Porphyry
Phönizischer neuplatonischer Philosoph (ca. 234–ca. 305), geboren in Tyros (im heutigen Libanon) unter dem syrischen Namen Malchos, zunächst bei Longinos in Athen ausgebildet, bevor er nach Rom zog, um bei Plotin zu studieren, dessen engster und intellektuell brillantester Schüler er wurde; während der Jahre bei ihm durchlief er eine tiefe existenzielle und depressive Krise, die er, wie er selbst berichtet, mit Plotins Hilfe überwand, der ihm eine Erholungsreise nach Sizilien empfahl. Als Herausgeber und Biograph seines Lehrers ordnete Porphyrios systematisch die verstreuten Schriften Plotins in die sechs Enneaden, jeweils in neun Abhandlungen unterteilt — daher der Name »Neunergruppen« —, eine eigene thematische Anordnung, die seither bestimmt hat, wie die Nachwelt das plotinische Denken gelesen und studiert hat, und stellte ihnen eine Vita Plotini voran, die eine der wertvollsten philosophischen Biographiequellen der gesamten Antike darstellt. Philosophisch neigte Porphyrios zu einer stärker rationalistischen, weniger theurgischen Deutung des Neuplatonismus als jener, die später sein eigener Schüler Jamblich entwickeln sollte, und seine Isagoge, eine kurze Einführung in die logischen Kategorien des Aristoteles, wurde durch Boethius' einflussreiche lateinische Übersetzung und Kommentierung zu einem der meiststudierten logischen Texte des gesamten europäischen Mittelalters und zum unmittelbaren Ausgangspunkt der berühmten mittelalterlichen Universalienkontroverse, die Realisten und Nominalisten über Jahrhunderte hinweg spalten sollte. Als Autor einer heute verlorenen Abhandlung Gegen die Christen, die als eine der raffiniertesten und gelehrtesten philosophischen Kritiken am Christentum der gesamten Antike gilt — hauptsächlich durch Fragmente bekannt, die christliche Autoren, die sie widerlegten, bewahrt haben, und später auf kaiserlichen Befehl systematisch verbrannt —, verfasste Porphyrios zudem Über die Enthaltung vom Fleischessen, eine Abhandlung, die den Vegetarismus mit ethischen und metaphysischen Argumenten von für die Zeit bemerkenswerter Raffinesse verteidigte. Seine philosophische Synthese übte entscheidenden Einfluss sowohl auf den späteren Neuplatonismus als auch, über mittelalterliche lateinische und arabische Übersetzungen, auf die christliche Scholastik und die islamische Philosophie aus.