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Manusmriti

Das Manusmriti (das „Erinnerte von Manu“), auch als Manava Dharmashastra bekannt, ist die einflussreichste sanskritische Rechts-, Sozial- und Ethikabhandlung des alten Indien, wahrscheinlich zwischen dem 2. Jahrhundert v. Chr. und dem 3. Jahrhundert n. Chr. von mehreren anonymen Verfassern verfasst, die den Text Manu zuschrieben, dem legendären ersten Menschen und Stammvater der Menschheit in der hinduistischen Mythologie, in Fortführung einer älteren Tradition von Dharma-Abhandlungen. Der in zwölf Bücher und rund zweitausendfünfhundert Verse gegliederte Text umfasst ein enzyklopädisches Spektrum an Themen: die kosmische Schöpfung, die Pflichten (Dharma), die jedem Varna bzw. jeder Kaste und jeder Lebensphase (Ashrama) zukommen —Schüler, Hausvater, Waldeinsiedler und Entsagender—, Zivil- und Strafrecht, Reinigungsriten, Ehe- und Speisevorschriften sowie, in besonders ausführlicher und umstrittener Weise, die soziale und familiäre Stellung der Frau. Der Text errichtet eine strenge, auf dem Kastensystem beruhende soziale Hierarchie, gewährt den Brahmanen als Hütern von Ritus und heiligem Wissen bedeutende Privilegien und legt den Shudras sowie den als außerhalb des Kastensystems Geltenden strenge Beschränkungen auf, und vertritt eine Unterordnung der Frau unter den Mann —unter den Vater in der Kindheit, unter den Ehemann in der Ehe, unter den Sohn im Alter—, die seit dem 19. Jahrhundert heftig kritisiert wurde, sowohl von hinduistischen Reformern wie Ram Mohan Roy und Ambedkar als auch von der zeitgenössischen feministischen Bewegung, die darin die Kodifizierung struktureller Kasten- und Geschlechterdiskriminierung sehen. Trotz seines normativen Charakters und seines dauerhaften Einflusses auf das britische Kolonialrecht in Indien folgte die indische Gesellschaftspraxis dem Manusmriti nie einheitlich oder vollständig, und es wird heute vor allem als grundlegendes historisches Dokument zum Verständnis der Entwicklung von Recht, Religion und Gesellschaftsstruktur im klassischen Indien gelesen, weniger als geltender Verhaltenskodex.

2 Werke