Swami Vivekananda
Indischer hinduistischer Mönch, Philosoph und geistlicher Reformer (Narendranath Datta, 1863–1902), geboren in Kalkutta in eine wohlhabende bengalische Familie, ausgebildet in Jura, westlicher Philosophie und englischer Literatur, bevor er zum hingebungsvollen Schüler des bengalischen Mystikers Ramakrishna wurde, dessen unmittelbare Lehre und geistliche Ausstrahlung ihn von einem skeptischen, geistig ruhelosen jungen Mann in einen der großen weltweiten Verbreiter des hinduistischen Vedanta verwandelte. Nach dem Tod seines Meisters 1886 verbrachte Vivekananda mehrere Jahre als wandernder Bettelmönch durch Indien und lernte dabei die extreme Armut und die soziale wie religiöse Vielfalt des Subkontinents aus erster Hand kennen — eine Erfahrung, die seine Überzeugung bestärkte, uneigennütziger Dienst an den Armen (Seva) sei ebenso geistlich gültig wie traditionelle kontemplative Meditation. Sein entscheidender internationaler Durchbruch kam 1893 beim Weltparlament der Religionen in Chicago, wo seine Eröffnungsrede — die mit der Anrede »Schwestern und Brüder Amerikas« begann und mit spontanem Beifall aufgenommen wurde — den Hinduismus erstmals vor einem breiten westlichen Publikum nicht als heidnischen Götzendienst, sondern als eine hochentwickelte, universalistische spirituelle Tradition darstellte, gegründet auf der vedantischen Lehre, dass alle Religionen gültige, einander ergänzende Wege zu einer einzigen letzten Wahrheit seien und dass Göttlichkeit dem Wesen jedes Menschen selbst innewohne. Dieser Erfolg brachte ihn auf eine Vortragsreise durch Amerika und Europa, auf der er systematisch eine philosophisch anspruchsvolle, aber westlichem Publikum zugängliche Fassung des Vedanta darlegte, die Vedanta-Gesellschaft in New York gründete und die Grundlagen für die dauerhafte Verbreitung hinduistischen Denkens im Westen legte. Nach seiner Rückkehr nach Indien gründete Vivekananda 1897 die Ramakrishna-Mission, eine klösterliche und humanitäre Organisation, die zugleich der geistlichen Praxis und dem praktischen sozialen Dienst gewidmet war — Bildung, Gesundheitswesen, Katastrophenhilfe —, eine Synthese aus kontemplativer Spiritualität und aktivem sozialem Engagement, die seinen originellsten und dauerhaftesten philosophischen Beitrag darstellt und die entscheidenden Einfluss auf die spätere Entwicklung des indischen Kulturnationalismus sowie auf die weltweite Rezeption der hinduistischen Philosophie im 20. Jahrhundert ausübte.