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Gregor I.

Papst und Kirchenlehrer der katholischen Kirche (ca. 540–604), bekannt als Gregor der Große, geboren in Rom in einer senatorischen Familie von großem Reichtum und christlicher Tradition, diente er als Stadtpräfekt, bevor er dem zivilen Leben entsagte, um in seinem eigenen Familienanwesen auf dem Cälius ein Kloster zu gründen und die benediktinische Regel anzunehmen, eine Zeit, die er selbst als die glücklichste seines Lebens in Erinnerung behielt. Als päpstlicher Vertreter nach Konstantinopel entsandt und später nach Rom zurückberufen, wurde er 590 in einem Moment tiefer Krise zum Papst gewählt: Die Stadt war von der Pest verwüstet, langobardische Invasionen bedrohten Italien, und die byzantinische kaiserliche Autorität hatte im Westen drastisch nachgelassen, was Gregor zwang, de facto zivile und militärische Verantwortung zu übernehmen —Verhandlungen mit den Langobarden, die Organisation der Getreideversorgung und die Verwaltung der weitläufigen patrimonialen Besitzungen der Kirche—, wodurch die zeitliche Rolle des Papsttums als lenkende Macht in Rom angesichts des faktischen Fehlens einer kaiserlichen Regierung gefestigt wurde. Gregor gilt dank seines umfangreichen literarischen Schaffens als der letzte der vier großen lateinischen Kirchenlehrer (neben Ambrosius, Hieronymus und Augustinus), insbesondere wegen der Dialoge, einer Sammlung von Leben und Wundern italienischer Heiliger (einschließlich der einflussreichsten Biografie des heiligen Benedikt), der Moralia in Job, eines umfangreichen allegorischen und moralischen Kommentars zum biblischen Buch Ijob, sowie der Regula Pastoralis, eines praktischen Handbuchs für Bischöfe zur geistlichen Leitung der Seelen, das jahrhundertelang einen anhaltenden Einfluss auf den mittelalterlichen Episkopat ausübte. Gregor förderte aktiv die Mission zur Evangelisierung Englands, indem er 597 den Mönch Augustinus von Canterbury entsandte, um die Angelsachsen zu bekehren, ein Unterfangen, das die Grundlagen der mittelalterlichen englischen Kirche legte. Seine Gestalt markiert symbolisch den Übergang von der Spätantike zum lateinischen Mittelalter, und die Tradition schreibt ihm —wahrscheinlich übertrieben, wenn auch nicht ohne Grundlage— eine entscheidende Rolle bei der Systematisierung des später als gregorianischer Choral bekannten liturgischen Gesangs zu.

5 Werke