Giordano Bruno
Italienischer Dominikanermönch, Philosoph und hermetischer Magier (1548–1600), geboren in Nola bei Neapel, in seiner Jugend zum Dominikaner geweiht, jedoch seit 1576 wegen Häresievorwürfen ein Flüchtling des Ordens, führte er ein wanderndes Leben durch Italien, die Schweiz, Frankreich, England und Deutschland, lehrend, disputierend und ein gewaltiges, heterodoxes Werk veröffentlichend, das Kosmologie, Gedächtniskunst und spekulative Theologie miteinander verband. In England, unter dem Schutz des französischen Botschafters und im Umkreis des Hofes Elisabeths I., schrieb er seine berühmtesten italienischen Dialoge, darunter Das Aschermittwochsmahl und Über das Unendliche, das Universum und die Welten (1584), in denen er aus dem Kopernikanismus Konsequenzen zog, die Kopernikus selbst nie zu ziehen gewagt hatte: Das Universum hat weder Zentrum noch Grenzen, es ist unendlich und von unzähligen Sonnen und bewohnten Welten bevölkert, jede davon potenziell mit eigenem Leben — eine Kosmologie, die die aristotelische Unterscheidung zwischen Himmel und Erde auflöste und, eher durch Intuition als durch wissenschaftlichen Beweis, das moderne Bild eines Kosmos ohne geometrische Hierarchie vorwegnahm. Seine von Renaissance-Hermetik, lullianischer Gedächtniskunst und mystischem Pantheismus durchdrungene Philosophie begriff Gott als unendliche, der Unendlichkeit des Universums immanente Seele, und Materie und Form als zwei untrennbare Seiten einer einzigen göttlichen Substanz, ein in seiner lateinischen Abhandlung Über die Ursache, das Prinzip und das Eine (1584) entwickelter Gedanke. 1591 kehrte er nach Italien zurück, angelockt durch das nie eingelöste Versprechen eines Lehrstuhls in Padua, wurde von einem früheren Gönner denunziert, von der venezianischen Inquisition verhaftet und nach Rom ausgeliefert, wo er nach achtjährigem Prozess und systematischer Weigerung, seine kosmologischen und theologischen Positionen zu widerrufen, im Jahr 1600 auf dem Campo de' Fiori lebendig verbrannt wurde — ein Martyrium, das ihn bereits im 19. Jahrhundert, insbesondere in antiklerikalen und wissenschaftlichen Kreisen, zu einem emblematischen Symbol der Gedankenfreiheit gegenüber religiösem Dogmatismus machte.