Nietzsche
Deutscher Philosoph und klassischer Philologe (1844–1900), geboren in Röcken, mit dem außergewöhnlich frühen Alter von vierundzwanzig Jahren Professor für griechische Philologie in Basel, bis ihn eine chronische Krankheit 1879 zur Aufgabe der Lehrtätigkeit zwang, um sich, in ständiger Wanderschaft durch europäische Pensionen, einem philosophischen Werk zu widmen, das in einem für die Disziplin beispiellosen aphoristischen, literarischen Stil verfasst war. Als anfänglicher geistiger Schüler Schopenhauers und Bewunderer Wagners, von dem er sich schmerzhaft distanzierte, schlägt sein erstes Werk, Die Geburt der Tragödie (1872), die Spannung zwischen dem apollinischen Prinzip (Ordnung, Form, Individuation) und dem dionysischen (Rausch, Auflösung, kosmische Einheit) als Schlüssel zur griechischen Kultur und, in erweitertem Sinne, zu aller künstlerischen Schöpfung vor. Sein zentrales Werk, Also sprach Zarathustra (1883-85), ein prophetisches philosophisches Gedicht in biblisch inspirierter Prosa, verkündet den Tod Gottes — den Zusammenbruch aller transzendenten Grundlagen abendländischer Moral — und schlägt zwei Antworten vor: die ewige Wiederkunft, die Idee, dass wir jeden Augenblick so leben sollten, als müsse er sich unendlich identisch wiederholen, und den Übermenschen, das Ideal eines Menschen, der nach dem Zusammenbruch der alten Werte fähig ist, seine eigenen zu schaffen. In Jenseits von Gut und Böse und Zur Genealogie der Moral entwickelte er seine genealogische Moralkritik: Werte, die ewig und universal erscheinen — besonders der christliche Gegensatz von Gut und Böse — haben in Wahrheit einen konkreten historischen Ursprung, oft verwurzelt im Ressentiment der Schwachen gegenüber den Starken, und verbergen Machtverhältnisse, die es zu entlarven gilt. Sein Begriff des »Willens zur Macht« als fundamentaler vitaler Antrieb allen Seins wurde beklagenswerterweise vom Nationalsozialismus verzerrt und vereinnahmt — teils durch redaktionelle Manipulationen seiner Schwester —, eine Verzerrung, deren Auflösung die spätere akademische Philologie Jahrzehnte gekostet hat, und heute gilt Nietzsche als einer der tiefsten und einflussreichsten Denker über Moderne, Moral, Sprache und Subjekt in der gesamten abendländischen Philosophie.
22 Werke
- Also sprach Zarathustra
- Also sprach Zarathustra (de)
- Ausgewählte Briefe von Friedrich Nietzsche
- Der Antichrist
- Der Fall Wagner
- Der Wille zur Macht
- Der Wille zur Macht (de)
- Die fröhliche Wissenschaft
- Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik
- Die vorplatonischen Philosophen und andere Essays
- Ecce homo
- Götzen-Dämmerung oder Wie man mit dem Hammer philosophirt
- Homer und die klassische Philologie
- Jenseits von Gut und Böse
- Menschliches, Allzumenschliches (I)
- Menschliches, Allzumenschliches (II)
- Morgenröte. Gedanken über die moralischen Vorurteile
- Unzeitgemäße Betrachtungen
- Unzeitgemäße Betrachtungen (ed. 2)
- Unzeitgemässe Betrachtungen, Teil I (David Strauss; Richard Wagner in Bayreuth)
- Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben
- Zur Genealogie der Moral
Behandelte Themen
Zitate
“Der Glaube an Gott ist tot.”
The Will to Power
“Was ihn nicht umbringt, macht ihn stärker.”
Ecce Homo
“Der Wille zur Macht ist die primitive Triebkraft, aus der alle anderen Triebe abgeleitet worden sind.”
The Will to Power
“Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.”
Beyond Good and Evil
“Es gibt immer ein wenig Wahnsinn in der Liebe. Aber es gibt auch immer ein wenig Methode im Wahnsinn.”
Thus Spake Zarathustra A Book for All and None
“Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen.”
Human, All-Too-Human A Book for Free Spirits, Part 1