen ist, sein Anwachsen und seine Lösung nicht an bestimmte, durch die Beschaffenheit der jeweiligen Vorstellung gebundene Bedingungen geknüpft ist, sondern in sehr verschiedener Weise, bald un- abhängig von der Natur der Eindrücke, bald in langsamerem, bald in schnellerem Tempo, geschehen kann. Damit eine irgend sichere Ver- gleichung von Normal- und Vergleichsreiz stattfinden könne, muss nur überhaupt eine Aufmerksamkeitsspannung dem Eindruck entgegenkom- men, um nach vollzogener Apperception desselben sofort in ein Lösungsgefühl überzugehen. Diese Gefühle verschmelzen aber auch hier wieder bei der Reizeinwirkung mit den Elementen des Eindrucks zu Producten, die nun als solche bei der Wiederholung des gleichen oder eines ähnlichen Eindrucks reproductiv assimilirt werden. Die Gleichheit der dem objectiven Reiz entstammenden Empfindungs- und Gefühlselemente lässt daher nun auch jene an die Apperception gebundenen Gefühle bei der Einwirkung des Vergleichsreizes ungestört assimilativ sich ver- binden, wogegen, sobald merkliche Unterschiede vorhanden sind, die K\2 Bewusstsein und Vorstellungsverlauf.
Apperceptionsacte und damit die sie begleitenden Gefühle ähnlich zwie- spältig werden wie bei den Zeitvergleichungen. In der That begegnen uns solche mehr oder minder zusammenstimmende Gefühle bei der Apperception der Vorstellungen überall da, wo eine reproductive Be- ziehung eines gegebenen Eindrucks auf einen früheren statthat. Sie wer- den uns als sogenannte »Erkennungs-« und » Wiedererkennungsgefühle« unter den Bestandtheilen des gewöhnlichen Associationsverlaufs wieder begegnen. Die oben besprochenen Reproductionsversuche sind in Wahr- heit nichts anderes als einfache associative Wiedererkennungsversuche; und der Satz, dass bei diesen Associationen niemals zwei selbständige Vorstellungen mit einander verglichen werden, sondern dass die ganze Vergleichung ein assimilativer Process ist, dessen Ergebniss nicht in einem »Urtheil«, sondern lediglich in den geschilderten Apperceptionsgefühlen in das Bewusstsein tritt, dieser Satz wird sich uns auch für jenen weiteren Zu- sammenhang assimilativer Associationen bestätigen. (Vgl. Cap. XIX, 2.) Im Hinblick auf diese Beziehung der Reproductionsversuche zum allgemeinen Charakter des Verlaufs der Bewusstseinsvorgänge fällt nun aber von diesen Versuchen aus zugleich ein Licht auf die dunkeln, der Selbstbeobachtung so schwer nur stand haltenden Erscheinungen, die man als den »Verlauf der Erinnerungsbilder« zu bezeichnen pflegt. Die gewöhnliche Auffassung, die hier viel mehr mit reflectirenden Hypothesen und auf sie gegründeten Schlüssen operirt, als mit irgend welchen Be- obachtungen, hat in diesem Fall ein Truggebilde erzeugt, das dann von der Associationspsychologie und der ihr verwandten HERBART'schen Vor- stellungsmechanik unbesehen in ihre Constructionen herübergenommen wurde. Danach sollen nicht bloß die Erinnerungsbilder schwache Nach- bilder der wirklichen Eindrücke und dadurch der Dinge selbst sein, son- dern, wenn wir uns bei einem neuen Eindruck auf einen früheren ihm ähnlichen besinnen, so soll dieser zu jenem ins Bewusstsein treten, damit wir beide unmittelbar neben einander stellen und vergleichen können, etwa wie wir zwei Maßstäbe an einander abmessen. Auf Grund dieser Voraussetzung über die Reproduction macht sich alles übrige, was über Reproduction und Association geglaubt und dogmatisch verkündet wird, ganz von selbst, als hätte man diese Dinge wirklich beobachtet. Die Erinnerungsbilder sollen aber außerdem nicht, wie wiederum auf Grund einer naheliegenden Reflexion behauptet wird, immer auf neue passende Eindrücke zu warten brauchen, bis sie sich dem Bewusstsein zur Ver- fügung stellen: sie sollen auch die Gelegenheit ergreifen und sich irgend einem vorangegangenen Erinnerungsbild anheften können. Damit ist dann die ganze fable convenue von dem Verlauf der Erinnerungsbilder fertig, die in den meisten Darstellungen der Psychologie wie eine alltägliche, Verlauf reproducirter Vorstellungen. e j -> von jedermann leicht zu bestätigende Sache vorgetragen wird. Das Spiel dieser Erinnerungsbilder ist ein echtes und wahrhaftiges Schattenspiel. Die Gestalten sind undeutliche, abgeblasste Bilder der wirklichen Dinge. Im übrigen geht es aber in dieser Schattenwelt genau so zu wie in der wirklichen Welt. Die einzelnen Gestalten kommen und gehen, vereinen sich oder trennen sich, sind aber im allgemeinen ebenso dauerhaft und unveränderlich wie die Gegenstände der Wirklichkeit.