Klemens I.
Bischof von Rom und Apostolischer Vater (Pontifikat ca. 88–99, gestorben ca. 99), traditionell als dritter oder vierter Nachfolger des heiligen Petrus an der Spitze der römischen Kirche angesehen, obgleich die antiken Quellen über die genaue Reihenfolge der frühen Bischöfe von Rom und über die biographischen Einzelheiten seines Lebens uneins sind, von dem außer seiner brieflichen Autorschaft praktisch keine zuverlässigen Angaben überliefert sind. Bekannt ist er vor allem durch den Ersten Korintherbrief (bekannt als 1 Clemens), ein umfangreiches Schreiben an die christliche Gemeinde von Korinth zur Beilegung eines internen Konflikts, in dem einige jüngere Mitglieder mehrere rechtmäßig eingesetzte Presbyter (Älteste) abgesetzt hatten — ein Dokument, das zusammen mit dem Neuen Testament selbst zu den ältesten erhaltenen Zeugnissen christlicher Literatur außerhalb des biblischen Kanons zählt und im Allgemeinen auf etwa 96 n. Chr. datiert wird. Der Brief besitzt aus mehreren Gründen außergewöhnliche historische Bedeutung: Er enthält eine der frühesten expliziten Formulierungen des Gedankens der apostolischen Sukzession, wonach kirchliche Autorität durch eine ununterbrochene Kette von Einsetzungen rechtmäßig von den Aposteln auf spätere Bischöfe und Presbyter übergeht; er bietet zudem eines der frühesten außerbiblischen Zeugnisse für das Martyrium der Apostel Petrus und Paulus in Rom; und der Text spiegelt bereits ein frühes Anliegen an hierarchischer Ordnung und kirchlicher Disziplin wider, das die spätere bischöfliche Organisation der Kirche vorwegnimmt. Verschiedene spätere, historisch nicht bestätigte Überlieferungen identifizieren Clemens mit dem im Philipperbrief erwähnten Gefährten des Paulus, und die mittelalterliche Legende schreibt ihm ein Martyrium durch Ertränken auf der Krim unter Kaiser Trajan zu, obgleich die moderne historische Kritik diese hagiographische Erzählung für wahrscheinlich legendär hält. Clemens wird sowohl in der katholischen als auch in der orthodoxen Kirche als Heiliger verehrt, und sein Brief wird weiterhin als unverzichtbare Primärquelle zum Verständnis der Organisation und der inneren Spannungen des Christentums des ersten Jahrhunderts erforscht.