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Montesquieu

Französischer politischer Philosoph, Jurist und Schriftsteller der Aufklärung (1689–1755), geboren auf Schloss La Brède bei Bordeaux, Präsident des Parlaments von Bordeaux und Mitglied der Académie française, dessen praktische juristische Ausbildung seinem Werk einen unter den politischen Philosophen seiner Zeit seltenen soziologischen Realismus verlieh. Sein erstes großes Werk, die Persischen Briefe (1721), aus Vorsicht anonym veröffentlicht, ist eine brillante Satire der französischen Gesellschaft, gesehen durch die befremdeten Augen zweier imaginärer persischer Reisender, eines der frühesten Beispiele für den Einsatz des »exotischen« Blicks als Strategie der Gesellschaftskritik. Sein Hauptwerk, Vom Geist der Gesetze (1748), Frucht zwanzigjähriger vergleichender Forschung über Gesetze, Sitten, Klimate und Institutionen Dutzender historischer und zeitgenössischer Gesellschaften, begründete das, was man heute vergleichende politische Soziologie nennen würde: Es vertritt, dass die Gesetze einer Gesellschaft nicht abstrakt beurteilt werden dürfen, sondern in Bezug auf ihren »Geist«, das heißt auf die Gesamtheit der physischen Faktoren (Klima, Geografie) und moralischen Faktoren (Religion, Sitten, Handel), die sie prägen. Sein einflussreichster und dauerhaftester Beitrag ist die Gewaltenteilungslehre — Legislative, Exekutive und Judikative —, die er unter besonderer Bewunderung des englischen Verfassungssystems entwickelte und nach der politische Freiheit nur möglich ist, wenn sich diese Gewalten gegenseitig begrenzen und keine von ihnen absolut wird: »Damit man die Macht nicht missbrauchen kann, muss durch die Anordnung der Dinge die Macht der Macht Einhalt gebieten.« Diese Lehre übte einen unmittelbaren und entscheidenden Einfluss auf die Verfasser der US-amerikanischen Verfassung sowie auf praktisch alle nachfolgenden liberalen Verfassungen aus und macht Montesquieu zu einem der unmittelbarsten geistigen Architekten des modernen Konstitutionalismus.

8 Werke