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Juan Donoso Cortés

Spanischer politischer Theoretiker, Diplomat und Redner (1809–1853), geboren in Valle de la Serena, Extremadura, in eine Grundbesitzerfamilie, Marquis von Valdegamas, eine Schlüsselfigur des europäischen katholischen konterrevolutionären Denkens des 19. Jahrhunderts und, neben Balmes, der spanische konservative Denker mit der größten internationalen Ausstrahlung. Sein geistiger Werdegang beschrieb einen dramatischen Bogen: im gemäßigten Liberalismus ausgebildet und in den 1830er und 1840er Jahren als Abgeordneter, Journalist und Berater der Regentin Königin Maria Christina in der spanischen Politik aktiv, übte er auch diplomatische Aufgaben in Berlin und Paris aus, wo er die europäischen politischen Unruhen aus nächster Nähe erlebte, und durchlief infolge der europäischen Revolutionen von 1848 eine tiefgreifende ideologische und religiöse Bekehrung, die er als katastrophale und unausweichliche Manifestation eines langen, Jahrhunderte zuvor mit der protestantischen Reformation begonnenen und in der rationalistischen Aufklärung gipfelnden Prozesses geistiger Auflösung deutete. Sein Hauptwerk, Essay über Katholizismus, Liberalismus und Sozialismus (1851), rasch in mehrere europäische Sprachen übersetzt, vertritt die These, dass jede politische Frage im Grunde eine verschleierte theologische Frage sei, und zeichnet eine unerbittliche, deterministische historische Abfolge nach: Der Protestantismus führe folgerichtig zum Liberalismus, der Liberalismus zum Sozialismus, und der Sozialismus unweigerlich zur gewaltsamen Diktatur oder zum absoluten revolutionären Chaos, sodass allein die katholische Autorität —geistlich und, falls nötig, politisch und zwingend— diese der säkularisierten Moderne innewohnende selbstzerstörerische Dynamik aufhalten könne. Seine parlamentarischen Reden, wie die berühmte „Rede über die Diktatur“ von 1849, gehalten auf dem Höhepunkt der europäischen Revolutionswelle und in der er die Legitimität einer zeitweiligen diktatorischen Macht gegen die anarchistische Bedrohung verteidigte, fanden unmittelbaren europäischen Widerhall und machten ihn zu einem Redner von außerordentlicher apokalyptischer Eloquenz, der so unterschiedliche Denker wie Carl Schmitt im 20. Jahrhundert tiefgreifend beeinflusste, der ihn aus relativer Vergessenheit als einen der großen Theoretiker der Souveränität, der politischen Ausnahmesituation und der politischen Theologie rettete.

2 Werke