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Al-Ghazali

Persischer Theologe, Jurist, Mystiker und Philosoph (1058–1111), eine entscheidende Gestalt des sunnitischen Islam, ausgebildet in Nischapur und schon jung zum Professor an der angesehenen Nizamiyya-Madrasa in Bagdad ernannt, ein Amt, von dem aus er enormes intellektuelles und politisches Ansehen erlangte, bevor er um 1095 eine tiefe spirituelle und erkenntnistheoretische Krise erlitt, die ihn dazu bewog, alles aufzugeben und Jahre eines umherziehenden asketischen Lebens zu führen. Sein einflussreichstes Werk, Die Inkohärenz der Philosophen (Tahafut al-Falasifa), stellt einen systematischen und logisch strengen Angriff auf die rationalistischen Philosophen der aristotelisch-neuplatonischen Tradition des Islam dar, insbesondere auf Avicenna und al-Farabi, denen er zwanzig irrige Lehrsätze vorwirft, drei davon von schwerem Unglauben — die Leugnung der leiblichen Auferstehung, die Leugnung göttlichen Wissens vom Einzelnen und die Behauptung der Ewigkeit der Welt —, ein Schlag, der den weiteren Verlauf der islamischen Falsafa jahrhundertelang tiefgreifend prägte. Paradoxerweise beherrschte al-Ghazali die aristotelische Logik vollkommen und nutzte sie mit großem Geschick, um die Philosophen selbst zu demontieren, während er auf anderer Ebene vertrat, dass letzte Gewissheit nicht durch diskursive Vernunft, sondern durch unmittelbare mystische Erfahrung (dhawq, „geistliches Kosten“) erreicht werde — eine Überzeugung, die er mit autobiographischer Intensität in Der Erretter aus dem Irrtum darlegte. Sein Hauptwerk, Die Wiederbelebung der religiösen Wissenschaften (Ihya' 'ulum al-din), ist eine monumentale Summa, die sufische Spiritualität in die sunnitische Orthodoxie zu reintegrieren sucht und zugleich eine detaillierte Anleitung für das praktische, ethische und andächtige Leben des Muslims bietet. Von vielen als der nach Mohammed einflussreichste Mann des Islam betrachtet, erhielt er den Ehrentitel Hujjat al-Islam, „der Beweis des Islam“.

19 Werke

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