Unzeitgemässe Betrachtungen II: Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben
- Sprache:
- Deutsch
- Status:
- Vollständiges Werk
- Autorschaft:
- Vom Autor verfasst
- Zustand des Textes:
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- Umfang:
- ~47.600 Wörter · 226 Passagen
Dieses Werk zitieren
- APANietzsche. (n.d.). Unzeitgemässe Betrachtungen II: Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben. Digital reproduction: SigPhi. https://sigphiai.com/de/works/nietzsche/unzeitgemasse-betrachtungen-ii-vom-nutzen-und-nachtheil-der-historie-fur-das-leben-german
- MLANietzsche. Unzeitgemässe Betrachtungen II: Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben. Digital reproduction, SigPhi, https://sigphiai.com/de/works/nietzsche/unzeitgemasse-betrachtungen-ii-vom-nutzen-und-nachtheil-der-historie-fur-das-leben-german.
- ChicagoNietzsche. Unzeitgemässe Betrachtungen II: Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben. Digital reproduction, SigPhi. https://sigphiai.com/de/works/nietzsche/unzeitgemasse-betrachtungen-ii-vom-nutzen-und-nachtheil-der-historie-fur-das-leben-german.
Angabe der Ausgabe, die SigPhi wiedergibt: SigPhi ist ihre digitale Reproduktion, nicht der Verlag. Das Erscheinungsjahr steht nicht in den Metadaten (daher „n.d.“), und der Übersetzer erscheint nur, wenn er verzeichnet ist.
Wovon es handelt
Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben (1874): wann zu viel Geschichtswissen lähmt, statt zu helfen.
Kontext und Geschichte
Das Nützlichste, was er für jeden geschrieben hat, der mit der Vergangenheit arbeitet. Er unterscheidet drei Arten von Historie — monumentalisch, antiquarisch, kritisch — und behauptet, jede nütze und jede könne schaden. Der Gedanke, dass man vergessen können muss, um zu handeln, stammt von ihm. Es ist eine der vier Unzeitgemässen Betrachtungen (1873–1876), und der Katalog enthält alle vier im Original, jede für sich. Text im deutschen Original, nach der bei Alfred Kröner erschienenen Werkausgabe (Leipzig, 1917–1919). Er ersetzt eine englische Übersetzung, die noch nicht gemeinfrei ist.
Redaktioneller Kontext, keine zitierfähige Quelle: anders als die Passagen des Werks lassen sich diese Angaben nicht am Korpus überprüfen.
Unzeitgemäss ist auch diese Betrachtung, weil ich etwas, worauf die Zeit mit Recht stolz ist, ihre historische Bildung, hier einmal als Schaden, Gebreste und Mangel der Zeit zu verstehen versuche, weil ich sogar glaube, dass wir Alle an einem verzehrenden historischen Fieber leiden und mindestens erkennen sollten, dass wir daran leiden. Wenn aber Goethe mit gutem Rechte gesagt hat, dass wir mit unsren Tugenden zugleich auch unsere Fehler anbauen, und wenn, wie Jedermann weiss, eine hypertrophische Tugend — wie sie mir der historische Sinn unsrer Zeit zu sein scheint — so gut zum Verderben eines Volkes werden kann wie ein hypertrophisches Laster: so mag man mich nur einmal gewähren lassen. Auch soll zu meiner Entlastung nicht verschwiegen werden, dass ich die Erfahrungen, die mir jene quälenden Empfindungen erregten, meistens aus mir selbst und nur zur Vergleichung aus Anderen entnommen habe, und dass ich nur, sofern ich Zögling älterer Zeiten, zumal der griechischen bin, über mich als ein Kind dieser jetzigen Zeit zu so unzeitgemässen Erfahrungen komme. So viel muss ich mir aber selbst von Berufs wegen als classischer Philologe zugestehen dürfen: denn ich wüsste nicht, was die classische Philologie in unserer Zeit für einen Sinn hätte, wenn nicht den, in ihr unzeitgemäss — das heisst gegen die Zeit und dadurch auf die Zeit und hoffentlich zu Gunsten einer kommenden Zeit — zu wirken. I.