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Simón Bolívar

Venezolanischer militärischer und politischer Führer der spanisch-amerikanischen Unabhängigkeit (1783–1830), geboren in Caracas in eine wohlhabende kreolische Familie von Minen- und Plantagenbesitzern, vor seinem neunten Lebensjahr Vollwaise, teilweise in Europa erzogen, wo er die aufklärerischen Ideen Rousseaus, Lockes und Montesquieus aufnahm und wo er der Überlieferung nach seinem Mentor Simón Rodríguez in Rom schwor, nicht zu ruhen, bis er sein Heimatland von der spanischen Herrschaft befreit habe. Bekannt als »der Befreier«, führte er über fünfzehn Jahre ununterbrochenen Krieges hinweg die militärischen Feldzüge, die sechs heutigen Nationen zur Unabhängigkeit verhalfen — Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Panama, Peru und Bolivien, wobei letzteres seinen Namen trägt —, ausgezeichnet durch außerordentliche militärische Leistungen wie die Überquerung der Anden 1819, um die spanischen Truppen in der Schlacht von Boyacá zu überraschen. Über den Militär hinaus war Bolívar ein politischer Denker von kontinentalem Ehrgeiz: Im Cartagena-Manifest (1812) analysierte er scharfsinnig die Ursachen des Falls der Ersten Republik Venezuela, während der Jamaika-Brief (1815), verfasst während eines bitteren Exils, seine reifere Vision darlegte, wonach Spanisch-Amerika die nordamerikanischen föderalen Modelle nicht unverändert übernehmen könne, und stattdessen für starke, zentralisierte Regierungen plädierte, die fähig seien, Anarchie einzudämmen. Sein ehrgeizigster Traum, die Schaffung Großkolumbiens — eine föderale Union mehrerer der neuen Republiken — und darüber hinaus einer panamerikanischen Konföderation, die auf dem Kongress von Panama 1826 vorgeschlagen wurde, zerfiel noch vor seinem Tod an regionalen und persönlichen Rivalitäten, was ihn kurz vor seinem Tod an Tuberkulose 1830 bitter ausrufen ließ, er habe »im Meer gepflügt«. Eine fast einhellig in ganz Spanisch-Amerika verehrte Gestalt, war seine Legende zugleich ständiger Gegenstand ideologischer Auseinandersetzungen über sein tatsächliches politisches Vermächtnis.

1 Werke