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Cicero

Römischer Redner, Staatsmann, Anwalt und Philosoph (106–43 v. Chr.), geboren in Arpinum in eine Familie ritterlichen Standes ohne senatorische Vorfahren, was ihn zu einem homo novus machte, der sich seinen politischen Weg allein durch rednerisches und juristisches Talent bahnen musste, bis er 63 v. Chr. das Konsulat erreichte, das höchste Amt der Republik — jenes Jahr, in dem er die bekannte Catilinarische Verschwörung niederschlug. Als bedeutendster Vertreter der klassischen lateinischen Prosa und über Jahrhunderte hinweg stilistisches Referenzmodell für die gesamte spätere europäische Rhetorik geltend, pflegte Cicero mit gleicher Meisterschaft politische und gerichtliche Redekunst — seine Catilinarischen Reden und die Philippischen Reden gegen Marcus Antonius sind berühmte Beispiele — sowie ein umfangreiches Korpus philosophischer Werke, größtenteils in seiner späten Reife verfasst, nachdem er sich vorübergehend aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen hatte. Sein bleibendster philosophischer Beitrag liegt weniger in spekulativer Originalität — Cicero betrachtete sich selbst, und wurde oft so beurteilt, eher als eklektischen Popularisator und Übersetzer griechischen Denkens denn als schöpferischen Philosophen — als vielmehr in seiner entscheidenden Leistung, im Lateinischen ein technisches philosophisches Vokabular zu schaffen, das die Begriffe der Stoa, des Epikureismus, der skeptischen Akademie und des Peripatetismus präzise auszudrücken vermochte, ohne das die spätere lateinische und mittelalterliche Rezeption der griechischen Philosophie praktisch unmöglich gewesen wäre. Werke wie Über den Staat und Über die Gesetze entwickeln seine politische Theorie, die sich um das Ideal einer gemischten Verfassung und die Existenz eines universalen, der menschlichen Vernunft zugänglichen Naturrechts dreht; De officiis (Über die Pflichten), als ethisches Vermächtnis für seinen Sohn verfasst, legt eine praktische, stoisch geprägte Morallehre dar, die bis weit in die frühe Neuzeit hinein einen immensen Einfluss auf das westliche ethische Denken ausübte. Nach der Ermordung Caesars von den Triumvirn verfolgt und schließlich hingerichtet, vor allem wegen seiner rhetorischen Angriffe auf Marcus Antonius, wurde Cicero seit der Antike zu einem Vorbild sowohl republikanischer bürgerlicher Tugend als auch eleganter Prosa, und sein Einfluss, kraftvoll wiederentdeckt durch den frühen italienischen Humanismus der Renaissance, bleibt zentral für die Geschichte der westlichen Rhetorik, des Rechts und der politischen Philosophie.

42 Werke

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