Bartolomé de las Casas
Spanischer Dominikanermönch, Chronist und Theologe (1484–1566), geboren in Sevilla, als junger Kolonist bei der Eroberung und Encomienda-Ausbeutung Kubas anwesend und möglicherweise auch bei Kolumbus' erster Amerikareise dabei, zunächst Besitzer von Land und indianischen Sklaven, bis er nach einer tiefen Gewissenskrise um 1514 öffentlich auf seine amerikanischen Besitzungen verzichtete und den Rest seines langen Lebens der leidenschaftlichen Verteidigung der Rechte der indigenen Völker des amerikanischen Kontinents widmete. Zum Dominikanerpriester geweiht und später zum Bischof von Chiapas ernannt, entfaltete Las Casas eine unermüdliche Tätigkeit als Chronist, Polemiker und Lobbyist am spanischen Hof, wobei er Karl V. wiederholt detaillierte Berichte über die Missbräuche, Massaker und nahezu genozidalen Sklavereibedingungen vorlegte, die die indigenen Völker unter dem Encomienda-System erlitten. Sein berühmtestes und umstrittenstes Werk, Der kurze Bericht von der Verwüstung der westindischen Länder (1552), ist eine gnadenlose, zu Zwecken politischer und moralischer Propaganda vor der Krone verfasste Anklage der von den spanischen Eroberern begangenen Gräueltaten — ein Werk, das, rasch in mehrere europäische Sprachen übersetzt, jahrhundertelang die als antispanische „Schwarze Legende“ bekannte, von rivalisierenden Mächten instrumentalisierte Erzählung nährte, obgleich die grundlegenden von ihm angeprangerten Tatsachen von der späteren Geschichtsschreibung weitgehend bestätigt wurden. Las Casas war die zentrale Figur der Disputation von Valladolid (1550–1551), einer berühmten theologisch-juristischen Debatte, in der er sich direkt mit Juan Ginés de Sepúlveda über die Rechtmäßigkeit des Eroberungskriegs und der Versklavung der amerikanischen Ureinwohner auseinandersetzte, wobei Las Casas mit theologischen und juristischen Argumenten deren volle Vernunftbegabung und natürliche Freiheit als Menschen verteidigte. Sein politischer Druck trug entscheidend zur Verabschiedung der Neuen Gesetze von 1542 bei, die mit unterschiedlichem Erfolg versuchten, die Missbräuche des Encomienda-Systems einzuschränken. Von vielen als einer der frühesten und einflussreichsten Verfechter universeller Menschenrechte in der westlichen Geschichte betrachtet, gibt die Gestalt Las Casas' weiterhin Anlass zu historiographischen Debatten über die Widersprüche und Grenzen seines eigenen Reformprojekts.