SigPhi · Immanuel Kant

Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels

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a. rung der goͤttlichen Allmacht verband, fahe ſich genoͤthigt, der Natur ihren Verfall durch den natuͤrlichen Hang, den die Mecha⸗ nik der Bewegung dazu hat, vorher zu verkuͤndigen. Wenn eine ſyſtematiſche Verfaſſung durch die weſentliche Folge der Hinfaͤl⸗ ligkeit, in großen Zeitlaͤuften auch den allerkleinſten Theil, den man ſich nur gedenken mag, dem Zuſtande ihrer Verwirrung naͤ. hert; ſo muß in dem unendlichen Ablaufe der Ewigkeit doch ein Zeitpunkt ſeyn, da dieſe allmaͤhlige Verminderung alle Bewegung erſchoͤpft hat. 6 N 1 Wir duͤrfen aber den Untergang eines Weltgebaͤudes nicht als einen wahren Verluſt der Natur bedauern. Sie beweiſt ihren Reichthum in einer Art von Verſchwendung, welche, indem einige Theile der Vergaͤnglichkelt den Tribut bezahlen, ſich durch unzaͤhlige neue Zeugungen in dem ganzen Umfange ihrer Volle kommenheit unbeſchadet erhaͤlt. Welch eine unzaͤhlige Menge Blumen und Inſekten zerſtoͤrt ein einziger kalter Tag; aber wie wenig vermißt man ſie, ohnerachtet es herrliche Kunſtwerke der Natur und Beweisthuͤmer der göttlichen Allmacht find; an eis. nem andern Orte wird dieſer Abgang mit Ueberfluß wieder erſetzt. Der Menſch, der das Meiſterſtuͤck der Schoͤpfung zu ſeyn ſcheint, iſt ſelbſt von dieſem Geſetze nicht ausgenommen. Die Natur beweiſt, daß ſie eben ſo reich, eben ſo unerſchoͤpflich in Hervor⸗ bringung des treflichſten unter den Creaturen, als des gering⸗ ſchaͤtzigſten, iſt, und daß ſelbſt deren Untetgang eine nothwendige Schattirung in der Mannigfaltigkeit ihrer Sonnen iſt, weil die Erzeugung derſelben ihr nichts koſtet. Die ſchaͤdlichen Wir⸗ kungen der angeſteckten Luft, die Erdbeben, die Ueberſchwemmun⸗ gen, vertilgen ganze Voͤlker von dem Erdboden; allein es ſcheint nicht, daß die Natur dadurch einigen Nachtheil erlitten habe. Auf gleiche Weiſe verlaſſen ganze Welten und Syſteme den Schauplatz, nachdem fie ihre Rolle ausgeſpielt haben. a). Die a) Viele find der Meinung, daß der Stern, welcher von ao, 1572 74 mit einem außerordentlichen ſtarken Lichte in der Cassiopeia * zu ſehen war und ſeitdem nicht wieder geſehn worden, ein dur er Feuer zerſtoͤrtes Weltenſyſtem geweſen ſey. Ein aͤhnlicher, fa Hhaoch groͤßerer Stern erſchien ao, 1604. im Serpentario, und ver⸗ ſchwand 1605 wieder, ohne eine Spur hinter ſich zu laſſen. — m >. Moͤglichkeit einer ſolchen Weltenglut ſiehe unten pag.

Le Unendlichkeit der Schoͤpfung iſt groß genug, um eine Welt, oder eine Milchſtraße von Welten, gegen ſie anzuſehen, wie man eine Blume, oder ein Inſekt, in Vergleichung gegen die Erde, anſteht. Indeſſen, daß die Natur mit veraͤnderlichen Auftritten | die Ewigkeit ausziert, bleibt Gott in einer unaufbörlichen € chö» pfung geſchaͤftig „den Stoff zur Sipnng noch e Mer zu met Der Meiſter und der Herr des Weltalls, der Den Sperling fallen ſiehet und den Helden, Atomen ſinken, oder Weltgebaͤude, Len eine Waſſerblaſe hier, ort eine Welt.

Pope. Llaßt uns alſo unſer Auge, an dieſe erſchrecklichen Umſtuͤrzungen, als an die gewöhnlichen Wege der Vorſehung, gewöhnen, und ſie ſogar mit einer Art von Wohlgefallen anſehen. Und in der That iſt dem Reichthume der Natur nichts anſtaͤndiger als dieſes. Denn, wenn ein Weltſyſtem in der langen Folge feiner Dauer alle Mannigfaltigkeit erſchoͤpft, die ſeine Einrichtung faſſen kann, wenn es nun ein uͤberflüßiges Glied in der Kette der Weſen ge⸗ worden; ſo iſt nichts geziemender, als daß es in dem Schauſpiele der ablaufenden Veraͤnderungen des Univerſums die letzte Rolle ſpielt, die jedem endlichen Dinge gebuͤhrt, naͤmlich der Ver⸗ gaͤnglichkeit ihren Zoll abtrage. Die Natur zeigt, wie gedacht, ſchon in dem kleinen Theile ihres Inbegriffs, dieſe Regel ihres Verfahrens, die das ewige Schickſal ihr im Ganzen vorgeſchrie⸗ ben hat, und ich ſage es nochmals, die Groͤße desjenigen was un⸗ tergehen ſoll, iſt hierin nicht im geringſten hinderlich, denn alles was groß iſt, wird klein, ja es wird gleichſam nur ein Punkt, wenn man es mit dem Unendlich en vergleicht, welches die Schoͤ⸗ pfung, in dem unbeſchraͤnkten Raume, die Folge der Ewigkeit hindurch, darſtellen wird.

Es ſcheint, daß dieſes den Welten, ſo wie allen Naturdin⸗ gen verhängte Ende einem gewiſſen Geſetze unterworfen ſey, deſ⸗ ſen Erwaͤgung der Theorie einen neuen Zug der Anſtaͤndigkeit giebt. Nach demſelben hebt es bey den Weltkoͤrpern an, die ſich dem Mittelpunkte des Welt-Alls am naͤchſten befinden, fo wie die Erzeugung und Bildung neben dieſem Centrum zuerſt ange⸗ De er fangen: von da breitet ſich das Verderben und die Zerſtoͤrung nach und nach in die weitern Entfernungen aus, um jede Welt, welche ihre Periode zuruck gelegt hat, durch einen allmählichen Verfall der Bewegungen, zuletzt in einem einzigen Chaos zu be⸗ graben. Andrerſeits iſt die Natur, auf der entgegen geſetzten Grenze der ausgebildeten Welt, unablaͤßig beſchaͤftigt, aus dem rohen Stoffe der zerſtreuten Elemente Welten zu bilden, und, in⸗ dem ſie an der einen Seite neben dem Mittepunkte veraltet, ſo iſt ſie auf der andern jung und an neuen Zeugungen fruchtbar. Die ausgebildete Welt befindet ſich dieſem nach zwiſchen den Rui⸗ nen der zerſtoͤrten, und zwiſchen dem Chaos der ungebildeten Na⸗ tur mitten inne beſchraͤnkt, und wenn man, wie es wahrſcheinlich iſt, ſich vorſtellt, daß eine ſchon zur Vollkommenheit gediehene Welt, eine längere Zeit dauern konne, als fie bedurft hat, gebil⸗ det zu werden; ſo wird ungeachtet aller der Verheerungen, die die Vergaͤnglichkeit unaufhoͤrlich anrichtet, der Umfang des Unie verſums dennoch uͤberhaupt zunehmen. \ Will man aber noch zuletzt einer Idee Platz laſſen, die eben ſo wahrſcheinlich, als der Verfaſſung der goͤttlichen Werke wohlanſtaͤndig iſt; ſo vie Zufriedenheit, welche eine ſolche Abſchilderung der * der Natur erregt, bis zum hoͤchſten Grade des Wohlgefallens erhoben. Kann man nicht glauben, die Natur, welche vermoͤgend war, ſich aus dem Chaos in eine regelmäßige Ordnung und in ein geſchicktes Syſtem zu ſetzen, ſey ebenfalls im Stande, aus dem neuen Chaos, darin ſie die Verminderung ihrer Bewegungen verſenkt hat, ſich wiede⸗ rum eben ſo leicht herzuſtellen, und die erſte Verbindung zu er⸗ neuern? Koͤnnen die Federn, welche den Stoff der zerſtreu⸗ ten Materie in Bewegung und Ordnung brachten, nachdem ſie der Stillſtand der Maſchine zur Ruhe gebracht hat, durch er⸗ weiterte Kraͤfte nicht wieder in Wirkſamkeit geſetzt werden, und ſich nach eben denſelben allgemeinen Regeln zur Uebereinſtim⸗ mung einſchraͤnken, wodurch die urſpruͤngliche Bildung zuwege gebracht worden iſt? Man wird nicht lange anſtehen, dieſes zuzugeben, wenn man bedenkt, daß, nachdem die endliche Mat⸗ tigkeit der Umlaufs⸗Bewegungen in dem Weltgebaͤude die Pla⸗ neten und Kometen insgeſamt auf die Sonne niedergeſtürzt u iR SEN bat, dieſer ihre Glut einen unermeßlichen Zuwachs durch die Vermiſchung ſo vieler und großer Klumpen bekommen muß, vornämlich da die entfernten Kugeln des Sonnenſyſtems, unfrer vorher erwieſenen Theorie zu Folge, den leichteſten und im Feuer wirkſamſten Stoff der ganzen Natur in ſich enthalten. Dieſes durch neue Nahrung und die fluͤchtigſte Materie in die größte Heftigkeit verſetzte Feuer, wird ohne Zweifel nicht allein alles weder in die kleinſten Elemente auflöfen, ſondern auch dieſelbe in dieſer Art, mit einer der Hitze gemaͤßen Ausdehnungskraft, und mit einer Schnelligkeit, welche durch keinen Widerſtand des Mittels raums geſchwaͤcht wird, in dieſelben weiten Raͤume wieder aus⸗ breiten und zerſtreuen, welche ſie vor der erſten Bildung der Na⸗ tur eingenommen hatten, um, nachdem die Heftigkeit des Gene tralfeuers durch eine beynahe gaͤnzliche Zerſtreuung ihrer Maſſe gedaͤmpft worden, durch Verbindung der Attraktions⸗ und Zus ruͤckſtoßungskraͤfte, die alten Zeugungen und ſyſtematiſch bezie⸗ hende Bewegungen, mit nicht minderer Regelmaͤßigkeit zu wie⸗ derholen und ein neues Weltgebaͤude darzuſtellen. Wenn denn ein beſonderes Planetenſyſtem auf dieſe Weiſe in Verfall gera⸗ then und durch weſentliche Kraͤfte ſich daraus wieder hergeſtellt hat, wenn es wohl gar dieſes en einmal wiederholt; fo wird endlich der Zeitpunkt herannahen, der auf gleiche Weiſe das große Syſtem, darin die Fixſterne Glieder find, durch den Verfall ihrer Bewegungen, in einem Chaos verſammeln wird.

Man wird hier noch weniger zweifeln, daß die Vereinigung einer ſo unendlichen Menge Feuerſchaͤtze, als dieſe brennenden Sonnen ſind, nebſt dem Gefolge ihrer Planeten den Stoff ihrer Maſſen durch die unnennbare Gluth aufgeloͤſt, in den alten Raum ihrer Bildungsſphaͤre zerſtreuen und daſelbſt die Materialien zu neuen Bildungen durch dieſelben mechaniſchen Geſetze hergeben werden, woraus wiederum der oͤde Raum mit Welten und Syſtemen kann belebt werden. Wenn wir dieſen Phoͤnix der Natur, der ſich nur darum verbrennt, um aus ſeiner Aſche wieder verjuͤngt aufzule⸗ ben, durch alle Unendlichkeiten der Zeiten und Räume hindurch folgen: wenn man ſieht, wie ſie ſogar in der Gegend, da ſie ver⸗ fälle und veraltet, an neuen Auftritten unerſchoͤpft, und auf der andern Graͤnze der Schöpfung in dem Raume der ungebildeten * — 1 rohen Materle mit ſtetigen Schritten zur Ausdehnung des Plans der göttlichen Offenbarung fortſchreitet, um die Ewigkeit ſo⸗ wohl, als ale Räume mit ihren Wundern zu füllen; fo verſenkt ſich der Geiſt, der alles dieſes uͤberdenkt, in ein tiefes Erſtau⸗ nen; aber annoch mit dieſem ſo großen Gegenſtande unzufrie⸗ den, deſſen Vergaͤnglichkeit die Seele nicht genugſam zufrieden ſtellen kann, wünſcht er dasjenige Weſen naͤher kennen zu ler⸗ nen, deſſen Verſtand, deſſen Groͤße die Quelle desjenigen Lichts iſt, das ſich uͤber die ganze Natur, gleichſam aus einem Mittel⸗ punkte, ausbreitet. Mit welcher Art der Ehrfurcht muß nicht die Seele ſo gar ihr eigen Weſen anſehen, wenn ſie betrachtet, daß ſie noch alle dieſe Veraͤnderungen uͤberleben ſoll; ſie kann zu ſich ſelbſt ſagen, was der philoſophiſche Dichter von der Ewigkeit ſagt: Mn Ewigkeit ſagt: Mn Wenn denn ein zweites Nichts, wird dieſe Welt begraben; Wenn von dem Alles ſelbſt, nichts bleibet als die Stelle; Wenn mancher Pam noch, u andern Sternen belle, Wird feinen Lauf vollendet haben; Wirſt du ſo jung als jetzt, von deinem Tod gleich weit, Gleich ewig künftig ſeyn, wie heut.

v. Haller.

O gluͤcklich, wenn fie unter dem Tumulte der Elemente und den Traͤumen der Natur jederzeit auf eine Hoͤhe geſetzt iſt, von da ſie die Verheerungen, die die Hinfaͤlligkeit den Dingen der Welt verurſacht, gleichſam unter ihren Fuͤßen kann vorbey rau⸗ ſchen ſehen. Eine Gluͤckſeligkeit, welche die Vernunft nicht ein⸗ mal zu wuͤnſchen ſich erfühnen darf, lehrt uns die Offenbarung mit Ueberzeugung hoffen. Wenn dann die Feſſeln, welche uns an die Eitelkeit der Creaturen geknuͤpft halten, in dem Augen⸗ blicke, welcher zu der Verwandlung unſers Weſens beſtimmt wor⸗ den, abgefallen ſind, ſo wird der unſterbliche Geiſt von der Ab⸗ haͤngigkeit der endlichen Dinge befreyt, in der Gemeinſchaſt mit dem unendlichen Weſen, den Genuß der wahren Gluͤckſeligteit finden. Die ganze Natur, welche eine allgemeine harmoniſche Beziehung zu dem Wohlgefallen der Gottheit hat, kann diejenige vernünftige Creatur nicht anders, als mit immerwaͤhrender Zu⸗ | friedenheit erfüllen, die fich mit dieſer Urquelle aller Vollkommen⸗ heit vereint befindet. Die Natur von dieſem Mittelpunkte aus geſehen, wird von allen Seiten lauter Sicherheit, lauter Wohl⸗ 4 7 4 7 anſtaͤndigkeit zeigen. Die veraͤnderlichen Scenen der Natur ver⸗ moͤgen nicht den Ruheſtand der Gluͤckſeligkeit eines Geiſtes zu verrücken, der einmal zu ſolcher Hoͤhe erhoben iſt. Indem er dieſen Zuſtand, mit einer füßen Hoffnung, ſchon voraus koſtet: kann er feinen Mund in denjenigen Lobgeſaͤngen We davon der⸗ einſt alle Ewigkeiten erſchallen ſollen.

Wenn dereinſt der. Bau der Welt in ſein Nichts we dae Und ſich deiner Haͤnde Werk nicht durch Tag und Nacht mehr theilet; Dann ſoll mein gerührt Gemuͤthe, ſich durch dich geſtaͤrkt bemühn, In Verehrung deiner Allmacht, here vor deinen Thron zu ziehn: Mein von Dank erfuͤllter Mund ſoll durch alle Ewigkeiten, Dir und deiner Majeſtät „ein unendlich Lob bereiten; 55 dabey gleich kein vollkommnes; denn o Herr! ſo groß biſt du, 1 na Würdigsrit zu loben, reicht die Ewigkeit nicht zu.

Addiſſon. Nach Hottſcheds ueberſetzung.

Zugabe zum fi iehenden Haupt ſtuͤcke.

Algemeine Theorie und Geſchichte der Sonne uͤberhaupt.

Es iſt 55 eine Hauptfrage, deren Auflöſung in der Nature lehre des Himmels, und in einer vollſtaͤndigen Kosmogenie une entbehrlich iſt. Warum wird naͤmlich der Mittelpunkt eines je⸗ den Syſtems von einem flammenden Koͤrper eingenommen? Un⸗ ſer planetiſcher Weltbau hat die Sonne zum Centralkoͤrper, und die Fixſterne, die wir ſehen, ſind allem Anſehen nec Mittelpunkte aͤhnlicher Syſteme. Am zu begreifen, woher in der Bildung eines Weltgebäudes, der Körper, der zum Mittelpunkte der Attraktion dient, ein feus riger Koͤrper hat werden muͤſſen, indeſſen daß die uͤbrigen Kugeln ſeiner Anziehungsſphaͤre dunkle Weltkoͤrper blieben, darf man ſich nur an die Art der Erzeugung eines Weltbaues zurück erin⸗ nern, die wir in dem vorhergehenden umſtaͤndlich entworfen ha⸗ ben. In dem weit ausgedehnten Raume, darin der ausgebrei⸗ tete elementariſche Grundſtoff ſich zu Bildungen und ſyſtemati⸗ ER: ſchen Bewegungen anſchickt, bilden ſich die Planeten und Kome⸗ ten nur allein aus demjeigen Theile des zum Mittelpunkte der ee Attraktion ſinkenden elementariſchen Grundſtoffs, welcher durch den Fall und die Wechſelwirkung, den geſammten Partikeln zu der genauen Einſchraͤnkung der Richtung und Geſchwindigkeit, die zum Umſchwunge erfodert wird, beſtimmt worden. Dieſer Theil iſt, wie oben dargethan worden, der mindeſte von der gan⸗ zen Menge der abwaͤrts ſinkenden Materie, und zwar nur der Ausſchuß dichtrer Sorten, welche durch den Widerſtand der an⸗ dern zu dieſem Grade der Genauigkeit haben gelangen koͤnnen. Es befinden ſich in dieſem Gemenge, heranſchwebende Sorten vorzuͤglicher Leichtigkeit, die, durch die Widerſtrebung des Raums gehindert, durch ihren Fall zu der gehörigen Schnelligkeit der periodiſchen Umwendungen nicht durchdringen, und die folglich in der Mattigkeit ihres Schwungs insgeſammt zu dem Central⸗ korper hinabgeſtuͤrzt werden. Weil nun eben dieſe leichtern und fluchtigen Theile auch die wirkſamſten ſind, das Feuer zu unter⸗ halten: ſo ſehen wir, daß durch ihren Zuſatz der Koͤrper und Mit⸗ telpunkt des Syſtems den Vorzug erhält, eine flammende Kugel, mit einem Worte, eine Sonne zu werden. Dagegen wird der ſchwerere und unkraͤftige Stoff und der Mangel dieſer feuernah⸗ renden Theilchen aus den Planeten nur lichtloſe und kalte Klum⸗ pen machen, die ſolcher Eigenſchaft beraubt ſind. Dieſer Zuſatz ſo leichter Materien iſt es auch, wodurch die Sonne die ſpeciſiſch mindere Dichtigkeit uͤberkommen hat, dadurch ſie auch ſogar unſrer Erde, dem dritten Planeten in dem Abſtande von ihr, amal an Dichtigkeit nachſteht; obgleich es naturlich iſt, zu glauben, daß ſie in dieſem Mittelpunkte des Weltbaus, als in deſſen niedrigſtem Orte die ſchwerſten und dichteſten Gattungen der Materie ſich befinden ſollten, ohne den Zuſatz einer ſo großen Menge des leichteſten Stoffes, die Dichtigkeit aller Planeten uͤber⸗ treffen werde. Die Vermengung pic und ſchwerer Sorten der Elemente, zu dieſen leichteſten und fluchtigſten, dient gleichfalls dem Cen⸗ tralkorper zu der heftigſten Glut, die auf ſeiner Oberflaͤche bren⸗ nen und unterhalten werden ſoll 0 „ geſchickt zu machen. Denn * Die gewaltige Kugel der Kane uͤbertrift die Größe der E Erde um 14,00000 mal, und iſt in ihrer eigentlichen Einrichtung, nach der neueſten hoͤchſtwahrſcheinlich richtigen Meinung, eine * g N wir wiſſen, ar das Feuer, = deſſen naͤhrenden Stoffe 1100 Mir terien unter den fluͤchtigen ſich vermengt befinden, einen großen Vorzug der Heftigkeit vor derjenigen Flamme hat, dir nur von den leichten Gattungen unterhalten wird. Dieſe Untermiſchung aber, einiger ſchweren Sorten unter die leichtere, iſt eine noth⸗ wendige Folge unſers Lehrbegriffs von der Bildung der Welt⸗ koͤrper, und hat noch dieſen Nutzen, daß die Gewalt der Glut, die brennbare Materie der Oberfläche nicht plötzlich zerſtreue, und daß ſelbige, durch den Zufluß der Nahrung aus dem Innern, allmaͤhlig und beſtaͤndig genaͤhrt wird.

Nachdem die Frage nun aufgeloͤſt iſt, woher der Eentraltöt⸗ per eines großen Sternſyſtems, eine flammende Kugel, d. i. eine Sonne ſey; ſo ſcheint es nicht überflüßig zu ſeyn, ſich mit dieſem Vorwurfe noch einige Zeit zu beſchaͤftigen, und den Zuſtand eines ſolchen Himmelskoͤrpers mit einer ſorgfaͤltigen Pruͤfung zu er⸗ forſchen; vornaͤmlich da die Muthmaßungen allhier aus tuͤchti⸗ gern Gruͤnden ſich herleiten laſſen, als ſie es gemeiniglich, bey den Unterſuchungen der e entfernter ee zu ſeyn pflegen.

Zufoͤrderſt ſetze ich feſt, daß man nicht zweifeln koͤnne, die Sonne ſey wirklich ein flammender Koͤrper, und nicht eine bis zum hoͤchſten Grade erhitzte Maſſe geſchmolzener und gluͤhender Materie, wie einige aus gewiſſen Schwierigkeiten, welche ſie bey der erſtern Meinung zu finden vermeint, haben ſchließen wollen. Denn wenn man erwägt, daß ein flammendes Feuer, fur einer jeden andern Art der Hitze, dieſen weſentlichen Vor⸗ feuerloſe elektriſche Kugel, e Licht durch die Reibung Nach unglaublich ſchnellen Umſchwungs hervorgebracht wird. N Bodens Porſtellung iſt ihr eigentlicher Körper ein urſprüng⸗ lich planetiſcher dunkler Körper in Lichtmaterie gehuͤllt, welche ihn wie eine Feuerathmoſphaͤre (Phoͤtoſphaͤre) umſtromt und manchmal leere Stellen hat, durch die wir den eigentlichen Koͤr⸗ er ſehen, und die uns als Flecken auf der Sonnenſcheibe vor⸗ n ommen S. pag. 91. — Ihre tem ift, im Vergleich ihrer Größe mit der Größe Jer Planeten, ſchneller als bey al⸗ len. Die viel kleinere Ade dreht ſich erſt in 24 Stunden, der große Koͤrper der Sonne aber in 25 Tagen, 14 Stunden; nur Jupiter kommt ihr näher, der ſich in 9 Stunden, 56 Minuten rotirt, und 1479 r größer iſt als die Erde.: zug hat, daß es, fo zu fagen, aus. fich felbft wirkſam, anſtatt ſich durch die Mittheilung zu verringern, oder zu erſchoͤpfen, vielmehr eben dadurch mehr Staͤrke und Heftigkeit uͤberkommt, und alſo nur Stoff und Nahrung zum Unterhalte erfordert, um immer fort zu waͤhren; da hingegen die Glut einer, auf den hoͤch⸗ ſten Grad erhitzten Maſſe, ein bloß leidender Zuſtand iſt, der ſich durch die Gemeinſchaft der beruͤhrenden Materie unaufhoͤrlich ver⸗ mindert, und keine eigene Kräfte hat, ſich aus einem kleinen An⸗ fange auszubreiten, oder bey der Verminderung wiederum auf⸗ zuleben, wenn man, ſage ich, dieſes erwaͤgt, ſo wird man, ich geſchweige der andern Gruͤnde, ſchon hieraus ſattſam erſehen koͤnnen, daß der Sonne, der Quelle des Lichts und der Waͤrme in jeglichem Weltbau, jene Eigenſchaft wahrſcheinlicher Weiſe muͤſſe beygelegt werden. a) 7 | Wenn die Sonne nun, oder die Sonnen überhaupt flam⸗ mende Kugeln ſind; ſo iſt die erſte Beſchaffenheit ihrer Ober⸗ flaͤche, die ſich hieraus abnehmen laͤßt, daß auf ihnen Luft be⸗ findlich ſeyn muͤſſe, weil ohne Luft kein Feuer brennt. Dieſer Umſtand giebt Anlaß zu merkwuͤrdigen Folgerungen. Denn wenn man erſtlich die Atmoſphaͤre der Sonne und ihr Gewicht in Verhaͤltniß des Sonnenklumpens ſetzt; in welchem Stande der Zuſammendrückung wird dieſe Luft nicht ſeyn, und wie vermö⸗ gend wird ſie nicht eben dadurch werden, die heftigſten Grade des Feuers durch ihre Federkraft zu unterhalten? In dieſer a) Nach Bodens Meinung iſt die Fiche die den wahren gan ſich dunkeln Sonnenkoͤrper rund umgiebt, keine wahre Glut ſondern nur Licht, deſſen feuerloſe Stralen zich durch den Aether fortpflanzen, aber erſt nach der in einem jeden Lande (der pla⸗ neten) vorkommenden Groͤße des Einfallswinkels in der (Pla⸗ neten) Atmoſphaͤre, bey ihrer erſtaunlich ſchnellen Bewegung nach Beſchaffenheit des dortigen Bodens und der aus der Erde (und andern Planeten) aufſteigenden Duͤnſte, durch verſchiebne - Modiſicationen und Miſchungen der minefaliſchen, vegetabili⸗ ſchen und thieriſchen Urſtoffe derſelben, zunaͤchſt an der Erdober⸗ frache mehr oder weniger Warme hervorbringen und bewirken. — Waͤrmſtoff liegt alle allerdings in den Lichtſtralen der Sonne; aber er entwickelt ſich erſt aus denſelben, wenn ſie an etwas fe⸗ ſteres anſtoßen. Jederman weiß, daß es auf hohen Bergen kalt iſt, wenn gleich die Sonne drauf ſcheint. Jeder Planet hat da⸗ her auch die Modiſieation feiner Dichtigkeit; das Sonnenlicht wird aber bey den entfernten durch die Monde verſtarkt. — Man ſehe auch etwas ähnliches oben S. 33 u. 34.

ER e | Atmoſphaͤre erheben fih, allem Vermuthen nach, auch die Rauct wolken von denen durch die Flamme aufgelöften Mate⸗ rien, die, wie man nicht zweifeln darf, eine Miſchung von gro⸗ ben und leichtern Theilchen, in ſich haben, welche, nachdem ſie ſich zu einer Hohe, die fur ſie eine kühlere Luft hegt, erhoben ha⸗ ben, in fhmweren Pech und Schwefelregen hinabſtuͤrzen und der Flamme neue Nahrung zufuhren. 4) Eben dieſe Atmoſphaͤre iſt auch, aus den gleichen Urſachen wie auf unſerer Erde, von denen Bewegungen der Winde nicht befreyt, welche aber dem Anſehen nach, alles was die Einbildungskraft nur ſich vorzuſtellen ver⸗ mag, an Heftigkeit weit ubertrefjen muͤſſen. Wenn irgend eine Gegend auf der Oberflache der Sonne, entweder durch die erilife kende Gewalt der ausbrechenden Dämpfe, oder durch den ſpar⸗ ſamen Zufluß brennbarer Materien, in dem Ausbruche der Flamme nach laͤßt; fo erkuhlt die daruber befindliche Luft einigermaßen, und, indem ſie ſich zuſammenzieht, giebt fie der daneben befind« lichen Platz, mit einer dem Ueberſchuſſe ihrer Ausſpannung ge⸗ maͤßen Gewalt, in ihren Raum zu dringen, um die erloſchne Flamme anzufachen.

Gleichwohl verſchlingt alle Flamme immer viele euft, und es iſt kein Zweifel, daß die Federkraft des fluſſigen Luftelements, das die Sonne umgiebt, dadurch in einiger Zeit nicht geringen Nachtheil erleiden muͤſe. Wenn man dasjenige, was Herr Has les hiervon, bey der Wirkung der Flamme in unſrer Atmoſphaͤre, durch ſorgfaͤltige Verſuche bewaͤhrt hat, hier im Großen anwen⸗ det; fo kann man, die immerwaͤhrende Beſtrebung der aus der Flamme gehenden Rauchtheilchen, die Elaſticität der Sonnen» Atmoſphaͤre zu zernichten, als einen Hauptknoten anſehen, deſſen Auflöſung mit Schwierigkeiten verbunden iſt. Denn dadurch, daß die Flamme, die über der ganzen Flaͤche der Sonne brennt, ſich ſelbſt die Luft benimmt, die ihr zum Brennen unentbehrlich iſt, fo iſt die Sonne in Gefahr, gar zu verloſchen, wenn der großte Theil ihrer Atmoſphaͤre verſchlungen worden. b) Es iſt wahr, a) Nach einer ähnlichen Vorſtellung glaubten mehrere, in den Sonnenflecken ſolche Schlacken zu ſehen.

b) Und warum fehn wir nichts von einem Rauche des brennen⸗ den Körpers? — die Sonnenflecke koͤnnen es nicht ſeyn, weil .

das Feuer erzeugt auch, durch Aufloͤſung gewiſſer Materien, Luft; aber die Verſuche beweiſen, daß allezeit mehr verſchlungen, als erzeugt wird. Zwar, wenn ein Theil des Sonnenfeuers, unter erſtickenden Daͤmpfen der Luft, die zu ihrer Erhaltung dient, be raubt wird; fo werden, wie wir ſchon angemerkt haben, heftige Stürme ſie zerſtreuen und wegzufuͤhren bemuͤht ſeyn. Allein im Ganzen wird man die Erſetzung dieſes noͤthigen Elements auf folgende Art ſich begreiflich machen koͤnnen, wenn man in Be⸗ trachtung zieht, daß da bey einem flammenden Feuer, die Hitze faſt nur uͤber ſich, und nur wenig unter ſich wirkt, wenn ſie durch die angefuͤhrte Urſache erſtickt worden, ihre Heftigkeit gegen das Innere des Sonnenkoͤrpers kehrt, und deſſen tiefe Schluͤnde noͤ⸗ thigt, die in ihren Hoͤhlen verſchloſſene Luft hervorbrechen zu laſſen, und das Feuer aufs neue anzufachen: wenn man in dieſem ihrem Eingeweide durch eine Freyheit, die bey einem ſo unbekann⸗ ten Gegenſtande nicht verboten iſt, vornaͤmlich Materien ſetzt, die, wie der Salpeter, an elaſtiſcher Luft unerſchoͤpflich ergiebig ſind; ſo wird das Sonnenfeuer uͤberaus lange Perioden hindurch an dem Zufluſſe immer erneuerter Luft nicht leicht Mangel leiden koͤnnen.

Gleichwohl fieht man die deutlichen Merkmale der Vergaͤng⸗ lichkeit auch an dieſem unſchaͤtzbaren Feuer, das die Natur zur Fackel der Welt aufgeſteckt. Es kommt eine Zeit, in welcher ſie wird erloſchen ſeyn. Die Entziehung der fluͤchtigſten und feinſten taferien, die, durch die Heftigkeit der Hitze zerſtreut, niemals wieder zuruͤckkehren, und den Stoff des Zodiakallichts vermehren, die Haͤufung unverbrennlicher und ausgebrannter Materien, z. E. der Aſche auf der Oberflaͤche, endlich auch der Mangel der Luft, werden der Sonne ein Ziel ſetzen, da ihre Flamme dereinſt erloͤ, ſchen, und ihren Ort, der jetzt der Mittelpunkt des Lichts und des Lebens dem ganzen Weltgebaͤude iſt, ewige Finſterniſſe ein⸗ nehmen werden. Die abwechſelnde Beſtrebung ihres Feuers, durch die Eroͤfnung neuere Gruͤfte, wiederum aufzuleben, mo; durch ſie ſich vielleicht vor ihrem Untergange etlichemal herſtellt, 1 ſich mit der Achſendrehung der Sonne e fortbe en 1 * e könnte eine Erklaͤrung des Verſchwindens und der Wiedererſchei⸗ nung einiger Fixſterne ) abgeben. Es wurden Sonnen ſeyn, welche ihrem Erloſchen nahe ſind, und die noch etlichemal aus ihrem Schutte aufzuleben trachten. Es mag dieſe Erklarung Beyfall verdienen oder nicht, ſo wird man ſich doch gewiß dieſe Betrachtung dazu dienen laſſen, einzuſehen, daß, da der Voll⸗ kommenheit aller Weltordnungen, es ſey auf die eine oder die andere Art, ein unvermeidlicher Verfall droht, man keine Schwie⸗ rigkeit in dem oben angefuͤhrten Geſetze ihres Untergangs, durch den Hang der mechaniſchen Einrichtung, finden werde, welche dadurch aber vornaͤmlich annehmungswürdig wird, weil nie den Saamen der Wiedererneuerung, ſelbſt in der Vermengung mit dem Chaos, bey ſich fuhrt. 1 Zuletzt laßt uns der Einbildungskraft ein ſo wunderſeltſames Objekt, als eine brennende Sonne iſt, gleichſam in der Naͤhe vor⸗ ſtellen. Man ſieht in einem Anblicke weite Feuerſeen, die ihre Flammen gen Himmel erheben, raſende Sturme, deren Wuth die Heftigkeit der erſten verdoppelt, welche, indem fie ſelbige uber ihre Ufer aufſchwellend machen, bald die erhabene Gegenden die⸗ ſes Weltkoͤrpers bedecken, bald fie in ihre Graͤnzen zuruckſinken laſſen: ausgebrannte Felſen, die aus den flammenden Schlunden ihre fuͤrchterlichen Spitzen herausſtrecken, und deren Ueberſchwem⸗ mung oder Entbloßung von dem wallenden Feuerelemente, das abwechſelnde Erſcheinen und Verſchwinden der Sonnenflecken, verurſacht: ) dicke Daͤmpfe, die das Feuer erſticken, und die, durch die Gewalt der Winde erhoben, finſtre Wolken ausmachen, welche in feurigen Regenguſſen wiederum herabſturzen, und als brennende Strome, von den Hohen des feſten Sonnenlandes ) ſich in die flammenden Thaͤler ergießen, das Krachen der E ſemente a a a) Dergleichen werden von uns veraͤnderliche Sterne ge- nennt; die merkwuͤrdigſten ſind der Stern o (2 beim Doppel⸗ mayer) am Halſe des Wuinfches, und der Stern x (p) am Halſe des Schwans.

b) Alſo auch hier etwas von einem dunkeln Sonnenkoͤrper, der manchmal durch die Lichtatmoſphaͤre zu erblicken iſt. S. oben pag. 95. not. a.

) Ich ſchreibe nicht ohne Urſache den Sonnen alle Unebenheiten des feſten Landes, der Gebürge und der Thaͤler zu, die wir auf * den Schutt ausgebrannter Materien, und die mit der Zerſtoͤrung ringende Natur, welche, ſelbſt mit dem abſcheulichſſen Zuſtande ihrer Zerruͤttungen die Schönheit der Welt und den Nutzen der Kreaturen, bewirkt. b) j Ä Wenn denn die Mittelpunkte aller großen Weltſyſteme flam⸗ mende Körper find; fo iſt dieſes am meiſten von dem Central⸗ koͤrper desjenigen unermeßlichen Syſtems zu vermuthen, welch es die Firſterne ausmachen. Wird nun aber dieſer Körper, deſſen Maſſe zu der Groͤße ſeines Syſtems ein Verhaͤltniß haben muß, wenn er ein ſelbſtleuchtender Korper oder eine Sonne waͤre, nicht mit vorzuͤglichem Glanze und Größe in die Augen fallen? Gleich⸗ wohl ſehen wir keinen dergleichen ſich ausnehmend unterſcheiden⸗ den Fixſtern unter dem Himmelsheere hervorſchimmern. In der That, man darf es ſich nicht befremden laſſen, wenn dieſes nicht geſchieht. Wenn er gleich 10000 mal unfere Sonne an Größe überträfe, fo kfoͤnnte er doch, wenn man feine Entfernung Too mal groͤßer, als des Sirius ſeine annimmt, nicht großer und heller, als dieſer, erſcheinen. | Vielleicht aber iſt es den fünftigen Zeiten aufgehoben, wenige ſtens noch dereinſt die Gegend zu entdecken, wo der Mittels unſerer Erde und andern Weltkoͤrpern antreffen. a) Die Bildung einer Weltkugel, die ſich aus einem fluͤſſigen Zuſtande in einen fe ſten verändert, bringt nothwendig folche Ungleichheiten auf der Oberflaͤche hervor. Wenn die Oberfläche fich haͤrtet, indeſſen, daß in dem fluͤſſigen inwendigen Theile ſolcher Maſſe, die Materien ſich noch nach Maaßgebung ihrer Schwere zum Mittelpunkte, hinſen⸗ ken; fo werden die Partikeln des elaſtiſchen Luft⸗oder Feuerele⸗ ments, das ſich in dieſen Materien mit untergemengt befindet, eee und haͤuſen ſich unter der indeſten ſeſtgewordenen Rinde, unter welcher fie große und nach Proportion des Sonnen⸗ klumpens ungeheure Hoͤhlen erzeugen, in welche endlich gedachte oberſte Rinde, mit mannigfaltigen Einbeugungen hereinſinkt, und ſowohl erhohte Hegenden und Gebuͤrge, als auch Thaͤler und Fluth⸗ beete weiter Feuerſeen dadurch zubereitet. | * a) Richtig; aber oben im Texte iſt ja von den Bergen und Thaͤlern der Sonne ſelbſt die Rede. Herr Kant redet hier zweideurig 5) Aber: follte wohl die Sonne ein ſolches ſchreckliches Chaos von Zerſtoͤrung und Ordnung, und auf ihr A fuͤrchterliche Zerrut⸗ tung immer herrſchend ſeyn? Iſt nicht ſchoͤn darum Bodens Meinung annehmlicher und als ordnungsvoll wahrſcheinlicher als die hier vorgetragne? l + 1 + ’ * punkt ) des Fixſternenſyſtems „dazu unſere Sonne gehoͤrt, be⸗ findlich iſt, oder vielleicht wohl gar zu beſtimmen, wohin man den Eentralförper des Univerſums, nach welchem alle Theile deſſetben mit einſtimmiger Senkung zielen, ſetzen muͤſſe. Von was für einer Beſchafſenheit dieſer Fundamentalkoͤrper der gan⸗ zen Schöpfung ſey, und was auf ihm befindlich, wollen wir dem Herr Whrigt und Durham zu beſtimmen uͤberlaſſen, der mit einer fanatiſchen Begeiſterung, ein kraͤftiges Weſen von der Goͤt⸗ terart mit geiſtlichen Anziehungs⸗ und Zuruͤckſtoßungskraͤften, das, in einer unendlichen Sphaͤre um ſich wirkſam, alle Tugend an ſich zoge, die Laſter aber zuruͤcktriebe, in dieſem gluͤcklichen *) Ich habe eine Muthmaßung, nach welcher es mir ſehr wahrſchein⸗ lich zu ſeyn dunkt, daß der Sirius oder Hundsſtern, in dem Eyſteme der Sterne, die die Milchſtraße ausmachen, der Central⸗ koͤrper ſey, und den Mittelpunkt einnehme, zu welchem ſie ſich alle beziehen. Wenn man dieſes Syſtem, nach dem Entwurfe des er⸗ ſten Theils dieſer Abhandlung, wie ein Gewimmel von Sonnen, die zu einer gemeinſchaftlichen Flaͤche gehaͤuft ſeyn, anſieht, wel⸗ ches nach allen Seiten von dem Mikkelpunkte derſelben ausge⸗ ſtreuet iſt, und durch einen gewiſſen, ſo zu ſagen, eirkelfoͤrmigen Raum, der durch die geringen Abweichungen derſelben von der Bez ziehungs Ebne, ſich auch in die Breite von beiden Seiten etwas ausdehnt, ausmacht: fo wird die Sonne, die ſich gleichfalls dieſer Ebne nahe befindet, die Erſcheinung dieſer eirkelfoͤrmigen, weislich ſchimmernden Zone, nach derjenigen Seite hin, am breiteſten fe hen, nach welcher ſie ſich der aͤußerſten Graͤnze des Syſtems am nuaͤchſten befindet; denn es iſt leicht zu vermuthen, daß ſie ſich nicht eben gerade im Mittelpunkte aufhalten werde. Nun iſt der Streif der Milehſtraße, in dem Theile zwiſchen dem Zeichen des Schwans und des Schützens, am breiteſten, folglich wird dieſes die Seite ſeyn, da der Platz unſerer Sonne der aͤußerſten Peripherie des eir⸗ kelfoͤrmigen Syſtems am naͤchſten iſt: und in dieſem Theile wer⸗ den wir den Ort, wo die Sternbilder des Adlers und Fuchſes mit der Fans ſtehen, inſonderheit vor den allernächften halten, weil daſelbſt gus dem Zwiſchenraume, da die Milchſtraße ſich theilet, die größte ſcheinbare Zerſtreuung der Sterne erhellt. Wenn man da⸗ her ohngeſaͤhr vom Orte neben dem Schwanze des Adlers, eine Li⸗ nie mitten durch die Flaͤche der Milchſtraße bis zu dem gegen uͤber⸗ ſtehenden Punkte zieht; ſo muß dieſe guf den Mitkelpunkt des Sy⸗ ſtems zutreffen, und ſie trift in der That ſehr genau auf den Si⸗ rius, den hellſten Stern am ganzen Himmel, der, wegen dieſer gluͤcklichen, mit feiner vorzuͤglichen Geſſalt wohl harmonirenden Zuſammentreſſung, es zu verdienen ſcheint, daß man ihn für die Central-Sonne ſelbſt hafte. Er würde, nach dieſem Begriffe, auch gerade in dem Streiſe der Milchſtraße geſehen werden, wenn der Stand unſrer Sonne, der beym Schwanze des Adlers von der Ebne derſelben etwas abweicht, nicht den optiſchen Abſtand des Mittelpunkts gegen die andere Seite ſolcher Zone, verurſachte.

e Ä Orte, gleichſam auf einen Thron der geſammten Natur, erhde hete.«) Wir wollen die Kuͤhnheit unſerer Muthmaßungen, wel⸗ chen wir vielleicht nur gar zu viel erlaubt haben, nicht bis zu willkuhrlichen Erdichtungen den Zügel ſchießen laſſen. Die Gott⸗ heit iſt in der Unendlichkeit des ganzen Weltraums allenthalben gleich gegenwartig; aßenthalben wo Naturen find, welche fähig find, ſich über die Abhängigkeit der Geſchopfe, zu der Gemein⸗ ſchaft des hoͤchſten Weſens, empor zu ſchwingen, befindet es ſich gleich nahe. Die ganze Schöpfung iſt von ihren Kraͤften durch» drungen, aber nur der enige, der ſich von dem Geſchoͤpfe zu bes freien weiß, welcher fo edel iſt, einzuſehen, daß in dem Genuffe dieſer Urquelle der Vollkommenheit die hochſte Stufe der Glück⸗ ſeligkeit einzig und allein zu ſuchen, der allein iſt fähig, die ſem wahren Beziehungspunkte aller Treflichkeit ſich naͤher, als irgend etwas anders in der ganzen Natur, zu befinden. Indeſ⸗ fen wenn ich, ohne an der enthuſia iſchen Vorſtellung des En⸗ gelländers Theil zu neymen, von den verſchiednen Graden der Geiſterwelt aus der phyſiſchen Beziehung ihrer Wohnpläge ges gen den Mittelpunkt der Schöpfung, muthmaßen fol, fo wollte ich mit mehrerer Wahrſcheinlichkeit die vollkommenſten Klaſſen vernünftiger Weſen, weiter von dieſem Mittelpunkte, als nahe bey demſelben, ſuchen. Die Vollkommenheit mit Vernunft be⸗ gabter Geſchoͤpfe, in ſo weit ſie von der Beſchaffenheit der Ma⸗ terie abhaͤngt, in deren Verbindung ſie beſchraͤnkt ſind, kommt gar ſehr auf die Feinheit des Stoffs an, deſſen Einfluß dieſelbe