Adi Granth
Die zentrale heilige Schrift des Sikhismus, auch Guru Granth Sahib genannt, ursprünglich 1604 in Amritsar vom fünften Sikh-Guru, Guru Arjan, aus eigenen Hymnen sowie denen der vier vorangegangenen Gurus zusammengestellt und schließlich 1708 vom zehnten und letzten menschlichen Guru, Guru Gobind Singh, erweitert und in seiner endgültigen Form festgelegt, wobei dieser feierlich erklärte, dass nach ihm der Text selbst zum ewigen lebendigen Guru der Sikh-Gemeinschaft werden und damit die Reihe menschlicher Meister enden würde. Das Werk ist eine umfangreiche Anthologie andächtiger Hymnen (Shabads), musikalisch nach einunddreißig Ragas beziehungsweise klassischen indischen Melodiemodi geordnet, und enthält nicht nur die Schriften der sechs beitragenden Sikh-Gurus, sondern auch Kompositionen hinduistischer und muslimischer Andachtsheiliger (der Bhakti- und Sufi-Traditionen) wie Kabir, Namdev und Ravidas — eine für eine heilige Schrift ungewöhnlich inklusive Geste, die das Sikh-Streben nach geistiger Einheit über Kasten- und Religionsgrenzen hinweg widerspiegelt. Seine zentrale Botschaft kreist um die Hingabe an einen einzigen, formlosen Gott (Ik Onkar), die radikale Gleichheit aller Menschen unabhängig von Kaste, Geschlecht oder Religion, die Ablehnung äußerer, sinnentleerter Rituale und den selbstlosen Dienst an der Gemeinschaft (Seva) als spirituellen Weg, zusammen mit der Disziplin der Meditation über den göttlichen Namen (Naam Simran). Überwiegend in Gurmukhi verfasst, mit Passagen in Punjabi, Alt-Hindi und anderen nordindischen Sprachen, nimmt der Text in jedem Sikh-Gurdwara einen zentralen, verehrten Platz ein, wo er mit höchsten zeremoniellen Ehren behandelt wird —auf einem Thron platziert, mit kostbaren Tüchern bedeckt und bei feierlichen Anlässen wie dem Akhand Path rituell von Anfang bis Ende gelesen— und nicht als Buch über Gott, sondern als lebendige Gegenwart des Gurus selbst gilt.