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Thomas Reid

Schottischer Philosoph (1710–1796), geboren in Strachan, Aberdeenshire, in eine Familie presbyterianischer Geistlicher, ausgebildet an der Universität Aberdeen, wo er später jahrelang lehrte, bevor er 1764 Adam Smith auf dem Lehrstuhl für Moralphilosophie an der Universität Glasgow nachfolgte, und gemeinhin als Begründer der sogenannten »schottischen Common-Sense-Schule« angesehen, einer philosophischen Strömung, die mehr als ein Jahrhundert lang entscheidenden Einfluss auf die britische wie amerikanische akademische Philosophie ausübte. Sein grundlegendes Werk, Untersuchung über den menschlichen Geist nach den Grundsätzen des gesunden Menschenverstandes (1764), unternahm eine systematische, gründliche Kritik dessen, was Reid die »Theorie der Ideen« nannte, den von Descartes, Locke, Berkeley und vor allem Hume geteilten erkenntnistheoretischen Rahmen, wonach der menschliche Geist nur unmittelbaren Zugang zu seinen eigenen Ideen oder inneren Vorstellungen habe, niemals zu den äußeren Gegenständen selbst — ein Rahmen, der, so Reid, unweigerlich durch einen unerbittlichen logischen Prozess zu Humes radikalem Skeptizismus hinsichtlich der Existenz der Außenwelt, der persönlichen Identität und der Kausalität führe. Dieser skeptischen Entwicklung, die er für philosophisch kohärent, aber existenziell unhaltbar und dem gesunden Menschenverstand jedes vernünftigen Menschen zuwiderlaufend hielt, stellte Reid einen direkten Realismus entgegen: Die Wahrnehmung gebe uns unmittelbaren, nicht erschlossenen Zugang zu den äußeren Gegenständen selbst, nicht zu bloßen mentalen Vorstellungen von ihnen, und dieses grundlegende Vertrauen in die Zuverlässigkeit unserer natürlichen Erkenntnisvermögen — Wahrnehmung, Gedächtnis, Zeugnis, Schlussfolgerung — bilde eine Reihe rational unumgänglicher »erster Grundsätze«, die weder eines weiteren Beweises bedürften noch einen solchen zuließen, und die die Grundlage darstellten, auf der alle spätere philosophische Untersuchung aufzubauen habe, statt von ihr in Frage gestellt zu werden. Reid entwickelte zudem eine einflussreiche Theorie freier moralischer Handlungsfähigkeit, gegründet auf ebendiesem Common-Sense-Realismus, wobei er gegen den Determinismus Hobbes' und anderer argumentierte, unsere unmittelbare Erfahrung der Willensfreiheit sei ebenso ein unbestreitbares Grundprinzip der praktischen Vernunft. Seine Philosophie, obgleich im 19. Jahrhundert vom kantischen und hegelschen Idealismus überschattet, hat in der Gegenwart eine bemerkenswerte philosophische Rehabilitierung erfahren, als unmittelbarer Vorläufer der Erkenntnistheorie des direkten Realismus und des »erkenntnistheoretischen Reformismus« der analytischen Philosophie des 20. Jahrhunderts.

3 Werke