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Voltaire

Französischer Schriftsteller, Historiker und Philosoph der Aufklärung (bürgerlicher Name François-Marie Arouet, 1694–1778), geboren in Paris in eine wohlhabende Bürgerfamilie, von den Jesuiten am renommierten Collège Louis-le-Grand ausgebildet, der nach einer ersten Inhaftierung in der Bastille 1717 wegen satirischer Verse gegen den Regenten das Pseudonym »Voltaire« annahm — der Beginn eines von wiederkehrenden Konflikten mit der Obrigkeit geprägten Lebens, das ihn zu mehreren Exilen führte, darunter einem Aufenthalt in England (1726–1729), dessen Empirismus und Parlamentarismus ihn tief prägten und den er bewundernd in den Philosophischen Briefen (1734) dokumentierte. Als produktiver Autor nahezu aller Gattungen — Tragödie, Epos, Geschichtsschreibung, philosophischer Essay und Korrespondenz, von der Tausende Briefe erhalten sind — beruht sein postumer Ruhm vor allem auf seiner Rolle als unermüdlicher Polemiker und Verteidiger religiöser Toleranz, Meinungsfreiheit und Justizreform, eine Fähigkeit, die er besonders wirksam in seiner Kampagne zur Rehabilitierung des Andenkens von Jean Calas entfaltete, einem Protestanten, der in Toulouse zu Unrecht hingerichtet wurde, weil er angeblich seinen eigenen Sohn ermordet hatte, um dessen Übertritt zum Katholizismus zu verhindern — ein Fall, den er zum symbolischen Sinnbild des Fanatismus und der religiösen Intoleranz im französischen Ancien Régime machte. Sein meistgelesenes Werk, Candide oder der Optimismus (1759), ist ein satirischer philosophischer Roman, der Leibniz' optimistische Philosophie — zusammengefasst in der Lehre, wir lebten in »der besten aller möglichen Welten« — durch die absurden, sich häufenden Missgeschicke seines Protagonisten mit beißendem schwarzem Humor der Lächerlichkeit preisgibt und mit seiner berühmtesten moralischen Maxime endet: »Wir müssen unseren Garten bestellen«, eine Mahnung zu bescheidenem, praktischem Handeln angesichts unfruchtbarer metaphysischer Spekulation. Sein Philosophisches Wörterbuch (1764), gegliedert als Reihe kurzer, scharfsinniger Einträge zu theologischen, politischen und moralischen Themen, verkörpert seinen ätzenden Stil und seinen kritischen Deismus, der sich sowohl gegen den Atheismus als auch gegen kirchlichen Dogmatismus richtet. Schon zu Lebzeiten als einflussreichste intellektuelle Gestalt Europas angesehen, macht ihn sein Kampf gegen die »Infamie« — sein Begriff für institutionalisierten Fanatismus und Aberglauben — zu einem der geistigen Väter des Antiklerikalismus und des modernen Laizismus.

21 Werke

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