Zhuangzi
Chinesischer taoistischer Philosoph der Zeit der Streitenden Reiche (ca. 369–ca. 286 v. Chr.), wahrscheinlich im Staat Song geboren, über den mit historischer Gewissheit sehr wenig bekannt ist, abgesehen von dem, was spätere, oft anekdotische Quellen überliefern — darunter die Erzählung, er habe das Angebot, Minister eines Königs zu werden, abgelehnt und sich mit einer heiligen Schildkröte verglichen, die lieber ihren Schwanz durch den Schlamm ziehe, als ausgestopft und auf einem Palastaltar geehrt zu werden — eine Anekdote, die sinnbildlich für seine radikale Lebenshaltung der Ablehnung von Macht, Ehrgeiz und gesellschaftlichen Konventionen steht. Traditionell gilt er zusammen mit späteren Kommentatoren und Schülern als Mitverfasser des nach ihm benannten Textes, des Zhuangzi, dessen »Innere Kapitel« (die ersten sieben) allgemein als sein unmittelbares Werk betrachtet werden, während die »äußeren« und »verschiedenen Kapitel« die Ausarbeitung einer späteren Schule von Anhängern widerspiegeln dürften. Zusammen mit dem Tao Te King des Laozi bildet der Zhuangzi eines der beiden Grundlagentexte des philosophischen Taoismus, unterscheidet sich jedoch durch einen radikal anderen literarischen Stil: Statt der knappen Aphorismen und des sentenziösen Tons des Tao Te King entfaltet Zhuangzi eine üppige Prosa voller phantastischer Allegorien, Fabeln mit sprechenden Tieren, logischer Paradoxien und eines raffinierten, oft selbstironischen Humors, der selbst ein philosophisches Mittel ist, kein bloßes rhetorisches Ornament. Philosophisch treibt Zhuangzi den erkenntnistheoretischen Relativismus und die Kritik starrer Unterscheidungen zwischen entgegengesetzten Kategorien — Gut und Böse, Leben und Tod, Traum und Wachen — bis zu seinen letzten Konsequenzen, wie sein berühmtestes Gleichnis, der Schmetterlingstraum, verdeutlicht: Er erzählt, er habe geträumt, ein Schmetterling zu sein, und könne beim Erwachen nicht mit Sicherheit sagen, ob er ein Mensch sei, der geträumt habe, ein Schmetterling zu sein, oder ein Schmetterling, der nun träume, ein Mensch zu sein — womit die letzte Verlässlichkeit jeder festen Unterscheidung zwischen Wirklichkeit und Illusion infrage gestellt wird. Das daraus resultierende ethische und existenzielle Ideal ist das des Weisen, der Freiheit erlangt (»freies Umherschweifen«, xiaoyao you), indem er sich spontan dem natürlichen Fluss der Dinge anpasst (dem Tao folgend) und jedes Bemühen aufgibt, einer im Wesen fließenden, sich ständig wandelnden Wirklichkeit künstliche, starre Kategorien aufzuzwingen.