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Pi i Margall

Katalanischer Politiker, Jurist und föderalistischer Denker (1824–1901), geboren in Barcelona, nur siebenunddreißig Tage lang im Jahr 1873 Präsident der Exekutivgewalt der Ersten Spanischen Republik — eine sehr kurze Zeit, die seine politische Integrität, aber auch die praktische Unmöglichkeit bewies, sein föderalistisches Programm inmitten des kantonalistischen Chaos umzusetzen, das das Land damals verwüstete. Rechtlich ausgebildet und tief beeinflusst vom französischen Philosophen Pierre-Joseph Proudhon, von dessen Werk er einen Großteil ins Spanische übersetzte, entwickelte er einen philosophisch originellen Föderalismus, der weit über eine bloße Frage der Verwaltungsorganisation hinausging: Für Pi i Margall war der Föderalismus die politische Anwendung des philosophischen Prinzips des »Pakts«, wonach jede legitime Autorität — von der Familie über die Gemeinde und die Region bis zum Staat — aus der freien gegenseitigen Zustimmung der sie bildenden Individuen und Gruppen entsteht, niemals aus einer von oben auferlegten Anordnung. Sein Werk Las nacionalidades (1877), nach dem traumatischen Scheitern der Republik verfasst, legt diese Vision reif und systematisch dar: Es plädiert für eine Gliederung Spaniens in föderierte Staaten mit weitreichender Autonomie, freiwillig vereint in einem gemeinsamen Verfassungspakt, im Gegensatz sowohl zum traditionellen unitarischen Zentralismus als auch zum reinen separatistischen Unabhängigkeitsstreben. Als Mann von für seine Zeit radikal-demokratischen Überzeugungen — er trat für das allgemeine Wahlrecht, die Abschaffung der Sklaverei in den Kolonien und fortschrittliche Arbeitnehmerrechte ein — wurde seine Gestalt im Laufe des 20. und 21. Jahrhunderts von verschiedensten politischen Traditionen vereinnahmt, vom katalanischen Republikanismus bis zu zeitgenössischen spanischen föderalistischen Strömungen, als einer der originellsten und systematischsten katalanischen politischen Denker des 19. Jahrhunderts.

1 Werke