SigPhiSigPhi

Max Wertheimer

Psychologe (1880–1943), geboren in Prag in einer deutschsprachigen jüdischen Familie, dessen kurze Abhandlung von 1912 über die Bewegungswahrnehmung die Gestaltpsychologie begründete. Ihre Entstehung ist gut bezeugt: 1910 stieg er auf einer Bahnfahrt in Frankfurt aus, kaufte ein Spielzeugstroboskop und begann zu prüfen, was geschieht, wenn zwei Lichter im richtigen Abstand nacheinander aufleuchten — der Beobachter sieht nicht zwei Lichter, sondern eines, das sich bewegt, und bei kürzerem Abstand eine reine Bewegung ohne etwas Bewegtes, die er das Phi-Phänomen nannte.

Die Experimentellen Studien über das Sehen von Bewegung berichten das Ergebnis mit Wolfgang Köhler und Kurt Koffka als Versuchspersonen und ziehen daraus den schulbildenden Schluss: Das Erlebnis lässt sich nicht aus den beiden Empfindungen zusammensetzen, denn in keiner von beiden steckt etwas, das der Bewegung entspräche, also muss die gegliederte Ganzheit das Erste sein und die Elemente eine nachträgliche Abstraktion.

Sein Aufsatz von 1923 über die Gesetze der Gruppierung hält die Prinzipien fest, nach denen sich ein Feld von selbst ordnet — Nähe, Ähnlichkeit, geschlossene Form, gute Fortsetzung, gemeinsames Schicksal —, alle der Tendenz zur einfachsten und stabilsten Struktur untergeordnet, die er Prägnanz nannte. Er lehrte ab 1916 in Berlin und ab 1929 in Frankfurt und verließ Deutschland wenige Wochen nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 an die New School for Social Research in New York, wo er bis zu seinem Tod arbeitete.

Produktives Denken, 1945 postum erschienen, wendet denselben Gedanken auf das Schließen an: Wirkliches Verstehen ist eine Umstrukturierung des ganzen Problems und keine Kette von Assoziationen, und zu seinen Fällen gehören lange Gespräche mit Albert Einstein darüber, wie die Relativitätstheorie tatsächlich gedacht worden war.

1 Werk