216 Buch II. Von den paychieclieii FhSnomenen im AUgemeineii.
1 1), nicht als etwas, was selbst wirklich sei, anerkannteti und ihren Forschungen zu Grunde legten. Hätte Herbart dies gethan: so würde die Unvereinbarkeit seiner metaphy- sischen Lehren mit dem, was die innere Wahrnehmung zeigt, ihn hier und anderwärts auf gewisse Sprünge- und Aequivo- catiouen in seinen Beweisführungen aufmerksam gemacht haben; und es hätte nicht des Scharfsinnes eines Anderen bedurft, um zu zeigen, dase die von ihm geltend gemachten "Widersprüche bloss scheinbare Widersprüche seien ^). Wir indem wir die reale Einheit des Bewusstseins behaup- ten, behaupten damit keineswegs, dass es etwas völlig Ein- faches sei; nur werden die Theile, welche es unterscheiden jässt, als blosse Divislve einer realen Einheit zu betrach- ten sein.
Auch das wäre noch zu viel gesagt, dass die Einheit des Bewusstseins, wenn sie keine Einfachheit verlange, doch nur mit einer Mehrheit von Theilen sich vertrage, die nicht von einander getrennt werden können. Im Gegentheile haben wir gesehen, wie die Erfahrung zeigt, dass von den Thätigbeiten, welche wir in uns finden, die eine oft aufhört, ') Nach Berbart ist,das Sern, auf welches die psyehisehen Erachei- nungen binweiseu, die Seele; d. i. ein einfaches reales Wesen mit einer einfachen Qualität, welches gegenüber anderen ein&chen realen Wesen sich selbst erhält. Was uns als eine Vorstellung erscheint, ist in Wahrheit nichts als eine solche Selbsterhaltung, und daher ist in kei- ner Weise wegen der Mehrheit der Vorstellungen, die vir in uns nahriiehmen, eine Mehrheit von Eigenschaften und Theilen irgend einer Art in unserem naluhafCen Sein anzuerkeunen. So wenigstens scheint die Lehre Herbart's gefasst werden au müssen, damit seine Metaphysik mit seiner Psychologie nicht iu aüzuschroffem Widerspruche stehe. Oder sollte Herbart vielleicht geglaubt haben, unsere Vorstei- luDgeu seien zwar nichts anderes als Selbsterhaltungen, unveränderter Fortbestand bei drohenden Störungen; sie seien aber dennoch das, ^Is was sie uns erscheinen? Dann würde er hierin selbst entweder des offenbarslen Widerspruches sich schuldig gemacht oder das Zeagnisa der inneren Wahrnehmung in der entschiedensten Weise verleugnet ') Vgl. Trendelenburg, Historische Beiträge zur Philosophie, Capitel 4. Von der Einheit des Bewusstseins. 217 während die andere bleibt, die eine sich umwandelt, während die andere keinem Wechsel unterliegt.
Weiter noch ist insbesondere hervorzuheben, dass in der Einheit des Bewusstseins auch nicht der Ausschluss einer Mehrheit quantitativer Theüe und der Mangel jeder räum- lichen Ausdehnung (oder eines Analogons derselben) ausge- sprochen liegt. Es ist gewiss, dass die innere Wahrnehmung uns keine Ausdehnung zeigt; aber etwas nicht zeigen und zeigen, dass etwas nicht ist, ist verschieden. Sonst würde ja auch jener Richter vernünftig geurtheilt haben, von dem man erzählt, er habe einen Angeklagten von dem Vergehen der Beleidigung freigesprochen, weil der Kläger nur fünf Zeugen, welche die Schimpfrede gehört, der Beklagte aber hundert Zeugen, die sie nicht gehört, zu stellen sich an- heischig machte. Sicher ist allerdings, dass wir die psy- chischen Thätigkeiten, welche zu der Einheit unseres Be- wusstseins gehören, nicht in jeder Weise quantitativ vertheilt denken können. Es ist nicht möglich, dass in einem' quan- titativen Theile das Sehen, in einem anderen die darauf be- zügliche innere Vorstellung oder Wahrnehmung oder Lust an dem Sehen sich findet. Das widerspräche allem, was wir von der besonderen Innigkeit der Verbindung und Verwebung dieser Phänomene gehört haben. Auch das ist sicher, dass jedenfalls nicht in einem quantitativen Theile eine Vorstel- lung, in einem anderen ein auf das Vorgestellte gerichtetes ürtheilen oder Begehren sich findet. In diesem Falle würde nicht, wie die innere Wahrnehmung es uns zeigt, in den letzteren Thätigkeiten die Vorstellung als Grundlage be- schlossen sein. Dagegen haben wir, bis jetzt wenigstens, keinen Grund, zu bestreiten, dass vielleicht eine Vorstellung ausgedehnt sei, oder verschiedene raumähnlich neben ein- ander bestehen u. dgl.
Wenn man einen Wurm zerschneidet, so gibt oft jedes Stück die unzweideutigsten Zeichen von willkürlicher Bewe- gung, also auch von Gefühl und Vorstellung. Manche, und schon Aristoteles, haben dies so erklärt, dass mit dem Thiere auch die Seele des Thieres so zu sagen zerschnitten worden 218 Buch II. Von den psychischen Phänomenen im Allgemeinen.
sei. Es wäre deinnacli das einheitliche Bewusstsein des zer- schnittenen Thieres nothwendig raumähnlich ausgedehnt ge- wesen. Andere wollten dies nicht gelten lassen, und nahmen lieber an, es hätten in dem Wurme scljon vor der Zerthei- lung mehrere Seelen bestanden; verschiedene in verschiede- nen Gliedern, In wie weit es diesen überhaupt gelungen sei, ihre Ansicht wahrscheinlich zu machen, wollen wir hier nicht untersuchen; erst an einer viel späteren Stelle wird diese Frage unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen^). Nur das sei hier bemerkt, dass, wenn man, wie man es wirklich gethan hat, gegen die ältere Theorie die Thatsache der Ein- ' heit des Bewusstseins anrufen wollte, diese, wenigstens für sich allein, nicht das Geringste gegen sie entscheiden würde. Wir haben gesehen, dass sie sich mit einer Mehrheit von Thätigkeiten vereinbaren lässt, die keineswegs unlöslich ver- bmiden sind. Auch eine Mehrheit von einander trennbarer quantitativer Theile würde ihr darum nicht widerstreiten.
Wie die Einheit des Bewusstseins nicht die Mehrheit der Tiieile ausschliesst, so auch nicht ihre Mannigfaltigkeit. Nicht das ist nöthig, dass die Theile gleichartig sind, sondern nur, dass sie zu derselben realen Einheit gehören. So fanden wir bereits, dasa die Gesammtheit unseres Bewusstseins nicht bloss eine Mehrheit psychischer Thätigkeiten, sondern auch Thätigkeiten sehr verschiedener Art umfasst, und nicht bloss Vorstellungen, sondern auch Gefühle. Einheit ist nicht so viel wie Einfachheit; Einheit ist aber auch nicht so viel wie Gleichtheiligkeit. Es stände darum bis jetzt wenigstens auch nichts im Wege, wenn Jemand, der sich die Gruppe unserer psychischen Phänomene ausgedehnt denken wollte, annähme, dasa ihre quantitativen Theile ungleichartig seien, und sich auch in unseren physischen Phänomenen als ungleichartig zu erkennen geben. Dass diese oder eine ähnliche Annahme richtig sei, wollen wir nicht behaupten; wenn sie aber auch einer als richtig erwiese, so würde dadurch in keiner Weise gegen die von uns behauptete Einheit des Bewusstseins etwas I) Buch VL Capitel 4. Von der Einheit des Bewusstseins. 219 entschieden sein. Sahen wir doch, wie sie jedenfalls eine Vielheit von Theilen unter mannigfachen Theilverhältnissen umfasst.
Endlich gehört auch das nicht zur Einheit des Bewusst- seins, dass die psychischen Phänomene, welche wir als unsere früheren Seelenthätigkeiten zu bezeichnen pflegen, Theile desselben wirklichen Dinges waren, welches unsere gegen- wärtigen psychischen Erscheinungen umfasst. Eines aller- dings ist ausser Zweifel. Wie die innere Wahrnehmung uns direct nur eine, real einheitliche Gruppe von psychischen Phänomenen zeigt, so zeigt uns auch das Gedächtniss für jeden Moment der Vergangenheit direct nicht mehr als eine solche Gruppe. Von anderen gleichzeitigen psychischen Phä- nomenen gibt es uns nur etwa indirect Kenntniss, indem es uns zeigt, wie innerhalb jener Gruppe eine Erkenntniss von ihnen bestand, ähnlich wie in der Gmppe, welche die innere Wahrnehmung uns zeigt, der Glauben an das Bestehen anderer Gruppfen enthalten sein kann. So zeigt uns denn das Gedächtniss direct nicht mehr als eine zeitlich fortlau- fende Reihe von Gruppen, von denen jede eine reale Einheit war, und diese Reihe bildet ein Continuum, welches nur hie und da durch eine Lücke unterbrochen wird. Bei längerem Besinnen gelingt es uns zuweilen, auch solche Lücken aus- zufüllen. In der Continuität der Reihe liegt zugleich ausge- sprodien, dass die einander folgenden Gruppen meistentheils eine Verwandtschaft zeigen; sei es nun eine völlige Gleich- heit bei bloss zeitlichem Unterschiede, oder eine durch in- finitesimale Differenzen allmälig sich steigernde Verschiedenheit. Denn es ist undenkbar, dass eine continuirliche Ver- änderung in jedem Momente einen Sprung von endlicher Grösse oder einen üebergang zu ganz heterogenen Erschei- nungen enthielte. In Wahrheit pflegt sich aber auch nach den stärksten plötzlichen Veränderungen eine Verwandtschaft zwischen den früheren und späteren Gliedern kund zu geben. So zeigt uns das Gedächtniss in dem Gliede unmittelbar nach dem Eintreten einer grösseren Veränderung, ein Bewusstsein von dem Gegensatze des neuen zu dem vorausgegangenen 220 Buch n. Von den psychischen Phänomenen im Allgemeinen.
Zustande, und auch sonst, man darf sagen durchgehends, Ge- dächtnissacte, die sich oft sogar auf entfernt vergangene Glieder der Reihe, aber niemals direct auf eine Gruppe zurück beziehen, die nicht zu der Reihe gehörig ist. Das abschliessende Glied der Reihe bildet die Gruppe, welche wir in der inneren Wahrnehmung unmittelbar erfassen. Wir pflegen diese Kette psychischer Erscheinungen als unser früheres Leben zu bezeichnen, und wie wir sagen: „ich sehe", „ich höre", „ich will", wenn uns die innere Wahrnehmung ein Sehen, Hören oder Wollen zeigt, so sagen wir, wenn uns das Gedächtniss direct ein Sehen, Hören oder Wollen zeigt: „ich sah", „ich hörte", „ich wollte". Wir betrachten also die Phänomene, welche es uns direct zeigt, gemeiniglich als Thätigkeiten, welche zu derselben realen Einheit gehör- ten, von welcher jetzt die durch innere Wahrnehmung er- kannten Thätigkeiten umfasst werden. Die Neigung zu einer solchen Anschauung ist auch, nach dem Charakter, welchen diese Gedächtnisserscheinungen zeigen, und welchen wir in einigen seiner wesentlichsten Züge schilderten, sehr begreif- lich. Allein, dass es einleuchtend sei, dass dieselbe reale Einheit, welche unsere gegenwärtigen psychischen Phänomene umfasst, sich wirklich früher auf diejenigen, welche wir „un- sere früheren" zu nennen pflegen, mit erstreckt habe, können wir desshalb noch nicht behaupten. Und auch von den Be- weisen, durch welche wir die reale Einheit der gegenwärtigen Phänomene dargethan haben, ist keiner darauf anwendbar. Unsere gegenwärtigen Acte der Erinnerung allerdings müssen zu derselben Realität wie unsere übrigen gegenwärtigen -psy- chischen Acte gehören. Aber der Inhalt eines Erinnerungs- actes ist nicht der Erinnerungsact. Un.d wer bürgt uns da- für, dass die Erinnerung und der Inhalt der Erinnerung, wie nicht identisch, so auch nicht derselben realen Einheit zuzu- rechnen sind? Wenn eine Erkenntniss, welche uns das Ge- dächtniss gibt, unmittelbar evident wäre, so könnten wir dies ähnlich wie bei der inneren Wahrnehmung folgern. Aber das Gedächtniss ist bekanntlich nicht evident, ja sogar man- nigfachen Täuschungen unterworfen. Es bleibt also zunächst Capitel 4. Von der Einheit des Bewusstseins. 221 eine offene Frage, ob der Fortbestand des Ich das Beharren ein und desselben einheitlichen Dinges oder etwa eine Auf- einanderfolge verschiedener Dinge sei, von welchen nur das eine an das andere sich anschliesst und so zu sagen an seine Stelle tritt. Es würde darum z. B. unseren Auseinander- setzungen nicht widerstreiten, wenn einer glaubte, dass das Ich ein körperliches Organ sei, welches fortwährendem Stoff- wechsel unterliegt, wenn er nur annimmt, dass die Eindrücke, die es erfahre, auf die Weise, in welcher es sich erneuere, von Einfluss seien, dass also, ähnlich wie die Wunde die Narbe hinterlässt, auch das frühere psychische Erlebniss nach- wirkend eine Spur von sich und in ihr die Möglichkeit einer Erinnerung daran vererbe. Die Einheit des Ich in seinem früheren und späteren Bestände wäre dann keine andere als die eines Flusses, in welchem die eine Woge der anderen Woge folgt und ihre Bewegung nachbildet. Nur der atomi- stischen Hypothese, welche jedes Organ als eine Vielheit von Dingen ansieht, dürfte Jemand, der ein Organ als Trägpr des Bewusstseins betrachten wollte, sich natürlich nicht an- schliessen, sondern nur etwa so wie Du Bois-Reymond in seinem Vortrage vor der Versammlung der Naturforscher in Leipzig ihr als einer Art von regulativem Princip bei For- schungen auf naturwissenschaftlichem Gebiete einen Werth zuerkennen ^).
§. 4. Die Behauptung der Einheit des Bewusstseins, wie wir sie hier umgrenzten, hat einen bescheideneren Inhalt als den, welchen man ihr häufig gegeben hat. Dafür ist sie aber durch die vorausgegangenen Erörterungen wirklich und voll- kommen erwiesen und zeigt sich gegen jeden Einwand ge- schützt, obwohl nicht bloss die früher betrachteten, sondern noch andere Gründe gegen sie geltend gemacht werden.
C.Ludwig in seinem Lehrbuche der Physiologie erklärt, dass der realen Einheit unserer psychischen Phänomene „eine ganz unlösbare" Schwierigkeit entgegenstehe. „Wie wir schon ^) Ueber die Grenzen der Naturerkenntniss. 1872.
222 Buch II. Von den psychischen Phänopaenen im Allgemeinen.
wiederholt bemerkten", sagt er, „liegen nirgends Gründe vor, die uns bestimmen konnten, eine wesentliche Verschiedenheit in den empfindenden und bewegenden Nervenröhren anzunehmen. Und wenn diese nicht besteht, woher soll denn die Verschie- denheit in der Resultirenden der Gegenwirkungen der gleich- artigen Nerven und der gleichartigen Seele erläutert wer- den? — Diese Schwierigkeit mahnt uns, wenigstens daran zu denken, dass das, was man Seele nennt, ein sehr compli- cirtes Gebilde sei, dessen einzelne Theile in einer innigen Wechselbeziehung stehen, vermöge deren die Zustände eines Theiles sich dem Ganzen leicht mittheilen ^)."
Nehmen wir an, der Beweis, den Ludwig hier führt, sei schlagend und dränge mit Gewalt zu der Folgerung, bei wel- cher er endet, so würde doch die reale Einheit des Bewusst- seins, wie wir sie erklärten,' keineswegs dadurch widerlegt sein. Wenn diese Einheit quantitative und ungleichartige Theile hätte und ein sehr compUcirtes Gebilde wäre, so würde siQ, den Anforderungen von Ludwig Genüge leisten. Aller- dings könnte einer auf Grund der Atomistik eine solche An- nahme als unmöglich bestreiten. Aber die atomistische Hypo- these, wie viel auch immer für sie sprechen möge, dürfte ihre Wahrscheinlichkeit nicht gegenüber der Evidenz der in- neren Thatsachen geltend machen.
Noch mehr. Ludwig spricht von einer Mittheilung der Zustände der einzelnen Theile an das Ganze, d. h. wohl an seine sämmtlichen übrigen Theile. Somit wird jeder Theil Zustände haben, wie die anderen Theile; also jeder wird sehen, hören u. s. f., wenn auch ein Theil zunächst durch den Lichtreiz, ein anderer durch den Reiz des Schalles er- regt wird. Wenn nun auch das Ganze ein CoUectiv und nur die Theile reale Einheiten wären, so würde doch jeder dieser Theile für sich allein eine Gruppe von psychischen Thätig- keiten, wie wir sie innerlich wahrnehmen, enthalten, und es wäre daher nicht nöthig, dass unsere innere Wahrnehmung über eine reale Einheit hinausreichte; ja nicht einmal wahr- *) Lehrbuch der Physiologie des Menschen, I. S. 606.
, Capitel 4. Von der Einheit des Bewusstseins. 223 scheinlich wäre es,' da sie uns sonst dieselbe Gruppe mehr- mals zeigen würde. Somit wäre nach Ludwig das Verhältniss nur dieses, dass ausser unserem einheitlichen Bewusstsein noch andere, ihm völlig gleiche, in den\selben Leibe bestän- den, was wiederum der Einheit des Bewusstseins, wie wir sie lehren, nicht widersprechen würde.
Vielleicht ist aber auch das Argument selbst nicht so zwingend, wie Ludwig glaubt. — Man hat, sagt er, keine wesentliche Verschiedenheit in den Nervenröhren gefunden. — Ist man desshalb sicher, dass keine vorhanden ist, die man noch nicht entdeckte? und kann man mit Zuverlässigkeit behaupten, dass Unterschiede, die in anderem Betracht un- bedeutend erscheinen, nicht vielleicht in Bezug auf die Em- pfindungen „wesentlich" sind? In neuester Zeit hat man behauptet, dass auch zwischen den Ganglien keine wesent- lichen Unterschiede sich zeigten, und darum in dem Unter- schiede der äusseren Organe den ganzen Grund der Unter- schiede der Empfindungen sehen wollen^). Mag dies nun *) Wundt, Phyeiol. Psychol. Cap. 5. S. 173 ff. Cap. 9. S. 345 ff. „Es ist^', sagt Wundt, „in hohem Grade wahrscheinlich, dass der Satz von der functionellen Indifferenz im selben Umfange, in welchem er in Bezug auf die Nervenfasern angenommen ist, auch auf die centra- len Endigungen derselben ausgedehnt werden muss. Die Unterschiede, die an den letzteren gefunden werden, sind nicht grösser als diejeni- gen, welche die verschiedenen Nervengattungen darbieten; und der Erfahrung, dass verschiedenartige Nervenenden mit einander verheilt, und dann z. B. durch Reizung sensibler Fasern motorische Wirkungen ausgelöst werden können, treten die umfangreichen Stellvertretungen zwischen den centralen Endgebilden als nahehin gleichberechtigte That- Sachen zur Seite. Offenbar hat man bei dieser Verlegung in die Cen- traltheile nur den Kunstgriff gebraucht, den Sitz der specifischen Function in ein Gebiet zu verschieben, das noch hinreichend unbe- kannt war, um über dasselbe beliebige Behauptungen wagen zu kön- nen.'' (S. 347.) Wundfs eigene Erklärung der Thatsachen enthält jedoch den Widerspruch, dass sie davon ausgeht, die physische Aehnlich- keit der Nerven (ja der Endgebilde) sei zu gross, als dass in ihrem Un- terschiede der Grund der specifischen Function gesucht werden könnte, und damit endet, dass dennoch ein Unterschied der Nerven, nämlich ein durch Gewohnheit entstandener, der Grund der specifischen Function sei.
M f^t' rm ms m f^v: 224 Buch IL Von den psychischen Phänomenen im Allgemeinen.
ziilässig oder unzulässig sein, jedenfalls zeigt es die Unsicher- heit des Beweises. Denn, wenn es unzulässig ist, so zeigt es an einem Beispiele, wie uns physiologische Unterschiede ent- gehen oder unbedeutend erscheinen können, die nichtsdesto- weniger einflussreich werden. Endlich wäre denkbar, dass die Verschiedenheit der centralen Gebilde, zu welchen die Empfindungsnervön führten, zwar wirklich die Unterschiede von Schall- und Farbe - Empfindungen bedingten, aber mir in der Weise, in welcher wir die Verursachung den Nerven selbst, wenn sie sich auffallend verschieden zeigten, zuschrei- ben würden, nämlich als Glieder in einer noch weiter füh- renden Kette.
A. Lange hat, wie auch viele Andere, auf die Erschei- nungen der Theilung, durch welche oft ein Thier in zwei Thiere zerlegt werden kann, als etwas mit der Einheit des Bewusstseins Unvereinbares hingewiesen, und ebenso auf die ihnen gegenüberstehende Verschmelzung zweier Thiere in eines. „Die Strahlenfüsschen", sagt er, „eine Genera- tionsfolge der Glocke nthierchen (vorticella), nähern sich häufig einander, legen sich innig aneinander, und es entsteht an der Berührungsstelle zuerst Abplattung und dann voll- ständige Verschmelzung. Ein ähnlicher Copulationsprocess kommt bei den Gregarinen vor, und selbst bei einem Wurme, dem Diplozoon, fand Siebold, dass er durch Verschmelzung zweier Diporpen entsteht^)."
Wir haben schon bemerkt, dass die Theilungserscheinun- gen, wenn sie uns auch zwingen sollten, <lie Zerlegung einer Gruppe psychischer Phänomene in mehrere quantitative Theile anzunehmen, nichts gegen die Einheit des Bewusstseins be- weisen würden, da in dieser weder die Einfachheit noch Un- theilbarkeit behauptet wird. Aus demselben Grunde kann man auch die Verschmelzungserscheinungen nicht gegen sie geltend machen.. Würde man diesen niederen Thieren Ge- dächtniss zuschreiben und annehmen, dass sich in den beiden durch Theilung entstandenen Thieren Erinnerungen aus dem Capitel 4. Von der Einheit des Bewusstseins.
Leben des zerfällten Thieres erhielten, so dass nun das gleiche Bewusstsein in zwei Qualitäten bestehe, so spräche auch dies nicht gegen die Einheit des Bewusstseins in unserem Sinne. Würden wir behauptet haben, dass die psychischen Thätigkeiten, die das Gedächtniss unmittelbar zeigt, immer zu derselben Realität wie diejenigen gehören, welche in der inneren Wahrnehmung erfasst werden, so kämen wir hier allerdings zu dem Widerspruche, dass von zwei Gruppen von Phänomenen jede zu derselben Realität gehörte, und dass 3ie doch zugleich als zwei verschiedene Realitäten zu begreifen wären. Aber unsere Behauptung beschränkte sich ja nur . auf die Thätigkeiten der gegenwärtigen psychischen Gruppe. Somit kann man aus ihr jene widersprechenden Folgerungen nicht ziehen. Und wenn dner annähme, dass in dem durch Verschmelzung mehrerer Thiere entstandenen einheitlichen Thiere Erinnerungen aus einem doppelten Leben beständen, so würde auch- dies nicht der Einheit des Bewusstseins wider- streiten; denn das Gedächtniss würde dann zwar unmittelbar eine Mehrheit gleichzeitig bestehender realer psychischer Einheiten zeigen, aber der Gesichtskreis der inneren Wahr- nehmung nie über die Grenzen einer realen Einheit sich er- strecken.
Eigenthümlich ist es, dass Lange, wenn er einerseits be- hauptet, dass gewisse Thatsachen der Einheit des Bewusst- seins widersprechen, andererseits anerkennt, dass eine Gruppe von psychischen Thätigkeiten, wie wir sie in uns finden, ohne reale Einheit undenkbar sei. So ergibt sich ihm hier ein Widerspruch, der an die Kant'schen Antinomien erinnert, und er löst ihn als ein ächter Schüler dieses Philosophen, indem - er den einander widerstreitenden Erscheinungen keine andere als eine phänomenale Wahrheit zuerkennt. Damit kein Wider- spruch zwischen Einheit und Vielheit existire, müssen wir nach ihm annehmen, dass weder Einheit noch Vielheit in Wirklichkeit bestehe, sondern dass beide Begriffe nur sub- jective Auffassungsweisen unseres Denkens seien. „Die ein- zige Rettung", sagt er, „besteht darin, dass der Gegensatz von Vielheit und Einheit als eine Folge unserer Organisation Brentano, Psychologie. I.
15 226 Buch II. Von den psyclüachen Phänomenen im ÄUgemeinen.
[refasst wird, dasB man annimmt, er sei in der Welt der Dinge an sich auf irgend eine uns unbekannte Weise gelöst ofler vielmehr gar nicht vorhanden. Damit entgehen wir denn dem innersten Grunde des Widerspruches, der über- haupt in der Annahme absoluter Einheiten besteht, die ans nirgends gegeben sind. Fassen wir alle Einheit als relativ" (nämlich zu unserem Denken, und zwar zu diesem oder jenem besonderen Denkacte), „sehen wir in der Einheit nur die Zusammenfassung in unserem Denken, so haben wir damit zwar nicht das innerste Wesen der Dinge erfasst, wohl aber die Consequenz der wissenschaftlichen Betrachtung iniigüch gemacht." (Mit anderen Worten, wir können trotz der Widersprüche, die zu Tage getreten, getrost die Unter- suchung weiter führen, indem wir sie als bloss phänomenale, in kemer Weise der Wirklichkeit zukommende Widersprüche betrachten.) „Die absolute Einheit des Selbstbewusstseins fahrt zwar schlecht dabei, allein es ist kein Uebelstand, wenn eine Lieblingsvorstellung einiger Jahrtausende beseitigt wird ^)."
Allerdings würde die Einheit des Bewusstseins schlecht dabei &hren, wenn auch den Erscheinungen der inneren Wahrnehmung nur phänomenale Wahrheit zukäme. Nicht ein- mal die Existenz eines Bewusstseins wäre ja dann gesichert. Aber wir- haben schon wiederholt bemerkt, dass der Weg Kaat's, auf welchem Lange ihm hier folgt, ein Irrweg sei. Ks ist geradezu ein Widerspmch, wenn man, wie Kant es thut, den inneren und äusseren Wahrnehmungen, beiden in fileicher Weise, bloss phänomenale Wahrheit zuerkennt. Denn <lie phänomenale Wahrheit der physischen Phänomene ver- langt die reale Wahrheit von psychischen; wären die psychi- schen Phänomene nicht in Wirklichkeit, so wären physische wie psychische auch nicht einmal als Phänomene vorhanden. Auf diese Weise ist also der Widerspruch nicht zu beseitigen. Dagegen haben wir oben gesehen, wie die von Lange geltend gemachten Erscheinungen mit der Thatsache der Einheit des Capitel 4. Von der Einheit des Bewusstseins. 227 Bewusstseins, wenn man nur diese richtig versteht, ganz leicht in Einklang zu bringen sind.
Lange betont noch eine Erscheinung mit besonderem Nachdrucke. „Die relative Einheit", sagt er, „tritt bei den niederen Thieren besonders merkwürdig hervor b^i jenen Polypen, welche einen gemeinsamen Stamm besitzen, an wel- chem durch Knospung eine Menge von Gebilden erscheint, die in gewissem Sinne selbständig, in anderer Hinsicht da- gegen nur als Organe des ganzen Stammes zu betrachten sind. Man wird auf die Annahme geführt, dass bei diesen Wesen auch die Willensregungen theils allgemeiner, theils specieller Natur sind, dass die Empfindungen aller jener halb selbständigen Stämme in Rapport stehen und doch auch ihre besondere Wirkung haben. Vogt hat ganz Recht, wenn er den Streit um die Individualität dieser Wesen einen Streit um des Kaisers Bart nennt. „Es finden allmälige üeber- gänge statt; die Individualisation nimmt nach und nach zu ^)." " — Als reale Einheit, das ist wahr, lassen sich die psy- chischen Thätigkeiten in einem Polypenstamme nicht wohl begreifen. Aber sollten sie darum als ein üebergang zwischen Einheit und Vielheit, als etwas, was nicht mehr eigentlich Eins und doch auch noch nicht Vieles ist, gefasst werden müssen? Ich sehe nicht ein, was uns hier zu der Annahme einer solchen widerspruchsvollen Mitte nöthigte.und davon abhielte, geradezu eine Vielheit von realen psychischen Ein- heiten in dem Stamme anzuerkennen. Wenn Lange von diesen Polypen sagt, „die Willensregungen seien bei ihnen theils allgemeiner, theils specieller Natur", so ist dies nur in dem Sinne etwa eine richtige Deutung der Phänomene, in welchem man auch bei einer Menge zu einer Stadt oder zu einem Volke^ gehöriger Menschen dasselbe sagen könnte. Jedes einzelne Bewusstsein ist in einer solchen Thiercolonie, wie Lotze treffend bemerkt, unabhängig von dem anderen in der Ausübung der spärlichen Aeusserungen lebendiger Reg- samkeit, die ihnen möglich sind, und doch sind sie „durch 15 228 Buch U. Von den psychischen Phänomenen im Allgemeinen.
V-l VY* ihre Verbindung unter einander gemeinsam manchen äusseren Einflüssen unterworfen')." Und diese gemeinsam erfahrenen Einflüsse mögen eine gleichzeitige Erregung gewisser mitein- ander übereinstimmender Begierden und Bethätigungen zur Folge haben. So also kommen wir nicht zu widersprechen- den Begriffen, denen wir unser Vertrauen auf die innere Erfahrung und auf das, was wir nach sicherer Analogie aus ihr erschliessen, zum Opfer bringen müssten.
Während Lange zugesteht, dass, wenn man die Erschei- nungen, wie sie uns das innere Bewusstsein zeigt, als real anerkennen wollte, unsere psychischen Phänomene als wirk- liche Einheit gefasst werden müssten, hat C. Ludwig dies geleugnet und die Argumente der Psychologen für die Ein- heit des Bewusstseins aus diesem Grunde für nichtig erklärt. Es ist vielleicht nicht überflüssig, wie zuvor den Angriff die- ses bedeutenden Physiologen auf die Einheit des Bewusst- seins, so jetzt auch seinen Angriff auf die Beweise dafür, so weit wir selbst sie für überzeugend erklärten, mit einigen Worten zu besprechen.
Ludwig repioducirt dieselben in folgender Weise. Zu der Annahme, dass Empfindung, Willen und Gedankenbil- dung zu einer realen Einheit gehörten, „glaubt man", sagt er, „sich berechtigt, weil das Bewusstsein sagt, dass dasselbe einfach die drei besonderen Functionen erfülle." Dies ist nicht sehr deutlich gesprochen; doch aus dem Folgenden scheint hervorzugehen, dass Ludwig sagen will, man führe für jene Annahme als Beweis an, dass dasselbe und eine Be- wusstsein der drei besonderen Functionen sich bewusst sei. Denn, zur Kritik übergehend, fährt er also fort: „Diese That- sache erscheint aber so lange als nichtssagend, als man nicht ermittelt hat, welche Stellung das Bewusstsein zu den drei Functionen einnimmt, indem sich denken liesse, dass sie in dasselbe fallen, ohne mit ihm identisch zu sein." Man kann — das ist offenbar der Sinn seiner Worte — aus dieser Thatsache nur dann scUiessen, dass die drei Functionen zu Capitel 4. Von der Einheit des Bewusstseins.
einer realen Einheit gehören, wenn vorausgesetzt wird, dass sie, um vom Bewusstsein wahrgenommen zu werden, mit diesem zu einer realen Einheit gehören müssen. Denn dann gilt der Satz, zwei Dinge, die mit einem dritten iden- tisch sind, sind unter sich identisch. Aber jene Voraus- setzung, meint er, sei unberechtigt. Wird bei anderen Wahr- nehmungen, z. B. bei denen des Gesichtssinnes, etwas wahr- genommen, was nicht zu derselben Realität wie die Wahr- nehmung gehörig ist, warum sollte nicht Aehnliches auch bei den inneren Wahrnehmungen, nämlich den Wahrnehmungen der psychischen Functionen, der Fall sem können? Und er fügt bei: „Diese letztere Unterstellung erhält sogar aus den Traumerscheinungen einige Wahrscheinlichkeit, indem hier unsere eigenen Empfindungen und Vorstellungen uns als absolut äussere erscheinen, die wir z. B. fragen^)."
Denken wir an unsere frühere Erörterung zurück, so erkennen wir sofort, dass das Argument für die Einheit hier sehr unvollkommen vorgeführt wird. Davon z, B., dass dem Wollen nothwendig ein Vorstellen zu Grunde liege, so dass es ohne ein solches ganz undenkbar sei, ist hier gar nicht die Rede, und doch beweist gerade dieser Umstand recht schlagend die Vereinigung beider. Auch ist es eine unrich- tige Darlegung der Sachlage, wenn Ludwig so spricht, als habe man ganz willkürlich die Annahme gemacht, dass die innere Wahrnehmung einer psychischen Thätigkeit mit ihr zu derselben realen Einheit gehöre. Wir sahen, wie so- wohl vieles Andere als insbesondere der Umstand dieses verlangt, dass sonst die Evidenz der inneren Wahrnehmung unmöglich wäre. Der von Ludwig verlangte Nachweis, dass die psychische Function, die in innerem Bewusstsein wahr- genommen wird, mit diesem zu derselben realen Einheit ge- hören müsse, ist also bereits wirklich erbracht. Den Hinweis endlich auf die Traumerscheinungen, der es sogar wahr- scheinlich machen soll, dass Empfindungen und Vorstellungen nicht zu derselben Realität mit dem auf sie bezüglichen r- ^ Vf 230 Buch II. Von den psychischen Phänomenen im Allgemeinen.
Bewusstsein gehören, dürfen wir wohl als völlig verfehlt be- zeichnen.
Vor Allem ist es gewiss ein sonderbarer Schluss, dass, weil unsere eigenen Empfindungen und Vorstellungen uns im Traume als äussere erscheinen, sie es wahrscheinlich auch sind. Denn mit demselben Rechte könnte einer auch weiter noch schliessen, dass, weil sie uns als Bäume, Häuser und Menschen erscheinen (die wir, wie Ludwig bemerkt, oft fra- gend anreden), sie wahrscheinlich auch Bäume, Häuser und Menschen seien. Darein pflegt man ja gerade das ünter- U -^ scheidende des Traumes vom Wachen zu setzen, dass er uns Falsches vorspiegelt, und höchstens nur dann und wann auch etwas Wahres einmischt. Die Voraussetzung, auf welche der Schluss sich gründet, dass, wenn uns unsere Vorstel- lungen u. s. f. im Traume als etwas Aeusseres erscheinen, sie wahrscheinlich auch etwas Aeusseres seien, ist also im höchsten Grade unstatthaft. > Aber nicht bloss der Obersatz, auch der Untersatz ist falsch. Es ist nicht richtig, dass unsere Vorstellungen und Empfindungen uns im Traume als „absolut äussere" er- scheinen, wenn anders man unter den Vorstellungen die Acte des Vorstellens, unter den Empfindungen die Acte des Empfindens versteht. Denn die Namen an und für sich gestatten allerdings einen Gebrauch in noch anderem Sinne, indem wir „Vorstellung" nicht bloss das Vorstel- len, sondern auch das Vorgestellte, „Empfindung" nicht bloss das Empfinden, sondern auch das Empfundene nennen. In unserem Falle handelt es sich um unsere psychischen Thätigkeiten. Diese psychischen Thätigkeiten nun erscheinen uns im Traume wie im Wachen in gleicher Weise als innere, und in Bezug auf sie besteht auch im Traume keine Täu- schung; denn es ist wahr, dass wir im Traume Vorstellungen von Farben und Tönen und mancherlei Gebilden haben; dass i> wir uns fürchten, erzürnen, freuen und anderen Gemüthsbet wegungen unterliegen. Das aber, worauf sich diese psychischen Thätigkeiten als auf ihren Inhalt beziehen, und was uns in Wahrheit als Aeusseres erscheint, besteht in Wirkk Capitel 4. Von der Einheit des Bewusstseins. 231 lichkeit eben so wenig ausser uns als in uns, es ist ein blosser Schein; wie ja eigentlich auch die physischen Phänomene, die uns im Wachen erscheinen, ohne Wirklichkeit sind, die ihnen entspräche, obwohl man häufig das Gegentheil annimmt. Wir haben jfrtiher gesehen, wie die Psychologen, nachdem sie diese Existenz der scheinbaren Aussenwelt als irrig erkannt hatten, in Folge der Gewohnheit die Gegenstände der Em- pfindungen als etwas Wirkliches zu denken, die Empfindungs- thätigkeit als diese Wirklichkeit betrachteten und sie selbst auf sich selbst gerichtet glaubten^). In einer etwas ähn- lichen Weise ist, wie es scheint, Ludwig dazu gekommen, die Empfindungs- und Vorstellungsacte, wie wir sie im Traume haben, für das zu nehmen, was uns in ihnen erscheine; und dabei mag die Aequivocation der Worte Vorstellung und Empfindung das ihrige dazu beigetragen haben, seinen Fehler ihm zu verdecken. Es - könnte einer öo argumentiren: Was uns im Traume als etwas Aeusseres erscheint, besteht nicht wirklich ausser uns; es besteht also bloss als von uns vorge- stellt; es ist also nichts anderes, als unsere Vorstellung und gehört wie unsere Vorstellungen überhaupt zu unseren psy- chischen Thätigkeiten; also erscheinen eigene psychische Thä- tigkeiten uns im Traume als etwas Aeusseres. Aber das Argument enthielte dann einen offenbaren Paralogismus der Aequivocation, indem das Wort „Vorstellung" zuerst im Sinne des Vorgestellten, und dann im Sinne des Vorstellens genommen würde.