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Plotin

Griechischsprachiger Philosoph der römischen Zeit (ca. 204–270 n. Chr.), wahrscheinlich in Ägypten geboren, elf Jahre lang in Alexandria beim geheimnisvollen Lehrer Ammonios Sakkas ausgebildet, und der Begründer — obwohl er sich selbst lediglich als treuen Interpreten Platons betrachtete — des Neuplatonismus, jener philosophischen Strömung, die die letzte Phase der antiken Philosophie beherrschen und sowohl das mittelalterliche christliche als auch das islamische und jüdische Denken entscheidend prägen sollte. Er reiste mit dem Heer Kaiser Gordians III. nach Persien und Indien, um östliche Philosophien zu studieren, und ließ sich schließlich in Rom nieder, wo er über zwanzig Jahre lang in einem Kreis lehrte, dem Senatoren und vielleicht Kaiser Gallienus selbst angehörten, der ernsthaft erwog, ein Projekt zur Gründung einer idealen philosophischen Stadt nach platonischen Grundsätzen, »Platonopolis«, zu finanzieren — ein Vorhaben, das letztlich nicht verwirklicht wurde. Bis zum neunundvierzigsten Lebensjahr schrieb er nichts; sein Schüler und Biograph Porphyrios stellte später seine Schriften in sechs Gruppen zu je neun Traktaten zusammen, daher der Name Enneaden (»die Neuner«), unter dem sein Gesamtwerk bekannt ist. Der Kern seines Systems ist die Lehre vom Einen (to Hen), einem absolut einfachen, transzendenten und unaussprechlichen Prinzip jenseits selbst von Sein und Denken, aus dem die gesamte Wirklichkeit in einer Folge abnehmender Vollkommenheitsgrade hervorgeht: zuerst der Intellekt (Nous), in dem die platonischen Ideen wohnen, dann die Seele und schließlich die Materie, am entgegengesetzten Ende der Vollkommenheit. Philosophisches Leben besteht für Plotin in einem umgekehrten Prozess des kontemplativen Aufstiegs von der materiellen Vielheit zur mystischen Vereinigung mit dem Einen — eine Erfahrung, die er selbst mehrmals im Leben erreicht zu haben behauptete —, eine Verschmelzung von metaphysischer Strenge und mystischer Erfahrung, die sowohl die christliche negative Theologie als auch die islamische Sufi-Mystik tiefgreifend prägte.

6 Werke