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Hadith

Ein Korpus von Überlieferungen, die die dem Propheten Mohammed zugeschriebenen Worte, Taten und stillschweigenden Billigungen festhalten, über Generationen mündlich weitergegeben, bevor sie im 8. und 9. Jahrhundert systematisch schriftlich zusammengestellt wurden, und die nach dem Koran die zweite Hauptquelle für Lehre, Recht und religiöse Praxis im Islam bilden. Jeder Hadith besteht aus zwei Teilen: dem Isnad, der Überliefererkette, die den Text über aufeinanderfolgende Generationen von Erzählern mit dem Propheten verbindet, und dem Matn, dem eigentlichen Inhalt der Überlieferung, sei es ein Ausspruch, der Bericht einer Handlung oder ein bedeutsames Schweigen angesichts fremden Verhaltens. Angesichts der massenhaften Verbreitung von dem Propheten zugeschriebenen Überlieferungen —viele davon aus politischen, sektiererischen oder frommen Motiven in den frühen Jahrhunderten des Islam erfunden— entwickelten muslimische Gelehrte eine eigene kritische Disziplin, die Hadithwissenschaft (ulum al-hadith), die darauf abzielte, die Zuverlässigkeit jeder Überliefererkette durch Prüfung der moralischen Integrität, des Gedächtnisses und der generationenübergreifenden Kontinuität der Erzähler zu bewerten und die Hadithe je nach Grad ihrer Gewissheit in Kategorien wie sahih (authentisch), hasan (gut) oder da'if (schwach) einzuteilen. Aus dieser kritischen Anstrengung gingen die großen kanonischen Sammlungen hervor, insbesondere die von Bukhari und Muslim im 9. Jahrhundert, die von der sunnitischen Mehrheit als die zuverlässigsten angesehen werden, zusammen mit vier weiteren Sammlungen, die die „sechs Bücher“ (Kutub al-Sitta) vervollständigen. Die schiitische Tradition entwickelte ihrerseits eigene Sammlungen und verlieh den durch die Imame der Familie des Propheten überlieferten Hadithen besondere Autorität. Hadithe erfüllen eine wesentliche interpretative Funktion, indem sie die oft allgemein gehaltenen Vorschriften des Korans ergänzen und konkretisieren und die detaillierte Grundlage für einen Großteil des islamischen Rechts (fiqh), der rituellen Praktiken und der muslimischen Alltagsethik liefern, während sie zugleich Gegenstand fortwährender theologischer und rechtlicher Debatten über ihre Authentizität und ihr relatives normatives Gewicht gegenüber dem koranischen Text sind.

2 Werke