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Pistis Sophia

Christlich-gnostischer Text (wahrscheinlich zwischen dem 3. und 4. Jahrhundert n. Chr. verfasst) anonymer Verfasserschaft, fast vollständig erhalten in einer koptischen Handschrift des 4. oder 5. Jahrhunderts, bekannt als Codex Askewianus, im 18. Jahrhundert vom britischen Sammler Anthony Askew erworben und heute im British Museum aufbewahrt. Das Werk nimmt die Form eines offenbarenden Dialogs zwischen dem auferstandenen Jesus und seinen Jüngern an — unter denen sich Maria Magdalena hervorhebt, die die meisten Fragen stellt und eine bemerkenswert herausragende geistliche Autoritätsrolle erhält, neben Johannes, Petrus und anderen Aposteln —, der elf Jahre nach der Auferstehung stattfindet, in einem Rahmen, in dem Jesus nach seinem allmählichen Aufstieg durch die Himmel zusätzliche kosmische Kräfte erlangt hat. Der erzählerische und lehrhafte Kern dreht sich um Pistis Sophia (»Glaube-Weisheit«), einen Äon oder eine himmlische geistige Wesenheit, die durch übermäßigen frommen Eifer aus ihrem Platz in der geistigen Fülle (Pleroma) in die chaotischen Regionen der materiellen Welt fällt, wo sie von feindlichen Mächten verfolgt und gequält wird, bis Jesus wiederholt eingreift, um sie zu retten und allmählich zu ihrer ursprünglichen Herrlichkeit zurückzuführen — eine Erzählung, die zugleich als kosmogonischer Mythos und als Allegorie des Schicksals der in der Materie gefangenen und gnostischer Erlösung bedürftigen menschlichen Seele fungiert. Der Text enthält zudem umfangreiche Bußhymnen nach alttestamentlichen Psalmen, detaillierte Klassifikationen der himmlischen und höllischen Reiche sowie rituelle Anweisungen für die »Mysterien«, die der Seele den Aufstieg nach dem Tod ermöglichen. Erst im 19. Jahrhundert im Westen wiederentdeckt und übersetzt, bildet die Pistis Sophia zusammen mit der Nag-Hammadi-Bibliothek eine der umfangreichsten Primärquellen zum Studium des spätchristlichen Gnostizismus und der herausragenden Rolle weiblicher Gestalten in diesen Gemeinschaften.

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