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Shaftesbury

Englischer Philosoph und Staatsmann (Anthony Ashley Cooper, 3. Earl of Shaftesbury, 1671–1713), geboren in London in eine einflussreiche aristokratische Familie — sein Großvater war ein bedeutender Whig-Politiker —, als Kind persönlich unterrichtet vom Philosophen John Locke, dem engen Freund seines Großvaters und damaligen Familiensekretär, nach einem Bildungsplan, der auf den pädagogischen Prinzipien beruhte, die Locke selbst später entwickeln sollte, und der trotz dieser frühen lockeschen Prägung eine Moralphilosophie entwickeln sollte, die sich radikal sowohl vom Empirismus als auch vom egoistischen Hobbesianismus entfernte, den Locke und andere dem frühen 18. Jahrhundert als Erbe hinterließen. Sein Hauptwerk, Characteristicks of Men, Manners, Opinions, Times (1711), eine Sammlung von Essays über Ästhetik, Ethik und Religion in einem eleganten, konversationellen, bewusst von scholastischer technischer Strenge entfernten Stil, entwickelte die einflussreiche Theorie des »moralischen Sinnes« (moral sense), wonach Menschen ein angeborenes Wahrnehmungsvermögen besitzen, analog zum ästhetischen Geschmack, das es ihnen erlaubt, moralisch Gut und Böse intuitiv und spontan zu unterscheiden, ohne egoistisches rationales Kalkül oder Furcht vor göttlicher Strafe zu benötigen — eine Sichtweise, die der hobbesschen Auffassung von der menschlichen Natur als grundlegend egoistisch und auf äußeren Zwang zur Geselligkeit angewiesen frontal widersprach. Shaftesbury entwickelte auch eine einflussreiche ästhetische Theorie, die Schönheit, moralische Güte und kosmische Harmonie eng zu einem einzigen Prinzip verband, und vertrat, dass die uneigennützige Betrachtung von Schönheit — sowohl natürlicher als auch künstlerischer — genau jene moralische Sensibilität kultiviere und verfeinere, die die Erkenntnis der Tugend ermögliche — ein Gedanke, der zentrale Konzepte der Ästhetik des 18. Jahrhunderts wie die kantische ästhetische Interesselosigkeit vorwegnahm. Seine optimistische Philosophie einer wohlwollenden menschlichen Natur, in scharfem Kontrast zum vorherrschenden calvinistischen und hobbesschen Pessimismus, übte entscheidenden Einfluss auf die gesamte schottische Tradition des moralischen Gefühls aus — insbesondere Francis Hutcheson, David Hume und Adam Smith — sowie auf die europäische aufklärerische Ästhetik im Allgemeinen und machte ihn zu einer der entscheidenden Gründergestalten des modernen ethischen und ästhetischen Denkens.

1 Werke