SigPhiSigPhi

Gottlob Frege

Deutscher Mathematiker, Logiker und Philosoph (1848–1925), geboren in Wismar, während seiner gesamten Laufbahn Professor an der bescheidenen Universität Jena, wo er in nahezu vollständiger intellektueller Isolation arbeitete, wenig anerkannt und von seinen Zeitgenossen kaum gelesen, obwohl er ein Werk schuf, das heute allgemein als grundlegend für die gesamte moderne Logik und die analytische Sprachphilosophie gilt. Sein Werk Begriffsschrift (1879), ein radikal neues, auf zweidimensionalen Formeln basierendes Notationssystem, bedeutete die Entwicklung der ersten vollständig formalisierten Prädikatenlogik erster Stufe der Geschichte, die die Grenzen der aristotelischen Syllogistik, die das abendländische Denken über zweitausend Jahre lang beherrscht hatte, weit hinter sich ließ, und legte die technischen Grundlagen für die gesamte moderne mathematische Logik. Sein ehrgeizigstes philosophisches Projekt, dargelegt in Die Grundlagen der Arithmetik (1884) und technisch ausgearbeitet in den beiden Bänden der Grundgesetze der Arithmetik (1893, 1903), war der »Logizismus«: der Versuch zu zeigen, dass sich die gesamte Mathematik, insbesondere die Arithmetik, rein aus logischen Prinzipien und Definitionen ableiten lasse, ohne auf die kantische raumzeitliche Anschauung oder empirische Erfahrung zurückzugreifen. Dieses ehrgeizige Projekt erlitt einen vernichtenden Schlag, gerade als der zweite Band der Grundgesetze zum Druck gehen sollte: Bertrand Russell sandte ihm 1902 einen Brief, der die nach ihm benannte Paradoxie offenlegte und einen fundamentalen Widerspruch in Freges Axiomensystem aufzeigte — ein Ereignis, das Frege selbst mit vorbildlicher intellektueller Redlichkeit in einer eilig vor der Veröffentlichung hinzugefügten Anmerkung anerkannte. Philosophisch entwickelte Frege zudem die entscheidende Unterscheidung zwischen »Sinn« und »Bedeutung«, formuliert in seinem berühmten Aufsatz Über Sinn und Bedeutung (1892), der erklärt, wie zwei Ausdrücke sich auf denselben Gegenstand beziehen können (der »Morgenstern« und der »Abendstern«, beide bezogen auf die Venus), während sie zugleich unterschiedliche kognitive Bedeutungen besitzen — eine für die gesamte Sprachphilosophie des 20. Jahrhunderts grundlegende Unterscheidung. Von Bertrand Russell und Ludwig Wittgenstein spät wiederentdeckt, gilt Frege heute neben ihnen als einer der unbestrittenen Gründerväter der zeitgenössischen analytischen Philosophie.

1 Werke