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Franz Brentano

Deutscher Philosoph und Psychologe (1838–1917), geboren in Marienberg am Rhein in eine geistig herausragende katholische Familie — ein Neffe des romantischen Schriftstellers Clemens Brentano —, 1864 zum katholischen Priester geweiht, bevor er das vom Ersten Vatikanischen Konzil (1870) verkündete Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit förmlich zurückwies, eine Gewissensentscheidung, die ihn seine kirchliche Stellung und schließlich seinen Lehrstuhl an der Universität Würzburg kostete und ihn dazu brachte, nach Wien zu ziehen, wo er zwei Jahrzehnte lang Philosophie lehrte und einen außerordentlichen pädagogischen Einfluss auf eine ganze Generation brillanter Schüler ausübte — Edmund Husserl, Alexius Meinong, Christian von Ehrenfels, Kazimierz Twardowski, Sigmund Freud —, die später ganze philosophische und psychologische Schulen begründen sollten. Sein entscheidendster philosophischer Beitrag, dargelegt in Psychologie vom empirischen Standpunkte (1874), ist der Begriff der »Intentionalität«, der aus der mittelalterlichen scholastischen Philosophie wiedergewonnen, aber als unterscheidendes Kriterium aller mentalen Phänomene neu formuliert wird: Jeder psychische Akt — Denken, Begehren, Urteilen, Wahrnehmen — ist dadurch gekennzeichnet, stets »auf« einen Gegenstand »gerichtet« zu sein (die »intentionale Inexistenz« des Gegenstandes im Akt), ein Merkmal, das mentale Phänomene radikal von physischen Phänomenen unterscheidet, denen diese Fähigkeit fehlt, sich auf etwas von ihnen selbst Verschiedenes zu beziehen. Dieser Begriff der Intentionalität, von Edmund Husserl aufgegriffen und unmittelbar zur Grundlage der gesamten Phänomenologie des 20. Jahrhunderts umgeformt, macht Brentano zum indirekten geistigen Vater der gesamten kontinentalen phänomenologischen und existenzialistischen Tradition. Brentano entwickelte zudem eine einflussreiche dreiteilige Klassifikation psychischer Phänomene — Vorstellungen, Urteile und Liebe-Hass-Phänomene (Gefühl und Wille) — sowie eine intuitionistische Ethik, gegründet auf der unmittelbaren Wahrnehmung richtiger und falscher Werte, eine Arbeit, die über seinen Schüler G. E. Moore bemerkenswerten Einfluss auf die britische analytische Metaethik des frühen 20. Jahrhunderts ausübte.

2 Werke