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Upanishaden

Ein Korpus spätvedischer Sanskrit-Texte zusammengesetzter und größtenteils anonymer Verfasserschaft, über mehrere Jahrhunderte hinweg entstanden — der älteste Kern wahrscheinlich zwischen dem 8. und 6. Jahrhundert v. Chr., mit späteren Schichten, die weit in die gemeinsame Zeitrechnung hineinreichen —, die als philosophischer und mystischer Höhepunkt der vedischen Offenbarung gelten (daher auch Vedanta genannt, »Ende der Veden«), und die die textliche Grundlage praktisch aller späteren Schulen der indischen Philosophie bilden, sowohl orthodoxer als auch heterodoxer. Der Sanskrit-Begriff »Upanishad«, wörtlich »sich in der Nähe niedersetzen« (mit Bezug auf den Schüler, der zu Füßen des Lehrers sitzt, um geheime Lehren zu empfangen), spiegelt den ursprünglich esoterischen, initiatorischen Charakter dieser Texte wider, die als philosophische Dialoge zwischen Lehrern und Schülern oder zwischen rivalisierenden Weisen in Debatten an Königshöfen verfasst wurden und das Interesse der früheren Veden am äußeren Opferritual zunehmend verlassen, um sich radikalen metaphysischen und existenziellen Fragen zuzuwenden: Was ist das letzte Wesen der Wirklichkeit, was ist das Selbst (Atman), und wie verhält es sich zum letzten Grund des Universums (Brahman). Ihr zentraler philosophischer Beitrag, entfaltet in denkwürdigen poetischen Formulierungen wie »tat tvam asi« (»das bist du«) aus der Chandogya-Upanishad, ist die wesensmäßige Gleichsetzung des individuellen Atman mit dem universalen Brahman — eine Lehre, die den Kern dessen bildet, was Adi Shankara später als Advaita-Vedanta (Nicht-Dualismus) systematisieren sollte. Die Upanishaden führen zudem für die gesamte spätere indische religiöse Tradition grundlegende Konzepte ein oder entwickeln sie entscheidend weiter, wie Karma (das Gesetz von moralischer Ursache und Wirkung, das die Wiedergeburt bestimmt), Samsara (den Kreislauf von Tod und Wiedergeburt) und Moksha (die endgültige Befreiung aus diesem Kreislauf durch die Erkenntnis der Identität von Atman und Brahman). Obwohl mehr als zweihundert Fassungen existieren, gilt eine Gruppe von zehn bis dreizehn »Haupt-Upanishaden« — darunter die Brihadaranyaka, die Chandogya, die Katha und die Isha — als der älteste und philosophisch bedeutendste kanonische Kern, und ihr Einfluss reicht weit über den Hinduismus hinaus: Sie inspirierten westliche Denker wie Schopenhauer, der sie als »Trost meines Lebens« bezeichnete, der es auch »meines Sterbens sein wird«.

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